Forum: Kultur
Chancen-Gerechtigkeit: Hat uns irgendjemand das Paradies auf Erden versprochen?

Warum jammern? Die bloße Existenz gibt einem noch lange nicht das Recht auf eine Mietwohnung, Menschenrechte oder seine Ruhe. Wer das versteht, erträgt das Leben ein wenig leichter.

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wauz 19.04.2014, 21:33
60. Bloßes Gesülze

Es ist zwar richtig, dass Aufregen nichts bringt. Aber alles ergeben hinzunehmen bringt auch nichts. Frau Berg darf es für sich gerne so halten, ihre Affektstörung etwas weniger zu füttern. Ist tatsächlich gut für den Kopf. Aber man kann auch nüchtern und sachlich feststellen, dass bestimmte Dinge nicht in Ordnung sind. Und dagegen vorgehen. Und dabei darf man auch Kraft aus seinen Gefühlen ziehen. Wut kann dabei helfen, den unverschämten WG-Mitwohner aus dem Zimmer zu werfen, wo er nachts um halb zwölf nichts zu suchen hat. Bloß sollte man es schaffen können, diese Angelegenheit am nächsten Morgen in Ruhe noch einmal zu besprechen.
Frau Berg verwechselt da ihr eigenes Grübeln mit einem Sinn dafür, was gut und richtig ist.

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Dio_genes 19.04.2014, 21:45
61. kämpfen

Zitat von anton014
... Ich könnte viele weitere Beispiele aufzählen, um klar zu machen, dass grundsätzlich keiner einen Anspruch darauf hat, dass ein anderer ohne Gegenleistung für ihn arbeitet. Leider gibt es zu viele, die das nicht begreifen wollen oder einfach nur zu gut verstehen, andere für sich auszunutzen.
Es war immer so - und ist es noch heute - dass die Reichen nicht mehr arbeiten (ich meine echte Arbeit) als diejenigen, die tatsächlich Waren und Dienstleisungen erstellen.

Diese Herrschaften lassen dann ihr (ererbtes, ergaunertes oder gewonnenes) Kapital "arbeiten". Das bedeutet im Regelfall Ausbeutung von schlecht bezahlten Mitarbeitern, Betrug an Vertragspartnern oder am Staat, Vergewaltigung der Umwelt...

Diejenigen, die die Regeln (Gesetze) bestimmen (z. B. Bestechung von Parteien durch Spenden), nämlich die Reichen, die profitieren auch am meisten von den gewünschten Regeln. Die Profiteure des Systems kann man an den Einkünften und am Vermögen ablesen.

Einen Ausgleich kann die Gesellschaft nur schaffen, wenn die Gewinner des ungerechten Systems stärker herangezogen werden, um ein wenig mehr Verteilungsgerechtigkeit zu schaffen. Oder man ändert die Regeln dahingehend, dass alle eine vernünftig bezahlte (körperlich und geistig zumutbare) Arbeit bekommen. Und dass Menschen, die nicht in der Lage sind zu arbeiten (Alte, Kranke, Kinder...) angemessen am System teilhaben (dann müssen die Bonzen halt etwas mehr von ihren riesigen Vermögen abgeben).

Sibylle Berg hat zwar Recht, dass einem niemand Gerechtigkeit versprochen hat, aber man sollte nicht aufhören, gegen Ungerechtigkeiten aufzubegehren.

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WernerS 19.04.2014, 21:59
62. Alles ist ungerecht verteilt.

Zitat von Dio_genes
..... Sibylle Berg hat zwar Recht, dass einem niemand Gerechtigkeit versprochen hat, aber man sollte nicht aufhören, gegen Ungerechtigkeiten aufzubegehren.
Glück, Gesundheit, Intelligenz.
Da können Sie aufbegehren soviel sie wollen, da gibt ihnen keiner was ab.

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tom-pac 19.04.2014, 22:09
63. Die Ursache bin ich selbst

diese manchmal zynischen, oft verzweifelten und wütenden, jedoch immer und vor allem menschlichen Kolumnen hätten von Thomas Bernhard stammen können. Vielen Dank Frau Berg!

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flutschfinger 19.04.2014, 22:23
64. Genauso ....

.... ist es, Frau Sybille! Life is a moment in space. Du kannst das große Ganze nicht ändern, sondern in deinem kleinen Rahmen einfach der mutige Mensch im Sinne von Möbius sein. Jedoch ist Alles zu ertragen, wenn man es als Komödie begreift und viel Humor hat.
Endlich mal ein Text, der nicht lamentiert im Sinne von Anklagen, sondern gefällt wie Ihre Bücher.

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serene 19.04.2014, 22:25
65. optional

Seltsam, dass hier so viele einen Artikel feiern, der im Grunde genommen sagt: existiert einfach, egal wie- das muss ausreichen. Was nämlich völlig fehlt in den Gedankengängen von Frau Berg, ist die Idee, dass wir selbst verantwortlich für unser Leben sind- dann würde der Text Sinn machen. Aber genau diesen aktiven Aspekt unseres Lebens erkennt sie vermutlich selbst nicht, sondern erklärt uns lieber, was wir schon wissen, und was auch sie vermutlich frustriert: es gibt zwar geschriebenes Recht- mit der Verwirklichung aber ist das eine andere Sache. Nur finde ich, dass man genau da weiter denken und auf unsere Eigenverantwortung hinweisen könnte. Was ist denn "der Staat", oder "die Regierung"? Wir alle schliessen eine Art gesellschaftlichen Vertrages ab, und wählen Leute, um Regeln und Gesetze des Zusammenlebens zu kontrollieren, zu überprüfen und ggf. zu verändern. Das ist weder Zufall noch scheissegal. Und weil Frau Berg offenbar nicht weiter denken kann/will, unterstellt sie Online-Lesern, uns also, lieber schnell mal eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, und macht es sich einfach. Viel fruchtbarer wäre es, mal zu fragen, woran es denn liegt, dass so viele Menchenrechte ganz offenkundig nicht verwirklicht sind- und was wir selbst in dieser Hinsicht tun können. Dazu aber ist Frau Berg zu bequem-passiv- und genau diese Geisteshaltung ist EIN Grund, warum immer wieder die gleichen Leute gewählt werden, von denen eigentlich jeder mittlerweile wissen müsste, dass sie sich nicht wirklich für das, was man Gemeinwohl nennt, interessieren.

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r-flection 19.04.2014, 23:09
66.

Zitat von anton014
... der Gedanke, dass man sich eine nette Wohnung vom Verdienst der eigenen Arbeit leisten kann, ist Ihnen fremd? Sie kommen sofort auf Gewaltanwendung? Für Sie ist sozial, was man kostenlos, bzw. auf Kosten der anderen bekommt? Frau Sybille ist so zuzustimmen, das glaubt man kaum. Viele, die das Solidaritätsprinzip einfordern, sind nichts weiter als egoistische Schmarotzer. Wenn man sein Feld bestellen müsste, um etwas zu Essen zu haben, wäre das auch nur durch eigene Arbeit erreichbar, nicht durch den Anspruch darauf, dass andere für einen arbeiten. Wenn wir von mangelhafter Solidarität reden, zeigen wir immer auf die da oben. Bei denen da unten gibt es mangelnde Solidarität genau so. Ausnutzen von Sozialsystemen, statt selbst mal die Kurve mit eigener, bezahlter Arbeit zu bekommen. Versicherungsbetrug, der zu höheren Beiträgen für die anderen Beitragszahler führt. Ständig klagen, dass die da oben zu wenig Steuern zahlen, aber selbst gar keine bezahlen. Ich könnte viele weitere Beispiele aufzählen, um klar zu machen, dass grundsätzlich keiner einen Anspruch darauf hat, dass ein anderer ohne Gegenleistung für ihn arbeitet. Leider gibt es zu viele, die das nicht begreifen wollen oder einfach nur zu gut verstehen, andere für sich auszunutzen.
Also ich habe kein Problem mit meiner Arbeit und durch meine Steuern Menschen, die aus, welchen Gründen auch immer, von Hartz IV leben, zu unterstützen. Leben und leben lassen nennt man das, d.h. froh sein, dass man nicht in der Situation ist und falls man in die Situation kommen sollte wenigstens einen Minimalanspruch zu haben. Ich kann dieses ganze Gequatsche von den angeblichen Sozialschmarotzern am unteren Ende der Leiter sowieso nicht mehr hören. Meine Lebenserfahrung hat mich gelehrt, dass die große Mehrheit der Menschen in der Regel willens und bereits ist langfristig für sich selbst zu sorgen. Die kleine Minderheit die dass nicht kann oder nicht will (weil sie s irgendwie nicht kann/auf die Reihe bekommt) sehe ich als Kollateralschaden unseres Wirtschaftssystems und unterstütze ich gern. Bin doch kein assozialer Unmensch.

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olli_65 19.04.2014, 23:11
67. Ich denke

Der Artikel fordert einfach zu mehr Toleranz auf. Klar hat niemand das Recht mit lauten Motorädern fossile Brennstoffe zu verbrennen, gleichzeitig hat aber auch niemand das Recht dagegen zu sein. Mann sollte einfach mehr eigenverantwortlich und tolerant durch die Welt gehen.

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david.bowman 19.04.2014, 23:19
68. Ein Meisterstück!

Die ultimative kopernikanische Wende. Das Erkennen der ungeheuren eigenen Bedeutungslosigkeit. Hinter dem Schmerz und der Wut über die Machtlosigkeit. Hinter der Empörung über die schmerzhafte Erkenntnis des jammernden und wütend kreischenden Ichs. Universelles egal sein.

Der einzige Weg, das Leben erträglicher zu machen: das aufgeblähte Ich auf das winzigste Maß zusammenschrumpfen zu lassen. Die Chance, die guten Sachen wirklich zu schätzen, wird größer.

Die wütende, belehrende, psychologisierende Auseinandersetzung im Forum zeigt, dass die kleinste Ahnung der eigenen Bedeutungslosigkeit mit allen Mitteln bekämpft werden muss. Kein Pfeifen im Walde, eher ein ohrenbetäubendes Kreischen und Jammern …

Seien Sie meiner tief empfundenen Bewunderung versichert, Frau Sibylle.

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babaluaye 20.04.2014, 00:24
69. Wow.

Die erste richtig gute SPON-Kolumne von Sybille Berg. Nicht dass die anderen schlecht waren, aber eben nicht von der Qualität ihres sonstigen Schaffens. Freude.

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