Forum: Kultur
DDR-Dreiteiler "Preis der Freiheit": Einheits-Brei
ZDF

Zum Großjubiläum 30 Jahre Mauerfall bemüht das ZDF-Epos "Preis der Freiheit" eine Familienaufstellung - mit tollen Schauspielerinnen wie Barbara Auer und Nadja Uhl. Leider gerät der Dreiteiler dennoch zu konventionell.

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Bernd Hofstetter 04.11.2019, 17:32
1. Wer will das sehen?

Muss man sich nicht ernsthaft fragen, ob man den 09.11. nicht ab sofort zum nationalen Trauertag erklären soll? Ich will mir solche rührseligen Quatsch-Filmchen über die großartige Wiedervereinigung nicht mehr ansehen. Angesichts der Tatsache, dass in Ostdeutschland 2019 ein Großteil der Menschen am liebsten morgen schon wieder in einer Diktatur leben möchte, komme ich nicht in Feierlaune. Diesmal wird es aber dann eine faschistische Diktatur. Das hatten wir ja noch nicht (oder doch?), nur Sozialismus und der war doof? Oder wie war das gleich nochmal? Ach egal, ein Hoch auf die AfD!

Ich habe den Eindruck, die meisten Ostdeutschen hätten gerne die Mauer zurück, damit die ganzen bösen Ausländer draußen bleiben. Demokratie ist auch doof, da muss man immer soviel denken. Und immerhin sind jetzt die ganzen Städte und Dörfer grundsaniert, die Autobahnen fertig und nachdem man endlich wieder einen neuen Führer gefunden hat, könnten doch kommenden Samstag ein paar Bautrupps der AfD Thüringen anfangen, einen neue Mauer an der Grenze hochzuziehen. Wie wär's?

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pdebus0 04.11.2019, 17:33
2.

Es ist einfach ein Film der wieder mal die Klischees bedient. Und es geht wieder an der Realität vorbei.
Und das ist wieder ein Grund das die AFD in Ostdeutschland noch stärker wird.

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Gila5 04.11.2019, 17:53
3. Preis der Freiheit?

Der Preis war/ist für manche ehemalige DDR-Bürger hoch. Über die Gründe hört man kaum etwas. Wäre ja auch zu peinlich zu zeigen, wie Arbeiter/Innen höchstselbst ihre Betriebe plattmachten, nachdem diese für eine Mark verscherbelt wurden. Und wie die Arbeitslosen dann am Bratwurststand den Tag verbrachten, ist auch nicht sehr unterhaltend. Und Rentner, die bei der "Tafel" nach Brot anstehen, sieht der Zuschauer nicht auch noch im Fernsehen gern. Nicht, dass man mich falsch versteht: Ich war aus persönlichen Gründen sehr froh, als die Wende schnell und friedlich gelang. Aber als dann alles an wissenschaftlichen Grundlagen, die in meinem Beruf ein effektives Arbeiten ermöglichten, in die Tonne gekloppt wurde, erfasste mich oft die kalte Wut.- Ich werde aufatmen, wenn diese Wende- Courths-Mahler- bzw. Wende-Horror-Thriller nicht mehr die Sendeplätze belegen, auf denen die Programmmacher doch so viele interessante Filme, Dokumentationen, Kabarettvorstellungen usw. unterbringen könnten.

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Gluehweintrinker 04.11.2019, 17:59
4. An die Eigenschaft "Unrechtsregime" muss erinnert werden

Zitat von pdebus0
Es ist einfach ein Film der wieder mal die Klischees bedient. (...) Und das ist wieder ein Grund das die AFD in Ostdeutschland noch stärker wird.
Klischee? Wie wollen Sie denn wohl einer heute unter 35jährigen Person das Unrechtsregime DDR nahe bringen? Ich wage zu behaupten, dass es in diesem Lande extrem an politischer Bildung mangelt, vor allem bei Jüngeren. Und noch viel mehr bei Jüngeren in den "Neuen Ländern", die selbst kein Leben in der DDR mehr erlebten, und als einzige Quelle das Nostalgiegenöle der angeblich "abgehängten" Verwandtschaft haben, auch wenn immer noch reichlich glaubwürdigere Zeitzeugen bereit stünden. Wie wäre es wohl zu interpretieren, dass weite Teile der ostdeutschen Bevölkerung die Demokratie nicht für die beste aller Staatsformen halten?

Ich habe mir die Serie vorab angeschaut. Ja, manches wirkt sehr holzschnittartig und Barbara Auer guckt ein bisschen zu oft mit weit aufgerissenen Augen unheilahnend in die Zukunft. Die Charaktere symbolosieren jedoch Haltungen, wie sie in der DDR-Gesellschaft typisch waren und oft zu finden waren. Es gab die strammen Kommunisten und treue Funktionäre, die für die idale der DDR glühten und keine Kritik duldeten. Es gab die vielen Mitläufer, die sich arrangierten und nur im unverwanzten Garten, fernab des Hauses, trauten Klartext zu sprechen. Und es gab die Oppositionellen, die nur durch höchst konspiratives Vorgehen im Verborgenen bleiben konnten.

Und es gab die grausame Gewaltherrschaft das Stasi mit Denunziation, Bespitzelung, Verfolgungswahn, Zersetzung, Manipulation, Einzelhaft, Folter, Mord und Entsorgung von Leichen. Ja, wer sich arrangierte, war sicher vor diesen Methoden, wenn ihm niemand etwas Böses wollte.

Ich wette, in diesem Dreiteiler werden mehr wirklichkeitsnahe Aspekte transportiert, als sie mindestens die Hälfte in Gesamtdeutschland heute auch nur ansatzweise kennen. Insofern kann gar nicht oft genug an unsere jüngere Geschichte erinnert werden, ob es das DDR- oder das Nazi-Regime betrifft. Ein Volk, das seine Vergangenheit nicht kennt, hat keine Zukunft und der aufbrandende Rechtsextremismus sollte wohl Mahnung genug sein.

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argony 04.11.2019, 18:14
5. Wird wohl ...

...wieder mal die beim ZDF übliche Anreihung von Klischees sein. Die haben da bisher nur unsägliches abgedreht...

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mintyapple 04.11.2019, 18:17
6.

Ich habe den Dreiteiler bereits online geschaut und halte ihn für absolut sehenswert. Die Mischung der Perspektiven stimmt (Ost/West, Entscheider/normale Menschen, sämtliche Generationen und politischen Ausrichtungen), die Story ist berührend und die SchauspielerInnen sind großartig.

Können wir nicht mehr von der Sorte haben? Deutschland hat eine spannende Geschichte! Da weiß ich doch, wofür ich dieses Quartal die GEZ-Gebühren abgedrückt habe :-)

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viceman 04.11.2019, 18:29
7.

Zitat von Gluehweintrinker
Klischee? Wie wollen Sie denn wohl einer heute unter 35jährigen Person das Unrechtsregime DDR nahe bringen? Ich wage zu behaupten, dass es in diesem Lande extrem an politischer Bildung mangelt, vor allem bei Jüngeren. Und noch viel mehr bei Jüngeren in den "Neuen Ländern", die selbst kein Leben in der DDR mehr erlebten, und als einzige Quelle das Nostalgiegenöle der angeblich "abgehängten" Verwandtschaft haben, auch wenn immer noch reichlich glaubwürdigere Zeitzeugen bereit stünden. Wie wäre es wohl zu interpretieren, dass weite Teile der ostdeutschen Bevölkerung die Demokratie nicht für die beste aller Staatsformen halten? Ich habe mir die Serie vorab angeschaut. Ja, manches wirkt sehr holzschnittartig und Barbara Auer guckt ein bisschen zu oft mit weit aufgerissenen Augen unheilahnend in die Zukunft. Die Charaktere symbolosieren jedoch Haltungen, wie sie in der DDR-Gesellschaft typisch waren und oft zu finden waren. Es gab die strammen Kommunisten und treue Funktionäre, die für die idale der DDR glühten und keine Kritik duldeten. Es gab die vielen Mitläufer, die sich arrangierten und nur im unverwanzten Garten, fernab des Hauses, trauten Klartext zu sprechen. Und es gab die Oppositionellen, die nur durch höchst konspiratives Vorgehen im Verborgenen bleiben konnten. Und es gab die grausame Gewaltherrschaft das Stasi mit Denunziation, Bespitzelung, Verfolgungswahn, Zersetzung, Manipulation, Einzelhaft, Folter, Mord und Entsorgung von Leichen. Ja, wer sich arrangierte, war sicher vor diesen Methoden, wenn ihm niemand etwas Böses wollte. Ich wette, in diesem Dreiteiler werden mehr wirklichkeitsnahe Aspekte transportiert, als sie mindestens die Hälfte in Gesamtdeutschland heute auch nur ansatzweise kennen. Insofern kann gar nicht oft genug an unsere jüngere Geschichte erinnert werden, ob es das DDR- oder das Nazi-Regime betrifft. Ein Volk, das seine Vergangenheit nicht kennt, hat keine Zukunft und der aufbrandende Rechtsextremismus sollte wohl Mahnung genug sein.
was bitte ist ein 'unrechtsregime ' ? diesen schwachsinn haben sie anscheinend irgendwo abgeschrieben, der anteil der stasigeschädigten , derjeniegn die wirklich grund hätten sich zu beschweren wird wohl eher verschwindend gering sein. die ganze wendehalsgarde hatte in der ddr eine karriere, studium usw , wären die zeiten wirklich so gewesen, wie in den diversen filmen/dokumentationen durch die 'sieger der geschichte' dargestellt, wie hätten da theirse/merkel / tillich u.v.a.m. überhaupt überleben können ! im übrigen ist seit 30 jahren diese bundesrepublik verantwortlich, für das was im lande geschieht. den rechtsruck , nicht allein im osten , haben doch die mächtigen der letzten 30 jahre zu verantworten ! ein blick in die biographien der führungsriege der afd reicht evtl. für etwas klarere sicht ?

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rudi_ralala 04.11.2019, 18:59
8.

Zitat von argony
...wieder mal die beim ZDF übliche Anreihung von Klischees sein. Die haben da bisher nur unsägliches abgedreht...
Sie haben den Film offensichtlich noch gar nicht gesehen und trotzdem maßen Sie sich an ein Urteil über ihn abzugeben.
Sehen Sie sich den mal in Ruhe und meckern Sie danach.
Ich habe ihn gesehen und denke er bedient nicht nur Klischees sondern zeigt die damalige Realität in der DDR. Die Aufarbeitung in Bücherm Filmen und Dokumentationen ist sehr wichtig und reicht noch lange nicht an den Aufarbeitstungstsunami über das III. Reich ran, der ständig wiedergekäut wird.

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Gluehweintrinker 04.11.2019, 19:21
9. Wir sehen: es muss sehr wohl erklärt werden.

Zitat von viceman
was bitte ist ein 'unrechtsregime ' ? diesen schwachsinn haben sie anscheinend irgendwo abgeschrieben, der anteil der stasigeschädigten , derjeniegn die wirklich grund hätten sich zu beschweren wird wohl eher verschwindend gering sein. die ganze wendehalsgarde hatte in der ddr eine karriere, studium usw , wären die zeiten wirklich so gewesen, wie in den diversen filmen/dokumentationen durch die 'sieger der geschichte' dargestellt, wie hätten da theirse/merkel / tillich u.v.a.m. überhaupt überleben können ! im übrigen ist seit 30 jahren diese bundesrepublik verantwortlich, für das was im lande geschieht. den rechtsruck , nicht allein im osten , haben doch die mächtigen der letzten 30 jahre zu verantworten ! ein blick in die biographien der führungsriege der afd reicht evtl. für etwas klarere sicht ?
Ein "Unrechtsregime" ist ein Staatswesen, dass die unveräußerlichen Menschenrechte nicht achtet. Ich finde es höchst irritierend, dass man Ihnen das erklären muss.

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