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Bilinguales Leben: Gute Sprachen, schlechte Sprachen?
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Zweisprachigkeit sollte in einer globalisierten Welt kein Makel sein. Wer aber in Deutschland aufwächst und neben Deutsch noch Türkisch oder Polnisch spricht, muss mit Diskriminierung rechnen.

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Phil2302 27.11.2018, 16:58
1. Zweisprachig!

Nicht einsprachig ohne die deutsche Sprache! Das ist der Unterschied: "Es ist überhaupt kein Problem, wenn Kinder, die in Deutschland zur Schule gehen, zu Hause nicht Deutsch sprechen. " Also ich kenne genau zwei Freunde, die ihr Kind zweisprachig erziehen (vietnamesisch und türkisch) und bei beiden spricht ein Elternteil nur deutsch und das andere nur die Fremdsprache. Also wächst das Kind zweisprachig auf und kann in der Schule dem Unterricht folgen. Sprechen aber beide Elternteile kein deutsch mit dem Kind, und der einzige Kontakt mit der deutschen Sprache erfolgt im Kindergarten oder der Schule, dann kann das Kind nicht dem Unterricht folgen, also ist das ein Problem. Case closed, diese Woche war das ja einfach.

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andreasbln 27.11.2018, 17:04
2. Tja Lehrerfreunde sprechen von anderer Realität

Verbote sind natürlich quatsch. Aber ich kenne es von Lehrerfreunden, die schon vor - ach 20 Jahren - darüber klagten, dass gerade Erstklässler und überhaupt Grundschüler insbesondere mit türkischem Migrationshintergrund sprachlich nicht hinterherkommen, wenn außer der Schule alles auf türkisch abläuft. Das gelernte Deutsch wird über die Sommerferien wieder vergessen. Also liegt die Wahrheit doch irgendwo dazwischen. Niemand sollte sein Zweisprachigkeit verleugnen, aber doch sollten insbesondere die Eltern aufpassen, dass die deutsche Sprache auf dem Stand ist. Nicht weil Deutsch so toll ist, sondern weil es die Sprache ihrer gesellschaftlichen und beruflichen Zukunft und damit maßgebnlich über ihre sozialen Chancen entscheidet. Mir persönlich fällt auf, dass oft Menschen mit Migrationshintergrund meiner Babyboomergeneration sehr gutes Deutsch sprechen, Nativspeakerlevel, auch wenn sie hier nicht geboren wurden, deutliche Jüngere aber, die hier geboren sind nur einen eingeschränkte Wortschatz und kein akzentfreies Deutsch sprachen. Fatale Entwicklung. Nochmal es geht nicht darum, dass deutsch irgendwie toller ist als türkisch oder polnisch. Aber wir sind nunmal hier und Sprache ist der Schlüssel für alles. Wer es schafft dabei, seine Muttersprache bzw. die Sprache der Eltern zu pflegen. Super.

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Anton Dvorak 27.11.2018, 17:10
3. mal wieder mal ein Griff ins Klo Magarete...

Nicht "wer in Deutschland aufwächst und neben Deutsch noch Türkisch oder Polnisch spricht muss mit Diskriminierung rechnen" sondern wer KEIN Deutsch spricht kann nicht am Gesellschaftsleben teilhaben! Die zweit, dritt und x-Sprache ist hierbei völlig (!) irrelevant. Das gilt sowohl für den Schulerfolg als auch fürs Arbeitsleben. Die Frage ist eher, warum bestimmte Herkunftsgruppen scheinbar größere Schwierigkeiten haben Deutsch zu lernen (Türken) als andere (z.B. Vietnamesen). Das könnten Sie vielleicht mal dem Leser beantworten als monoton die "Schuld" bei einer fragwürdigen und völlig inkohärenten "Diskriminierung" zu suchen.
(Bin Grieche btw.)

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csm101 27.11.2018, 17:13
4. Wieder was mißverstanden

Die Schulleiterin hat bemängelt, dass nur 1 von 103 Kindern Deutsch spricht und wollte damit auf die jetzt schon vorprogrammierten Nachteile hinweisen. Denn die meisten Kinder haben bis dahin kaum Deutsch gesprochen und sollen plötzlich an einem deutschsprachigem Unterricht teilnehmen. Das ist im deutschen Unterrichtssystem aber ein Nachteil. So werden Kinder zu Verlierern gemacht. Bilingualität hin oder her.

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h3li05exe 27.11.2018, 17:13
5. Lesen und Schreiben lernen ohne Deutschkenntnisse?

"Es ist überhaupt kein Problem, wenn Kinder, die in Deutschland zur Schule gehen, zu Hause nicht Deutsch sprechen."

Das sieht die Forschung aber klar anders. Das hätte die Professorin für Deutschdidaktik auf Nachfrage sicher auch erläutert. Der Erstunterricht der Grundschule ist geprägt von Übungen zur phonologischen Bewusstheit, die das Erstlesen anbahnen sollen. Dafür brauchen die Kinder einen ausreichenden Wortschatz im Deutschen, sie brauchen eine Vertrautheit mit deutscher Intonation und deutscher Grammatik.

Mehrsprachigkeit kann ein unschätzbarer Vorteil sein, wenn die Kinder beide Sprachen auf einem guten Niveau sprechen. In den Brennpunktschulen sieht es jedoch anders aus. Die Kinder haben nur unzureichende Erfahrungen mit dem deutschen, sodass man für sie wohl direkt ein Schuljahr anhängen müsste, um diese fehlenden Vorerfahrungen, auf die die anderen Kinder zurückgreifen können, auszugleichen. Ohne ausreichende Deutschkenntnisse kann das Lesen- und Schreibenlernen nicht gelingen. Das ist didaktischer Fakt.

Natürlich haben Sie streng genommen Recht: Es ist kein Problem, wenn die Kinder zu Hause nicht Deutsch sprechen. Es ist aber ein Problem, wenn diese Kinder nicht Deutsch lernen. Wo lernen die Kinder vor Schuleintritt Deutsch, wenn nicht im Elternhaus? Der Kindergarten, der nicht mal verpflichtend ist (Kinder mit Migrationshintergrund besuchen signifikant häufiger als deutschstämmige Kinder KEINEN Kindergarten), kann das nicht ausgleichen.

Die Unterrichtssprache in Deutschland ist Deutsch. In dieser Sprache lernen die Kinder Lesen und Schreiben. So lange Sie also nicht wollen, dass die Kinder je nach Herkunft getrennten Erstunterricht in ihrer Heimatsprache haben (wäre nicht besonders inklusiv), müssen wir dafür sorgen, dass sich die Kinder vor Schuleintritt ausreichende Deutschkenntnisse aneignen.

Respekt für andere kulturelle und sprachliche Hintergründe ist wichtig, aber wir können nicht didaktische Notwendigkeiten ignorieren, weil sie uns nicht gefallen.

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D. aus E. 27.11.2018, 17:14
6. Businesssprache

Sehe ich zunächst ähnlich. Es gibt Fremdsprachen (aus deutscher Sicht), die toll sind, andere sind bäh. Das richtet sich danach, wie gut eine Sprache im Business zu verwenden ist. Englisch, Chinesisch, Spanisch oder Japanisch sind toll, weil das unsere Businesspartner sprechen. Mit diesen Sprachen lässt sich gut Kohle machen.
Aber Sprachen aus den Ländern, aus denen Flüchtlinge kommen, lassen sich nicht gut monetarisieren. Arabisch ist vielleicht noch nützlich, Paschtu oder Urdu wird man im Geschäftsleben beispielsweise kaum brauchen. Wenn Dein Land in der Weltwirtschaft nicht gerade führend ist, dann hast Du mit Deiner Sprache Pech.

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patras 27.11.2018, 17:14
7. Danke

für den guten Kommentar. Meine Kinder sind ebenfalls bilungual aufgewachsen. Wir haben im Ausland gelebt und ich habe zu Hause mit den Kindern nur Deutsch gesprochen, der Vater in seiner Muttersprache. Aber es ist eben nicht nur die Sprache, es gehört die gesamte Kultur dazu. So sind meine Kinder heute als Erwachsene bikulturell und auch ihre Kinder wachsen in Deutschland, wo sie inzwischen leben, ebenfalls bikulturell auf. Eine ungeheure Bereicherung.In der Schule gab es überhaupt keine Probleme,das ist ziemlicher Schwachsinn, der so etwas behautet. Es sind tolerante Menschen herangewachsen, die sich überall schnell zurecht finden. Wäre es mit verwehrt worden, meine Sprache und meine Kultur an meine Kinder weiterzugeben, das wäre für alle ein großer Verlust gewesen. Und das gilt für alle Sprachen und alle Kulturen, die unterschiedliche Wertung, welche Sprache als kulturelle Bereicherung angesehen wird und welche nicht, ist für mich ein Ausdruck von verstecktem Rassismus.

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sandmann888 27.11.2018, 17:18
8. Zweisprachigkeit oder Keine-Sprachigkeit

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Frau Stokowski an der Realität vorbeischaut. Zweisprachigkeit ist eine gute Sache, egal ob die zweite Sprache neben Deutsch Türkisch, Arabisch oder eine andere Sprache ist.
Leider erleben wir, dass die Kinder, die mit den genannten Sprachen unsere Schulen bevölkern zu einem hohen Anteil weder die noch die andere Sprache wirklich beherrschen - wobei ich das für Türkisch oder Arabisch unterstelle. Daher dann auch die Ablehnung.
Wieso haben andere Kinder, die auch mit einer Zweitsprache aufwachsen, z. B. Chinesisch, Japanisch, Koreanisch oder Indisch damit keine Probleme? Mein Sohn wächst zweisprachig auf - neben Deutsch noch mit Chinesisch. Er geht auch seit seinem 4 Lebensjahr auf eine chinesische Schule. Er hat keine Probleme mit Deutsch - zugegeben, sein Chinesisch könnte besser sein, aber zum fließend und korrekt Sprechen reicht es schon. Und mein Sohn ist da keine Ausnahme - wo immer man (bzw. ich) auf Kinder aus den genannten Regionen trifft, wird man (ich) feststellen, dass diese Deutsch sprechen wie jedes andere "rein deutsch" aufgewachsene Kind auch und das auch unabhängig davon, ob sie Mischeltern haben oder nicht.
Und ich wage jetzt einmal zu behaupten, dass dies nicht mit irgendwelchen Bildungseinrichtungen zu tun hat, die sind erst recht nicht auf diese Sprachen vorbereitet. Ich sehe da eher die Verdienste der Elternhäuser, die Wert darauf legen, dass neben der eigenen Identitätssprachen eben auch das Deutsche hier in Deutschland den Raum einnimmt, der ihm gebührt.
Und das ist keine Frage der Klasse - ob reich oder ärmer, ich kann da zumindest keinen Unterschied feststellen im Gegensatz zu Kindern aus den hier lebenden türkisch/arabischen Gesellschaften - Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel.

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gatsue 27.11.2018, 17:18
9. Hmm

wohl bischen weit hergeholt der Aufhänger. Aber was solls, Haupsache Werbung für das neue Buch ist drin. Meine Kinder wachsen zweisprachig auf und das ist ausschließlich ein Bonus. Das Neu-Kölner Problem (wo ich gerne wohne) ist ein ganz anderes. Aber was solls, Hauptsache.....

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