Forum: Kultur
Brexit: "Ich habe den Verdacht, dass manche Briten dieses Drama genießen"
imago/ ZUMA Press

Normalerweise erklärt Kate Connolly den Briten Deutschland. Seit der Brexit-Entscheidung hat die "Guardian"-Korrespondentin aber das Gefühl, sie müsse sich für ihr Großbritannien entschuldigen. Warum?

Seite 14 von 14
droid84 29.01.2019, 18:28
130.

Zitat von schwerpunkt
Ich bin einerseits von den Briten und dem, was sie sich mit dem Brexit auferlegt haben, fasziniert. Persönliche wirtschaftliche Folgen egal, Hauptsache eine ganz eigene nationale Emotion. Mittlerweile dürften sich die meisten Briten im Klaren darüber sein, was für sie organisatorisch und wirtschaftlich zu kommt. Und viele bleiben dennoch bei ihrer Meinung. Obwohl ich Großbritannien mag und einige meiner Freunde Briten sind, kann ich nicht nach vollziehen, was da in ihnen vor geht (wobei kein einziger meiner britischen Freunde Brexit-Befürworter ist - insofern ist dieser Kreis wohl nicht repräsentativ).Eventuell haben sie tatsächlich so wenig europäische Identität, dass es langfristig nur folgerichtig ist, dass sie damit auch aus der EU ausscheiden. Auch wenn es im Fall eines ungeregelten Brexits eine chaotische Übergangsphase geben wird und wirtschaftlich für viele mittelfristig schwieriger wird, wäre dies in dem Fall für Großbritannien die richtige Entscheidung. Nur knapp die Hälfte wollen in der EU bleiben. Wobei es nicht heißt, dass die Remainer glühende Europa-Befürworter sind ("Europa" im Sinn eine europäischen Identität, welche sich in diesem Staatenbund und später eventuell in einem gemeinsamen Staat manifestiert), sondern diesen verbleib eher oder ausschließlich eben aus wirtschaftlichen gründen sehen. Auch dann wäre es für diese es richtig aus der EU auszuscheren. Die Idee Europa und das jetzige Konstrukt EU ist mehr als nur ein wirtschaftlicher Verbund (oder sollte das zumindest sein). es ist ein Zeichen dafür, dass lange Feindschaften und Rivalitäten überwunden werden können, wir trotz aller Unterschiede eine gemeinsame Vergangenheit, eine gemeinsame Kultur und ein gemeinsames Wertesystem haben, dass uns verbindet. Wenn die Briten das mehrheitlich nicht so empfinden, dann ist der Brexit richtig. Ich persönlich empfinde mich als Europäer, noch vor meiner Identität als Deutscher. Das kann möglicherweise in dem von Frau Connolly angesprochenen Thema der faschistischen Vergangenheit liegen, auch wenn ich das nicht so wahrnehme und lange nach der unsäglichen Nazi-Diktatur geboren wurde. Nichts desto trotz bin ich dankbar in diesem Land geboren und aufgewachsen zu sein und stehe zu meiner Nationalität als Deutscher, bezeichne mich auch als Patriot. Genau deswegen bin ich ein glühender Anhänger der Idee von einem gemeinsamen Europa. Viele Briten empfinden das offensichtlich in einem mir nicht nachvollziehbaren Maße ganz anders. Das ist in meinen Augen kein Grund sich entschuldigen zu müssen. "Anders" heißt nicht "schlechter". Wenn Briten sich als Briten empfinden und das eine Identität als Europäer ausschließt, dann ist das eben so. Das gehört zur Vielfalt, welche ich gerne als weiteres Element in Europa und unserer gemeinsamen Gesellschaft gesehen hätte. Ohne jeglichen Sarkasmus: viel Erfolg!
Vielen Dank für diesen differenzierten Kommentar!

Habe selbst beide Nationalitäten und kann die Arroganz und Häme so mancher Kommentatoren hier nicht immer ganz nachvollziehen.

Beitrag melden
Seite 14 von 14
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!