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Bürgertum und Rechtsruck: Sie taten liberal
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Der Mittelstand sah dem Aufstieg Hitlers tatenlos zu - heute geifern die Rechten wieder. Und das Bürgertum? Schweigt und versagt abermals.

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lalito 22.05.2016, 17:50
1. Das Schweigen der Lämmer

Nur die dümmsten Kälber . . . !

Nun, diese Quintessenz ist leider zu schwach und kaum haltbar. In der Ursuppe von Neid, Missgunst, Ängsten und Besitzstandswahrung ist das "bisschen rechts" sein, und genau das an den Tischen unter Freunden halböffentlich auch mal sagen zu dürfen, die systemische Energiezufuhr, die für das schon so lange währende Köcheln sorgt.

Für das abrupte Aufkochen sind dann die Gallionsprojektionsfiguren mit den extremen Gewürzen aus dem Höcke-Mörser zuständig.

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vielflieger_1970 22.05.2016, 18:05
2. Niemand will sich die braunen Schuhe anziehen

Trotzdem liegt in diesem Bericht genau jene Wahrheit, die unsere Väter und Großväter nach dem Krieg oftmals nicht mehr wissen wollten.

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e.w.s. 22.05.2016, 18:13
3. warum?

Dem Aufsatz fehlt die Schlüsselfrrage zur damaligen und. heutigen Entwicklung, nämlich, warum kam es dazu? was sind die tieferen Ursachen für diesen gesellschaftlichen Prozess? für die Zwanziger und Anfang Dreissiger Jahre ist bekannt: Der Versailler Vertrag, Arbeitslosigkeit und Verelendung breiter Bevölkerungsmassen, Orientierungslosigkeit waren der Nährboden für die Rattenfänger von damals. kann es sein, dass die Politik aus der Geschichte nichts gelernt hat? Zustandsbeschreibung und Wehklagen hilft nicht. Da muss schon etwas tiefer geschürft werden, Herr Autor.

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Nox Harrington 22.05.2016, 18:14
4. Danke, Diez!

Als "freischwebende Intelligenz" kenne ich diese Form feinironisch-liberaler Wehrlosigkeit aus dem Kontext der Neuen Sachlichkeit der 20er Jahre. Und Sie haben recht, Herr Diez, wir müssen diesmal lauter sein, viel lauter, als die.

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gellegelle 22.05.2016, 18:19
5. Probleme!

Statt um die wesentlichen Probleme unserer Gesellschaft kümmert sich Diez wieder mal um das Gespenst, das in linken Köpfen umgeht, das Gespenst des Nazismus. Kapiert doch endlich einfach, dass das über 80 Jahre her ist! Das Bürgertum in Weimar war monarchisch eingestellt, darum die Reserviertheit gegenüber der Republik. Das Bürgertum von heute ist demokratisch eingestellt, daher der Protest gegen die merkelsche DDR-Diktion von der Alternativlosigkeit!

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das_tedden 22.05.2016, 18:23
6. Bürgertum?

Wie Sie bin ich entsetzt über den Aufstieg der Rechten überall auf der Welt. Allerdings irritiert mich der Begriff "Bürgertum". Er stammt aus Zeiten, in denen darüber noch Adel oder das Großkapital und darunter noch Bauern oder die Arbeiterklasse relevant waren. Das klassische Bürgertum, wie es auch im Begleitbild angedeutet ist, gibt es so heute nicht mehr. Und: Sie schreiben über rechte Parteien und ihre Anhänger so, als gehörten diese zu irgendwelchen Aliens from outer space. Sie sind aber leider Teil unserer Gesellschaft, und es gehören Menschen aus allen Schichten dazu – vom Hartzer ohne Ausbildung über gutsituierte Angestellte und Rentner bis hin zu hochdotierten Akademikern und gut vernetzten Politikern. Ihr "Bürgertum" mischt da teilweise selber kräftig mit. Ich fürchte, es gibt überall auf der Welt ein Potenzial von 15–20 Prozent rechtsradikal eingestellten Menschen, die sich in unübersichtlichen Zeiten wie diesen offenbar trauen, ihren menschenverachtenden Unsinn öffentlich zu äußern. Nicht irgendein geheimnisvolles "Bürgertum", sondern jeder zu Empathie und Mitmenschlichkeit fähige Bürger muss helfen, dass diese 15–20 Prozent nicht die Oberhand gewinnen.

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vielflieger_1970 22.05.2016, 18:26
7.

Zitat von e.w.s.
Dem Aufsatz fehlt die Schlüsselfrrage zur damaligen und. heutigen Entwicklung, nämlich, warum kam es dazu? was sind die tieferen Ursachen für diesen gesellschaftlichen Prozess? für die Zwanziger und Anfang Dreissiger Jahre ist bekannt: Der Versailler Vertrag, Arbeitslosigkeit und Verelendung breiter Bevölkerungsmassen, Orientierungslosigkeit waren der Nährboden für die Rattenfänger von damals. kann es sein, dass die Politik aus der Geschichte nichts gelernt hat? Zustandsbeschreibung und Wehklagen hilft nicht. Da muss schon etwas tiefer geschürft werden, Herr Autor.
Sehe ich nicht so: schließlich sind diese Politiker ja alle irgendwie mal gewählt worden, sind also ein Spiegelbild der Gesellschaft ( sollten es zumindest sein). Aber der wesentlichere Punkt ist für mich: wieso lernen die Menschen nicht aus der Gesellschaft?

Natürlich könnte man das alles relativieren, hat doch ein ehemaliger Geschichtslehrer bewiesen und beweist es täglich mehr, dass er sein Fach offenkundig so rein gar nicht verstanden hat. Aber das wäre mir als Entschuldigung zu billig. Nein, der "einfache" Mensch braucht offenbar einfache Lösungen. Bzw das, was als solche in Schlagworte angepriesen werden. Dann muss man auch nicht nachdenken und kann sich so wunderbar aufregen.

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mimas101 22.05.2016, 18:26
8. Hmm Tja

eine feine aber nicht unbedingt unwesentliche Nebensächlichkeit kommt noch hinzu:
Hitler versprach gegenüber dem feinen Bürgertum Besitzstand, verkehrte auch gerne in den besseren Kreisen und füllte später deren Kassen mit Unsummen an mit Steuergeldern finanzierten Staatsaufträgen.
Allerdings: Autobahnen, die deutschlandweite Elektrifizierung, die deutschlandweite Abschaffung von Plumpsklos, Modernisierung von Städten pp wurde ebenfalls im sog. Dritten Reich begonnen und/oder vollendet (meist allerdings mit Plänen pp aus der Weimarer Republik, wie z.B. die HaFraBa).
1939 war der Nazi-Staat denn auch defacto bankrott.

Schaut man sich heute um dann versorgt sich das feine Bürgertum erneut mit Unsummen an Geldern und hat Sekundanz auch von Brüssel. Hauptsache der Rubel rollt in die eigene Tasche.
Siehe z.B. die horrenden Boni-Zahlungen in Banken AGs pp.

Der Unterschiedalerdings:
Es geht mittlerweile mit den sozialen Standards wieder abwärts, die Infrastruktur bröselt und der Selbsterhalt des feinen Bürgertums wird immer stärker durch die Unterschichten aufgebracht; eher also in Richtung einer Art Sklavenhaltergesellschaft wo die meisten nur noch das Geld für das feine Bürgertum heranschaffen.
Nachweis dieser These: Wissenschaftler haben festgestellt das die Soziale Marktwirtschaft als Gegenkorrektiv defacto abgeschafft wurde.

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Treeman 22.05.2016, 18:30
9. Die AfD ist das Sympton, nicht die Krankheit

Egal wie man es dreht und wendet:

1. Die Ängste der unteren Mittelschicht / Unterschicht sind real. Sie stehen tatsächlich nur einen Jobverlust bzw. eine längere Krankheit vor dem Sturz ins soziale Nichts. Ein Hoch auf die Sozialdemokratie, die dafür verantwortlich ist.

2. Die Flüchtlinge sind eine tatsächliche Bedrohung für diese untere Mittelschicht / Unterschicht. Sie konkurrieren (zumindest nach Anerkennung als Asylberechtigter) unmittelbar um die selben Arbeitsplätze und den selben Wohnraum - hinsichtlich der Arbeitsplätze oft unter der Randbedingungen, dass der Syrien zwar genauso schlecht ausgebildet, dafür aber 30 Jahre jünger ist und das Wort "Gewerkschaft" oft gar nicht kennt.

Die hässliche braune Suppe die jetzt in Form von AfD, Pegida & Co. hochkocht ist das Resultat von 20 Jahren verfehlter Sozialpolitik - und nur wenn die sich ändert wird man den braunen Sumpf trocken legen können.

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