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Chris Rock bei den Oscars 2016: "Klar, verdammt, ist Hollywood rassistisch!"
AP

Er hatte den heikelsten Job bei den Oscars: Was machte Moderator Chris Rock aus der Debatte um die "weißen Preise"? Er teilt kräftig und genüsslich aus.

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jjcamera 29.02.2016, 08:17
1. Schimpfwort

Einen Preis, der für Gender- oder Rassenzugehörigkeit vergeben wird und nicht für eine preiswürdige Leistung, kann man gleich in den Ofen stellen und wieder einschmelzen. Den will sowieso keiner bekommen.

Zu Zeiten eines Präsidentschaftskandidaten Trump ist der Begriff "political correctness" eher schon ein Schimpfwort, zumindest wird es nur noch in ironischer Absicht gebraucht.

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NoTarget 29.02.2016, 08:54
2. Hautfarbe irrelevant

Wenn dem tatsächlich so ist, muss man da ja auch bei den Oscars nicht drauf achten.

Tut man es dann doch, so müssten bei einem Bevölkerungsanteil von etwa 13 Prozent und 20 nominierten Schauspielern 2,6 afroamerikanische Darsteller nominiert werden.

Wenn man dann aber da so kleinlich ist, dann muss man bitte auch erwähnen, dass die Afroamerikaner bei den Oscar Moderatoren seit 1990 statistisch überrepräsentiert sind. Meines Wissens hat sich hier noch kein weißer Schauspieler über Diskriminierung beklagt...

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Atheist_Crusader 29.02.2016, 08:59
3.

"Chris Rock lästerte aber nicht nur, er appellierte auch. "We want opportunities", sagte er: Schwarze Schauspieler sollten die gleichen Chancen bekommen wie alle anderen. Und zwar "nicht nur einmal" im Leben - Leonardo DiCaprio bekomme ja schließlich auch jedes Jahr die Chance, in einem grandiosen Film mitzuspielen."


Ja nu, das hängt an den Filmen. Die Rollen schreiben die möglichen Besetzungen vor. Und Filme sind heute - zumindest zu einem Teil - maßgeschneiderte Produkte, die eine ganz bestimmte Zielgruppe haben. Es ist ja nicht so, dass man das nicht untersucht hätte. Und die meisten Kinogänger wollen nicht so sehr schwarze Schauspieler sehen. Menschen wollen tendenziell Dinge sehen die sie kennen - und das heißt eben Menschen mit der gleichen Hautfarbe.
Wer das ist rassistisch findet: Ist es vielleicht auch. Aber kein Einzelfall. Schwarze produzieren Filme für Schwarze mit ausschließlich schwarzen Schauspielern, und niemand regt sich darüber auf (nichtmal, wenn die auf den Quotenweißen verzichten).
Es gibt aber Ausnahmen: Will Smith, Samuel L. Jackson, Morgan Freeman... ein paar schwarze Schauspieler sind, was Marktwert und Beliebtheit angeht, absolut mit weißen Topstars gleichzusetzen.

Klar kann man das ändern. Früher oder später wird sich das Publikum umgewöhnen, wenn man ihm was Neues vorsetzt. Da kann man ansetzen. Außerdem verschiebt sich die Demographie eh - aber nicht zugunsten von Schwarzen, sondern von Latinos (die in der ganzen Aufregung irgendwie Niemand erwähnt hat).
Aber ich glaube, die Oscars sind der falsche Weg dazu. Die sind nur ein selbstzweckhafter Verein um sich selbst auf die Schulter zu klopfen und das Interesse an den Filmen hochzuhalten. Wenn man etwas produktives erreichen will, sollte man sich mit den Produktionsfirmen und Drehbuchschreibern zusammensetzen. Und das nicht mit einer "Ihr bösen Rassisten macht jetzt mal!"-Attitüde.

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Hank Hill 29.02.2016, 09:05
4. die Academy

bewertet in erster Linie das Handwerk. Sie ist eine Art Berufsgenossenschaft für Filmschaffende. Und da geht es nicht um Quoten für Schwarze, Latinos, oder andere Minderheiten. Wir haben in Deutschland nichts Vergleichbares weil es bei uns keine Filmindustrie gibt.

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Bueckstueck 29.02.2016, 09:22
5.

Zitat von jjcamera
Einen Preis, der für Gender- oder Rassenzugehörigkeit vergeben wird und nicht für eine preiswürdige Leistung, kann man gleich in den Ofen stellen und wieder einschmelzen. Den will sowieso keiner bekommen. Zu Zeiten eines Präsidentschaftskandidaten Trump ist der Begriff "political correctness" eher schon ein Schimpfwort, zumindest wird es nur noch in ironischer Absicht gebraucht.
War klar, dass gleich am Anfang einer nicht begriffen hat worum es geht.
Dabei spricht Chris Rock ziemlich deutlich und laut:
We want opportunities!

Also nochmal für dich zum mitschreiben: Keiner verlangt Preise fürs schwarz sein. Aber wenn zum wiederholten male keine schwarzen nominiert sind, dann kann das nur zwei Gründe haben.

1. Sie werden nicht nominiert weil sie schwarz sind
2. Sie kriegen nicht die Rollen angeboten, die Aussicht auf das ganz grosse Ticket haben

Genügend schwarze SchauspielerInnen gibt es jedenfalls, die Talent und Fähigkeiten haben um zumindest so regelmässig wie gewisse weisse SchauspielerInnen eine Nominierung abzustauben - vom Gewinnen ganz zu schweigen.

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niss 29.02.2016, 09:32
6. Schwarz zu sein rettet nicht vor Machogehabe

Ja, er ist schwarz und gegen den Rassismus. Besser ist er aber nicht, mit seinen faden Jokes zu den Macho-Fragen über Frauenroben: #askhermore

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Ezechiel 29.02.2016, 09:43
7. Alle Preisverleihung gehören abgeschafft.

Was soll das ? Wo ist der Preis für die Altenpflegerin, die täglich Überstunden macht, damit sie ihr Pensum bewältigtigen kann ? Wo ist die Auszeichnung für die Eltern die ihre 3 Kinder unter Aufbringung all ihrer Kräfte
ernähren und zu anständigen Menschen erziehen. Habe letztlich in einem Krankenhaus eine Krankenschwester sagen hören " .. wir wollten eigentlich schon seit 2 Stunden auf der Autobahn sein und mal 2 Tage im Schwarzwald ausspannen. Aber wir sind doch viel zu wenige auf der Station und können doch die Patienten nicht im Stich lassen." Wo ist der Preis bzw. die Anerkennung für diese Frau ? Das kleine Gehalt kann es wohl nicht sein. Dann die Friedensnobelpreise für Obama und die EU - ein Witz. Die Verleihungsveranstaltungen für Oskar, Grammi, goldene Kamera, Bambi usw. sind nur Selbstbeweihräucherungsfeste für die die glauben mit ihrer "Kunst" über den Anderen zu stehen. Ich kenne einen europaweit bekannten Künstler, der sich selbst für nichts besonderes hält. Aber den mir ebenfalls bekannten Schreiner, der ihm die alte Komode aus dem 18. Jahrhundert abgearbeitet hat, den hält er für einen ganz großen Künstler.

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event.staller 29.02.2016, 09:54
8. Aus der Traum?

Eine "Traum-Fabrik" beginnt, wach zu werden? Die Realitäten dringen in die Studios? Nein, wehrt die Universal-Chefin ab: wir wollen gute Unterhaltung machen und keine Politik. Die Leute mögen Happy-Ends im Kino - und in der Wirklichkeit?

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Celegorm 29.02.2016, 09:55
9.

Zitat von Bueckstueck
1. Sie werden nicht nominiert weil sie schwarz sind 2. Sie kriegen nicht die Rollen angeboten, die Aussicht auf das ganz grosse Ticket haben Genügend schwarze SchauspielerInnen gibt es jedenfalls, die Talent und Fähigkeiten haben um zumindest so regelmässig wie gewisse weisse SchauspielerInnen eine Nominierung abzustauben - vom Gewinnen ganz zu schweigen.
Wie stereotyp die gesellschaftliche Wahrnehmung dieser Thematik ist, zeigt sich allerdings auch gerade darin, dass es immer nur um schwarze Darsteller geht. Dass z.B. Latinos mit einem grösseren Bevölkerungsanteil als Schwarze oder asiatische Amerikaner mit immerhin bald der Hälfte des schwarzen Anteils noch nicht einmal in dieser Debatte existieren, scheint mir da wesentlich bedenklicher. Zumal ich mich an so gut wie keinen Nominierten aus diesen ethnischen Gruppen erinnern könnte.

Richtig ist aber, dass es bei dem Problem keineswegs um einen direkten Rassismus der Academy geht, sondern wesentlich grundlegender und systemischer ist. Allerdings somit auch vielschichtiger. Die Frage ist ja letztlich, wieso ernsthafte, prägende Rollen so selten an Schauspieler ausserhalb des gängigen Schemas gehen. Aber auch, wieso so wenig aus eigener Kraft zustande gebracht wird, was u.a. auch ein Schlaglicht auf die Präferenzen des jeweiligen Minderheitenpublikums wirft. Mal provokativ gesagt: Solange unter schwarzen Kinogänger die Machwerke eines Tyler Perrys, also quasi dem schwarzen Adam Sandler, das grösste Publikumsinteresse wecken, solange ist es wohl auch schwierig, für schwarze Filmemacher etwas oscar-würdiges zu produzieren. Typische "oscar bait"-Filme sind halt in einem sehr spezifischen Segment angesiedelt zwischen Massengeschmack und Programmkino, entsprechend muss dieses auch aktiv gesucht werden mit passenden Produktionen. Was keineswegs voraussetzt, dass die weissen Studiobosse gnädigerweise mal eine gute Rolle jemandem zuteilen..

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