Forum: Kultur
Brexit-Talk bei "Anne Will": Chaos, Schlamassel, Kladderadatsch
NDR/Wolfgang Borrs

Anne Will wollte wissen, wer in den "Streit um den Brexit" noch Ordnung bringen könne. Ein Team, bestehend aus Norbert Röttgen und Sahra Wagenknecht, drängte sich nicht auf. Immerhin: Jean Asselborn öffnete eine kleine Tür.

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odapiel 21.01.2019, 03:32
1. Haben eigentlich alle schon vergessen?

Haben eigentlich alle schon vergessen, daß insbesondere UKIP und Nigel Farage die britische Bevölkerung zuvorderst angelogen hatten, beim ersten Referendum?

Darum gehts dpch. Ich kann mir nicht vorstellen, daß ein zweites Referendum, bei dem wirklich ganz ehrlich die Karten auf den Tisch gelegt werden (zB daß eben gerade nicht die NHS durch den Brexit gerettet würde, oder es fürs UK irgendwelche "Einsparungen" gäbe, oder daß Drittstaaten à là Norwegen Rosinen picken könnten) als so undemokratisch gesehen würde. Auch wäre diesmal den Horden an jungen Nichtwählern bewußt, daß die Regierung meint, sich an das Ergebnis halten zu müssen, was beim ersten Referendum schlichtweg NICHT angenommen wurde. Deshalb haben so viele Brexitgegner garnicht erst gewählt.

So wie es ist, müssen die Leute doch die verquasten Lügen von Farage und Co. ausbaden, auf die ihre ältlichen und teils bereits berenteten Angsthasen aus Mittelschicht und ungebildeter Arbeiterschaft reingefallen sind.

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michael_h. 21.01.2019, 03:51
2. Hinter den Zahlen verbergen sich Menschen...

..., deren Sorgen zu oft einfach beiseite geschoben werden. Auch ein Dr. Röttgen kann nicht ignorieren, welche Schichten damals mehrheitlich mit "Leave" gestimmt haben.
Zitat: "Die Jüngeren und zudem die höher Gebildeten und besser Verdienenden haben für den EU-Verbleib gestimmt, zeigt eine Auswertung der britischen Zeitung „Guardian“, der die sozioökonomischen Daten der Wahlbezirke in Beziehung zu deren Wahlergebnis setzte." (Quelle Welt)

Man kann den Zauberwürfel solange drehen und wenden wie man will, ob mit oder ohne Brexit, aber wenn man die hinter dem Referendum stehenden Ängste - welche pars pro toto für viele strukturschwache Regionen in Europa stehen - immer wieder klein redet, und die betroffenen Bürger als dümmliche Hinterwäldler abkanzelt, die faul und unambitioniert seien, anderen die Zukunft verbauen, und populistischen Rattenfängern auf den Leim gehen, dann wird man die Fliehkräfte in Europa niemals besänftigen, sondern stetig forcieren.

Mag sein, dass sich unter den Leave Wählern eine nicht geringe Anzahl Armutsrentner befunden haben, deren Freunde den Kältetod fanden, weil sie ihre Energierechnung nicht mehr bezahlen konnte. Zehntausende waren es allein im Winter 2013 im United Kingdom. Wenn sie nicht erfroren, dann starben sie an Lungenkrankheiten aufgrund unterkühlter Wohnungen.
Ich stelle es mir sehr bitter vor, einen Freund nach 70 Jahren auf diese Art und Weise zu verlieren. Vielleicht sollte Herr Dr. Röttgen hier mal ein wenig Empathie zollen, statt den hochnäsigen Ebenezer Scrooge dar zu bieten. Denn sonst weckt man - wie wir wissen - Geister, die man nie rufen wollte...

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dzherzhinsky 21.01.2019, 04:50
3. Diese Zusammenfassung ist bewusst verzerrt!

Zitat:
"Streitaufführung des Abends:Wagenknecht und Röttgen übernahmen sie. Wagenknecht sagte, das Brexit-Votum sei "ein Votum gegen diese EU, wie sie heute ist", in der Kapitalfreiheiten "Vorrang vor sozialen Grundrechten" hätten. Vorstellbar sei für sie, von den vier Grundfreiheiten der EU eine beizubehalten - die Binnenmarktfreiheit. Sie kritisierte, dass zu viele Arbeitskräfte aus den östlichen EU-Ländern nach Großbritannien gekommen seien. Röttgen warf ihr ein "ökonomistisches Bild von Europa" vor: "Die Waren sollen wandern, die Menschen sollen zu Hause bleiben?" Er verglich sie mit den Populisten von rechts. Wagenknecht: "Das ist jetzt wirklich billig. Es geht um Regelungen, die antieuropäische Ressentiments schaffen."

Wagenknecht kritisierte nicht die Migration osteuropäischer Arbeitskräfte, sondern sie kritisierte dass z. B. polnische Arbeiter zu polnischen Löhnen in Großbritannien beschäftigt würden - statt zu britischen Lohnkonditionen. Dadurch habe sich ein starkes Lohndumping in Großbritannien und einr große EU-Unzufriedenheit bei den Briten ergeben.
Der Spiegel hat (wie Roettgen in der Sendung) Frau Wagenknechts Aussagen bewusst nicht wahrheitsgemäß wiedergegeben.
Ich empfehle dem interessierten Leser, sich die Aufzeichnung in der ARD-Mediathek anzuschauen!

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w.hoffmann 21.01.2019, 05:09
4. Streitaufführung des Abends

Wenn der Anti-Ökonomist Röttgen keine Argumente mehr findet und Sahra Wagenknecht ihn auf dem Teller serviert, dann verfällt er wie alle seine Elite-Kämpfer in Geschrei, um Argumentation zu unterbinden.
Das ist dann besonders deutlich peinlich für den hilflosen Schreihals!

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dasfred 21.01.2019, 05:42
5. Nix genaues weiß man nicht Show

Wie so viele Talkshows in den letzten Jahren diskutiert man hier wieder über ungelegte Eier. Jeder möchte sich ein bisschen profilieren und Medienpräsenz zeigen. Da ist es unerheblich ob über Brexit oder was auch immer geredet wird. Wenn den Redaktionen die relevanten Themen ausgehen, dann sollte man mal einen Sendetermin ausfallen lassen.

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minimalmaxi 21.01.2019, 06:41
6.

In seiner ideologischen Empörung über Sahra Wagenknecht hat Röttgen leider ausgeblendet, dass sie völlig Recht hat: die Anhänger des Brexit rekrutieren sich überwiegend aus den Menschen am Rande der Gesellschaft und aus den Abstiegsängsten der Mittelschicht. Die gleichen Menschen also, die überall in Europa Anti-EU und rechtsnational wählen, auch in Deutschland! Wenn das immer noch nicht zu Röttgen (und der CDU) durchgedrungen ist, grenzt das an Starrsinn.

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Kein Besserwisser 21.01.2019, 06:53
7. Das Unangenehme verlassen, aber das Angenehme weiter beanspruchen

So nicht!
Aufgrund der EU-Gesetze, Satzungen etc. ist jedem EU-Mitglied bekannt und bewusst, was passiert, wenn die EU-Wertegemeinschaft verlassen wird. Das wussten auch die Briten - ist doch Englisch eine der Amtssprachen, in den das zuvor genannte verfasst ist; also zu sagen, wir haben das nicht verstanden, ist nicht!
Wenn also nun die EU den Briten zugesteht, sie dürfen sich für ihren Austritt die Rosinen aus der EU heraus picken wenn sie diese am 29. März verlassen, warum soll dann auch nur noch ein Staat in der EU bleiben. Der EU bleibt keine andere Wahl als auf dem Verhandlungsergebnis zu beharren; andernfalls ist dies der Anfang von Ende der EU!

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abudhabicfo 21.01.2019, 07:22
8. Unterschied Zollunion vs Freihandelsabkommen scheint nicht klar

Man kann mit der EU in Zollunion sein (Türkei) ohne in EU zu sein.
Es scheint, dass da mehr Sturheit als Verstand am Werke ist.

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frankcrx 21.01.2019, 07:48
9. Total verdreht!

Interessant woran die EU so schuld hat. Zehntausende (wow) Kältetote in GB. Wer ist Schuld - na klar die EU. Erstens hat es in GB ganz sicher keine zehntausende Kältetote gegeben und zweitens ist das dann eine Verfehlung der britischen Regierung und nicht der EU. Das die armen Regionen in GB immer weiter abgehängt wurden ist ebenfalls eine Verfehlung der britischen Regierung. Hier hat die EU tatsächlich versucht dagegen zu steuern. Der britische Parlamentarier hat es doch in der Sendung ziemlich deutlich auf den Punkt gebracht. Wenn die EU den Briten jetzt nicht ganz doll entgegen kommt, dann, ja dann, ist die EU am Chaos in GB Schuld. Und außerdem trifft es ja die EU richtig hart, vor allem Deutschland, wenn es einen no deal gibt. Komisch ist dass man von den Vorständen der großen Unternehmen nichts hört. Die Notfallpläne sind dort mit Sicherheit alle schon gemacht und der Handel mit GB endet ja auch nicht, er wird nur schwieriger und für die Briten teurer. Und die abgehängten werden noch mehr abgehängt, die Arbeiter und Angestellten in GB, die womöglich auf Grund des Brexit ihren Job verlieren, werden feststellen wie hervorragend die soziale Absicherung in GB ist. ALG 26 Monate € 365,--, danach Sozialhilfe € 329,-- p.M.. Aber daran ist ja dann sicher auch wieder die EU schuld.

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