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Das Ende der Demokratie: Wohin nur mit den wütenden Männern?
FRANZ FISCHER/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Der Westen wird von einer Welle geflutet. Wenn die über Europa geschwappt ist, bleiben schreiende Männer zurück, die weiter gegen alles und jeden hetzen. Ein erstaunlicher Hang zur Selbstvernichtung.

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newdealsozialstaat 14.10.2018, 06:29
40.

Zitat von spon_12
Was wollen die Leute eigentlich immer mit dem angeblichen Sozialismus in Venezuela? Das dort krassierende Übel ist der Nepotismus - eine Folge korrupter Geschäftemacherei. Nichts weiter.
Sehe ich auch so. Der reine Kapitalismus ist oft schon gescheitert, etwa in der Großen Depression. Erst durch New Deal, Sozialstaat und keynesianische Steuerungskonzepte konnte er einigermaßen stabilisiert und überlebensfähig gemacht werden. Man hat diese Art der Wirtschaftsordnung dann auch häufig "mixed economy" genannt, und nur der "mixed economy" verdanken sich die Erfolge nach dem Krieg, und nicht etwa freien Märkten.
Sobald man den Sozialstaat abbaute, insb. seit Reagan und dann verstärkt auch unter Bill Clinton "The End of Welfare as we know it" kam es wieder zu den üblichen Erscheinungen der Massenverelendung (besonders in den USA) und nach Aufheben der New Deal Bankengesetzgebung, also der von neoliberalen geforderten Deregulierung des Bankensektors, hat die "Reine Lehre der Neoliberalen" den Wagen wieder mal mit voller Wucht gegen die Wand gefahren. Ohne staatliche Eingriffe wäre die große Katastrophe eingetreten, mal wieder.

Immer aber wird auf das Scheitern des Sozialismus hingewiesen.
Der Kapitalismus hat immer wieder neue Chancen bekommen, egal, wie viel Elend er angerichtet hat. Seit dem Zusammenbruch dessen, was man Sozialismus nannte, soll nun aber jeder Versuch ein besseres, gerechteres und ökolögisch verträglicheres Wirtschaftssystem zu finden für alle Zeiten diskreditiert sein?
Was ist denn zum Beispiel mit Pinochets neoliberalem Peru? Auch eine Geschichte des Scheiterns. Die Chicago Boys, neoliberale Ökonomen, fielen dort ein, kooperierten mit dem Diktator und richteten das Land zugrunde.
Sagt aber keiner: Guck dir mal das neoliberale Peru an, und was da für eine Sch***e stattgefunden hat!
Die größte Krise des Kapitalismus ist aber die gegenwärtige. Der Planet nämlich kann den Kapitalismus nicht überleben. Und das liegt vor allem am Überkonsum, am Statuskonsum der Reichen. Und nur die Reichen profitieren vom Wirtschaftswachstum, da trickelt schon lange nichts mehr down. Alle Zugewinne gehen an die, die damit nur schädlichen Konsumunfug anstellen, aber nicht an die, die wirklich materiellen Zugewinn brauchen.

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MatthiasPaschke 14.10.2018, 07:23
41.

Vieleicht hat Mutter Natur etwas gegen eine zu hohe Bevölkerungsdichte und schickt alle Jubeljahrzehnt die am lautesten brüllende Testosteron versprühende Hälfte der Menschheit auf ihren eigenen Weg zur "Ausdünnung", Auf dass die Übrigbleibendenden anfangen "sich zu mehren", zu konsumieren, zu diskutieren, immerwährend an die Ereignisse des letzten Konfliktes zu gedenken, und doch, nachdem die neuen Sündenböcke für ihre neuen Probleme "ausgerottet"wurden, sich ihrem eigenen von der Natur zugewiesenen Zweck zu widmen: Eine neue Runde im ewigen "Spiel" aus Massenausrottung und Wiederaufbau einzuleiten...

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newdealsozialstaat 14.10.2018, 07:26
42.

Zitat von berthold.kuhn
Sie schreiben fortwährend von Neoliberalen ohne die leiseste Ahnung davon zu haben. Neoliberale sind in Zeiten des Populismus wichtige Verteidiger einer offenen Gesellschaft, die Sie ja doch eigentlich auch möchten.
Sie haben keine Ahnung. Die Neoliberalen haben nie für eine offene Gesellschaft gekämpft, sondern immer nur für die Interessen der Reichen. Dabei haben sie den Freiheitsbegriff völlig verdreht, und den Staat zum großen Feind der Freiheit erklärt, was natürlich völliger Unsinn ist.
Neoliberale Politik bedeutete immer eine Machtverteilung hin zu nichtdemokratisch-legitimierten privaten Akteuren.
Sehen sie sich die Geschichte der neoliberalen Bewegung einmal genauer an, und sie werden sehen, wie die Neoliberalen, die man in der Wirtschaftswissenschaft lange Zeit als durchgeknallte Irre betrachtete (völlig zurecht), von der Businesscommunity reichlich gestützt wurden, eben weil sie deren Interessen vertraten, auch durch Gründung und Finanzierung zahlreicher sogenannter Think-Tanks. Hayek hat ja sehr deutlich von den second hand dealers of ideas gesprochen, die es gezielt zu beeinflussen gelte, was dann im Laufe der Jahrzehnte mithilfe von Geld und Medienmacht auch immer besser gelang. Popper hingegen, auf dessen Werk "Die offene Gesellschaft" sie hier möglicherweise anspielen war zwar mit Hayek eng befreundet, aber er war kein Marktfetischist, wie es Hayek war, sondern in dieser Hinsicht eher ein Mitläufer.
Eine marktradikale Gesellschaft ist keine offene Gesellschaft, in einer solchen Gesellschaft finden wir vielmehr neofeudale Strukturen, in welcher Kapitaleigner private Tyranneien errichten, in welcher wirtschaftlich Abhängige zu schaurigen Bedingungen für deren Profite schuften müssen, während sich die hohen Herren jegliche Einmischung von Seiten des Staates in ihre Herrrschaftsmethoden unter Verweis auf die Freiheit verbitten.
Nur der Staat vermag dem Bürger Grundrechte zu garantieren.
Schon im 19Jhdt, wurde mit ähnlichen Argumenten, der Staat habe sich nicht in die Wirtschaft einzumischen, gegen eine Reduktion der Arbeitszeit (tlw. 80Std. pro Woche) entgegentreten.
Das System der Neoliberalen reduziert nicht die Beherrschung von Menschen durch Menschen, sondern es will eben, daß private Akteure immer vollständiger und totalitärer über den Rest der Menschen herrschen, und die Neoliberalen sind dabei so verquer, daß sie die daraus entstehende Plutokratie gerne Freiheit nennen möchten. Wenn private Akteure Menschen versklaven ist das für Neoliberale Freiheit, wenn ein Staat Zwang ausübt dann ist das für sie Totalitarismus, selbst dann wenn der Staat nur die Freiheit seiner Bürger durch Gesetze, Regulationen etc. schützt.
Eine völlig irrationale Staatsfeindlichkeit und eine totale Blindheit gegenüber privater Machtausübung hat die Neoliberalen von Anfang an gekennzeichnet.
Der Staat war den Reichen nach dem Krieg im Weg, deswegen mußten sie ihn verunglimpfen und möglichst kaputtschießen, um ihre Agenda, Ausweitung ihrer Macht und Profitem, durchzudrücken. Steuern zu erheben wurde zu Sünde, soziale Absicherung zu Totalitarismus, etc.,... Neoliberale Begriffsverdrehungen allerorten.

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im_ernst_56 14.10.2018, 07:26
43.

Zitat von spon_12
Was wollen die Leute eigentlich immer mit dem angeblichen Sozialismus in Venezuela? Das dort krassierende Übel ist der Nepotismus - eine Folge korrupter Geschäftemacherei. Nichts weiter.
Sie haben recht. Der Sozialismus funktioniert per definitionem immer. Und wenn er nicht funktioniert, wie bis 1989 in DDR und den anderen RGW-Staaten oder jetzt in Venezuela oder Nicaragua, dann war es kein Sozialismus. Man muss an irgendetwas glauben. Wie religiöse Menschen an das Paradies.

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newdealsozialstaat 14.10.2018, 07:59
44.

Zitat von kommando111
Sie reden mit Abscheu über Neoliberalismus und Sympatisieren mit dem Sozialismus. Vielleicht sollten Sie mal den Segen des Sozialismus in Venezuela thematisieren. Da würde mich mal Ihre Meinung interessieren
Wir können die Frage, ob im Falle Venezuela Sozialismus vorliegt, überraschend schnell und eindeutig beantworten. Die Antwort lautet: Nein.
Auf dem GINI-Index erreicht Venezuela einen Wert von 39.
Zum vergleich Deutschland GINI: 27
Schweden: 24,9

Die Staatsquote in Venezuela beträgt lediglich 40%
Deutschland 43,9
Frankreich: 56,5
Schweden: 49,1

Daten aus CIA World factbook, Statista

Allein daraus läßt sich ableiten, daß, was immer in Venezuela vorgehen mag, nichts mit Sozialismus zu tun hat, es sich allenfalls um einen Etikettenschwindel handeln kann, den sie hier propagandistisch mißbrauchen.

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jjcamera 14.10.2018, 08:29
45. Daneben

In einem Punkt liegen Sie völlig daneben: ein Land, das seine Wirtschaft nicht fördert, kann sich auch keine sozialen Wohltaten leisten. Woher kommt nach Ihrer Meinung das Geld, das bei uns für Sozialleistungen ausgegeben wird? Aus der Druckerei? Oder durch Neuverschuldung?

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rieberger_2 14.10.2018, 08:54
46.

Während sich Verallgemeinerungen und Pauschalierungen in jedem Lebensbereich aus nachvollziehbarer politischer Korrekheit verbieten, haben sog. progressive emanzipierte Frauen zu oft keine Hemmungen, die Männer, meistens noch versehen mit den Attributen "weiß" und "alt" pauschal für alles Übel dieser Welt verantwortlich zu machen.
Männer, die sicher zu 99 Prozent von Frauen, also den Guten und den Ewigopfern, großgezogen und sozialisiert worden sind. Frauen, die mit ihrer Wahl eben auch zu den Regierungskonstellationen beigetragen haben, die wir nun mal haben.
Auch ich als"alter, weißer Mann" bin immer mehr fassungslos über das Geschehen, wie sich unsere Gesellschaft auseinanderentwickelt. Aber ich lasse mich nicht aufgrund meines Geschlechts zum Täter, zum Bösen machen. Wer denn so denkt, der trägt gehörig zur Spaltung bei.

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jujo 14.10.2018, 08:58
47. ....

Die "weißen Frauen" haben sich in der Welt der "weißen Männer" bislang doch ganz gut eingerichtet, lassen es sich gut gehen auf Kosten von anderen. Werden bis zum Abwinken von "weißen Männern" gepampert. Nicht wahr Frau Sibylle? Ihnen geht es doch auch gut weil der "böse weiße Mann" Sie den Unsinn den Sie schreiben, schreiben läßt!
Der "weißen Welt" zu der Sie auch gehören, geht es nur solange gut wie es der "farbigen Welt" schlecht geht.

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meinsenf123 14.10.2018, 09:02
48. Projektion veranschaulicht

Dass linke Kreise nun "wütenden Männern" einen Hang zur Selbsvernichtung unterstellen ist an Ironie nicht zu überbieten. Die Freiheiten welche die Linke angeblich verteidigt werden in einigen Jahrzehnten eine Fussnote der Geschichte sein.

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Bananenschale 14.10.2018, 09:07
49. Hä?

Es heißt: "Es hätte allen freigestanden, mit der Möglichkeit der Wahl interessante Experimente durchzuführen."

Das stimmt nicht. Welche Wahl gab es denn je? Ich bin wütend und Mann. Und alt auch noch. Also voll das Klischee. Und ich stimme ja meistensteils zu. Aber ich hatte nie eine Wahl. Die Grünen z.B. waren erst dann mehrheitsfähig, als sie der Agenda 2010 von Schröder hinterherliefen. Was ich vorher nicht zu hanen wagte. Die Fundis blieben außen vor. Daß den Chinesen dereinst die Welt gehört wie der Sklave dem weißen Mann ist mittlerweile unabwndbar. Wer verkauft denn die Häfen? Wer schließt denn Freihandels-Abkommen? Doch nicht ich! Und wen kann ich wählen, damit daß alles nicht passiert? Es ist doch aussichtslos!

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