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Brexit: "Ich habe den Verdacht, dass manche Briten dieses Drama genießen"
imago/ ZUMA Press

Normalerweise erklärt Kate Connolly den Briten Deutschland. Seit der Brexit-Entscheidung hat die "Guardian"-Korrespondentin aber das Gefühl, sie müsse sich für ihr Großbritannien entschuldigen. Warum?

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madameping 29.01.2019, 13:14
10.

Zitat von Violator
Sollte es zu keinem weiteren Referendum kommen, oder dieses sogar pro Brexit ausfallen, lasst sie ziehen. Entweder schaffen sie es allein, oder sie werden in ein paar Jahren darum betteln wieder mitspielen zu dürfen. Aber dann bitte ganz oder gar nicht. Wie auch immer, der Urlaub in GB wird demnächst auf jeden Fall günstiger werden :)
Ob sie betteln würden, wage ich zu bezweifeln, denn sie hatten zu Europa schon immer ein gespaltenes, recht ambivalentes Verhältnis. Man sehe sich nur den verzögerten Eintritt in die damals noch EWG 1973 an. Eigentlich waren sie in der EWG/EG und schließlich der EU nie richtig glücklich und legten Wert auf ihren Sonderstatus. Britenrabatt (von Frau Thatcher ausgehandelt), die Ablehnung des EURO, Vorbehalte gegen das Schengener Abkommen etc. Nur um kurze Beispiele zu nennen.
In diesem Interview hier wird genau das bekräftigt, was Beobachter schon seit langem erkannt haben und richtigerweise auch immer wieder darauf hingewiesen wird; das nicht verarbeitete Trauma des Verlustes ihres Empires. DAS ist so vorrangig, das es eigentlich mehr oder weniger über jedem britischen Kopf hängt.
Nur, die einen können damit umgehen, die anderen eben nicht. Die jenigen, die damit nicht umgehen können, sehen in der EU etwas ganz Böses, in Deutschland sowieso (Synonym für EU und umgekehrt, Sie wissen schon, auf welchen Zeitraum ich anspiele).
Ein zweite Referendum wird sich nicht mehr realisieren lassen. Dazu ist zuviel Zeit abgelaufen und es würde das Volk womöglich erst recht zerreißen, denn die Brexit-Befürworter würden sich betrogen fühlen. Außerdem stehen auch die Europa-Wahlen an.
Aber insofern stimme ich Ihnen zu: Lassen wir sie ziehen. Sollen sie sich erst einmal selbst ordnen. Dann kann man gerne sehen, ob es dann Bedarf gibt, die Gespräche eines Eintrittes wieder aufzunehmen. Ich glaube aber eher nicht. Dazu ist zuviel Porzellan zerbrochen und es wird sehr lange dauern, dass da wieder ein Grundvertrauen untereinander aufkommt.
Leider.

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Bondurant 29.01.2019, 13:15
11. Das allerdings

Zitat von Neophyte
...die meisten Deutschen sprechen Englisch.
ist eine große Illusion.

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ospudd 29.01.2019, 13:16
12. Wwii 2.0

es herrscht eine gewisse weltkrieg II stimmung. man hortet wieder lebensmittel, seife und windeln. ein leicht masochistischer hauch wabert ueber dem koenigreich und mit einem klammheimlichen genuss wird der krieg und seine nachwehen nachgespielt, nein nachempfunden und das tranzedentale imperium lodert wieder auf. [und wenn das land wieder schwerer erreichbar wird, wird es auch den deutschen besatzern LIDL und ALDI endlich an den kragen gehen].

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madameping 29.01.2019, 13:18
13. Genau das ist der Punkt

Zitat von kangootom
Als ich in Britannien mit Arbeitskollegen auf die Diskussion kam, welches Land in Europa das flächenmäßig größte sei, sagten die Briten sofort dass es Großbritannien sei. Weil doch der ganze Comonwealth dazugehöre. Die Briten leben in der Vergangenheit und zehren noch davon. Dabei sperrt diese Denkweise die Sicht auf neues. Ich sage nur: Getrennte Wasserhähne für eiskalt und brühend heiß am Waschbecken.
Genau das ist es. Und genau dieser Blick in die Vergangenheit, dieses veträumte Trauern um das untergegange Empire, hat sie blind für die (sicherlich hier und da reformbedürftigen) Vorzüge der EU gemacht...

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brux 29.01.2019, 13:18
14. Na ja

Als Leser britischer Zeitungen sehe ich doch sehr starke Identitätsprobleme bei den Briten. Die Dame macht sich da etwas vor. Brexit ist ein Symptom, keine Ursache.
England ist eine Klassengesellschaft, wie es sie in Deutschland seit 1919 und seit 1789 in Frankreich nicht mehr gibt. Eine Landreform hat es nie gegeben. Die soziale Durchmischung ist schwach. Die asiatischen Zuwanderer bleiben ebenfalls unter sich. Schotten und andere "Kelten" ticken auch anders als die Engländer.
Und was den Humor betrifft haben vor allem die Engländer einen Mythos kreiert. Ich kenne viele verbiesterte Briten, die fast so viel meckern wie die Deutschen. Humor bei verspäteten Bahnen ist auch in GB selten und in London ist wohl die Hälfte aller U-Bahnfahrer zugereist.

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donatellab 29.01.2019, 13:18
15. Party

Den Eindruck habe ich auch. Endlich mal was los im öden Inselstaat, auch wenn es dem Untergang entgegen geht.

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Cluedo 29.01.2019, 13:18
16. Es sind leider nur die üblichen Pauschalisierungen und letztlich ....

"volkspsychologische" Platitüden, die mit Sätzen geboten werden wie
"Für die Deutschen heißt das, dass sie ihre NS-Vergangenheit vergessen wollen. Für sie ist die EU ein Fluchtort, der sie vor sich selbst rettet. Die Briten wiederum wollen zurück zum glorreichen Empire und damit zurück in die Vergangenheit."
Im Übrigen sachlich sehr zweifelhaft: für "die Deutschen" geht es schon lange nicht mehr um "Vergessen" - das ist 50er-Jahre-Gefühl - sondern spätestens seit den 1970ern um Aufarbeitung und Verarbeitung. Die EU als "Fluchtort" für "die Deutschen" ist - mit Verlaub - einfach nur schräg. Hier geht es um ganz klare ökonomische und gesellschaftliche Interessen der Gegenwart - Wohlstand, Frieden, Demokratie.
Dass "die Briten" zum Empire zurückwollen, ist ähnlich eindimensional und geht an den massiven Interessen gewisser Kreise hinter dem Brexitbeschluss vollkommen vorbei. Diese "Analyse" ist sehr oberflächlich und platt.

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i_surfer 29.01.2019, 13:22
17. ich habe ein gefühl...

dass ich mir alte ww2-chronik ansehe, aus dem Ende 1942. unsere siegreichen truppen kämpfen tapfer an der wolga. leute, habt ihr gesehen wieviel de-arbeitsplätze mit dem ungeregelten brexit wegfallen? habt ihr schon mal die karte von commonwelth.uk gesehen, wieviel potential uk + ehmal. kolonien besitzt, geschweige denn von den ewig-freunden aus der usa? ich glaube nicht dass wir hier champagner-korken knallen sollen, am 1.04...

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derauf 29.01.2019, 13:23
18. jeden Tag stimmungmache

jeden einzelnen Tag stimmungmache. der Brexit darf nie kommen wo kämen wir denn da hin ... Demokratie target2

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gammoncrack 29.01.2019, 13:24
19. Ich fand das auch schade, dass dort tatsächlich für den

Brexit gestimmt wurde. Hatte ich eigentlich nicht erwartet.

Heute denke ich, dass man sie ruhig ziehen lassen soll. So richtig sind die nie in der EU angekommen. Immer noch das Pfund und die fahren immer noch auf der falschen Straßenseite.

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