Forum: Kultur
Buch über das Mutterwerden: Geburt ist, wenn die Körperfresser kommen
Getty Images

Nur wenige Frauen trauen sich, so ehrlich über das Kinderkriegen zu reden, wie Rachel Cusk darüber schreibt. Ihr Buch "Lebenswerk" sollten deshalb auch Männer lesen.

Seite 1 von 7
bebreun 17.11.2019, 01:05
1. Eine Verallgemeinerung wäre katastrophal

Der persönliche Eindruck der Autorin kann hingenommen und verstanden werden. Es wäre aus Sicht vieler anderer Frauen aber eine falsche Interpretation des Mutterdaseins. Für den Eindruck mit dem Kind etwas Falsches gekauft zu haben gibt es kein zwingendes verallgemeinerbares Verständnis. Auch die weiteren Beschreibungen sind zwar interessant, aber nicht auf eine Vielzahl von Müttern projizierbar.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
taglöhner 17.11.2019, 02:20
2.

Ist das untersucht, ob sich das nur wenige trauen, oder eventuell nur wenige diese Wahrnehmung haben?
Natürlich sind nicht alle Frauen gleich gute bzw. frustrationstolerante Mütter, sonst gäbe es diesen ganzen Balz-Kram ja nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
patriae. 17.11.2019, 06:11
3. Und ein weiteres "Buch"..

...dass die Frauen der westlichen Gesellschaft darüber "aufklärt", was für ein großer Mist doch Mutter werden ist. Das Frau sein sowieso von Geburt an bedeutet, benachteiligt zu sein. Sowas kennt zwar die Natur in dem Sinne nicht, aber was soll's. Die westliche Welt hält ja sowieso nichts von "Rollen" und dementsprechend ist es vollkommen egal ob den jungen Frauen das Kinder bekommen madig gequatscht wird. Egal das die Geburtenrate kontinuierlich sinkt. Egal dass dies auf lange Sicht bedeutet, dass wir aussterben könnten, einfach alles egal: Hauptsache, die Frauen und Männer dieser Welt spinnen sich ihre perfekten Dystopien der heilen Welt zusammen. Wer nachfragen muss wo das "positive" im Mutter sein ist, der muss sich auch die Frage gefallen lassen, warum man überhaupt Mutter wurde. "Männer sollten es auch lesen"? Also unter anderem ich? Ich weiß wie eine Schwangerschaft abläuft. Meine Frau und ich haben 4 Kinder, ich habe sie die 36 Monate jeden Tag begleitet. Sie würde niemals auf die Idee kommen so ein armseliges Buch überhaupt zu lesen. Aber ja, immer weiter rein in die Gesellschaft, die heute schon nicht mehr dazu fähig ist, für den eigenen selbsterhalt zu sorgen. Traurige Welt, in der solch einem Buch einen Raum zur Verfügung gestellt wird.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
P.I. 17.11.2019, 06:21
4. So neu in der Art ist es nicht

Bereits Anfang der 90'iger erschien in Deutschland "Das ehrliche Buch vom Kinderkriegen". Auch dort und auch bereits damals ist das Kinderkriegen und Mutter-Sein nicht mit dem üblichen rosarotfarbenen Schleier, sondern ehrlichen Worten beschrieben worden, wobei das Hauptaugenmerk allerdings - zugegeben - auf der Zeit vor dem ersten Nachhausekommen mit Kind liegt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
danielc. 17.11.2019, 06:49
5. Nachvollziehbar

Das Leben vor und mit dem ersten Kind ist ein gewaltiger Unterschied. Wenn sich das Selbstbild und die Interessen nicht auf die neue Situation anpassen, kann das zu grossem Leid führen. In meiner beruflichen Praxis habe ich das sehr unterschiedliche Dinge beobachtet:
Ich kenne junge Eltern (nicht Teenager), die nicht lange ohne eigene Kinder gelebt haben, und sich gleichzeitig mit der Ankunft ihrer Kinder als Erwachsen empfunden haben. Das gibt es diesen Verlust nicht. Bei denen die bereits länger als Erwachsene am kulturellen Leben teilgenommen haben, sieht es sehr unterschiedlich aus. Die einen sind sozusagen Reif für Kinder, haben sich innerlich auf die gewaltige Veränderung bereits eingestellt, bei diesen ist der Umstellungsschmerz nicht sehr gross. Aber dann gibt es die, die Kinder bekommen, weil die biologische Uhr tickt (oder andere vergleichbare Gründe). Das geht dann nicht unbedingt mit dem Wunsch nach Veränderung der Lebensumstände parallel. Das führt dann zu Konflikten, weil die Veränderungen in jedem Fall kommen. Ich kann das sehr gut verstehen, vor allem bei den Müttern, deren Partner ihre Lebensweise nicht an die neue Situation anpassen. Das Kinder dann zum Trennungsgrund werden können, wundert mich nicht. Es hat viel mit der Einstellung und den Erwartungen zu tun. Kinder sind nicht etwas, dass man sich einfach so anschafft. Die Zeit der Schwangerschaft sollte jeder nutzen, um sich darauf und die damit verbundenen Veränderungen auseinander zu setzen. Wenn eine Mutter schon dabei alleine gelassen wird, wie soll sich das dann später ändern. Ein Leben ohne Kinder kann auch sehr erfüllt sein. Übrigens, gibt es auch Männer, die eine biologische Uhr spüren. Wenn Mann erst einmal im Grossvateralter ist, kann er vielleicht beim spielen, laufen und rennen nicht mehr mithalten. Das fällt dann vieles der Freude weg, die Belastung jedoch bleibt. Auch Männer, die sich früh auf eine Vaterrolle einstellen, haben es leichter.
Die Umstellung fällt paaren leichter, wenn beide beruflich aktiv bleiben und beide sich partnerschaftlich um den Nachwuchs kümmern. Dazu müssen aber auch beide bereit sein, beruflich zurückzustecken.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
retrovirus 17.11.2019, 07:03
6. Selbsttranszendenz

Die Rezension bringt sehr schön auf den Punkt, wie sehr Kinderkriegen eine Provokation für das zeitgeistige Lebensgefühl geworden ist: da geht es vielleicht das erstemal und ausnahmsweise nicht um einen selbst, da stehen nicht eigene Befindlichkeit und permanente Selbstbespiegelung im Vordergrund, sondern eine existenzielle Aufforderung zur bedingungslosen Hingabe an ein anderes Wesen. Dazu scheint der moderne Mensch kaum noch willens und in der Lage zu sein. Sehr, sehr bedenklich!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
philosophus 17.11.2019, 07:59
7. Längst... vom Fenster !...

"Hier der Schrank, dort die Bilder, alles wie immer, aber ihre alte Identität existiert nicht mehr. Ihr eigenes Leben, plötzlich fremd." ..."Ich habe für die kostbare Neuanschaffung keine Verwendung"... ===>> Keine Verwendung?... ohhh, das tut Weh.. Frau Rachel Cusk schreibt über das "Mutterwerden" so provokant wie möglich, ihre Absicht ist klar zu erkennen: sie will NUR Bücher verkaufen. Wenn "Kinderkriegen" so eine "Qual" wäre, hätten wir mehr Todesfälle als Geburten. "Irgendwas" Positives muss doch da sein bei so einer Mutterschaft, (nicht nur beim Menschen), sonst wären wir als Spezies längst ...vom Fenster, nicht wahr Frau Rachel Cusk ?!...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
esmewetterwaxx 17.11.2019, 08:32
8. Klingt

als hätte sich jemand die postnatale Depression von der Seele geschrieben. Werde das Buch auf jeden Fall lesen!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ronmartin 17.11.2019, 08:34
9. Ein Machwerk der Dummheit!

Die Entfremdung der Menschen von der Natur nimmt mittlerweile groteske Züge an. Zur Schwangerschaft und Geburt gehören heutzutage selbstverständlich Begriffe, wie: Urmüdigkeit, sich schlecht fühlen, Zerrissenheit, Anstrengung, Koliken, kurze Nächte, etc. etc.
Das ist mittlerweile gesellschaftlicher Konsens, ebenso, wie man Geburt als Krankheit ansieht und sein Kind entsprechend im Krankenhaus zur Welt bringt.
Warum gibt es nicht einen dieser Punkte bei uns???? Warum ist das Kind gesund? Warum schläft sie seit Tag 1 durch? Mittlerweile 1708 Tage !!! Warum sind wir weder genervt noch erschöpft? Warum kennt unser Kind keinerlei Schmerzen, geschweige denn Koliken? Warum hat sie sich nie erbrochen? Warum hat die Geburt zu Hause, ohne Hebamme oder Arzt, nur 10 fast schmerzfreie Minuten gedauert?
Wenn man das Elend um uns herum damit konfrontiert, tun die Leute alles, um es zu ignorieren und zu relativieren. Da ist dann vom "glücklichen Zufall", Genen und so weiter die Rede.

Daß wir etwas dafür getan haben, Sport, rigorose gesunde Ernährung, Leben 24h mit dem Kind, 3 Jahre Stillen, keine Ärzte, keine Medikamente, kein Alkohol, kein Kaffee, kein Fleisch, kein Fisch, kein Brot, keine Milch, kein Schnuller, keine Lügen und bedingungslose Akzeptanz und Gleichberechtigung, wird noch heftiger ignoriert.

Statt dessen setzen die Leute auf Ärzte, Pillen und Junkfood (Babybrei etc.) und schieben ihr Kind bei erster Gelegenheit ab. Kinderbettchen, Kita, Tagesmutter.

Wir lieben das Leben mit Kind. Es war vom ersten Tag an eine extreme Bereicherung und ein Erlebnis. Und wir lernen unglaublich viel von einander und sehen das Leben wieder mit ganz anderen Augen!

Ich schließe mich der massiven Kritik an: Solche egozentrischen Neurotiker, wie Cusk, sollten keine Kinder bekommen. Dann bliebe der Welt auch dieses überflüssige Pamphlet erspart! Die armen Kinder, die mit so etwas aufwachsen müssen!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 7