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Comic von Liv Strömquist: Vielleicht erwarte ich das Falsche

Lustlose Zeichnungen, schiefe Vergleiche und Gags, die man erklären muss - wie Star-Cartoonistin Liv Strömquist mit ihren Comic-Bestsellern die Frauenbewegung sabotiert.

ruhepuls 11.03.2019, 13:31
1. Das T-Shirt IST das Problem... oder besser die, die es kaufen

Der Autor scheint dem allgemeinen Trend zu folgen, und alles, was das Verhalten von frau problematisiert als unangebracht abzulehnen. Dabei hat die Feministin hier doch recht: Es sind die Konsumenten - männlich, wie weiblich - die die Nachfrage nach Billig-Klamotten ständig befeuern. Und wie stellt man Billig-Klamotten her: Logisch, billig eben. Also dort, wo niedrige Löhne akzeptiert werden.
Es ist Heuchelei, das Problem bei den Herstellern abzuladen. Denn - nachhaltig produzierte T-Shirts (gibt es ja) verkaufen sich deutlich schlechter, weil eben teurer.
Es hat sich in unserer Gesellschaft eingebürgert, für nichts mehr persönlich verantwortlich zu sein - und statt dessen Wunschzettel ans Christkind (die Politik, die Wirtschaft...) zu schreiben: Gib mir ein Auto das billig und umweltfreundlich ist, Hauptsache es hat viel PS und ist sehr komfortabel...

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felisconcolor 11.03.2019, 16:05
2. Der Autor

Zitat von ruhepuls
Der Autor scheint dem allgemeinen Trend zu folgen, und alles, was das Verhalten von frau problematisiert als unangebracht abzulehnen. Dabei hat die Feministin hier doch recht: Es sind die Konsumenten - männlich, wie weiblich - die die Nachfrage nach Billig-Klamotten ständig befeuern. Und wie stellt man Billig-Klamotten her: Logisch, billig eben. Also dort, wo niedrige Löhne akzeptiert werden. Es ist Heuchelei, das Problem bei den Herstellern abzuladen. Denn - nachhaltig produzierte T-Shirts (gibt es ja) verkaufen sich deutlich schlechter, weil eben teurer. Es hat sich in unserer Gesellschaft eingebürgert, für nichts mehr persönlich verantwortlich zu sein - und statt dessen Wunschzettel ans Christkind (die Politik, die Wirtschaft...) zu schreiben: Gib mir ein Auto das billig und umweltfreundlich ist, Hauptsache es hat viel PS und ist sehr komfortabel...
hat vollkommen Recht. Denn das trifft genauso gut auch bei teuren Klamotten zu. Ich habe auch bei hochpreisigen T-Shirts sehr oft im Label gelesen "Made in Bangladesh". Und ich weiss ganz genau der hohe Preis bedeutet nicht hohe Entlohnung der Näherinnen. Und viele der angeblichen fair trade Produkte sind so schlecht das die Preise eigendlich als Wucher zu werten sind. Klar kann ich Klamotten aus Billiglohnländern boykottieren. Eines ist aber gewiss, Das Label, der Zwischenhändler, die Zwischenhändler etc. werden immer wie auch immer ihren Schnitt machen. Gekniffen ist immer der letzte der Nahrungskette. Und da finde ich das 2,50 Euro am Tag für die Näherin immer noch besser sind als Null Euro am Tag. Und wenn das teure T-Shirt nach der ersten Wäsche dann an mir nur noch herum hängt wie ein Sack dann fühle ich mich doppelt genasführt. Insofern kann ich dem Autor auch bei dem Rest seiner Besprechung nur Recht geben.

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House_of_Sobryansky 11.03.2019, 17:40
3. Eine gute Kapitalistin

Warum sollte eine Frau keine gute Kapitalistin sein und ihre Werke exakt so vermarkten, dass sie ihr nutzen. Auch eine etwaig kritische Besprechung von einem Mann nutzt ihr. Was sie zu sagen hat, ist völlig belanglos. Es muss nur im Markt walten. Tut es. Wie der ganze Männersch*** auch.

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chlorfraese 11.03.2019, 21:42
4. Nö.

Ich finde die Comics lustig, künstlerisch und neu. Sie regen zum Nachdenken an. Und selbst wenn hier eine gute Sache mit schlechten Argumenten vertreten würde, ist das ja wohl immer noch besser als andersrum.
Insgesamt wirkt die Kritik pharisäerhaft. Sie trennt zu wenig zwischen Person und Werk. Vermutlich besteht sie nur innerhalb eines Diskurses, der die Hoffnung, einen Common Sense zu erreichen, aufgegeben hat.

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brooklyner 11.03.2019, 23:31
5.

Um Gottes Willen, diese Cartoons sind ja unfassbar schlicht und schlecht. Sollte man diese Liv kennen? Bin selbst Illustrator und viel in Schweden, aber diese uninspirierende und talentbefreite Trivialität war mir neu. Wahrlich dem Feminismus eher abträglich. Dass Timur Vermes dieses Machwerk so teffend kommentieren durfte, ist bemerkenswert. Von ihm hörte ich schon lange nichts mehr und freue mich, auf diesem Weg wieder etwas von ihm zu lesen.

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Dubalina Pflanze 12.03.2019, 09:19
6. Hilfestellung

Wenn Timur Vermes ein Buch verreißt, kann ich mir sicher sein, daß es mir halbwegs gefallen wird - und umgekehrt: was er gut findet - oder selber verzapft - finde ich unsäglich langweilig, platt. Ich weiß nicht wieso, vielleicht weil er Ungar ist und eine diametral mir als Westberlinerin entgegenliegende Sozialisation durchgemacht hat. Keine Ahnung. Das Buch von Strömqvist ist offensichtlich aus grobem Holz geschnitzt, wie ja schon ihre anderen. Im Gegensatz zu dem auch nicht gerade feinsinnigen 'Er ist wieder da' Humor wird hier jedoch gesellschafliche Relevanz produziert. Wir können etwas lernen sogar, wenn wir Strömqvists Cartoons lesen. Vermes' Thema hätte ja auch das Wiedererstarken der Rechten in Ungarn und Europa allgemein sein können - doch er entscheidet sich für ein schlechtes Remake von einem Monty Python Sketch aus den 70ern, auf Romanlänge - duh! Apolitische Irrelevanz, zum Abgewöhnen. Dann lieber 1000 Strömqvists.

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antandre 20.03.2019, 07:48
7.

Die Zeichnungen und die erklärende Art haben mich nicht angezogen. Ebenso nicht die persönliche "Formel" der Zeichnerin: "Mann doof, seine Frau sein armes Opfer" (also eigentlich ja dann auch doof). Die 7 Bilder sind vielleicht so ausgesucht, dass sie die Aussage des Artikels besonders unterstreichen sollen, aber ich hab genug gesehen, dass mich das Buch nicht reizt. Ich seh es aber nicht so, dass die Comicautorin die Frauenbewegung sabotieren könnte. So viel Macht würde ich der Frau nicht zuschreiben. Ich fühle mich von ihr auch nicht "behandelt", weil sie mich nicht behandeln kann, wenn ich das Buch nicht kaufe. Die Formulierung im Artikel klingt für mich so nach einem Aufruf an die Leserinnen "guckt mal, Frauen, wie die euch darstellt". Ich finde das Buch nicht gut, kaufe es nicht und schreite weiter als mündige Leserin, die sich nicht von jedem/jeder "anschreiben" lässt.
Dass sie Preise bekommen hat - nunja, haben andere auch und ich hab mich gewundert. Warum sollte es anders sein bei Autorinnen, die sich als Feministin sehen und ein Buch fabriziert haben, dessen Leseprobe mich abschreckt.
Die Story über Presley empfinde ich als Spannertum. Wenn, dann interessiert mich auch eine differenzierte Darstellung der Beziehung zwischen jeweiligem Mann und jeweiliger Frau.
Zum Simpson-Comic ... hm. Es gibt eine Parodie auf YT des Songs "Blurred lines" von Thicke. Vertauschte Rollen von Mann und Frau, emanzipierter Text. Sie hat wohl einen riesen Shitstorm provoziert, weil Männer sich gedemütigt fühlten durch die Darstellung. Gleichzeitig fiel ihnen vermutlich nicht auf, dass im Original Frauen so dargestellt wurden, dh. sie fanden das auch noch normal und richtig. Vielleicht soll der Simpson-Comic was Ähnliches provozieren, also dass Männer sich "gepikt" fühlen dadurch, dass Homer in der "niederen Rolle" abgebildet wurde, und es sollte dann ein Umdenk-Klick im Kopf geben? Nur ne Idee, eigentlich scheint mir das Buch so fix zusammengekritzelt, dass ich Hintersinn nicht vermute. Vielleicht soll es auch Frauen motivieren, ihre Rolle zu überdenken. Aber es bringt mich trotzdem zur nächsten Frage, warum Herr Vermes schrieb, dass man "Frauen Sachen so erklärt, als seien sie zurückgeblieben". Das Buch lesen ja auch Männer (theoretisch) und denen wird es doch genauso erklärt? Und im Buch werden beide Geschlechter anscheinend deppert dargestellt.
Und mir fällt gerade noch was ein, wo ich die Werbung neben dem Schreibfeld sehe. Vielleicht will der Comic auf der Bestseller-Welle der Rebel-Girls-Geschichten mitschwimmen, und daher auch die Eile, ihn zu basteln?

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