Forum: Kultur
Bilinguales Leben: Gute Sprachen, schlechte Sprachen?
DPA

Zweisprachigkeit sollte in einer globalisierten Welt kein Makel sein. Wer aber in Deutschland aufwächst und neben Deutsch noch Türkisch oder Polnisch spricht, muss mit Diskriminierung rechnen.

Seite 5 von 18
im_ernst_56 27.11.2018, 19:31
40.

Zitat von wernik
Nachdem viele Kommentare hier damit argumentieren, es käme nicht auf die Zweit- und Drittsprachen an, sondern darauf, ob Zuhause auch Deutsch gesprochen werde, würde ich gerne mal die Gegenmeinung aus eigener Erfahrung vertreten. Ich bin selbst in Frankreich aufgewachsen, hatte jedoch deutsche Eltern, die auch beide Zuhause ausschließlich Deutsch mit mir gesprochen haben. Französisch habe ich entsprechend nur durch Kita, Kindergarten und Schule bzw. mein französischsprachiges Umfeld gelernt, ohne das je im familiären Umkreis zu sprechen. Fazit: Mein Französisch ist deutlich besser als mein Deutsch, da ich es häufiger gesprochen habe und mein ganzer Bildungsweg in der Sprache verlief. Entsprechend konnte ich sehr gutes französisches Abi machen und habe auch in Frankreich arbeiten können. Es ist also aus meiner Sicht überhaupt kein Problem, wenn Zuhause nicht die Landessprache gesprochen wird. Wichtig sind dagegen folgende Faktoren: Ein breites Angebot an Kitas und Kindergärten, die damit umgehen können, Kindern die Landessprache beizubringen, und im Idealfall ein Umfeld, in dem die Landessprache häufig gesprochen wird, beispielsweise durch Vereine. Man sollte die Spracherwerbsfähigkeiten von Kindern nicht unterschätzen.
Jedes Kind ist anders. Folgende Geschichte aus dem Einwanderungsland Kanada: Die Eltern Deutsche, Anfang der 1950er aus der DDR ausgewandert in eine Kleinstadt in Saskatchewan. Sie konnten kein Englisch, zuhause wurde nur Deutsch gesprochen. Von den vier Töchtern hatten drei mit der Zweisprachigkeit keine Probleme, die jüngste kam damit nicht klar. Sie hat dann mit fünf Jahren für sich entschieden, nur Englisch zu sprechen. Sie versteht leidlich Deutsch, spricht es aber nicht. Bei den anderen sind die Deutschkenntnisse im Laufe der Zeit natürlich auch verblasst. Deren Kinder sprechen natürlich alle kein Deutsch mehr, trotz deutschem Kindergarten. Warum auch?

Beitrag melden
NewYork76 27.11.2018, 19:34
41. Nein, so funktioniert das nicht

Als Vater von zwei 3-Sprachigen Kindern erlaube ich mir hier eine Meinung:

Bilinguale Kinder werden sicher nicht diskriminiert solange eine der beiden Sprachen die Landessprache ist. Wenn ein Kind ohne Deutschkenntnisse in einen deutschen Kindergarten kommt, so kann es unter Umstaenden ausreichende Deutschkenntisse fuer den Schulbesuch erwerben. Aber spaeter wird es schwierig wenn das Deutsch Lernen nicht von den Eltern gefoerdert und gefordert wird. Das wird Ihnen jeder Lehrer, Schulpaedagoge und Linguistikexperte bestaetigen.

Wie unterschiedlich der "Wert" der Deutschen Sprache von unterschiedlichen Kulturen beurteilt wird, lasse ich hier mal aussen vor.

Es geht - wie schon von anderen Foristen geschrieben - nicht darum, dass es "gute" und "schlechte" Zweitsprachen gibt. Es geht darum, dass eine Nicht-Deutsche Muttersprache ohne ausreichende Deutschkenntisse zu Problemen fuehrt.
Das gilt fuer die polnischen Kinder, die kaum Deutsch sprechen genauso wie fuer die amerikanischen Kinder, oder chinesischen, franzoesischen, spanischen, griechischen etc.pp.

Beitrag melden
t.mahony 27.11.2018, 19:38
42. Subjektive Eindrücke vs. empirische Ergebnisse

Frau Stokowski schildert ihre Erfahrungen und ihre daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen. Darüber hinaus zitiert sie Beispiele und Aussagen, die ihre Einstellung zu dem Thema stützen. Nun gut, im Rahmen einer Kolumne ist diese subjektive Herangehensweise an ein Thema zulässig.
Leider vermischt sie zwei Themen, die getrennt betrachtet werden sollten: es handelt sich zum einen um die Nützlichkeit der Beherrschung einer (oder mehrerer) weiteren Sprachen und zum anderen äußert sie sich über die Deutschkenntnisse von in Deutschland ansässigen Bürgern. Die Meinung, die Frau Stokowski aus der Gemengelage der Themen extrahiert, wird weder dem einen noch dem anderen Thema gerecht.
Angesichts der gesellschaftlichen Bedeutung beider Themen wäre eine sorgfältige und faktengestützte Analyse sicherlich wünschenswerter als die Beschreibung einiger subjektiver Eindrücke und einiger Schnellschuss-Schlußfolgerungen der Autorin des Artikels.
Zu guter letzt stellt sich mir die Frage: was will Frau Stokowski mit dieser Kolumne erreichen? Abgesehen davon, dass sie damit ihr Einkommen verbessert, drängt sich mir keine Antwort auf diese Frage auf.

Beitrag melden
trader_07 27.11.2018, 19:54
43.

Frau Stokowski, ich kann dieser Kolumne in keiner Weise zustimmen. Ich habe in meinem engeren Freundeskreis gleich vier Leute, die zweisprachig aufgewachsen sind. Einer deutsch/(amerikanisches) englisch, eine deutsch/spanisch, einer deutsch/türkisch.

Und zu guter Letzt meine Frau, gebürtige Italienerin, seit dem 6. Lebensjahr in Deutschland aufgewachsen. Die spricht deutsch als Muttersprache absolut akzentfrei und italienisch ebenfalls auch perfekt (aber mit ein bisschen bayrischem Akzent, wie bei unseren vielen Italien-Aufenthalten hin und wieder von Einheimischen humorvoll angemerkt wird).

Von allen vier Personen kann ich Ihnen aus in der Vergangenheit geführten Gesprächen mit Bestimmtheit sagen, dass sie es als Bereicherung empfinden, zweisprachig aufgewachsen zu sein.

Beitrag melden
Grünspahn 27.11.2018, 19:55
44.

Ich verstehe ehrlich gesagt das Problem der Autorin nicht. Ich habe in meinem Freundeskreis Türken, Rumänen und Italiener. Alle sprechen zu mindest gut deutsch, meist sogar ein Deutsch auf Muttersprachlerniveau. Sie alle haben weder im privaten noch im beruflichen Umfeld durch ihre Zweisprachigkeit (eher 3 oder 4 Sprachen, da neben Englisch meist noch eine weitere Fremdsprache hinzu kommt) Nachteile. Eher im Gegenteil, da die Muttersprache oft im Beruf eine Sonderstellung ermöglicht. Welcher Deutsche lernt schon Rumänisch oder Türkisch? Kann es sein, dass die Autorin ihre eigenen, eventuell sogar für sie traumatischen, Erlebnisse nur verallgemeinert? Einem höheren Bildungsabschluss steht eine andere Muttersprache nicht entgegen, es sind eher manchmal die Elternhäuser, die die Landessprache als unwichtig definieren. Wo dies nicht der Fall ist haben die Kinder auch beruflich gute Chancen - ich kenne viel Beispiele im beruflichen als auch privaten Umfeld.

Beitrag melden
remixbeb 27.11.2018, 20:01
45. ich muss

Ich muss da leider vielen Mit-Foristen recht geben. Der Artikel macht es sich zu einfach, plakativ auf die "richtigen und falschen" Sprachen zu blicken. Selbstverständlich ist Bilingualität etwas tolles. Gibt auch genug Studien dazu. Und dabei ist es egal, welche Sprache es ist. Problematisch wird es allerdings, wenn keine der beiden Sprachen korrekt erlernt wird. Und das ist, wie hier schon oft genug erwähnt wurde, ein Problem in den Familien. Man macht es sich aber zu einfach, wenn man das an den Herkunftsländern festmacht. Viel mehr hat das mit dem Bildungsgrad der Eltern zu tun.

Beitrag melden
lauras1986 27.11.2018, 20:02
46. Zweisprachige Analfabeten

Ich habe selbst einen Migrationshintergrund und viele meiner Freunde habe türkische und polnische Wurzeln. Im Gegensatz zur Autorin haben sie jedoch keine Minderwertigkeitskomplexe und stattdessen ein positives Verhältnis zu ihren Wurzeln. Viele erziehen ihre Kinder zweisprachig, so dass sie beide Sprachen gut beherrschen, was von den Lehrern und dem gesamten Umfeld gewürdigt wird. Problematisch ist es dagegen, wenn die Eltern selbst gar keine Hochsprache sprechen und sich nur in gebrochenem Deutsch oder in einem Dialekt aus ihrem Heimatland mit ihren Kindern unterhalten, wodurch diese letztendlich zu zweisprachigen Analfabeten werden. Diese beherrschen dann keine der beiden Sprachen und werden in keinem der beiden Ländern auf dem Arbeitsmarkt große Chancen haben. Dieses Phänomen sollte man thematisieren dürfen...

Beitrag melden
deltametro2 27.11.2018, 20:04
47. Europa

Natürlich muss man Deutsch können wenn man in Deutschland
(bzw. Österreich, oder in Zürich) lebt. Aber ansonsten ist Deutsch, wie z.B auch Italienisch, abgesehen von seiner kulturellen Bedeutung, keine besonders nützliche Sprache im praktischen und beruflichen Leben weltweit. Heutzutage langt es wenn man Englisch spricht und als Bonus dazu noch Spanisch oder Mandarin. Persönlich mehrsprachig aufgewachsen (deutsch, französisch, englisch, italienisch) bedaure ich dass es keine gemeinsame europäische Sprache (z.B Englisch, ob man es mag oder nicht) gibt die in allen Ländern der Union in der Grundschule bindend auf dem Programm steht.

Beitrag melden
n.schutta 27.11.2018, 20:08
48. Was für ein Unsinn

Zitat von patras
für den guten Kommentar. Meine Kinder sind ebenfalls bilungual aufgewachsen. Wir haben im Ausland gelebt und ich habe zu Hause mit den Kindern nur Deutsch gesprochen, der Vater in seiner Muttersprache. Aber es ist eben nicht nur die Sprache, es gehört die gesamte Kultur dazu. So sind meine Kinder heute als Erwachsene bikulturell und auch ihre Kinder wachsen in Deutschland, wo sie inzwischen leben, ebenfalls bikulturell auf. Eine ungeheure Bereicherung.In der Schule gab es überhaupt keine Probleme,das ist ziemlicher Schwachsinn, der so etwas behautet. Es sind tolerante Menschen herangewachsen, die sich überall schnell zurecht finden. Wäre es mit verwehrt worden, meine Sprache und meine Kultur an meine Kinder weiterzugeben, das wäre für alle ein großer Verlust gewesen. Und das gilt für alle Sprachen und alle Kulturen, die unterschiedliche Wertung, welche Sprache als kulturelle Bereicherung angesehen wird und welche nicht, ist für mich ein Ausdruck von verstecktem Rassismus.
Moin,
So ein Quatsch. Bilingual ist klasse aber das ist ja hier nicht der Fall, die Kinder lernen doch erst in der Schule Deutsch und das ist das Fatale. Sie haben da sicherlich privilegiert im Ausland gelebt, gebildete Eltern die beide (!) Kulturen und Sprachen vermitteln.
Daß bei binationalen der jeweilige Elternteil in seiner Muttersprache spricht ist genau der richtige Weg. Kleine Kinder können die Sprachen noch nicht unterscheiden, sie machen das noch an Personen fest. Das soll dann die Sprachentwicklung nur etwa 6 Monate verzögern und Zack - zwei Muttersprachen.
Hier geht es aber um Kinder, die eben erst in der Schule Deutsch lernen und das ist natürlich schwierig, wenn zuhause keinerlei Deutsch gesprochen wird.
Dazu ist es nunmal so, daß man später mit Polnisch, Türkisch oder Arabisch herzlich wenig anfangen kann. Mit Spanisch oder Chinesisch als zweiter Muttersprache ist man aber fast automatisch auf der Gewinnerseite.
Und es müssen beide Sprachen als Muttersprachen vermittelt werden. Bei vielen Kindern ist es aber so, als wenn sie bis zur Einschulung in der arabischen Welt oder der Türkei aufgewachsen wären. Da ist doch mit 6 Jahren schon die Chance auf ein Studium im Schnitt halbiert.

Beitrag melden
fareast 27.11.2018, 20:14
49. Sie haben recht,

dass es egal ist, welche Sprache zuhause gesprochen wird, wenn die Kinder on der Schule Deutsch sprechen (koennen). Das ist aber wohl nicht immer der Fall. Bei uns zuhause wird Deutsch gesprochen und mein Sohn hat trotzdem englisch gelernt.

Uebrigens, dass Ihre Schilderungen fuer das Jahr 1988 zutreffen, bezweifle ich nicht, Sie sollten aber mal einen Blick in den Kalender werfen. Wir haben 2018.

Beitrag melden
Seite 5 von 18
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!