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Bismarck-Jahr 2015: Der deutsche Traum als Schrecken Europas
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Ein mächtiger Flächenstaat dominiert den Kontinent: Zum 200. Geburtstag Otto von Bismarcks zeigen sich brisante Parallelen zur Bundesrepublik unter Angela Merkel. Doch die Politik des "Eisernen Kanzlers" mündete in einem Alptraum.

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stonecold 03.02.2015, 20:02
130.

Zitat von ludna
war die Geburt des Deutschen Reiches. Ein solcher Klotz in der Mitte Europas brachte das fast 1000 jährige (oder zumindest seit 1648) bestehende Machtgleichgewicht durcheinander. Völlig losgelöst von Ideologien oder -ismusen. Selbst D 1990, 1/3 kleiner als 1938 und fast 1/2 kleiner als das Reich von 1871 hatte Schwierigkeiten die deutsche Einheit durchzubelommen. Und übrigens wurde Bismarck von den Beratern Wilhelm II als Judenfreund beschmipft. (nachzulesen kürzlich in der Zeit)
Welches Machtgleichgewicht seit 1648 meinen Sie? Das mit dem spanischen Erbfolgekrieg oder dem österreichischen, mit dem siebenjährigen Krieg? Mit Napoleons Eroberung des Kontinents? Mit dem italienischen Einigungskrieg? Allen möglichen Balkankonflikten und Kolonialreibereien? Und diese Idylle (bei deren Beschreibung ich garantiert mehr als die Hälfte vergessen habe) wurde gerade durch das 1871 entstehende deutsche Reich zunichte gemacht, klar...

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axel1958 03.02.2015, 20:10
131. ....Der eiserne Kanzler....

wie Bismarck auch genannt wird hat den Sozialstaat ins Leben gerufen und für die Arbeiterklasse mehr getan als je einer Regierenden nach ihm.
Ich bin zwar ein großer Bismarck und Friederich-Bewunderer,aber das stimmt so nicht...leider.
Für die Arbeiterklasse hat niemand mehr getan als die Nazis....von Arbeiterfeiertag (1.Mai),bezahlter Urlaub,Auslandsreisen u.s.w.....wie gesagt leider...

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wahlbelgier 03.02.2015, 20:24
132.

Es ist eigentlich ganz einfach: Deutschland als Staat durfte es einfach (nach Meinung seiner Nachbarn) nicht geben, und es hat im Grunde genommen bis in die 1950er Jahre gedauert, bis dieses Fakt endlich in Europa akzeptiert wurde. Unter Bismarck wurde auch nicht einfach E-L "annektiert", sondern es wurde recht gruendlich geschaut welche Teile ueberwiegend deutsch waren, und andere (kleinere) Teile bei F belassen - Metz war sicher eine Ausnahme, wegen der Festung. Trotzdem war E-L zu ueber 90% deutsch, und die Minderheitenpolitik Deutschlands vor WW1 war geradezu vorbildlich im Vergleich mit den meisten anderen europaeischen Staaten, jedenfalls um Meilen besser als die heutige franzoesische! Fragt doch mal Elsaesser (auch gerne auf franzoesisch), was sie von der derzeitigen Megafusion der Regionen halten...!

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hikaru 03.02.2015, 20:26
133.

Guter Artikel.
Und wieder führt die deutsche Großmachtpolitik Deutschland in die Isolation. Die Wiedervereinigung war letztendlich nicht mehr als die Wiedererstehung Preußens. Und deshalb hätte es die "Wiedervereinigung" niemals geben dürfen. Im Westen und im Osten ginge es den Menschen besser. Deutschland hat keiner gebraucht.

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Emderfriese 03.02.2015, 20:28
134. Küstenschutz

Zitat von kai-hawaii
"...der Aufbau der Flotte sollte lediglich dem Schutz der Handelsinteressen und der Heimatverteidigung dienen und hatte niemals offensiven/expansiven Charachter (vgl. hierzu Tirpitz/ Flottenpolitik). ..."
Eigentlich wollte ich nichts zum Thema schreiben, weil die Meinungen zu Bismarck so weit auseinandergehen, dass man immer irgendwo zustimmen oder ablehnen könnte. Aber die Flottenpolitik Wilhelms war eindeutig expansiv und vor allem gegen England gerichtet. Trotz seiner verwandtschaftlichen Liebe zum britischen Königshaus. Zur Küstenverteidigung hätten ein paar Küstenpanzerschiffe und eine entsprechende Artillerie viel besser gedient, als die später in Kiel und Wilhelmshafen langsam rostende Hochseeflotte. Reine Geldverschwendung eines Möchtegernadmirals in Kaiseruniform.

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pico66 03.02.2015, 20:30
135. Was sind den das für schräge Thesen?

Bei so viel Vermutungen mit hätte, könnte, sollte und müsste und den Rückschlüssen daraus, stellt sich die Frage, aus welchen Quellen diese "Story" gestrickt wurde. Mein Abi-Prüfungsfach hätte ich mit diesen wilden Thesen sogar nicht einmal bei meinem DKP-Geschichtslehrer 1988 bestanden.

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sierrabravofour 03.02.2015, 20:40
136.

Zitat von d.hauskrett
Ich empfehle jedem, der sich einen (ausführlichen) Überblick verschaffen will, die Lektüre von Christopher Clarks "Iron Kingdom". Ein unverzerrtes Bild eines britischen renommierten Historikers.
Christopher "Sleepwalker" Clark? Der ist kein Brite sondern Jafa. Der beste Freund manches Deutschen seit Sleepwalker. Der Rest sieht ihn als, na ja lassen wir das

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andynm 03.02.2015, 20:40
137.

Zitat von hockeyversteher
... Schon ewig liegen Christopher Clark’s weltweit geachtete Biographie Wilhelm2 und seine mehrfach ausgezeichnete Geschichte Preußens vor, die mit genau diesen Dogmen aufräumen. Aber in den tagespolitischen Gefechten unserer Tage ist es offensichtlich dienlich Geschichte weiter zu beugen, aus lückenhafter Darstellung falsche Schlüsse zu ziehen. Wer wie Weiß aus Deutschland schon wieder einen verachtenswerten Hegemon macht, einen völkerfressenden Diktator, der die Südeuropäer in Armut und Selbstmord treibt, der verachtet die europäische Idee, der ist Antieuropäer, weil er die Deutschen ausgrenzt. Wenn das europäische Politik wird, dann wird sich Deutschland separieren. Das ist dann tatsächlich des Ende des europäischen Gedankens.
Schon beim Lesen dieses Artikels ahnte ich, dass hier einige Christopher Clark bemühen werden, um Bismarck und Preussen von jeder Schuld an den Entwicklungen des 20. Jh. frei zu sprechen. Und gleich der dritte Kommentar hat meine Erwartung erfüllt. Dass Clark mit seinem romantischen Preussen-Bild selbst genug Kritik hervorgerufen hat (bis hin zu der Aufforderung bei seinen Vorlesungen doch besser eine Pickelhaube zu tragen), wird von den Preussen-Apologeten natürlich verschwiegen.
Besonders putzig wird es dann, wenn die Annexion des auch französischsprachigen Elsass-Lothringens mit der Annexion durch Ludwig XIV. 190(!) Jahre zuvor gerechtfertigt wird. Wahrscheinlich sprechen die selben Leute immer noch von den "verlorenen Ostgebieten".
Bismarck war zwar ein hervorragender Außenpolitker, seine Innenpolitik war aber weit weniger erfolgreich. Vor allem war aber ein Repräsentant eines autoritären und nationalistischen Militärstaates. Es ist kein Zufall, dass das "dritte Deutschland" die Demokratie auf deutschem Boden verankert hat, während Preussen nur noch Geschichte ist.

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Kaygeebee 03.02.2015, 21:04
138.

Bismarck hatte sich 1871 GEGEN die Annexion von Elsaß-Lothringen eingesetzt, eben weil er genau wusste, dass diese Region sich zum Zankapfel entwickeln und dass Frankreich den Verlust nicht so einfach hinnehmen würde. Und 1918 holte man sich die Region sofort zurück. Bismarcks Politik hat das Europa des 19. Jahrhunderts relativ gut austariert, d.h. Bündnisse setzten sich gegenseitig patt oder konnten sich gar nicht erst bilden. Es waren die expansive Politik Kaiser Wilhelms II., die aggressive Bündnispolitik der Franzosen und das ungestüme Vorgehen von Serbien mit Russlands Rückendeckung (welches sich als Schutzmacht der Slawen verstand), welche Europa in den Ersten Weltkrieg stürzten. Die Schuld exklusiv Bismarck oder Wilhelm II. zuzuschieben ist historisch nicht haltbar. Ich empfehle hier Christopher Clarks "Die Schlafwandler". Dickes Buch, aber absolut lesenswert.

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RDetzer 03.02.2015, 21:05
139. Können wir

einmal ein Ende finden mit Artikeln gemäß der Logik "alles was nicht links genug ist, führt zu Hitler". Ich spreche bereits von kompletter Reflexverblödung nicht nur der deutschen Historiker. Es reicht irgendwann, wenn wir den Grund der Vernunftpoliik unangetastet bis unantastbar im Parlament herumschweben haben. 150 Jahre SPD, und dann dieser dümmlich sanktionierende Behördenstaat. Das sollte Anlaß genug sein für einen Politikwechsel. Ich würde empfehlen, möglichst schnell, bevor die politische Krankheit absolut wird.

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