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Comic "Der Araber von morgen": Die Heulsusen sind überall
Riad Sattouf/ Penguin

Ob Christchurch oder Berliner Weihnachtsmarkt, die mentale Munition von Vorurteilen ist die gleiche. Das illustriert ein aus Kindersicht erzählter Comic: Riad Sattoufs exzellenter neuer Band von "Der Araber von morgen".

Newspeak 08.04.2019, 16:20
1. ...

"Denn genau dieses Modell, dieses berechnende und wehleidige Suhlen in der Opferhaltung,"

Ironischerweise sind aber viele der Kaempfer fuer gleiche Rechte aus dem Spektrum benachteiligter Minderheiten auch extrem darum bemueht, sich immer wieder als Opfer des Systems darzustellen, und daraus ihre Legitimation zu ziehen, wenn sie Sonderrechte fuer sich einfordern.

Mir scheint, wir alle sollten mal etwas weniger wehleidig sein. Individualismus bedeutet quasi per Definition, das wir uns in unserer Persoenlichkeit unterscheidbar machen. Es ist dann irgendwie widersinnig, es dann schon als Diskriminierung zu empfinden, wenn gerade diese selbst hervorgehobenen Unterschiede auch von anderen Menschen zur Unterscheidung herangezogen werden. Ich behaupte, das Problem ist unaufloesbar, und die Ursache fuer die zeitgenoessischen Irrungen und Wirrungen.

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Ein Spielverderber 08.04.2019, 17:53
2.

Zitat von Newspeak
"Denn genau dieses Modell, dieses berechnende und wehleidige Suhlen in der Opferhaltung," Ironischerweise sind aber viele der Kaempfer fuer gleiche Rechte aus dem Spektrum benachteiligter Minderheiten auch extrem darum bemueht, sich immer wieder als Opfer des Systems darzustellen, und daraus ihre Legitimation zu ziehen, wenn sie Sonderrechte fuer sich einfordern. Mir scheint, wir alle sollten mal etwas weniger wehleidig sein. Individualismus bedeutet quasi per Definition, das wir uns in unserer Persoenlichkeit unterscheidbar machen. Es ist dann irgendwie widersinnig, es dann schon als Diskriminierung zu empfinden, wenn gerade diese selbst hervorgehobenen Unterschiede auch von anderen Menschen zur Unterscheidung herangezogen werden. Ich behaupte, das Problem ist unaufloesbar, und die Ursache fuer die zeitgenoessischen Irrungen und Wirrungen.
Du unterschlägst aber die Frage, daß es individuelle Merkmale gibt, z.B. ob man ein Mann oder eine Frau ist, Hautfarbe, etc., oder ob man einer bestimmten Geisteshaltung anhängt und diese nach außen trägt, z.B. einen Bayern-München-Schal trägt oder in Chemnitz bei Demonstrationen den rechten Arm hebt. Während man ersteres sich nicht aussuchen kann und es in der Regel einfach sichtbar ist, was vielen der erwähnten Jammerlappen als einfaches Feindbild dient, zeugt nur zweiteres von einer Individualisierung.

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Braveheart Jr. 08.04.2019, 18:03
3. Brilliant ...

... vor allem die Beobachtung, daß Abdel und Höcke zwei Seiten derselben Medaille sind (selbstverständlich die billige, dünn vergoldete Version). Denn das beweist endgültig, daß der Islam zu Europa gehört. Jetzt muß Björn mir nur noch erklären, warum unsere Vorfahren nicht schon 732 in der Nähe von Tours auf diese Idee gekommen sind. Und ob das, was ich geschrieben habe, Satire ist oder nicht ...

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Newspeak 08.04.2019, 19:41
4. ...

Zitat von Ein Spielverderber
Du unterschlägst aber die Frage, daß es individuelle Merkmale gibt, z.B. ob man ein Mann oder eine Frau ist, Hautfarbe, etc., oder ob man einer bestimmten Geisteshaltung anhängt und diese nach außen trägt, z.B. einen Bayern-München-Schal trägt oder in Chemnitz bei Demonstrationen den rechten Arm hebt. Während man ersteres sich nicht aussuchen kann und es in der Regel einfach sichtbar ist, was vielen der erwähnten Jammerlappen als einfaches Feindbild dient, zeugt nur zweiteres von einer Individualisierung.
Das ist ein guter Punkt. Ich denke aber, er macht nicht den grossen Unterschied. Denn einerseits halte ich persoenlichen Geschmack, auch wenn man ihn sich theoretisch aussuchen kann, praktisch fuer beinahe ebenso festgelegt, wie ein unveraenderliches, biologisches Merkmal (zumindest innerhalb bestimmter Lebensphasen, natuerlich entwickelt sich das ueblicherweise im Laufe des Lebens und abhaengig von der Lebensphase oder der Umgebung, in der man sich befindet). Andererseits gibt es ja auch unveraenderliche Merkmale, durch die sich das Individuum nicht definiert fuehlen muss. Nicht jeder Homosexuelle haelt seine sexuelle Orientierung fuer hervorhebenswert oder engagiert sich im Kampf um Gleichberechtigung.

Es geht mir, wenn ich meine Ansicht verfeinern kann, also weniger, ob ein Merkmal unveraenderlich ist, oder selbst gewaehlt, sondern ob man es fuer seine Persoenlichkeit hervorhebt, und insbesondere, ob man es dazu benutzt, sich als Opfer zu inszenieren, obwohl man das persoenlich vielleicht gar nicht ist.

Im Grunde waere die Frage zu beantworten, ob die Stoerung von Befindlichkeiten, die jemand fuer sich reklamiert, zu erleiden, nicht narzisstisch gepraegt, d.h. Ausdruck von gekraenkter Eitelkeit ist, weil man sich mit einem oder mehreren Persoenlichkeitszuegen hervorheben wollte, aber nicht die positive Aufmerksamkeit erfaehrt, die man sich erhofft hat? Ich weiss darauf nicht die allgemeine Antwort, aber in manchen Faellen scheint es mir so zu sein.

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Skalla-Grímr 08.04.2019, 23:31
5. Ich heule mit

Ja, wenn ich z. B. eine Rede von Claudia Roth sehe, denke ich oft: Gegen die sind Orbán oder Salvini doch richtige Heulsusen. Gibt es bei SpOn eigentlich Extrakohle für externe Autoren, wenn in den Text noch ein substanzloser Rundumschlag gegen rechts eingebaut wird?

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rleu 09.04.2019, 05:17
6.

mitunter begründen sich ganze "religionsgemeinschaften" auf einem ewigen opfermythos...

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Threepwood 09.04.2019, 07:50
7. Heulsusen

Sorry, lieber Autor, aber bei mir kommt seit Jahren vor Allem das empörte "Geheule" derer an, die hinter jedem Unterschied zwischen Menschen Diskriminierung wittern.
Gewonnen hat dann am Ende der, der am lautesten Schreit (und den größten Shitstorm ins Rollen bringt). Diesen jämmerlichen Zeitgeist der Rechten anzukreiden, ist mir zu billig.

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olli0816 09.04.2019, 09:33
8. Diese Tendenz ist allgegenwärtig

Man kann das nicht auf den benachteiligten Araber oder dem Nazi ohne Schulbildung alleine ankreiden. Der erste Kommentator unterscheidet schon die Gruppen, die anderen für ihre Situation die Schuld geben dürfen oder eben nicht. Aber es ist nunmal bequem, egal ob angeborenes oder selbst gewähltes Anderssein, anderen die Schuld für seine eigene Lage zu geben. Nehmen wir z.B. den Feminismus. Einige Damen formulieren ständig, was Männer falsch machen und sie sich dadurch schlecht und benachteiligt fühlen. Soweit ist das in Ordnung, nur was dann nie kommt ist andersherum, was diese Damen selber machen können, dass sie sich wohl fühlen und auch ihr Gegenpart, die Männer. Es ist eigentlich immer das gleiche Muster, egal ob Feministen oder andere Gruppen: Es wird durchweg erwartet, dass sich die Gegengruppe entweder entmaterialisiert (z.B. keine Juden in Israel) oder das die andere Gruppe unterwürfig gegen ihre eigenen Interessen die Forderungen, seien sie nun berechtigt oder nicht zu 100% erfüllen sollen.

Nur so geht es leider nicht. Wenn die andere Gruppe verschwinden soll, haben wir z.B. die Auswirkungen wie im 3. Reich, Ruanda, Russland, Kamboscha etc. Solche Situationen sind gar nicht so selten und bei diesem Muster setzt sich häufig zumindest am Anfang die stärkere Gruppe durch. Andersherum neigen Minderheiten immer mehr dazu, ihre Minderheitsmeinung als allgemeingültig anzusehen und dass dies der Status Quo sein müssen, nachdem sich jeder zu richten hätte. Das heißt, eine Minderheit terrorisiert die Mehrheit mit ihren Forderungen, die häufig überzogen sind und der Mehrheit eigentlich nur auf die Nerven geht. Das ist nicht alleine auf dem Feminismus gemünzt, sondern durchaus auch auf extreme Araber, Nazis, die andere bedrohen und auch die Linken, die das genauso machen. Ich bin nicht dagegen, dass sich Minderheiten melden und ihre Forderungen aufstellen. Dadurch entwickeln sich Gesellschaften weiter. Aber es sollte diesen Gruppen bewusst sein, dass auch die Gegenseite berechtigte Forderungen beim Zusammenleben hat und man zu einem Status Quo kommen muss, wo alle möglichst gut mit leben können.

Und genau das geht in unserer heutigen Zeit immer mehr verloren. Jeder fordert, jeder fühlt sich unterdrückt und benachteiligt und andere sind an der eigenen Situation schuld. Aber es fehlt bei vielen die Eigenreflexion, dass ich selber für mein Leben verantwortlich bin und verdammt nochmal alles dafür tun sollte, um es so zu leben das ich zufrieden bin. Diese Verantwortung wird viel zu häufig vergessen.

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quergelesen 13.04.2019, 11:40
9. Zu 3

Björn Höcke? Ich kenn nur Bernd....

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