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Buchmarkt-Debatte: Die Schrotflinte ist die falsche Antwort

Aufgrund vieler Reaktionen geht die Debatte über die Buchbranche weiter: Hört auf, liebe Verleger, jeden Text zu drucken, der euch angeboten wird. Und merkt euch eins: Die Politik wird die Buchbranche nicht retten.

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Nabob 19.07.2014, 13:59
1. Es ist doch ganz einfach zu verstehen

Zitat von sysop
Aufgrund vieler Reaktionen geht die Debatte über die Buchbranche weiter: Hört auf, liebe Verleger, jeden Text zu drucken, der euch angeboten wird. Und merkt euch eins: Die Politik wird die Buchbranche nicht retten.
Das Buch wird eingehen.

Wer mit Hilfe des Staates von der Industrie über die Medien darauf getrimmt wird, das Leben in erster Linie als ein materialistisches Unterfangen zu verstehen, zu kaufen, um darin steckenzubleiben und letztlich keine weitergehenden Interessen zu haben, um sich in der Gesellschaft allein darüber zu positionieren, dem bedeutet Buch nichts.

Auch wurde unsere ehemals vorhandene intellektuelle Klasse abgeschafft, es gibt mithin außer Kaufleuten keine Idole mehr, Literatur hat nur noch dann einen Stellenwert, wenn der Leser sich als Voyeur fühlt - alles andere ersetzt mittlerweile das Internet. Im Fernsehen gibt es unter den diversen Angeboten gerade mal einen verbliebenen Sender, der in etwa einem Bildungsauftrag nachkommt.

So soll es sein, so werden die Menschen ruhiggestellt und auf das Fließband der immer defizitären Anschaffungswünsche gesetzt.

Es ist nur zu logisch, dass das Buch seinen gesellschaftlichen Stellenwert vor diesem Hintergrund einbüßt. Daher kommen ja auch noch kaum gute Bücher auf den Markt, die guten Autoren sind mittlerweile alle verstorben.

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lutschbommler 19.07.2014, 14:17
2.

Ich bin nicht so ganz in der Materie drin bezüglich der Buchbranche, aber ich nehme ähnliche Entwicklungen wahr im Musikbereich.
Es ist ja ansich toll, wenn es computergestützte Möglichkeiten gibt, relativ leicht Musik zusammenzubasteln, oder selbst passabel aufzunehmen. Auch diverse Online-Plattformen als Publikationsmöglichkeiten sind ganz prima... do-it-yourself, für mich immer auch ein bisschen Punk... aber dabei entsteht leider so viel mittelmässiger bis schrottiger Kram, verteilt auf YouTube, BandCamp, SoundCloud etc. Die mehr oder weniger zugemüllte Musikhörenden verändert natürlich ihr Kaufverhalten, auch sein Gespür für Qualität, behaupte ich.
Im Detail sicher anders gelagert als in der Buchbranche, im großen Zug vielleicht aber doch eine ähnliche Problematik.

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lutschbommler 19.07.2014, 14:31
3.

Ich bin nicht so ganz in der Materie drin bezüglich der Buchbranche, aber ich nehme ähnliche Entwicklungen im Musikbereich wahr. Es ist ja an sich toll, wenn es computergestützte Möglichkeiten gibt, relativ leicht Musik zusammenzubasteln, oder selbst ganz passabel aufzunehmen. Auch diverse Online-Plattformen als Publikationsmöglichkeit sind prima... do-it-yourself, für mich immer auch ein bisschen Punk... aber dabei entsteht leider viel mittelmässiger bis schrottiger Kram, verteilt auf YouTube, BandCamp, SoundCloud etc. Die mehr oder weniger zugemüllten Musikhörenden verändern natürlich ihr Kaufverhalten, auch ihr Gespür für Qualität, behaupte ich. Im Detail sicher anders gelagert als in der Buchbranche, im großen Zug vielleicht aber doch eine ähnliche Problematik.

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BettyB. 19.07.2014, 14:41
4. Kleiner Irrtum

Es gibt Bücher, die erscheinen, um sie zu verkaufen, dazu gehört gute und lesenswerte Literatur sowie auch der Prominentenschrott, andere druckt man allein, um sich den Druck bezahlen zu lassen. Aus all diesen beziehen Verlage ihr Einkommen. Und wenn ein Teil in die "gute Literatur" fließt, sollte man dafür dankbar sein...

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Mertrager 19.07.2014, 14:50
5. Bin drin

... in der Materie als Buchhändler. Ich bewundere immer wieder, was da so alles geschrieben wird. Und meist, wie auch hier, aus meiner Sicht am realen Buchhandel völlig vorbei. Das Buch wird untergehen, so wie die Menschheit auch nicht ewig ist. Aber alle, die das hier lesen, werden das nicht mehr erleben. Was sich verändern könnte ist, dasz Bücher das Medium sind, was neue Inhalte im Volk verteilen. Aber für Liebhaber des gedruckten Textes werden Bücher noch lange leben. Leben kann allerdings der Buchhandel immer schlechter. Diese Herausforderung für die Händler ist ein umfangreiches Thema, das hier den Rahmen sprengt und auch in dem Artikel nicht wirklich angesprochen wird. Journalisten hat selten interessiert, wovon die Anderen leben.

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spon-facebook-10000216344 19.07.2014, 14:53
6. die sache ist vergessen worden,

mit einem buch, was nixt taugt , kann man weligstens noch ne Fliege plattmachen, ein schrank oder bett stabilisiern oder ahnliches. macht das mal mit nem iphone, hihi. Ausserdem kann ich ein Buch einer lieben Freundin geben, mit ihr druber reden und flirten und beim abholen/wiederbringen das ganze nochmal. und dabei kann ich in das hzbsch Gesicht sehen, ihre Augen sehen und muss nicht auf einen viel zu kleinen Bildschirm starren und mir den Daumen verrenken, sondern ich habe beide Hande frei zu streicheln.Ein Buch ist ungleich kommunikativer, weil es uber den Inhalt hinaus ganz ausserordentliche Eigenschaften, die so ein tablet oä. niemals hanen kann.

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cherrypicker 19.07.2014, 14:57
7. Wer bestimmt, was ein

Der Autor? Der Lektor? Der Verleger? Der Kritiker? Der Rezensent? Der Talkshow-Moderator?

Nein: der Leser!

Und, was viele noch nicht realisiert haben: Der Umbruch in der Buchbranche hat nichts mit dem Abbau von Intellektualität oder den ach so gierigen Verlagen zu tun. Sondern schlicht und einfach mit dem technischen Fortschritt. Ein Buch online herauszubringen kostet so gut wie nichts mehr; aber deshalb verdient man auch fast nichts mehr damit.

Erschwerend kommt hinzu: Die Regeln für Online-Absatz gelten auch für e-Books. Es ist also jetzt schon möglich, sich ein e-Book zu kaufen, es nach 14 Tagen gelesen zurückzugeben und dennoch sein Geld wieder zu bekommen. Da verdient man dann gar nichts mehr dran!

Amazon arbeitet schon an einer "Buch-Flatrate", wohl die einzige Möglichkeit im digitalen Zeitalter mit derlei Inhalt noch Geld zu verdienen. Reich wird aber damit niemand mehr...außer Amazon, natürlich.

Zudem: Es gibt mehr und mehr Leute, die schreiben (und bei Weitem nicht alle schlecht!). Und dann gibt es eben auch eine handvoll, die davon Leben können. Autoren, seht den Tatsachen ins Auge: Seid originell ... oder ihr werdet nicht gelesen.

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Noob 19.07.2014, 15:08
8. Warum Goethe lesen, wenn man Rosamunde Pilcher im Fernsehen anschauen kann

Das Drama des Deutschen Buchmarkets ist ein Stück in drei Akten. Langer Aufbau, kurze Hochphase und schneller Untergang.
Einzigartig an diessem letzten Akt in Form eines Trauerspieles ist sicherlich, dass eine komplette Branche sich selber vernichtet hat bzw. auf dem Weg dorthin ist und das obwohl der Dachverband in Form des Börsenvereins alle wichtigen Bereiche des Buchmarktes representiert. So etwas gibt es nicht häufig und doch hat es nichts genutzt.
Das große Übel ist wie so oft die Raffgier. Im geiste des Kapitalismus und des damit verbundenen Zwangs zum stetigen Wachstum kam Amazon als Lichtgestallt des selbigen. Licht hat eine anziehende Wirkung und Geld noch mehr. Dankbar belieferten Verlage und Barsortimente den neuen Stern am Verbreitenden Buchhandel. Aber es kam noch besser, Thalia wuchs und wuchs, Hugendubel wuchs ... Moment, wo Unkraut wächst, kann sich doch keine Kulturpflanze mehr behaupten! Genau, der Niedergang der inhabergeführten Sortiments- und Fachbuchhandlungen war und ist die Folge. Und noch schlimmer, selbst Thalia hat sich übernommen und steht vor dem Scherbenhaufen größenwahnsinnigen Wachstums. Amazon wächst noch immer und oh Wunder, wagt es nun sogar die Verlagswelt anzugreifen. Unglaublich, dürfen die das? Sie dürfen, sie können und vor allem sie tun es. Was in den USA Realität ist könnte auch hier bald zur Realität werden. Ein Gigant, der 50% einer Sparte beherrscht und dabei wird es sicherlich nicht bleiben.
Was tun? Der Börsenverein, der ja alle außer Amazon vertritt tut nichts. Außer jammern und alten Zeiten hinterher weinen. Warum tut er nichts? Weil jeder sein eigenes Süppchen kocht, den dieser Verband representiert. Die Verlage handeln am Sortiments- und Fachbuchhandel vorbei, diese bekriegen sich durch Missachtung der Buchpreisbindung und im Grunde bekommt die Öffentlichkieit nichts mit. Denn wenn es um Außenwirkung und -darstellung geht, ist der Börsenverein noch im PR-Mittelalter angesiedelt. Man feiert sich zwei mal im Jahr in Frankfurt und Leipzig und das muss dann auch reichen. Achso, den Welttag des Buches gibt es ja auch noch, genauso wie den Weltzugvogeltag.
Man könnte noch soviel aus den Untiefen dieser Branche berichten, vor Ort aus der Buchhandlung bis hin zur Arbeit im Böresenverein, eines aber ist sicher, wenn es diese Branche nicht schafft an einem Strang zu ziehen und eine gmeinsame Plattform für die Zukunft zu schaffen, dann wird sie keine haben.

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gojko 19.07.2014, 15:10
9. eBooks!

Ich war in meiner Jugend eine echte Leseratte. Trotzdem war ich die letzten 10 Jahre in keinem Buchladen mehr. Warum?

Es gibt
1. das Internet. Hier sind jede Menge Online-Zeitungen und Blogs zum Nulltarif abrufbar.
2. Amazon. Umfassendes Angebot. Sehr guter Service, sehr kulant. Und auch sehr bequem - einfach anklicken und das Buch ist in 30s auf meinem Kindle. Dazu kommt noch die Möglichkeit als Prime-Mitglied 1 Buch pro Monat auszuleihen.

Papierbücher kaufe ich nur, wenn es keine eBook-Variante gibt.
Verlage und Buchläden werden wohl nicht komplett aussterben, aber doch stark ausdünnen.
Und der Eigenverlag bei Amazon wird sicher auch die Preise der Ebooks sinken lassen. Bei Amazon bekommt ein Autor 70% des Buchpreises! Im regulären Verlagswesen knapp 10% . Das werden auch irgendwann die Autoren checken, hoffe ich.

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