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Büchner-Preis für Lukas Bärfuss: Schweizer Wut
Jan Woitas/ DPA

Er bescheinigt der Schweiz eine "psychotische Störung" und wettert gegen die Macht des Geldes. Jetzt hat der Autor Lukas Bärfuss den Georg-Büchner-Preis erhalten. Eine Würdigung.

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ambulans 02.11.2019, 19:02
1. o.k.,

z.zt. werden literatur-preise offensichtlich ziemlich gerne an autoren verliehen, die wirklich an-ecken (können). beispiele? gerne - stanisic, handke, jetzt bärfuss (das sind die jungs); jetzt die mädels: herta müller (nicht jedem - bekannt), elfriede jelinek (nicht bei jedem - beliebt), usw. also - alles ganz genau so, wie es sich gehört ... dr. ambulans (alle kassen)

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caronaborealis 02.11.2019, 19:03
2. Na ja

Der Vergleich mit Frisch ist irrwitzig. Frisch und Bärfuss trennen Welten. Frisch hat berechtigte Kritik an der Schweiz geübt, aber immer sachlich und in gewissem Sinne aufbauend. Barfuss ist eine ideologische Abrissbirne.
Diese Person mit diesem Preis auszuzeichnen ist eine Groteske.

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j.c.nolte 02.11.2019, 19:20
3. Herzlichen Glückwunsch

Zunächst herzlichen Glückwunsch an Lukas Bärfuss. Nach so einem Fehlstart ins Leben eine Aufgabe zu finden, mit man dann auch noch große Erfolge feiern kann, finde ich immer sehr bewundernswert.

Ob es heute wirklich einen Gesellschaftsroman braucht? Erleben wir ihn mit Trump & Co., den Rechten, Linksextremen, Ökofanatikern und all den anderen nicht gerade täglich in den Medien? Ein Gesellschaftsroman in Echtzeit, erzählt von den Hauptdarstellern selber? Mal mindestens genauso interessant fände ich ein Buch über die Ursachen, auch nicht als Roman oder Sachbuch, sondern als eine Art Essay oder wahre Erzählung.

Und ja, die Schweiz ist psychotisch, schön diagnostiziert. Ein Geschwister von mir hat dort länger gelebt, bei Luzern, ist dort leider auch viel zu früh verstorben So schön die Natur ist, so undurchsichtig die ihrer Bewohner. Warum eigentlich? Spätfolgen des Bankgeheimnisses oder der 'Sonderstellung' als 'neutrales' Land, um sich schön aus allem heraushalten zu können, sich immer nur die Filets zu gönnen?

Für mich wäre die Schweiz kein Land zum Leben, zu aseptisch; auch wenn sie die besten Tunnels überhaupt bauen und ich den Dialekt auch gern höre.

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wie_immer_oder 02.11.2019, 19:22
4. #2...

dann werde ich ihn dringend lesen müssen. danke für die Empfehlung

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j.c.nolte 02.11.2019, 19:45
5. Nehmen statt geben

Zitat von caronaborealis
Der Vergleich mit Frisch ist irrwitzig. Frisch und Bärfuss trennen Welten. Frisch hat berechtigte Kritik an der Schweiz geübt, aber immer sachlich und in gewissem Sinne aufbauend. Barfuss ist eine ideologische Abrissbirne. Diese Person mit diesem Preis auszuzeichnen ist eine Groteske.
Ich habe von Frisch die Klassiker in der Schule lesen müssen und danach, auf Empfehlung eines guten Freundes, Stiller. Das Buch war für mich, gelinde gesagt, echt ein Alptraum. Ich habe es dann nur aus Höflichkeit dem Empfehlenden gegenüber zu Ende gelesen. Welch ein Hochgenuss dagegen beispielsweise Das Glasperlenspiel von Hesse. Auch wenn ich ihn als Mensch eher unsympathisch fand, aber das Buch war und ist einer der wenigen Lichtblicke, die Literatur für meinen Geschmack zu bieten hat.

Zum Thema Schweiz: Wie wäre es für den Anfang mit ein bisschen Rüschlikon? Also das Dorf, was dem Rohstoff-Giganten Glenncore so hübsch beheimtet hat, weil dessen Gründer, Mark Rich, lange Zeit auf der FBI-Liste der meistgesuchte Verbrecher war (200 Mio. Steuer hinterzogen in den USA) und dann von Billyboy Clinton in seinen letzten Amtstagen so nett begnadigt wurde? Ob da wohl eine kleine Spende an Bill geflossen ist?

Afrika - Der ausgeraubte Kontinent (Sambia und der Rohstoff-Riese 'Glencore') (Doku 2012) - https://www.youtube.com/watch?v=I2KPA2ayI_k&t=300s

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stemmfisch 02.11.2019, 20:14
6. Bestechend argumentiert????

Das Gedankenspiel von Herrn Bärfuss auf die Frage ob Peter Handke den Nobelpreis verdient hat war bestechend argumentiert? Ich würde sagen, es war eine Antwort auf eine Frage die so gar nicht gestellt wurde. Wenn man das Testament von Alfred Nobel liest, dann findet man dort durchaus Anforderungen an Preisträger die über die reine Bewertung der Arbeit hinausgeht. Ein Buch im Regal zu haben reicht sicher nicht.

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j.c.nolte 02.11.2019, 20:18
7. Deutschstunde statt nobel abgehoben

Zitat von ambulans
z.zt. werden literatur-preise offensichtlich ziemlich gerne an autoren verliehen, die wirklich an-ecken (können). beispiele? gerne - stanisic, handke, jetzt bärfuss (das sind die jungs); jetzt die mädels: herta müller (nicht jedem - bekannt), elfriede jelinek (nicht bei jedem - beliebt), usw. also - alles ganz genau so, wie es sich gehört ... dr. ambulans (alle kassen)
Jetzt, wo Sie es sagen: die Nobelpreisträgerin Hertha Müller kenne ich sogar tatsächlich. Ich hatte dieses Jahr das Verfügen, ihren Lektor kennenzulernen. Darauf hin habe ich aus Gründen versucht, mit ihr Kontakt aufzunehmen. Sie hat es nicht für nötig befunden, sich zu melden.

Ganz anders Johannes Mario Simmel, Wahlschweizer, mit dem ich ein Jahr vor seinem Tod telefonisch in Kontakt stand. Eine herausragende Persönlichkeit, von den Medien seinerzeit immer niedergeschrieben.

Auch Siegfried Lenz durfte ich einmal persönlichen kennenlernen, in seinem Haus in Blankenese. Das hat mich damals sehr beeindruckt, wie freundlich und ganz normal dieser Schriftsteller von Weltformat gewesen war. Da möchte ich mich zum Thema Handke lieber nicht weiter äußern ...

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cobaea 02.11.2019, 22:18
8.

Zitat von ambulans
z.zt. werden literatur-preise offensichtlich ziemlich gerne an autoren verliehen, die wirklich an-ecken (können). beispiele? gerne - stanisic, handke, jetzt bärfuss (das sind die jungs); jetzt die mädels: herta müller (nicht jedem - bekannt), elfriede jelinek (nicht bei jedem - beliebt), usw. also - alles ganz genau so, wie es sich gehört ... dr. ambulans (alle kassen)
Also der Begriff "zur Zeit" im Zusammenhang mit Jelinek und Herta Müller ist echt lustig. Deren Nobelpreise liegen 15 bzw. 10 Jahre zurück. Klar haben beide seither noch andere Preise bekommen, aber die sind halt längst nicht so prestigeträchtig wie Nobelpreise und Georg Büchner-Preis oder Deutscher Buchpreis. Und die haben die beiden nun wirklich nicht "zur Zeit" bekommen. Ansonsten find eich es schön, dass mal wieder Leute, die anecken Literaturpreise bekommen und nicht nur bildungsbürgerliche Schöngeister (ohne denen jetzt die Preiswürdigkeit absprechen zu wollen)

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j.c.nolte 03.11.2019, 08:39
9. Die Macht der (inneren) Bilder

Zitat von cobaea
Ansonsten find eich es schön, dass mal wieder Leute, die anecken Literaturpreise bekommen und nicht nur bildungsbürgerliche Schöngeister (ohne denen jetzt die Preiswürdigkeit absprechen zu wollen)
Ich habe auch nichts gegen Leute, die anecken. Aber wie weit geht denn dabei Ihre Toleranzgrenze?

"Nun ist ein Interview mit Peter Handke aufgetaucht, das 2011 in der Zeitschrift "Ketzerbriefe. Flaschenpost für unangepasste Gedanken" erschienen war. Im TAGESSPIEGEL vom Sonntag zitiert Gerrit Bartels daraus. Handke soll dort zum Massaker in Srebrenica vom Juli 1995 gesagt haben: "Mir kommt es so vor, als sei es ein Racheakt von serbischer Seite gewesen. Nicht, dass ich es verurteilen würde, aber ich kann es auch nicht uneingeschränkt gutheißen." Bartels ist sich nicht sicher, ob er nicht vielmehr sagen wollte: "Nicht, dass ich es uneingeschränkt gutheißen würde, aber ich kann es auch nicht verurteilen." Was aber auch nicht gerade für Handke spräche. Die Schwedische Akademie habe von diesem Interview nichts gewusst, berichtet Bartels, die Sache werde geprüft.
Aus den Feuilletons - Ewige Diskussion um Handke

Zur Erinnerung: Es geht um die Ermordung von 7000 Männer und Jugendliche."

#379 https://www.spiegel.de/forum/panorama/handke-debatte-die-moral-ist-praechtig-thread-973505-38.html

Im Übrigen, kennen Sie zufällig das Buch 'Die Macht der inneren Bilder' des Neurobiologen Gerald Hüther? Einer der Gründe, warum ich versuche, beim Schreiben vorsichtig zu bleiben, nicht unbedingt in der Sprache, aber ganz besonders in den Sprachbildern. Nicht alles, was denkbar ist, um Grenzen auszuloten, muss man meiner Ansicht nach auch aufzeigen (mir persönlich ist die Ansteckungsgefahr zu hoch).

Außerdem gibt es ja durchaus Gedanken, die Phantasie bleiben sollten oder dürfen, sowohl im Schönen als auch im Hässlichen. Das ist zumindest meine Meinung.

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