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Das Internet und der Anschlag von Christchurch: Wir schauen nicht weg
Ihor Kashurin / iStockphoto / Getty Images

Was passiert, wenn ein Täter seine Morde live im Internet überträgt? Alle gucken hin. Dabei macht uns das zu Komplizen in einem Krieg, in dem die Bilder wichtiger geworden sind als die Opfer.

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studios 16.03.2019, 01:30
40. Schwer berührt

Mich hat verärgert, dass so viele Nachrichtensender mit dem Video gezündelt haben, um es im selben Atemzug zu verdammen. Natürlich ist (Massen-)Mord zu verdammen. Es ging wohl mehr darum, die Leser zum Anschauen zu bewegen oder jedenfalls neugierig zu machen.

Bei mir hat es funktioniert. Obwohl man im Video nichts sieht, was nicht schon in dutzenden Egoshootern gesehen und auch gespielt wurde... obwohl zugegebenermaßen meine erste Reaktion (und die tatsächlich aller meiner Arbeitskollegen) auf die Schlagzeile aus Neuseeland war: Nun gut, dann eben mal andersherum, hamse ja auch verdient.

Ich war und bin vom Gesehenen zutiefst schockiert. Vermutlich werde ich diese Bilder bis an mein Lebensende nicht vergessen. Und sie werden bei mir immer ein ganz klare Botschaft tragen, mich mahnen: So nicht. Niemals.

Ich danke dem Täter in gewisser Weise für den Stream. Mir ist noch nie so deutlich gewesen, wie ekelhaft, widersinnig und gleichzeitig erschreckend profan derartige Taten sind.

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aysnvaust 16.03.2019, 01:32
41. Der letzte Satz...

...dieses Kommentars regt schon stark zum Grübeln an. Nicht, weil mein Impuls, das sehen zu wollen, auch sehr stark war, sondern ganz im Gegenteil gleich Null. Das hängt gewiss damit zusammen, dass ich zwar netzaffin, aber "social"-media-phob bin - will heissen: facebook, twitter, instagram und Konsorten finden in meinem Netzdasein nicht statt. Kann ich deshalb problemlos darauf verzichten, mir diesen Dreck (nichts anderes ist das für mich) reinzuziehen? Lässt das vielleicht gewisse Umkehrschlüsse zu? Ich habe vor einiger Zeit bei einer Diskussion am Essenstisch mit meinem Neffen (intelligent, aufgeschlossen, in allen social-medien aktiv) mal zynisch prognostiziert, dass er noch erleben wird, wie im Netz komplette Kanäle sich auf die live Übertragung aller denkbaren Bluttaten spezialisieren werden (Mann beisst Hund anyone?). Dass ich die Geburtswehen nun live miterleben darf, überrascht mich schon...

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heinz.murken 16.03.2019, 01:33
42. Zivilisiert gesehen

stimme ich dem guten Artikel gern zu, obgleich es Fälle gibt, bei denen ich schon glaube, wir sollten ruhig mal genau hingucken.
Nicht aus Sensationsgeilheit, bestimmt nicht. Sondern zur Abschreckung.
Bei uns ist es üblich, Opfer nicht zu zeigen. Was ich persönlich falsch finde. Denn Opfern ihr Gesicht zu nehmen, tötet sie ein zweites Mal.
Bei uns ist es üblich, Tätergesichter oft mit einem Balken zu zeigen. Was ich, außer bei Taten, bei denen es um Geltungssucht geht, nicht unbedingt für richtig halte.
Die Würde des Menschen ist manchmal schwer abzuwägen.
Und NZ hat heute leider seine fest geglaubte Unschuld verloren.

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oli h 16.03.2019, 01:34
43. Wieso?

Wieso schau ich das schon wieder hin? Was mir dieser Arno Frank alles unterstellt geht inzwischen echt auf keine Kuhhaut mehr.

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user124816 16.03.2019, 01:39
44. Ich habs gesucht und gesehen

Wer das Video nicht schaut, meidet, verschließt sich vor der Realität. Wie einfach es ist Menschen zu töten, wiederholt auf kauernde Menschenhaufen zu schießen mit einer Leichtigkeit und Geschmeidigkeit… pap pap pap pap
Nur wenn man gesehen hat wie einfach das ist, quasi im vorübergehen, kann man eine fundierte Meinung haben. Alles andere sind nur leere Worthülsen, keine Meinung: "tragisch", "Verbrechen", auch gerne mal ein "RIP" und "Thoughts and Prayers" … blah blah.

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Thomas_USA 16.03.2019, 01:51
45. Menschen sterben sehen? Nein Danke.

Es ist traurig genug, dass unschuldige Menschen sterben mussten. Ansehen mag ich mir das nicht, der Gedanke an die Familien, die mit den Verlusten leben muessen waere mir zu viel. Dazu will ich den feigen Moerden mit meiner virtuellen Anwesenheit nicht auch noch zuspielen.
Es ist traurig, dass wir in einer Welt leben, in der Hass auf andere Menschen, einzig wegen der Tatsache, dass sie "anders" sind, eine andere Hautfarbe haben, einer anderen Religion folgen und andere Sitten haben, zu solchen Taten fuehren.
Ich glaube nicht, dass das die Welt ist, die unsere Eltern (ich bin Baujahr 1962) uns ueberlassen haben und hoffe instaendig, dass die Generation meiner Kinder die Menschlichkeit auf unseren Planeten wieder zur Normalitaet werden lassen.

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odapiel 16.03.2019, 02:25
46. Wo ist das Problem?

Ernsthaft, wo ist das Problem? Wer nicht will, muß nicht. Keiner zwingt ihn dazu. Aber es soll Menschen geben, die sich versichern möchten, daß es auch genau wie beschrieben abgelaufen ist. Und es ist in der Tat ein uraltes Ansinnen dieses Menschenaffen homo sapiens, genau hinzusehen und daran zu erkennen, daß man selbst - noch - lebt. Das war schon immer so, und kommt momentan nach einer langen Phase der Zensur des Sterbens wieder hoch.

Es ist keine 80 Jahre her, da sah man sich das in natura an, keine 150 Jahre, da man noch an öffentlichen Hinrichtungen in Europa teilnahm. Und keine 200 Jahre, da man auch noch mit der ganzen Familie dabei zum Picknick antrat. Es läßt sich ja auch keineswegs behaupten, daß die komplette Zensur solcher Geschehnisse irgendwas wirklich verbessert hat. Wer weiß, was passiert wäre, hätte man gewisse Defenstrationen tatsächlich sehen können. So mancher hätte sich dann wohl eher nicht zur Kriegsteilnahme mobilisieren lassen.

Denn am Ende geht man mit dem Gefühl von dannen, wie schrecklich banal und einfach das Ganze ist. Und wie wenig wert, es der Sache nachzutun.

Ja, ich habe sowohl die Kettensägen-Morde an den mexikanischen Drogenkurieren, wie auch die vollständigen Enthauptungen Eugene Armstrongs und einer Gruppe russischer Jungsoldaten in Dagestan gesehen. Keine besonders berauschende Erfahrung, aber definitiv das Gegenteil von mich zur Gewalt anstachelnd. Und ich fahre seither verdammt viel vorsichtiger Auto. Viel vorsichtiger.

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ceroc 16.03.2019, 02:39
47. Next Level

Finde das erschreckend wie gelassen gerade Junge Menschen mit solchen Bildern umgehen. Habe heute auf der Arbeit miterlebt wie man sich die Videos vorgespielt hat und das ohne jede Betroffenheit.

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winterwoods 16.03.2019, 02:43
48. Besinnungslose Erregungsleiter

Die im Artikel verwendete Beschreibung für die übliche Rolle der Medien, als "besinnungslose Erregungsleiter", finde ich großartig! Weil auch vollkommen zutreffend. Ich selber mache immer wieder die Feststellung: Je geistig konformer ein Individuum, desto mehr hängt es am Tropf dieser Erregungsweiterleitung der Masse/Gesellschaft. Dabei ist es egal, ob es sich um herkömmliche oder alternative, etwa zu Verschwörungstheorien einladende Medien handelt. Das Prinzip bleibt das gleiche: Die Unfähigkeit, sich aus dem öffentlichen Strom/Mode/Gezeiten zurückzuziehen, sich zu entkoppen und damit in größerer geistiger Eigenständigkeit zu agieren.
Und hiermit hätten wir auch Sinn und Rolle der Social Media 2.0 geklärt: Die Herde in ihrer modernen Form. Und das Smartphone und der WhatsApp-, Insta- oder Facebook-Account als Glöckchen und Schnürchen.

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kelcht 16.03.2019, 02:57
49. Der Geist ist schwach

gibt es nicht die Möglichkeit wenigstens die derbsten Seiten Providerseitig zu sperren? Auch das entsetzen das ein Täter in einem selber schlummern könnte löst zumindest ein Grübeln wenn nicht Faszination aus. Auch die Bestätigung das man nicht so ist brauche ich z.B. da ich psychisch anfälliger bin als andere und da ein ex-Kollege von mir schon versucht hat im Wahn versucht hat seine Eltern zu ermorden, seine Eltern haben schwere Narben davon getragen oder haben Finger verloren und sind jetzt totaler Pflegefall, der Täter ist in der psychiatrischen Forensik. Vor der Tat habe ich dem Täter geholfen sein IPad auf Werkszustand zu bringen, wir haben uns immer freundlich gegrüßt ich kannte den Täter mehr als seine Opfer die nun im Pflegeheim körperlich und nervlich am Ende sind. Ich habe mir jedenfalls Hilfe geholt.

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