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Brexit: "Ich habe den Verdacht, dass manche Briten dieses Drama genießen"
imago/ ZUMA Press

Normalerweise erklärt Kate Connolly den Briten Deutschland. Seit der Brexit-Entscheidung hat die "Guardian"-Korrespondentin aber das Gefühl, sie müsse sich für ihr Großbritannien entschuldigen. Warum?

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Violator 29.01.2019, 12:51
1. Es ist tragisch, aber lasst sie gehen

Sollte es zu keinem weiteren Referendum kommen, oder dieses sogar pro Brexit ausfallen, lasst sie ziehen. Entweder schaffen sie es allein, oder sie werden in ein paar Jahren darum betteln wieder mitspielen zu dürfen. Aber dann bitte ganz oder gar nicht.
Wie auch immer, der Urlaub in GB wird demnächst auf jeden Fall günstiger werden :)

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isi-dor 29.01.2019, 12:53
2.

Na ja, ob diese Leute es wirklich "genießen"? Es mag ein paar Genießer vom Schlage eines Johnson oder Farrage geben, die sich am Elend anderer weiden, weil sie sich davon einen Sprung nach Oben erhoffen, aber die breite Masse ist das sicher nicht.

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Uwe, Agentin der Liebe 29.01.2019, 12:59
3. Ex negativo

Das Vereinigte Königreich hat kein Empire mehr, dafür aber die Aufmerksamkeit, die ihm aus seiner Sicht zusteht. Das kann man mit Royal Weddings allein nicht erreichen. Der Brexit ist Imagepflege ex negativo.

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schwerpunkt 29.01.2019, 13:00
4.

Ich bin einerseits von den Briten und dem, was sie sich mit dem Brexit auferlegt haben, fasziniert. Persönliche wirtschaftliche Folgen egal, Hauptsache eine ganz eigene nationale Emotion. Mittlerweile dürften sich die meisten Briten im Klaren darüber sein, was für sie organisatorisch und wirtschaftlich zu kommt. Und viele bleiben dennoch bei ihrer Meinung. Obwohl ich Großbritannien mag und einige meiner Freunde Briten sind, kann ich nicht nach vollziehen, was da in ihnen vor geht (wobei kein einziger meiner britischen Freunde Brexit-Befürworter ist - insofern ist dieser Kreis wohl nicht repräsentativ).Eventuell haben sie tatsächlich so wenig europäische Identität, dass es langfristig nur folgerichtig ist, dass sie damit auch aus der EU ausscheiden. Auch wenn es im Fall eines ungeregelten Brexits eine chaotische Übergangsphase geben wird und wirtschaftlich für viele mittelfristig schwieriger wird, wäre dies in dem Fall für Großbritannien die richtige Entscheidung. Nur knapp die Hälfte wollen in der EU bleiben. Wobei es nicht heißt, dass die Remainer glühende Europa-Befürworter sind ("Europa" im Sinn eine europäischen Identität, welche sich in diesem Staatenbund und später eventuell in einem gemeinsamen Staat manifestiert), sondern diesen verbleib eher oder ausschließlich eben aus wirtschaftlichen gründen sehen. Auch dann wäre es für diese es richtig aus der EU auszuscheren. Die Idee Europa und das jetzige Konstrukt EU ist mehr als nur ein wirtschaftlicher Verbund (oder sollte das zumindest sein). es ist ein Zeichen dafür, dass lange Feindschaften und Rivalitäten überwunden werden können, wir trotz aller Unterschiede eine gemeinsame Vergangenheit, eine gemeinsame Kultur und ein gemeinsames Wertesystem haben, dass uns verbindet. Wenn die Briten das mehrheitlich nicht so empfinden, dann ist der Brexit richtig.
Ich persönlich empfinde mich als Europäer, noch vor meiner Identität als Deutscher. Das kann möglicherweise in dem von Frau Connolly angesprochenen Thema der faschistischen Vergangenheit liegen, auch wenn ich das nicht so wahrnehme und lange nach der unsäglichen Nazi-Diktatur geboren wurde. Nichts desto trotz bin ich dankbar in diesem Land geboren und aufgewachsen zu sein und stehe zu meiner Nationalität als Deutscher, bezeichne mich auch als Patriot. Genau deswegen bin ich ein glühender Anhänger der Idee von einem gemeinsamen Europa.
Viele Briten empfinden das offensichtlich in einem mir nicht nachvollziehbaren Maße ganz anders.
Das ist in meinen Augen kein Grund sich entschuldigen zu müssen. "Anders" heißt nicht "schlechter". Wenn Briten sich als Briten empfinden und das eine Identität als Europäer ausschließt, dann ist das eben so. Das gehört zur Vielfalt, welche ich gerne als weiteres Element in Europa und unserer gemeinsamen Gesellschaft gesehen hätte.

Ohne jeglichen Sarkasmus: viel Erfolg!

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Erkläromat 29.01.2019, 13:04
5. Oh Himmel!

Wenn die Dame Deutschland den Briten genauso "gut" erklärt wie uns die Briten, soll sie bitte mit beidem aufhören....

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kangootom 29.01.2019, 13:04
6. The British Empire

Als ich in Britannien mit Arbeitskollegen auf die Diskussion kam, welches Land in Europa das flächenmäßig größte sei, sagten die Briten sofort dass es Großbritannien sei. Weil doch der ganze Comonwealth dazugehöre. Die Briten leben in der Vergangenheit und zehren noch davon. Dabei sperrt diese Denkweise die Sicht auf neues. Ich sage nur: Getrennte Wasserhähne für eiskalt und brühend heiß am Waschbecken.

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hansulrich47 29.01.2019, 13:10
7. Schon traurig

Aber leider nicht zu ändern. Mit Frankreich verbindet uns sehr viel mehr als mit Großbritannien, wenn man mal von der Ähnlichkeit der Sprache absieht. GB ist in seiner Historie gefangen und versteht offenbar nicht, dass sich zumindest ab und zu etwas ändern muss. Das Empire wurde zugunsten der Hilfe der Amis geopfert, allerdings gibt das kaum jemand zu. Das älteste Parlament wird gefeiert, ohne zu verstehen, dass dessen Anfänge keine Volksvertretung war, sondern eine Oligarchie des hohen Adels (mit dem Ziel, dem König zu schaden.). Die Königin hat heute nichts zu sagen, aber sie wird "gefeiert", wobei der von der französischen Revolution geprägte Mitteleuropäer sich fragt: Wofür eigentlich? Auch wenn ich mich wiederhole: Wenn 50 Familien 90% der Fläche Schottlands gehören und ganze Londoner Stadtviertel einzelnen Familien, dann frag ich mich natürlich, ob das nicht doch einen für einen Mitteleuropäer ein schwer verständlichen Zustand beschreibt. Wenn die Insel mal 'ne Weile weg von Europa ist, kann sie ja vielleicht moderner werden und im 21. Jahrhundert ankommen??

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Neophyte 29.01.2019, 13:10
8. Meine England Begeisterung ist schon lange weg

Aber auch ich bemerke weiterhin eine ungebrochene Begeisterung der Deutschen gegenüber dem noch Vereinten Königreich und insbesondere der Briten. Womöglich hängt es mit der Sprache zusammen, die meisten Deutschen sprechen Englisch. Die Liebe ist aber in der Regel einseitig, in kaum einen anderen Land wird man als Deutscher immer noch stetig auf die NS-Vergangenheit reduziert. Einer der Gründe warum die Briten die EU verlassen wollen ist, weil Sie die EU als Vehikel Deutschlands sehen um Europa zu beherrschen, dass sagt an sich schon alles aus..

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maltyx 29.01.2019, 13:13
9.

Für mich als "Englandfan" war das Abstimmungsergebnis von 2016 ein echter Schock und ich weiß garnicht wie ich zu den Union Jacks auf meinen alten englischen Motorrädern stehen soll. Wahrscheinlich bleibt es wie es war: eine Erinnerung an ein cleveres Völkchen, das es so nie gegeben hat.

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