Forum: Kultur
Chancen-Gerechtigkeit: Hat uns irgendjemand das Paradies auf Erden versprochen?

Warum jammern? Die bloße Existenz gibt einem noch lange nicht das Recht auf eine Mietwohnung, Menschenrechte oder seine Ruhe. Wer das versteht, erträgt das Leben ein wenig leichter.

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mr.feelgood 21.04.2014, 16:59
230.

Zitat von istnurmeinemeinung
Stellen Sie sich vor, sie wären nicht in einer "freiheitlich demokratischen Grundordnung" geboren worden, sondern in einem Feudalstaat. Wo ein König entscheided, was Recht und Unrecht ist. ... Zum Schluss ein Zitat aus dem Buch Shogun von James Clavell: "Es gibt keine mildernden Umstände bei einem Aufstand gegen einen souveränen Herrscher." - "Außer wenn man gewinnt."
Wir leben in einer marktkonformen Demokratie, die vielen Bürgern große, persönliche Nachteile bringt, weil sie es nicht mehr schaffen können, aus ihren niedriglohnbedingten Lebensverhältnissen herauszukommen.
Das ist politisch so gewollt und festgezurrt.

In dieser marktkonformen, also der Wirtschaft angepassten Arbeitsmarktgesellschaft bestimmt zwar nicht der König, aber diese Gesellschaft, wer was verdient, im doppelten Sinne.

So leben wohl einige sehr wohl in einem irdischen Paradies, wofür die anderen schwer arbeiten müssen und doch zu keinem wirklichen Wohlstand kommen.

Von Fairness brauchen wir dabei nicht sprechen....

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istnurmeinemeinung 21.04.2014, 17:35
231.

Zitat von brut_dargent
Bleibt die Frage nach der Definition, wer der Stärkere ist. Meine lautet: Die Kraft der Liebe.
Liebe ist nur eine mächtige emotionale Bindung zwischen Menschen. Das kann vieleicht ein Vorteil für Menschen sein, welche sich in einem Konflikt mit Außenstehenden befinden. Liebe als solche aber stellt keine Ansprüche und bewegt auch nichts. So wenig wie der Glaube Berge versetzen kann. Aber die Gläubigen können es tun.

Letztlich geht es bei Rechten um Interessenskonflikte. Es gibt also Konfliktparteien, die jeweils bestimmte Ziele haben. In der Rückbetrachtung ist "der Stärkere" also die Konfliktpartei gewesen, die ihre Ziele besser und mit weniger Verlusten durchsetzen konnte.

Ludwig XIV sagte noch: "Der Staat bin ich." Zwei Generationen später erhob sich die Bevökerung gegen seinen Enkel, um für ein paar mehr Rechte zu kämpfen. Plötzlich waren die Bürger der Staat, und Ludwig XVI einen Kopf kürzer.

Gandhi wollte zunächst auch Gleichberechtigung bzw. keine gesetzliche Benachteiligung von Indern, später dann die Unabhängigkeit Indiens. Dabei verstoßen er und seine Anhänger oft gegen geltendes Recht. Aber letztlich erlangte Indien die Unabhängigkeit. Obwohl sie Gewaltfreiheit propagiert und gelebt haben, erreichten sie ihr Ziel, und waren damit letztlich die stärkeren. Diese Gewaltlosigkeit basierte auf nicht auf dem Konzept der Nächstenliebe, sondern auf dem Glauben, das Gewalt schlechtes Karma erzeugt und man sich somit selbst schadet.

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aljoschu 22.04.2014, 00:35
232. Super, anhesas,

Zitat von anhesas
Weltschmerz Frau Berg, Beziehung in die Brüche gegangen? Nichts mehr von niemandem zu erwarten heißt medizinisch "Depression". Oder wertfrei "Hoffnungslosigkeit". Wir können nichts ändern also verfallen wir in Duldungsstarre wie das Beutelteufelweibchen bei der Zwangsbegattung durch den Beutelteufel? Das ist die Kapitulation vor dem Recht (!) des Stärkeren. Wahlen - Demokratie - können wir dann auch gleich abschaffen. 10.000 Jahre Zivilisation für'n Arsch? Kehrt Marsch zurück in's Tierreich. Oder nur der Rat an die, deren Stellenwert in der "freien Marktwirtschaft" gering geschätzt wird? Junge, Junge, da offenbart uns aber jemand seine ganz dunkle Seite und ein gruseliges Menschenbild. Sowas schreibe ich an schlechten Tagen nach 1,5 Litern Wein. Und schmeiß' es am nächsten Morgen weg. Meine Empfehlung, liebe Frau Berg - und Kopf hoch. Es wird schon wieder.
Danke für den lapidar-eloqenten Kommentar! Sie treffen damit genau den wunden Punkt der Dame.

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anhesas 22.04.2014, 00:38
233. Oben und Unten

Zitat von thelma&louise
Eine Ausgeburt unseres Lebens in der Komfortzone, auf so eine Idee kommen nur Mitteleuropäer, saturiert und frei von echten Sorgen. Das ist hier die Message, Leute, regt Euch ab, natürlich kann man Dinge besser machen, aber es geht uns Mitteleuropäern schon verdammt gut.
Natürlich geht es immer irgendo irgendwem schlechter als uns Mitteleuropäern. Die griechischen Mitteleuropäer mal ausgenommen. Was sind schon unsere Niedriglöhne verglichen mit den Arbeitsbedingungen in Bangladesh, unsere erhöhten Cholesterinspiegel gegen den Hunger in der Sahelzone? Mit der Argumentation können Sie jeden heimischen Kritiker beschämen.

Wir alle haben keine Natur gegebenen Rechte. Deshalb muss man sie erkämpfen, wenn man sich nicht mit dem begnügen will, was übrig bleibt. Das machen die Saturierten auch - und damit meine ich nicht die deutschen Durchschnittsverdiener:

„Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen" (Warren Buffett).

Leider merkt das nicht jeder. Man kann mit den Krümeln zufrieden sein, die vom reich gedeckten Tisch fallen - ok. Man kann sich aber auch fragen, mit welchem Recht und nach welchem Maßstab ein Vorstandsvorsitzender 16 Mio kassiert, während der Mann am Band 1.400 netto bekommt. Statt sich nach dem Blick nach unten beruhigt nach hinten zu lehnen - ach wie geht es uns doch gut.

Frau Berg empfiehlt, keine Rechte einzufordern und mit den Krümeln zufrieden zu sein. Und macht sich - Nachsicht für die klassenkriegerische Formulierung - zum Büttel der Besitzenden. Ich kann die Zustimmung im Forum nicht verstehen - es sei denn, sie kommt von denen, die am Tisch sitzen. Und nicht bettelnd daneben.

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naive is beautiful 22.04.2014, 03:45
234. na klar, die Diskussion musste ja zwangsläufig ins Jammertal abgleiten...

..und Wenige haben den Beitrag von Frau Berg (Kompliment dazu übrigens) wohl wirklich verstanden.
So wie ich ihn lese, ist er einer Ermutigung zur Eigeninitiative und Eigenverantwortung - anstatt darauf zu warten dass 'der Staat', 'die Obrigkeit', besorgte Vermieter oder andere Kümmerer irgendwann auch mal bei mir vorbei zu schaut und fragen was ich denn so von ihm brauchen könnte...

Seltsam (nein, war im Grunde eigentlich zu erwarten) an vielen Kommentaren ist, dass Viele sofort reflex- und gebetsmühlenartig auf die (hiesigen) Grundrechte verweisen, völlig außer acht lassend dass es diese keineswegs nur in der Theorie gibt - oder unverzüglich das große allgemeine Wehklagen über die immer wieder gen zitierte Ungleichheit zwischen 'arm und reich' zu beklagen.
Viele vergessen oder ignorieren darüber die eigenen Möglichkeiten, manche auch die eigenen Pflichten gegenüber der Gesellschaft, ihre Familie, und sich selbst.
Ich bereise beruflich den Globus, ca. 8 Monate im Jahr, und sehe fast jede Woche, wo die EIGENTLICHEN, ernsthaften Probleme dieser Welt liegen - wahrlich nicht hier in Deutschland!
Leute: Wer von Euch hate KEINE Wohnung, ernsthaft?? Die hat JEDER, der es will - natürlich nicht automatisch im Münchener Zentrum, Berlin-Mitte, Hamburgs Villenvierteln oder in anderen teuren Wohnlagen. Wer von Euch hat sich vielleicht mal selbst ernsthaft gefragt, ob er/sie DEN Job hat, den er/sie sich wünschen würde - und wenn nicht, warum...? Wer von Euch ist Leistungsempfänger statt Steuerzahler - und warum, und wer von den Leistungsempfängern will ernsthaft infrage stellen, dass es hier in Deutschland eine Solidargemeinschaft gibt? Das ist ja auch überhaupt nicht Thema des Beitrags von Frau Berg.
Wohl bemerkt: Ich bin seit Jahrzehnten Steuer- und Abgabenzahler, und ich beklage mich nicht im Geringsten darüber, denn ich sehe auch was ich dafür bekomme. Ich bin auch kein 'Serienblogger', dafür fehlt mir schlicht die frei verfügbare Zeit. Aber mir schwillt der Kamm, wenn ich so genial neunmalkluge Kommentare lese, die unser Staats- und Rechtssystem aus Prinzip und mit mehr als fragwürdigen Statements kritisieren. Die Empfehlung 'geht mal nach Afrika' spare ich mir hier, es genügt schon, einfach mal einen Blick über unsere Staatsgrenzen zu werfen und über Europa schweifen zu lassen...

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volker_morales 22.04.2014, 12:23
235. Wertvorstellungen

Es soll ja Menschen geben, die Gutes tun, indem sie willentlich Gutes bewirken. Einfach nur, weil sie es richtig und notwendig finden, sich zu engagieren. Helden oder nützliche Idioten? Ich fürchte, dass die Mehrheit in Deutschland solche Menschen als nützlich Idioten sieht, die ordentlich besteuert gehören, sollte sie unverschämterweise auch noch ausnahmsweise finanziell erfolgreich sein.

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mr.feelgood 22.04.2014, 19:46
236.

Zitat von sysop
Warum jammern? Die bloße Existenz gibt einem noch lange nicht das Recht auf eine Mietwohnung, Menschenrechte oder seine Ruhe. Wer das versteht, erträgt das Leben ein wenig leichter.
Ein schöner Vortrag war das, ob ideologietreu oder ironisch.

Das Land ist eine Folie, auf der diverse Gesetze und Paragraphen gedruckt sind. Scheinbar ist anschließend alles auf Chaos oder Zufall angeordnet mit einigen Mitspielern, die Magnete installiert haben und das Eisen im Feuer halten.

Ansonsten spielt das Leben eines einzelnen wenig Rolle, außer für den einzelnen.

Das ist schon lustig.

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erdmann.rs 16.08.2015, 14:43
237. Wer hat welches Recht

Liebe Frau Berg, vor kurzem las ich eine Kolumne von Ihnen, von der ich
glaubte sie - bzw. Sie - auch verstanden zu haben.
Diesmal habe ich wieder Probleme mit dem Verstehen,
was wohl auch daran liegt, dass ich ganz einfach nicht
alles richtig finde, was Sie schreiben.
Sie behaupten sinngemäß, kein Mensch hat "das Recht"
- auf was auch immer - quasi von Geburt an.
(Zitat:)
Alle Sätze, die mit "Das ist mein gutes Recht..." beginnen, kann man meist mit einem beherzten "nein, ist es nicht" beenden. Es gibt weder das Recht, unversehrt sein Leben zu beenden, noch von Gemeinheiten verschont zu bleiben. Es gibt kein Recht darauf, nicht verletzt, beleidigt, bespuckt zu werden.
(Zitatende:)
Die N a t u r kennt keinen Unterschied zwischen Recht
und Unrecht, auch wenn man gemeinhin vom "Recht
des Stärkeren" spricht. In der Natur bedeutet das aber
nichts anderes als Evolution.
Menschliche Gesellschaften haben sich aber schon sehr
frühzeitig selbst "Regeln und Gesetze" gegeben, nach
denen sich ihr Zusammenleben ausrichten sollte.
In Deutschland. einem demokratischen Land des 21.Jahrhunderts, gilt das natürlich auch.
Demnach hat eben doch jeder hier ein Recht darauf,
nicht verletzt, beleidigt oder bespuckt zu werden, eben
ein Recht auf Unversehrtheit. Das können Sie doch nicht
ernsthaft leugnen wollen. Eine andere Frage ist, ob auch
wirklich jeder dieses verbriefte Recht bekommt bzw. für
sich oder andere durchsetzen kann. Das wollte ich mal zum I n h a l t Ihrer Kolumne anmerken.
Ihr mitunter sehr eigenwilliger Schreibstil ist mir auch
oft einfach nur zu sehr "gewollt". Damit meine ich nicht
unbedingt die Kraftausdrücke, die Sie benutzen.
Warum schreiben Sie nicht einfach in "richtigen Sätzen"
(Grammatik, Satzbau usw.)? Wem wollen Sie mit den
Brocken, die Sie da hinwerfen, denn imponieren?
Hier sind mal schnell ein paar Beispiele dazu (Zitat.)
Und so fucking weiter. Von keinem. Weder eine bezahlbare Wohnung. Die Steuern, meine Güte, die Steuern. Für nicht mehr. Und schon gar nicht für Sie.
Oder mich. (Zitatende)
Warum verhunzen Sie die Sprache so sehr? Welche
Leser wollen Sie damit ansprechen oder gewinnen?
(Zitat:)
Nichts weiter. Keine Pointe. Keine Erkenntnis. Außer: Jeder hat Recht. Nur leider ist das allen vollkommen egal. Und das zu Recht. (Zitatende)

Dieser letzte Absatz Ihrer Kolumne trägt leider auch
nicht zu irgendeinem Erkenntnisgewinn bei.
Eigentlich würde ich mir den wünschen und nicht immer
nach solcher Lektüre eine Weile "ratlos" herumsitzen.

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