Forum: Kultur
China: Ai Weiweis Atelier zerstört
AP

Eine alte Halle war der Hauptarbeitsplatz Ai Weiweis in China. Nun ist das Studio des regierungskritischen Künstlers eingerissen worden. Nicht alle Kunstwerke konnte sein Team retten.

neanderspezi 05.08.2018, 15:31
1. Alles Freischaffende wird von der Macht scharf zensiert

Regierungspolitik und Kunst gehen nur dann erbaulich zusammen, wenn die Kunst sich bemüht der Politik hilfreich zur Seite zu stehen, im anderen Fall wird sie als schädlich klassifiziert und möglichst rasch beseitigt, bevor es ihr gelingt die Bevölkerung zur Nachdenklichkeit über die ausgeübte Politik anzuregen. Hierbei kommt eindeutig das Gesetz des Stärkeren zur Geltung und schwelende Fragen gegenüber den Machtausübenden können dabei vermeintlich leicht aus der Welt geschafft werden. Alles was die Bevölkerung zu nicht statthaften und damit unerwünschten Überlegungen verführen könnte, wird nach Möglichkeit im Keim erstickt. Die Machthaber fürchten dabei nur, dass etwas für sie Schädliches im Untergrund und unentdeckt sein Dasein weiter fristen könnte.

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hisch88 05.08.2018, 21:02
2. Ai Weiwei + Liu Xiaobo

Was immer noch nicht außerhalb Chinas durchgedrungen ist.

In China ist Ai Weiwei komplett unbekannt, somit gibt es dort kein Problem mit ihm. Ebenso mit dem Nobelpreisträger Liu Xiaobo , den auch keiner kennt.

Das ist jetzt nur eine Feststellung von mir, keine Wertung.

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Beijinger 06.08.2018, 00:42
3. @hisch88

Das kann ich nur bestätigen. Ai Weiwei lebt in Berlin und wird in D als Dissident, bzw Regimekritiker angesehen, was ihm beim Verkauf seiner “Kunstwerke” entsprechenden Profit bringt. Jetzt haben die Pekinger Behörden seine gemietete Halle eingerissen, der Mietvertrag war ohnehin ausgelaufen. So what? Und im übrigen ist letzte Nacht in meiner unmittelbaren Nachbarschaft wieder ein Sack Reis umgefallen, alles gut gegangen, niemand verletzt.

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neanderspezi 06.08.2018, 13:52
4. Die Reissäcke stehen in China vermutlich zum Umfallen Spalier

In Zukunft wird also die Partei in China Kunst generieren, freischwebend und unangefochten, Kultur in geschmackvoller Verpackung und so nichtssagend wie es der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung angemessen erscheint. Diese schrecklichen Dissidenten kann sich eine Einwegpartei nun mal nicht gefallen lassen, sie kommen der Verherrlichung ihrer Führer nicht in angemessenem Umfang entgegen und kreieren Unsäglichkeiten, die das Bild der Partei in Richtung Entsorgungs- und Abschaffpartei rücken und sowas ist nun mal der Macht im Absolutzustand komplett zuwider.

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albatrosmz 06.08.2018, 18:17
5.

Wer unvoreingenommen diese Dinge betrachtet, dem fällt etwas auf. Der Kampf der Systeme sowohl im damaligen kalten Krieg als auch jetzt wurde und wird auch in und mit der Kulturszene geführt. Eigentlich ist das nicht verwunderlich, bei uns im Westen wird das nicht gern eingestanden, weil solch Eingeständnis u.a. ein Teil der Wirkung z.B. des Nobelpreises nehmen würde. Unsere westlichen Institutionen werden dafür oft schamlos mißbraucht, wie das Nobelpreis-Komitee. So nahm Satre den Nobelpreis nicht an, weil Scholochow den Preis längst verdient hätte, er aber immer wieder übergangen wurde. Wichtigstes Instrument in diesem Kampf stellen unsere Medien dar. Etwas überspitzt gesagt, sobald ein Kritiker seines Staates im Ostblock ein halbwegs lesbares Buch geschrieben hatte oder einen Pinsel auch nur richtig herum in die Hand nehmen konnte, waren wir schnell dabei mit unseren Institutionen und Medien, ihn in Stellung zu bringen in der Klassenauseinandersetzung bzw jetzt, z.B. wenn in China oder Rußland sich die Gelegenheit bietet. Das erklärt die Leserbeiträge 2 und drei, denen ich zustimme. Ähnliches las ich vor einiger Zeit über Ai Weiwei in einer renommierten Zeitung, ich glaube' der SZ, in der glaubhaft begründet wurde, daß seine künstlerischen Fähigkeiten unbedeutend sind. PS : Um nicht falsch verstanden zu werden, natürlich gibt es auch Menschen, Künstler, Schriftsteller, die von allen Seiten anerkannt völlig zu recht von unseren Institutionen und Medien gefeiert und ausgezeichnet werden.

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BrunoGlas 12.08.2018, 02:57
6. Foristen 1 - 5

Dieses sinnentleerte und völlig seelenlose und zugleich intellektuell niveaulose Geschwätz der Leser in den Kommentarspalten kommt im Grunde wie eine Zeitkrankheit daher; schlussendlich trägt es auch nichts zur demokratischen Meinungsbildung bei. Ich frage mich nur, warum die Spiegel-Redaktion das Niveau in den Kommentarspalten so absaufen lässt, dass unter dem Deckmantel eines Kulturbeitrages letztlich nur noch unverhohlen Fremdenhetze oder Systemhetze betrieben wird. Es gibt fast nichts anderes mehr.

Zu Ai Weiwei selber. Der Mann ist jetzt schon über sechzig Jahre alt, hat einen jahrzehntelangen Kampf gegen das chinesische Unterdrückersystem hinter sich, gleichzeitig wurde und wird er permanent bedroht. Mit Mühe und Not konnte er ausreisen und hat in Berlin als Professor an der UDK wieder Fuß gefasst, wenn auch nur temporär. Eigentlich wollte er wieder weg, ... "weil es ihm in Deutschland zu kalt ist". Als ich das von seinen Studenten hörte, musste ich doch laut lachen, ich glaube es aber.

Das Problem, was er jetzt hat, ist, dass man ihm in der Heimat die letzten Wurzeln abschlägt. Jeder Künstler lebt letztlich mit und in seinem Werk, sei es real im Arbeitsprozess oder in seiner Gefühlswelt. Wird ein Atelier zerstört und dazu noch seine Werke, entsteht schlicht ein Trauma oder ein Loch in der Biografie, das auch ein Ai Weiwei nicht mehr schließen kann. Hier am Prenzlauer Berg sehe ich ihn manchmal mit seiner Familie, das letzte Mal vor zwei Tagen. Im Grunde ist er jetzt grau und schmal geworden, also sollte man schlicht und einfach Mitleid mit ihm haben, wie mit jedem Dissidenten und wie mit jedem geflüchteten Migranten.

Keiner von diesen Menschen hat es verdient, von Foristen verspottet zu werden, nur weil jeder der Geflüchteten ein entsetzliches Schicksal hinter sich hat. Wenn sich nur jeder Leser darauf besinnen würde, dass auch seine Eltern- oder Großelterngeneration ähnliche Traumata in Folge des Krieges erlebt hatten. Der Terror in der Welt ist leider völlig normal, auch die Flucht ist völlig normal, und leider produziert die aktuelle Art der in Western Germany praktizierten sozialen Kälte den nächsten Totalitarismus auch bei uns wieder hoch.

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