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Blutige TV-Krimis: Lass quieken, ARD!

Sauerei reiht sich an Sauerei: Erst zeigt das Erste in der Mankell-Verfilmung "Der Chinese" ein plump in Szene gesetztes Blutbad, dann ermittelt "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal in der Fleischindustrie. Christian Buß*ist irritiert*- soviel Schweineblut, so wenig Wirkung.

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cybernic 30.12.2011, 16:27
10. Abschalten – jetzt !!!

Ich habe einige Bücher von Mankell sehr gerne gelesen, auch wenn ich mich – wie einer meiner Vorredner – immer gefragt habe, warum sich derart grausame Verbrechen mit teils großangelegten, Weltverschwörerischen Hintergründen gerade in diesen kleinen, hinterwältlerischen schwedischen Städtchen abspielen sollen. Aber gut geschrieben sind die Bücher trotzdem.

Die Massenausschlachtung von Mankells Werk im TV nimmt mittlerweile allerdings unerträgliche Dimensionen an. Ich denke, dass nicht mal so sehr der Autor selbst daran schuld ist, auch wenn es sein Portemonnaie ordentlich füllen dürfte. Vielmehr ist der unersättliche TV-Apparat daran schuld, der jeden, oft selbstgesetzten Trend bis zum Erbrechen ausschlachten muss. Das Besondere des einzelnen Werks (Buch) gerät dabei irgendwann vollkommen unter die Räder.

Damit wir uns richtig verstehen: ich bin auch ein leidenschaftlicher Fernsehkonsument - aber seit einiger Zeit beschleicht mich die Überzeugung, dass die programmmäßige Rund-um-die-Uhr-Vollversorgung durch das TV gestrichen gehört.
Einfach mal eine Pause machen im unaufhörlichen Sendestrom und erst dann weiter machen, wenn man wirklich was neues zu sagen und zu erzählen hat!

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DianaSimon 30.12.2011, 16:31
11. Blutige TV-Krimis

Zitat von manometer
... Weshalb aber ausgerechnet Sie 'die Schnauze' voll haben, erschließt sich mir anhand Ihrer Beispiele nicht. Ihre TV Vorlieben werden doch tagein tagaus, rauf und runter, von vorne bis hinten auf das Sattsamste bedient?
Ich habe mich auf das Eingangs-Statement bezogen, dies aber leider nicht erwähnt. Ich finde blutige Gemetzel und verbrannte oder verweste Leichen einfach nicht unterhaltsam.

Unterhaltsam finde ich spannende Geschichten, interessante Charaktere, echtes Lokalkolorit (also nicht deutsche Schauspieler mit deutscher Körpersprache in Venedig), das Verbrechen möglichst im Hintergrund.

Meine Vorlieben werden m.E. nicht genügend bedient - sollte ich etwas übersehen haben, wäre ich für einen Hinweis dankbar.

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kaksonen 30.12.2011, 17:10
12. Na ja, ...

Zitat von TomRohwer
... Im Gegensatz dazu waren die Kriminalromane von Maj Sjöwall und Per Wahlöö feinsinnig zynische und teilweise leicht groteske (aber nie zu sehr überzeichnete) Portraits der schwedischen Gesellschaft der 60er und 70er Jahre.
... die Beiden haben in keinem ihrer Krimis vergessen, den schwedischen Sozialdemokratismus für alles Negative in der schwedischen Gesellschaft verantwortlich zu machen!

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manometer 30.12.2011, 17:50
13. No Country for old Men (wie mich)

Zitat von DianaSimon
Ich habe mich auf das Eingangs-Statement bezogen, dies aber leider nicht erwähnt. Ich finde blutige Gemetzel und verbrannte oder verweste Leichen einfach nicht unterhaltsam. Unterhaltsam finde ich spannende Geschichten, interessante Charaktere, echtes Lokalkolorit (also nicht deutsche Schauspieler mit deutscher Körpersprache in Venedig), das Verbrechen möglichst im Hintergrund. Meine Vorlieben werden m.E. nicht genügend bedient - sollte ich etwas übersehen haben, wäre ich für einen Hinweis dankbar.
So kann ich mich Ihnen gänzlich anschließen.
"Haben Mylady noch einen Wuunsch?" war wenigsten noch Kult.

Dieses heutige, an den Haaren herbeigezogene Kriminal-Befindlichkeits-Gedöns ödet auch mich an.

Wobei, es gibt sie, die guten Krimis, sogar (zugegebenermaßen:-) manchmal im ZDF, wie ausnahmsweise gestern Abend mit "The State of Play" oder vormals "No Country for old Men".

Es liefen sogar gute Krimi-Serien, wie "Breaking Bad" und "Rom", die beide auf, wo sonst: Arte gezeigt wurden. Dialogregie, Ausstattung/Bühnenbild/Kostüme, Musikregie, Beleuchtung und Kamera schaffen hier eine besondere Atmosphäre ohne zu nerven, indem der Plot/Suspense atmosphärisch stimmig und gut erlebbar, mit echtem Lokalkolorit in Szene gesetzt ist.

PS
mein u.a. Krimi Beispiel muss natürlich "Layer Cake" lauten.

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iosono3 30.12.2011, 18:16
14. killerspiele

Zitat von sysop
Sauerei reiht sich an Sauerei: Erst zeigt das Erste in der Mankell-Verfilmung "Der Chinese" ein plump in Szene gesetztes Blutbad, dann ermittelt "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal in der Fleischindustrie. Christian Buß*ist irritiert*- soviel Schweineblut, so wenig Wirkung.
das sind halt die täglichen killerspiele derer die sich über pc-killerspiele aufregen und verbieten wollen

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loeweneule 30.12.2011, 18:32
15.

Zitat von DianaSimon
Ich habe mich auf das Eingangs-Statement bezogen, dies aber leider nicht erwähnt. Ich finde blutige Gemetzel und verbrannte oder verweste Leichen einfach nicht unterhaltsam. Unterhaltsam finde ich spannende Geschichten, interessante Charaktere, echtes Lokalkolorit (also nicht deutsche Schauspieler mit deutscher Körpersprache in Venedig), das Verbrechen möglichst im Hintergrund. Meine Vorlieben werden m.E. nicht genügend bedient - sollte ich etwas übersehen haben, wäre ich für einen Hinweis dankbar.
Da wäre die von mir sehr geschätzte "Inspector Barnaby"-Serie ("Midsumer Mysteries" im Original, glaube ich), die vor Lokalkolorit und skurrilen Personen wirklich strotzt, aber halt nicht für Zuschauer taugt, die mit Videoclip-Ästhetik aufgewachsen sind und alle vier Sekunden einen Kick brauchen.

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Jack_North 31.12.2011, 00:41
16. "Der Chinese" - fürs Jahr 2011 lachhaft!

Nun der Film erzählt im Schluß per "Voice-Over" (in Verbindungen mit Rückblick-Bildern) des Bankiers Ya Ru eindeutig, daß dieser das Kind sein soll (singemäß etwa: "...ich sah als Kind das Gesicht meines Vaters..." zum Bild des Kindes neben dem trauernden Mann), welches den Mord an seiner Mutter beim Eisenbahnbau erlebt hat. Daß dieser ca. 45-Jährige schon vor über 140 Jahren hätte geboren sein müssen? Wen kümmerts?

Das angebliche Geständnis (welches falsch ist, wie wir wissen) des vorbestraften Dorfbewohners wird uns Zuschauern nicht präsentiert. Das geht auch gar nicht ohne erhebliche Logikprobleme: Wie soll dieser Mann, der die Morde in diversen Gebäuden begangen haben soll diese Taten glaubhaft beschreiben? Die Polizei hat "ein glaubhaftes Geständnis"? Wie soll das zustande kommen?
Dumm nur, daß der ganze Handlungsstrang zwischen Hauptfigur Roslin und Polizistin Sundberg auf dieser angeblichen Aussage basiert.

Nach ca. der Hälfte der 3-stündigen Spielzeit wissen wir schon alles: Die Verbindung zwischen der Vergangenheit von Roslins Familie, den Morden auf 2 Kontinenten in der Gegenwart und dem chinesischen Geschäftsmann ist dem aufmerksamen Zuschauer klar, bevor Roslin nach China aufbricht. Überraschungen oder neue Erkenntnisse gibt es ab diesem Zeitpunkt nicht mehr. FÜR 1 1/2 STUNDEN!

Der Fernsehfilm wies eine für hiesige TV-Verhältnisse sehr gute Kameraarbeit auf. Auch der Produktionsaufwand fiel positiv auf. Das war es allerdings schon.

Die eingestreuten politisch korrekten Moraldialoge sind plump und stellen gerade die von Borsody gespielte Hauptfigur als Dummchen dar:
Welche Staatsanwältin ist denn so dämlich, vor einer Offizierin der chinesischen (Geheim-?)Polizei von der man mangels Papiere ein gewisses Entgegenkommen benötigt, Diskussionen über die Todesstrafe anzufangen? Hat die Frau in dem Moment keine anderen Sorgen?

Wenn man sich aktuelle Serien, gerade der Amis anschaut (Mad Men, Boardwalk Empire, Breaking Bad) dann ist sowas wie "Der Chinese" einfach lächerlich. (Ja, der Vergleich hinkt, da andere Genres)

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rehabilitant 31.12.2011, 09:14
17. Sensibelchen

Zitat von sysop
Sauerei reiht sich an Sauerei: Erst zeigt das Erste in der Mankell-Verfilmung "Der Chinese" ein plump in Szene gesetztes Blutbad, dann ermittelt "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal in der Fleischindustrie. Christian Buß*ist irritiert*- soviel Schweineblut, so wenig Wirkung.
Immerhin hat das Blut so viel Wirkung, dass Herr Buß sich ausgiebig damit beschäftigt.

Leider gibt er keine Tips, wie Menschen blutlos abgeschlachtet und zerstückelt werden könnten.

Es gibt ja Menschen, die kein Blut sehen können.
Denen seien Krimis wie 'Pfarrer Braun' oder 'Miss Marple' empfohlen.

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fördeanwohner 31.12.2011, 11:48
18. Causton CID

Zitat von loeweneule
Da wäre die von mir sehr geschätzte "Inspector Barnaby"-Serie ("Midsumer Mysteries" im Original, glaube ich), die vor Lokalkolorit und skurrilen Personen wirklich strotzt, aber halt nicht für Zuschauer taugt, die mit Videoclip-Ästhetik aufgewachsen sind und alle vier Sekunden einen Kick brauchen.
Auch eine meiner liebsten Krimiserien. Zu sehen im ZDF, allerdings meistens auf ZDFneo. Trotz der Idylle, das Leben auf dem Land in England, ist auch diese Serie recht blutig, unter drei Leichen kommt man eher selten weg.
Das Gute ist, dass es noch zig Folgen gibt, die in D bisher nicht ausgestrahlt wurden. Das Schlechte ist, dass Chief Inspector Thomas Barnaby, John Nettles, inzwischen leider in Pension gegangen ist. Sein Cousin (auch ein Barnaby) ermittelt nun.

Zum Thema: Ich fand "Der Chinese" eigentlich recht spannend und bereue die drei Stunden nicht.

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Jack_North 31.12.2011, 12:12
19.

Zitat von fördeanwohner
Zum Thema: Ich fand "Der Chinese" eigentlich recht spannend und bereue die drei Stunden nicht.
Hat es Sie nicht gestört, daß ca. nach anderthalb Stunden, also der Hälfte der Laufzeit der Zuschauer alles (Mörder, Motiv, wahrer Auftraggeber, Verbindung zur Familie der Staatsanwältin) schon wußte?
Überraschungen gab es danach keine mehr.

Und das Thema der Logikfehler habe ich ja weiter oben schon angesprochen...

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