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Bilinguales Leben: Gute Sprachen, schlechte Sprachen?
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Zweisprachigkeit sollte in einer globalisierten Welt kein Makel sein. Wer aber in Deutschland aufwächst und neben Deutsch noch Türkisch oder Polnisch spricht, muss mit Diskriminierung rechnen.

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vetris_molaud 28.11.2018, 06:29
80.

Ideologie contra Realität: alles, was nicht-deutsch ist, wird mit hysterischer Begeisterung bejubelt, Buntheit zur gesellschaftlichen Hypernorm erklärt. Wie man zu Staat und Gesellschaft steht ist irrelevant, die Landessprache ist eine nicht-wegdiskutierbare Realität. Sie hindert Menschen fremder Herkunft effektiv daran, an der Gesellschaft teilzunehmen, ihre Rechte kennenzulernen und einzufordern. Besonders dramatisch wirkt sich dieses Sprachdefizit übrigens auf Mädchen und Frauen aus, die ohne Deutschkenntnisse effektiver gemäß archaischer Traditionen in den Wohnungen isoliert werden können. Hier wäre für die Autorin ein real existierendes Problem, welches sie mit Engagement und Energie angehen könnte, ohne die Leserschaft mit Belanglosigkeiten zu langweilen. Wenn es da bloß nicht zu Dogmen-Kollisionen kommen würde ...

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finchen0598 28.11.2018, 07:14
81. Erfahrungen

Ich kenne eine Familie wo der Vater marokkanischer und die Mutter pakistanischer Herkunft ist. Familiensprache ist akzentfreies deutsch. Zusätzlich lernen die Kinder quasi "nebenbei" noch beide Muttersprachen.
Ich finde das richtig gut, weil es den Kindern eine breite Basis gibt, die dan noch durch die Fremdsprachen an der Schule erweitert werden.
Allerdings habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass bei Elternabenden in der Schule manche eltern ihre Kinder mitbrachten, um in beide Richtungen zu übersetzen. Das war in dem Moment zwar gut, damit die eltern auch was mitbekommen haben und sich mitteilen konnten, aber diese Kinder hatten es viel schwerer als andere, weil kein Elternteil in der Lage war bei den Hausaufgaben zu unterstützen.
Ich stimme Frau Stokowski zu, dass Bilingualität immer gut ist, egal welche Sprache man spricht und es keine schlechten Sprachen gibt. Wenn die Voraussetzungen für Kinder so sind, wie es die Autorin es für ihre eigene Kindheit beschreibt (Deutsch und Polnisch zu Hause), gibt es sprachlich keine Hindernisse für den eigenen beruflichen Weg.
Ziel muss es doch sein, dass Kinder neben ihrer Muttersprache in die Lage versetzt werden Deutsch als "zweite" Muttersprache zu erlernen. Dazu braucht man Personal, guten Willen und viel Kommunikation mit allen Beteiligten. Das ist ein Aufwand der sich, und da bin mir sicher, auf lange Sicht lohnen wird.

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grabenkaempfer 28.11.2018, 07:31
82.

" Es ist nur ein Problem, wenn die Bildungseinrichtungen, in die sie gehen, sich nicht darauf einstellen können, dass in Deutschland Menschen verschiedener Herkunft leben." völlig falsch, aber was soll man inzwischen auch erwarten. Der ganze Artikel besteht nur aus Gejammer darüber das man sich erdreistet in Deutschland deutsch sprechen zu wollen. Aber vielleicht kann sich Frau Stokowski ja nur nicht vorstellen wie es ist, als einziger nicht türkisch zu können und nicht zu wissen ob die Mitschüler sich über einen lustig machen oder nicht....

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mister420 28.11.2018, 07:32
83. aha

Die Oma sagte ständig "pssst", aber die Konsequenz für Frau S. ist die Schuld der Deutschen Gesellschaft in die Schuhe zu schieben. Interessant.

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norgejenta 28.11.2018, 07:32
84. Versteht die Frau eigentlich überhaupt was?

Die Leute können doch zu Hause reden was sie wollen. Nur wenn ich in einer deutschen Schule bin, kann ich erwarten das deutsch gesprochen und gelehrt wird. Ich denke dass das ist in Polen, in Frankreich, Russland oder Schweden dasselbe sein wird, wenn es sich nicht um eine internationale Schule handelt. Wenn allerdings jetzt ein deutsches Kind in eine vermeintliche deutsche Schule geht und feststellt, dass sie das einzige Kind ist, dass dieser Sprache mächtig ist, würd ich mich auch nicht so wohlfühlen als Kind. Professor hin oder Professor her...

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zeisig 28.11.2018, 07:50
85. Im Gegenteil.

Diskriminierung? Im Gegenteil: Ich bewundere immer die Menschen, die zwei Sprachen fließend sprechen, und das auch noch unabhängig von der Schulbildung. Da hat Frau Stokowski mal wieder ein Problem gefunden, das keines ist.

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vulcan 28.11.2018, 07:54
86.

Zitat von patras
für den guten Kommentar. Meine Kinder sind ebenfalls bilungual aufgewachsen. Wir haben im Ausland gelebt und ich habe zu Hause mit den Kindern nur Deutsch gesprochen, der Vater in seiner Muttersprache. Aber es ist eben nicht nur die Sprache, es gehört die gesamte Kultur dazu. So sind meine Kinder heute als Erwachsene bikulturell und auch ihre Kinder wachsen in Deutschland, wo sie inzwischen leben, ebenfalls bikulturell auf. Eine ungeheure Bereicherung.In der Schule gab es überhaupt keine Probleme,das ist ziemlicher Schwachsinn, der so etwas behautet. Es sind tolerante Menschen herangewachsen, die sich überall schnell zurecht finden. Wäre es mit verwehrt worden, meine Sprache und meine Kultur an meine Kinder weiterzugeben, das wäre für alle ein großer Verlust gewesen. Und das gilt für alle Sprachen und alle Kulturen, die unterschiedliche Wertung, welche Sprache als kulturelle Bereicherung angesehen wird und welche nicht, ist für mich ein Ausdruck von verstecktem Rassismus.
Ich glaub', Sie haben es nicht so ganz verstanden - es ist natürlich kein Problem, wenn Kinder zwei- oder mehrsprachig aufwachsen - so wie Ihre Vorzeigekinder. Die Probleme fangen da an, wo die Sprache Deutsch ins Hintertreffen gerät; das ist doch völlig klar. Wäre in jedem Land so.
Wenn also das Deutsch eines Schulkindes auf dem jeweils normalen Level liegt, ist es auch kein Problem, wenn das Kind nebenbei noch eine andere Sprache (egal welche) lernt/spricht. Auch nicht bei Polnisch; die 'Probleme', die Frau S. hier sieht, sind wohl angesichts ihrer Kindheitsbeschreibungen eher hausgemacht.

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tororosoba 28.11.2018, 08:14
87. Jetzt mal eine Frage, Frau Stokowski

Wurde Ihnen von jemanden außerhalb Ihrer Familie zu verstehen gegeben, dass Polnisch minderwertig oder sonstwie schlecht sei? Ernten Sie schräge Blicke, wenn Sie in der Öffentlichkeit polnisch sprechen? Oder war die Verleugnung Ihrer Muttersprache doch nur vorauseilender Gehorsam Ihrer Eltern und Großeltern und wäre gar nicht nötig gewesen?

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flacher Ball 28.11.2018, 08:54
88. Fragen an die Autorin

Sehr geehrte Frau Stokowski,

als eher konservativer Bürger lese ich gerne regelmäßig den Spiegel um mir die Meinungen der linken Seite des bürgerlichen Spektrums nachvollziehen zu können.
Dabei sprechen die Kommentare unter den Beiträgen in über 50% nicht wirklich meiner Meinung, aber das müssen sie ja auch nicht.

Was mir bei Ihren Beiträgen immer wieder auffällt, ist dass selbst die linke Stammleserschaft des Spiegels seltenst Ihren Ausführungen zustimmt. In dem Beispiel dieses Artikels sind unter den ersten 10 Kommentaren 9 kritische Kommentare und bloß 1 verhalten zustimmender Kommentar. In so gut wie jedem Ihrer Beiträge fällt das Like/Dislike-Verhältnis zu Ihren Ungunsten aus. Würden Sie auf einer eher rechten Plattform wie der "Welt-online" veröffentlichen, könnten Sie die zustimmenden Kommentare mit der Lupe suchen.

Meine Fragen nun an Sie: Lesen Sie die Kommentare zu Ihren Beiträgen nie oder sind Ihnen diese als Feedback nicht wichtig?
Kommt Ihnen nicht manchmal der Gedanke, dass Ihre Ansichten zu radikal ideologisch sind und evtl. auch an der Realität vorbei gehen, weil Sie außerhalb Ihrer medialen Filterblase und Ihrem Freundeskreis/Arbeitsumfeld so wenig Zuspruch (noch nicht einmal von links-gesinnten Mitbürgern) bekommen? Oder ist es Ihnen schlicht egal?

MfG
ein treuer Leser Ihrer Kommentare

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guarkernmehl 28.11.2018, 08:57
89. Unsachlich und ideologisch aufgeladen

...wird hier mal wieder auf vermeintliche Feinde der "Vielfalt" eingedroschen. Selbst auf Lehrererinnen, die am verzweifeln sind. Was soll so ein Artikel denn besser machen?
Es wird nicht unterschieden zwischen engagierten Bildungsbürgern und ihrer organisierten zweisprachigen Erziehung und der Gefankenlosigkeit, Unfähigkeit oder Ignoranz oder sogar dem Nazionalismus von manchen Einwanderern. Vor allem funktioniert die Beschulung nicht ohne einheitliche Kommunikation. Da kann man hinterher auch nicht darüber meckern, dass die Zurückgebliebenen diskriminiert werden. Solche Ansichten gehen an der Wirklichkeit vorbei und sind kontrapproduktiv. Für die Entwicklung der Kinder, für soziale Gleichheit, für eine friedliche und funktionierende Gesellschaft. Sie verteidigen das Fortsetzen der Verdummung.

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