Forum: Kultur
Brexit-Talk bei "Anne Will": Zurück auf Los
NDR/Wolfgang Borrs

Großbritannien ringt um die Formalitäten für den EU-Ausstieg, Anne Will fragt: "Wie lange denn noch?" Der frühere EU-Kommissar Günter Verheugen hat einen Vorschlag, wie die Verhandlungen noch gelingen könnten.

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Hans Hase 08.04.2019, 05:33
1. Schnörkellose Berichterstattung

"Sorry, liebe Briten: Wer nimmt Euch jetzt noch ernst? Na, also Talkredaktionen doch auf jeden Fall!"
Was für ein ausgesprochen niveauloses Postulat. Talkredaktionen nehmen Alles ernst, was Quote bringt, das ist ihr Job. Die EU und Großbritannien sollten Alles daran setzen, den Übergang, wie auch immer er verlaufen mag, friedlich zu gestalten.
Die Irland-Frage ist ein Pulverfass, das von "unserer" Seite massiv unterschätzt wird. Ich kenne mich in der Grenzregion aus.
Um gewisse Bekannte in Nordirland besuchen zu können, müssen mitunter stundenlange Umwege gefahren werden. Dieser Konfliktherd ist heißer als man hierzulande denkt.
Wenn die EU denkt, dass es als Abschreckungsmechanismus sinnvoll ist, dieses Pulverfass explodieren zu lassen, um anderen möglichen Abtrünnigen zu zeigen, wie schmerzvoll ein Austritt ist, dann ist die Intention der EU als Friedensprojekt verwirkt.
Und der Spiegel nimmt anscheinend Anne Wills Talkshow wirklich noch ernst. Frau von der Leyen bietet sich zur rechten Wills als gut ausgeleuchtete und schön in Szene gesetzte Vermittlerin an, während sie gleichzeitig das Verteidigungsministerium ruiniert und mit Vetternwirtschaft und Korruption überzieht.
Was hat die Verteidigungsministerin in einer Gesprächsrunde zum Brexit zu suchen? Gutes "Product Placement".

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dö-dudl-dö 08.04.2019, 06:32
2. Es hätte mehr Hands bedurft ...

Die Zusammensetzung dieser Talk-Runde war schlicht und einfach am Thema vorbei, die Remain-Fraktion hatte Übergewicht. Dies entspricht jedoch nicht der Situation im UK. Dort ist die Spaltung im Grunde "fifty/fifty". Deshalb erscheint mir die befriedete Lösung der BREXIT am 12.04.2019. Die Leaver sind glücklich, für ein paar Tage, dann trifft Traumtänzerei auf die Realität. Dann sollt die EU so schnell wie möglich ein Angebot machen, dass das UK wieder als Mitglied, ohne Sonderlocken, willkommen ist. Wenn es dann zu Neuwahlen in GB kommt und die Remainer gewinnen die Oberhand, wovon ich jetzt mal ausgehe, dann sollte es schnellstmöglich zum BRENTRANCE kommen. Das ist aus meiner Sicht die einzige Lösung, um das gespaltene UK "politisch zu befrieden" und die EU bleibt handlungsfähig. Der wirtschaftliche Schaden ist doch teilweise schon entstanden und eingepreist.

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123rumpel123 08.04.2019, 06:54
3. wenn man ehrlich ist ist es ganz einfach

Herr Verheugen hat es ruhig und sachlich auf den Punkt gebracht:"............die Fehler wurden am Anfang gemacht ..............".

Der Verhandlungsfahrplan mit der Reihenfolge erst die Austrittsbedingungen und die zukünftigen Beziehungen extrem vage und unverbindlich zu halten, erforderten dann vordergründig den für die Briten inakzeptablen Backstop-Vermerk.

Tusks Vorstoß einer langen Brexitverschiebung nahm die Erkenntnis des Verhandlungsscheiterns voraus. Sachlich richtig, aber Brüssel scheut sich wohl vor dem Eingeständnis, dass man gehörig am Scheitern der Verhandlungen Mitschuld trägt.

Gesteht man sich dies ein, erscheint die Lösung einfach.
Halt noch einmal fast von vorne , aber diesmal ehrlich und umfassend von "A - Z " ohne hintergründiges Erpressungspotential a la Backstop.

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fanasy 08.04.2019, 07:12
4. Günter Verheugen

fordert nichts anderes, als die Integrität der EU dem wirtschaftlichen Vorteil zu opfern.

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deus_ex_machina 08.04.2019, 07:31
5.

Die EU sollte den Briten keinen neuen Aufschub gewähren. Diese unsägliche Geschichte muss irgendwann einmal ein Ende haben. Zwei Jahre Verhandlungszeit sind einfach genug. Da bereits offensichtlich ist, dass die Briten wesentlich stärker unter dem Austritt leiden werden, dienen sämtliche Nachverhandlungen ebenso offensichtlich allein dem Zweck, die entstehenden Lasten mehr und mehr der EU aufzudrücken. Es kann aber nicht angehen, dass jetzt die Gemeinschaft die größte Last der Folgen des Austritts eines einzelnen Mitglieds tragen muss. Denn das ist selbstgewähltes Leid.

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blueshift774 08.04.2019, 07:44
6. Vergessen wir nicht...

Das Brexit Referendum in 2016 basierte auf Betrug, Lüge und Täuschung der britischen Bevölkerung durch die "City of London". Frau Whitford hat es zum Schluss klar und deutlich zum Ausdruck gebracht: Cherry Picking - die Vorteile der EU ohne Verpflichtung in Anspruch nehmen. Aber das würde bedeuten, die EU wirtschaftlich und politisch auszubeuten!
Macron hat es ebenfalls auf den Punkt gebracht: Die EU darf sich nicht durch den Brexit in Geiselhaft nehmen lassen. Das geht schon viel zu lange so.
Ich lehne eine Verlängerung ab, denn wir haben doch einen Deal - den, den Theresa May mit der EU ausgehandelt hat. Wenn der gut ist, werden die Briten mehrheitlich und pragmatisch danach verfahren. Die Abstimmung im britischen Parlament ist, nach dem, was wir nun im letzten Jahr durchgemacht haben, sowieso Firlefanz. Die EU darf nicht zulassen, dass die Briten ihre innenpolitischen Probleme auf EU-politischem Boden übertragen, austanzen und dann auch noch eine Blockade der EU durch die EU-Wahlen androhen. Das sollen die auf der Insel allein regeln.
Eine EU ohne UK hat auch politische Vorteile. Die "City of London" kann dann mit Trump ihre antirussische Kriegspropaganda gegen Russland allein weiter betreiben. Die verbleibenden Zahlungsstaaten der EU, wie Deutschland, Frankreich und Italien sind eher pro-russisch eingestellt und eröffnen damit neue Wege, Russland partnerschaftlich einzubinden oder zu behandeln und damit den Frieden in "Continental Europe" zu stärken. Russland wird dann der "angelsächsischen Welt von Kriegstreibern" im Konfliktfall dann schon "gepflegt auf's Dach hauen", wenn die nicht Ruhe geben. Die EU ist davon nicht mehr betroffen.
Und wenn die Briten - ich rede von den "Menschen" in England - irgend wann in die EU zurück wollen, dann sind sie ganz sicher wieder willkommen - allerdings dann nur als "Europäer" und nicht als "transatlantische Briten". Ich vertraue da auf die Schotten, Iren und jungen Briten. Die werden ihren "Kalkköpfen im Parlament" schon noch richtig ins Geweih schlagen.
Und den Zahlungsausfall durch UK kann man ausbalancieren, indem auf die nukleare Aufrüstung in Deutschland verzichtet. Case closed!

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Pless1 08.04.2019, 07:48
7. Kopfschütteln

Ich habe die Sendung nicht gesehen, aber wenn das, was Günther Verheugen gesagt hat halbwegs richtig wiedergegeben wird kann man wirklich nur den Kopf schütteln über so viel Naivität. Die EU hat ALLES angeboten. Deals mit Zugang zum Binnenmarkt, Deals mit Zollunion, Deals mit beidem - es waren die Briten, die das alles abgeschmettert haben. Es blieb aufgrund der britischen Verweigerungshaltung einzig der jetzt vorliegende Deal, der aber eine harte Grenze in Irland bedeutet. Die wollten aber die Briten auch nicht, weil das gegen britisches (!!) Recht verstößt (Karfreitagsabkommen). Und nun stösst ausgerechnet Verheugen in das Horn der Brexit Hardliner, es sei an der EU, sich zu bewegen? Doch nicht genug: er will einen Aufschub, aber ohne Teilnahme der Briten an der Europawahl. Damit gäben wir den Briten den Trigger in die Hand, die EU zu zerstören! Käme es nämlich dann nicht zum Brexit bis zur Konstitution des Europaparlaments wäre dieses vertragswidrig zusammengesetzt und damit handlungsunfähig. Dann hätten uns die Briten da, wo sie uns haben wollen: in der Hand!

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theodtiger 08.04.2019, 08:13
8. Unglaublich

Wie bitte? Verheugen kritisiert die Verhandlungsführung der EU, die exakt gemäß den Richtlinien von 27 Mitgliedstaaten und dem Europaparlament durchgeführt wurde und die Interessen der EU Bürger und der Mitgliedstaaten gut wahrt. Es soll alles wieder von vorn los gehen bei den Verhandlungen? Nicht nur dass wegen der unprofessionellen britischen Verhandlungsführung (widersprüchliche Ziele ohne ausreichende Mehrheiten auch nur in der Regierungspartei) schon sehr viele EU Ressourcen verplempert werden mussten und damit die EU von wichtigen Zukunftsaufgaben abgehalten wurde. Jetzt fordert Verheugen noch mehr von der EU zulasten ihrer Bürger insbesondere in Irland. Und dann noch, wenn ich SPON hier richtig verstehe (eigentlich kann man es nicht glauben), bräuchte das VK nicht einmal an der Europawahl teilnehmen, selbst wenn es bei weiterem bedingungslosen Aufschub des Austritts zwecks Neuverhandlung noch EU Mitglied wäre. Schräger ginge es wohl nicht - sofern Verheugen das wirklich gesagt hat (habe mir die Sendung nicht angeschaut). Allein die Forderung nach Neuverhandlung von Verheugen disqualifiziert ihn sowohl in der Sache als auch in der Taktik der EU. Immerhin war er mal EU Kommissar und hat da auch einiges Unheil angerichtet (unkritische schnelle Erweiterung und Bremsen beim Klimaschutz).

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jjcamera 08.04.2019, 08:22
9. Viel Lärm um nichts

Nicht London, sondern Brüssel will einen Brexit um buchstäbdlich jeden Preis verhindern. Das ist peinlich, nachdem sofort nach dem Referendum 2015 lauthals verkündet wurde, dass GB "einen hohen Preis" wird zahlen müssen. Jetzt soll es ein Brexit werden, für den niemand die Verantwortung übernehmen muss, weil er so und so niemand schadet?
Der Löwenanteil unseres Aussenhandels findet schon immer mit Nicht-EU-Staaten statt. Man kann also nicht behaupten, dass der Handel mit England daran scheitern wird, dass wir keine Erfahrung oder kein Personal (Zoll etc.) haben, das diese Abläufe und Gebräuche hinbekommt. Und wie das London hinbekommt, ist nun mal nicht unser, sondern deren Problem.

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