Forum: Kultur
Bundesrepublik Autoland: Naturfreunde auf Parkplatzsuche
Frank Rumpenhorst/ DPA

Die Liebe zur Natur und zum Auto ist in Deutschland nicht gegensätzlich. Das macht die Debatte über die sozialen und ökologischen Kosten des Automobils so quälend - als müsste man sich zwischen Essen und Trinken entscheiden.

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rennflosse 16.09.2019, 16:51
190. Gegenseitig

Zitat von ruhepuls
Ich habe nichts gegen SUVs, denn andere Autos sind auch nicht sparsamer (große Limosinen, Kombis, Sportwagen, Wohnmobile, Vans usw.) Allerdings ist finde ich es witzig, wenn jetzt dauernd irgendjemand "sein SUV" als notwendig darstellt. Generell ist typisch für die Diskussion, dass immer wieder versucht wird, gerade das eigene Verhalten als unabdingbar darzustellen (bin Pendler, wohne außerhalb, Kinder zur Schule usw.). Der schwarze Peter wird hin und her geschoben nach dem Motto: Heiliger Sankt Florian, fang beim Sparen bei anderen an.
Sofern es eine Lösung für die Probleme des Klimawandels gibt, so liegt sie jedenfalls nicht darin, wer wann welches Auto fährt und ob er darüber Konsens mit anderen erzielen kann oder will.

Oder anders gesagt: das Problem ist ein weltweites. Und es ist nur allzu einfach für Wirtschaft und Politik, die Dinge im kleinen Deutschland zu privatisieren mit der Folge, dass wir uns in Diskussionsforen gegenseitig unseren Lebensstil und unsere Mobilitätsgewohnheiten um die Ohren hauen.

Teile und herrsche. Indem das dumme Volk gegeneinander aufgehetzt wird, können die Herrschenden die Hände in den Schoß legen.

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brot&salz 17.09.2019, 09:00
191. Psychologie

Ich könnte mir vorstellen, dass weniger Leute Auto fahren würden, wenn Sie vor jeder Fahrt etwas bezahlen müssten, wie bspw. beim Tram-Fahren. Für das Auto drückt man beim Kauf einmalig viel Geld ab, dann einmal jährlich für die KfZ-Steuer und die Versicherung und dann vielleicht einmal wöchentlich oder monatlich für Benzin. Üblicherweise, kann man aber vor die Haustür treten und direkt mit seiner Individualfahrt beginnen und hat irgendwie das Gefühl - bequem und kostenfrei. Mir geht es jedenfalls so. Wenn ich dran denke, für den ÖPNV eine Fahrkarte kaufen zu müssen, überlege ich x-Mal, ob es nicht noch kostenfreie Möglichkeiten gibt (z.B. laufen, Rad), wenn nicht, tut das Münzen Einwerfen jedes Mal ganz schön weh. Gut, für Monatstickets gilt meine Theorie nicht.

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mwroer 17.09.2019, 10:53
192.

Zitat von mr.pixel
Ich war 9 Jahre lang Pendler zwischen Limburg und Wiesbaden, mit Bus und Bahn. Klar gab es unschöne Situationen, aber in der Regel lief das neun Jahre lang relativ reibungslos. Ich habe mein ganzes Leben lang noch kein Auto besessen und bin immer gut angekommen. Von daher: Es funktioniert. Ein wenig mehr Einsatz, weniger Bequemlichkeit und Demut vor unseren Kindern und nachfolgenden Generationen kann nicht schaden! Aber mehr als ein quengelndes "das lass ich mir jetzt nicht auch noch nehmen" scheint bei vielen nicht drin zu sein. Bedauerlich.
Nein, bedauerlich ist das genau die Variante die bei Ihnen funktioniert von den radikaleren der 'Aktivisten' generell jedem übergebügelt werden soll.

Was bei Ihnen funktioniert, funktioniert nicht zwangsweise bei anderen.

Limburg - Wiesbaden dauert mit Bus und Bahn grob 1.5 Stunden, also sagen wir von Haustür zu Haustür 2 Stunden. Das sind 4 Stunden die man rein mit dem Weg von und zur Arbeit verbringt. Ihnen hat das offensichtlich nichts ausgemacht. Prima.

Nun haben Sie Familien mit Kindern wo beide arbeiten, Familien mit Kindern mit nur einem Elternteil wo die Kinder einfach noch nicht in dem Alter sind wo man sie von 6:30 Uhr morgens bis 19:30 Uhr Abends alleine lassen kann, Menschen die ihre Kinder ggf auch mal im Wachzustand sehen wollen und viele, viele andere Varianten wo Ihr Modell eben nicht funktioniert.

Es ist nun mal abartigerweise so das man schneller aus Wolfsburg nach Berlin pendelt als von Limburg nach Wiesbaden.

Dazu kommt das man einen Großeinkauf für eine vierköpfige Familie nicht mit Bus und Bahn bewältigt. Auch nicht mit dem Fahrrad - und ich habe schon ein komplette Sitzgarnitur für den Garten (1 Tisch, 6 Stühle) auf meinem Fahrrad vom Baumarkt nach Hause gebracht. Ich musste schieben aber ... ging halt und ich habe auch nicht eingesehen extra mit dem Auto wiederzukommen.

Nicht die Menge ist das Problem, sondern das Format.

Wer kein Auto braucht der sollte drauf verzichten nur die Arroganz bei vielen zu behaupten 'Das funktioniert für jeden, man muss nur wollen' die ist einfach atembenehmend und dagegen werde ich mich immer wehren - auch als jemand der wesentlich öfter Fahrrad fährt oder zu Fuß geht als das Auto zu benutzen.

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juergen67 17.09.2019, 14:28
193. Lustig,...

...während man diesen durchaus treffenden Artikel liest, kann man dank Spiegel Online (wie auf allen kommerziellen Webseiten) auf der rechten Bildschirmhälfte in einer formatfüllenden Riesenwerbeanzeige per Mausklick den nächsten SUV ordern.... Weil zu viele an der irren Maschinerie mitverdienen, wird sich nichts ändern. Es geht längst nicht mehr um ein praktisches, sparsames, günstiges und somit noch zu rechtfertigendes Transportmittel. Es geht um Style, Konsum, Hubraum, PS, Egoismus, Umsatz, zufriedene Aktionäre und das Recht des "Stärkeren" auf der Straße. Denn wer braucht sonst die immer kürzer werdenden Produktzyklen? Mehr Ressourcen, mehr Blech, Ballonreifen, Doppelgarage zum Parken, hoch oben am Steuer der "freie Bürger". Und als Sahnehäubchen eine hilflose Verkehrspolitik. Ich möchte mir die Welt in 50-100 Jahren nicht mehr vorstellen...

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leserschwert 18.09.2019, 00:28
194. das Problem ist...

dass Autos keine Menschen mehr transportieren, sie transportieren zu 90% sich selbst. 1500kg Mittelklasse (Golfklasse) mit einem Insassen 75kg ergibt sogar nur 5% "Mensch" in einem Auto. Der Wahnsinn wird einem dann bewusst wenn man das zulässige Gesamtgewicht anschaut. Da kann es dann schon mal passieren das in einem normalen Golf mit 5 Sitzen keine fünf Männer mitfahren dürfen weil er dann überladen ist. Der 1500kg Wagen hat nämlich nur eine Zuladung von 500kg. Selbst so "überladen" läge der Anteil "Mensch" bei nur 25%. Und das ist jetzt ein "normales" Auto und kein SUV. Der wiegt dann 2000kg darf aber auch nur 500kg zuladen. Beim Thema Auto geht es schon lange nicht mehr um Mobilität.

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dodo132 18.09.2019, 07:31
195. Bahn

Was verschwiegen wird ist, dass in China aus Prestigegründen eine Bshnschnellstrecke gebaut wird, und dabei niemand großartig angehört werden muss, keine Kommune, keine betroffenen Bürger, usw. Schon wieder wird China als Innovationsland gelobt, was nicht zuletzt mit einem rigorosen Vorgehen der Verantwortlichen zu tun hat. Kleine Leute können sich dort eine Fahrt im Hochgeschwindigkeitszug kaum leisten.

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