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Blogger kapituliert vor Rechten : "Im Moment bin ich verstummt"
Privat

Seine Familie wird massiv bedroht, aus Angst will der Blogger Heinrich Schmitz nun keine politischen Texte mehr schreiben. Jetzt fordert auch er den "Aufstand der Anständigen". Warum das kein Widerspruch ist, erklärt er hier.

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Untertan 2.0 10.08.2015, 20:18
1. Tragisch

Zitat von
Ein wirklich perfider Plan.
Nennt sich "Swatting" und ist auf der anderen Seite des Atlantiks leider schon Volkssport.

Der Fall zeigt bedauerlicherweise auch mal wieder, dass es ohne Anonymität keine freie Meinungsäußerung geben kann.

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denego 10.08.2015, 20:42
2. Kenne ich..

Ich wurde auf Facebook auch bedroht, weil ich es gewagt habe, Pegida zu kritisieren. Das Schlimmste war, dass mein Mann auch bedroht wurde (er ist Ausländer)-wegen den Dingen,die ich geschrieben habe. Ich war geschockt, habe erstmal meinen Mann entfreundet, und den Facebook-Namen geàndert.
Diese Neonazis sind wirklich sehr schnell damit, Gewalt anzudrohen, wenn man anderer Meinung ist. Wir brauchen mehr Widerstand gegen rechts!

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Dark Agenda 10.08.2015, 20:46
3.

Und der Staat ist auf dem rechten Auge wieder blind, lieber werden ein paar investigative Journalisten platt gemacht. Wenn es so weiter geht ziehe ich mir auch ein Landesverrat-T-Shirt an. Wer hat uns denn verraten?



Zusatz: heute im Marktkauf Wörth beim einkaufen ein eindeutig rechtes Magazin im Sortiment entdeckt (Compact -Magazin für -achtung- "Souveränität) -findet die Marktleitung nichts dabei diesen Schund zu verkaufen.

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mathmag 10.08.2015, 20:50
4. Anonymität

Zitat von Untertan 2.0
Der Fall zeigt bedauerlicherweise auch mal wieder, dass es ohne Anonymität keine freie Meinungsäußerung geben kann.
Anonymität? Aber nicht doch, das ist doch böse.

Daher Impressumspflicht. Oder, bei unserer Lokalzeitung, Abdruck von Leserbriefen immer mit vollem Namen und Adresse.
(Als ob ein "Name der Red. bekannt" nicht reicht.)

Das man dann es Radikalen jeglicher Richtung damit leicht macht, mal Sachen bei einem Hausbesuch mit handfesten Argumenten zu untermauern oder anderen Einschüchterungen Vorschub leistet, wird leider billigend in Kauf genommen.

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tjards 10.08.2015, 20:53
5. Unfassbar...

...dass wir schon so weit sind, dass jemand mitten im Rheintal, ab der Zentralgebiete des braunen Sumpfes, Angst um seine Familie hat. Es wird Zeit, dass die Staatsmacht ein deutliches Zeichen setzt, der dem braunen Mob seine Grenzen aufzeigt. Die Meisten sind ohnehin feige Mitläufer, die sich in der Anonymität des Schwarms zu verbergen suchen und sofort zucken, sobald ihnen individuelle Verfolgung droht.

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denken erlaubt? 10.08.2015, 20:55
6. bittere realität

es wäre gut erfahrungsberichte engagierter humanisten zu sammeln.
dann würde sehr schnell klar, daß bundesweit jeder aber auch jeder der sich äussert mit derartigen repressalien zu rechnen hat.
ein problem ist die reale gewaltbereitschaft.
die botschaft kommt an.
der staat ist blind, wenn man in derartigen fällen auf die hilfe der polizei zählt..fehlanzeige.
solidarität, im notfall auch anwesenheit von freunden das hilft und öffentlichkeit so daß die bedrohung öffentlich wird. die polizei konstruiert ansonsten mal schnell einen suizid, eine beziehungstat oder einen unfall.

wo sind wir?
wieviele leute stehen schon auf deren listen?

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frankstroehlein 10.08.2015, 20:55
7. Ja, und wird...

Zitat von Untertan 2.0
Nennt sich "Swatting" und ist auf der anderen Seite des Atlantiks leider schon Volkssport. Der Fall zeigt bedauerlicherweise auch mal wieder, dass es ohne Anonymität keine freie Meinungsäußerung geben kann.
...laut Google mit 16 Monaten bis 25 Jahren geahndet.

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ulrik remy 10.08.2015, 20:58
8. @untertan2.0

Zitat von Untertan 2.0
Nennt sich "Swatting" und ist auf der anderen Seite des Atlantiks leider schon Volkssport. Der Fall zeigt bedauerlicherweise auch mal wieder, dass es ohne Anonymität keine freie Meinungsäußerung geben kann.
Ich glaube eher - wie auch Herr Schmitz am Ende des Gesprächs bemerkt - dass Öffentlichkeit einen gewissen Schutz bietet. Anonymität macht eine geäusserte Meinung ziemlich beliebig. Und gegen Irre gibt es ohnehin keinen Schutz.

Mir ist Ende der 70er Jahre, im Zusammenhang mit der Produktion und Ausstrahlung der Serie "Holocaust"(WDR) genau dasselbe widerfahren. Damals habe ich noch ein paar Jahre weitergemacht, aber unter den heutigen Voraussetzungen verstehe ich die Reaktion von Herrn Schmitz nur allzu gut.

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spurenleserin 10.08.2015, 20:58
9. Schweigen ist keine Alternative

Mir bekannte Blogger hören auf gegen Fremdenhass und Rassismus zu bloggen, weil sie und/oder ihre Familien ganz konkret und real aus der rechten Szene bedroht werden. Und die Masse schweigt. Die Politiker nuscheln vor sich hin oder instrumentalisieren die „besorgten BürgerInnen“ zur Erhaltung ihrer eigenen kleinen Pöstchen und Pfründe. Das treibt mich um. Dieses Kapitulieren. Auf der einen Seite kann ich es nachvollziehen, auf der anderen Seite schießen mir tausend Bilder durch den Kopf: Freunde, die im Iran starben; die Kämpfer aus Griechenland; das schweigende Zusehen beim Abschlachten in Ruanda oder in Sarajewo; die Toten in Palästina; damals die Menschen in Chile, heute in Syrien… und, und, und … so viele unterschiedliche Bilder … eine Flut von Menschen, die ich oft persönlich kannte, rast durch meinen Kopf … Menschen, die nicht aufgegeben hatten für ihre Überzeugungen laut und deutlich die Stimme zu erheben … wieder und immer wieder … und die mit ihrem Tod dafür bezahlten. Oh, es ist anmaßend, ich weiß. Ich gehöre zu der Generation, die eigentlich im eigenen Land bei freien Meinungsäußerungen nie mit ihrem Tod, meistens nicht mal mit körperlichen Verletzungen bedroht war. Ja, ich verstehe diese Angst und diesen Rückzug, wenn es um Familie und das eigene Leben geht. Das Leben. Aber, das Leben ist nicht so. Nicht für die Mehrheit der Menschen auf er Welt. Da gehören Gewalt und Todesängste zum täglichen Brot. Ja, es macht Angst, wenn da so ein durchtrainierter Idiot sich vor einem aufplustert und du siehst in seinen Augen, dass er bereit ist dich zusammen zu schlagen und ihm dein Leben nicht einen Pfifferling wert ist. Ja, das macht Angst. … Aber, das Schweigen, dieses Schweigen aus Angst, das macht mir noch viel mehr Angst. So viel mehr.
Es ist nicht rund in mir. Noch nicht. Aber mein Bauch sagt mir, wider alle Vernunft, aufhören ist falsch. Ganz und gar falsch.

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