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Büchner-Preis für Rainald Goetz: Irre
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Eine Akademie wacht auf: Endlich bekommt der Schriftsteller Rainald Goetz den Büchner-Preis. Kein anderer beherrscht den Sound der Gegenwart wie er.

mam71 08.07.2015, 14:09
1.

Aufgrund von Artikeln wie diesem habe ich einmal versucht, ein Buch von Goetz zu lesen (loslabern). Es war das bislang einzige Mal, dass ich trotz echter Bemühung ein Buch nach ca. 20 Seiten weggelegt habe.
Es mag aber daran liegen, dass ich mit dem "Sound der Gegenwart" nichts anfangen kann.

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keetenheuve 08.07.2015, 16:16
2. Merkwürdige Wendung

2012 noch "Johann Holtrop" verrissen - jetzt eine Lobeshymne. Die Prosa von Goetz hat sich nicht verändert. Herr Weidermanns Urteil allerdings um 180 Grad.

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dallgaard 08.07.2015, 16:18
3.

Ist ja alles Geschmackssache... aber wie man bei einem Werk wie "Rave" wirklich behaupten kann: "Nichts wirkt je ausgedacht, abgelesen, hinterhergeschrieben." das ist für mich völlig unverständlich. Der Autor hat entweder den Roman nicht gelesen oder hat die Rave-zeit nicht selbst miterlebt. ansonsten würde er erkennen, dass der Autor nicht der Szenekenner ist, für den er sich gerne ausgibt.

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bellfleurisse 08.07.2015, 20:17
4. Gigantische Intensität?

"Der erste Blog im Internet" wird sein Buch "Abfall für alle" genannt.

Lachhaft. Diese Kritiker denken an Internet wie man es heute kennt, es gab schon ein virtuelles "Leben" vor dem was sich heute Blog nennt.

Die Preisverleihung halte ich für eine weitere Fehlentscheidung der "Kenner"

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thomasneuhauser 09.07.2015, 11:25
5.

Schöner, programmatischer Satz von R.G. - wobei er eben nicht behauptet, dass der Stein denkt, sondern nur, dass man (im Sinne eines musilschen Möglichkeitsdenkens) davon ausgehen muss. So kommt man seinen Texten (und seinem Denken) näher, die in der großen Zorn-Tradition eines Rolf Dieter Brinkmann oder Thomas Bernhard stehen. Großer Autor, verdienter Preis. Über Weidermanns damalige Rezension von "Johann Holtrup" konnte man sich nur wundern (wobei sie natürlich auch einiges über den Rezensenten sagte). Egal, er ist ja jetzt klüger geworden und sieht die Bedeutung. Intelligente Affirmation und Teilhabe als subversive Erkenntnisinstrumente - "we'll never stop living like this!"

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derfranzderkanns 09.07.2015, 13:28
6. Götz und der Allerwerteste

Rainald Goetz ist das gern genommene zeitgeistliche Feigenblatt für Kritiker, deren Leben schon lange nicht mehr auf der Straße, sondern nur noch in feingeistigen Zirkeln stattfindet und denen die RG-Schädelschnitzerei mutmaßlich emotionale Wonneschauer bescherte. Seine Schreibe ist weder besonders originell, noch authentisch ... und schon gar nicht wortführend oder relevant für eine (mir bekannte) Szene. So viel kann ich nach "ein paar 20 Seiten" unterschiedlicher Schriftstücke wohl konstatieren. Aber was soll's ...der lässig-liberale Sinneswandel des allerwertestgeschätzten SPON-Kritikers weist schon deutlich auf die erstaunliche Qualitäts-Flexibilität der Büchner-Jury hin. Aber bitte lasst den irren Literatur-Raver MRR aus dem absurden Spiel ... Der würde sagen: Katastrophe... Obszönloch nix dagegen. Gruß DD, der Ältere

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christianhanewinkel 10.07.2015, 11:47
7. Performance und Substanz

Lieber Herr Weidermann,

zunächst einmal verstehe ich überhaupt nicht, wie man das Wettlesen um den Bachmann-Preis 2015 als langweilig bezeichnen kann. Ich habe alle Lesungen der letzten Jahre verfolgt und bin angesichts der vielen sehr guten literarischen Beiträge dieses Jahr positiv überrascht gewesen. Worüber reden wir eigentlich hier? Ach, ja, um den Büchner-Preis und um Goetz...das mit den Preisen ist immer so eine Sache - ich bedaure etwas, dass die Performance in der Literatur heute mitunter wichtiger ist als die Substanz eines Textes...von den heute weniger werdenden Lesern lesen die meisten doch immer noch allein - was soll also eigentlich immer der Popanz um Performance in der Literatur? Ja, ja, das hat immer einen Platz gehabt...meinetwegen...okay. Und who the fuck is Goetz? Einer, der auch mal mit einer Performance auf sich aufmerksam gemacht hat und heute wie die Grünen in der Politik zum literarischen Establishment gehört...man schaue sich nur mal die Ansammlung von Preisen an...liest sich wie ...man nehme einen renommierten Buchpreis und suche einen Autor, der schon mindestens fünf oder sechs Preise zuvor gewonnen hat...irgendwie erinnert mich das alles stark an die vielen getürkten Bewerberverfahren im Öffentlichen Dienst...da gibt es eine Ausschreibungspflicht, aber der Kandidat steht schon längst fest. Nicht fair das Ganze, und auch nicht im Sinne Büchner's, wobei ich keine Hintergrundeinblicke habe und deswegen nur sage...es wirkt eben mitunter so...Nun zum Wichtigsten, zum Punkt Substanz in der Literatur: Literatur braucht keine Wettbewerbe, wir aber brauchen vielfältige Literatur mit Substanz, die nicht nur anlässlich eines Ereignisses ihre Wirkung entfaltet, sondern nachhaltig einen Echoraum schafft. Warum ist der Preisträger 2015 also nicht Helmut Krausser geworden? Oder zum zweiten Mal Dürrenmatt? Oder...ach, mir fielen so viele ein...man muss nicht für Suhrkamp schreiben, um gute Literatur zu schaffen...

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