Forum: Kultur
Debatte über Karikaturen: "Der Satiriker darf erst mal alles"
Hauck & Bauer

Manche Zeitungen bringen überhaupt keine politischen Karikaturen mehr, Zeichner müssen jederzeit mit einem Shitstorm rechnen: Sind wir zu dünnhäutig für Witze geworden? Fragen an den Humoristen Dominik Bauer.

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jemde 07.07.2019, 15:28
1. Problematische Schere im Kopf

Ich finde es sehr problematisch, wenn bestimmte Dinge nicht auf's Korn genommen werden dürften, nur weil man damit der "falschen" Seite recht geben würde. In dieser Geisteshaltung kommt eine für mich unglaubliche Bevormundung der Rezipienten zum Ausdruck, die zur Spaltung der Gesellschaft beiträgt: bloß nicht einem Argument der AFD zustimmen. In unserem Leitbild einer pluralistischen Gesellschaft soll jeder seine Meinung frei äußern dürfen. Jede Äußerung wird ernst genommen und der mündige Bürger bildet sich aus dem Konzert der Meinungen dann seine eigene.

Zum 100-sten Mal muss darauf hingewiesen werden, dass Religion nichts mit Rasse zu tun hat. Im übrigen habe wir uns nach den Verwirrungen des 3. Reichs doch eigentlich darauf verständigt, dass der Rasse-Begriff nicht sinnvoll auf die unterschiedlichen Menschen angewendet werden kann. Ich weiß nicht, warum jetzt alle wieder mit diesem unseligen Begriff hantieren.

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TomTheViking 07.07.2019, 15:32
2. Nun in Deutschland müssen sich die Karikaturisten nicht fürchten...

Die welche ich auf Spiegel und Co. sehe sind die "Politische Korrektheit" in Reinkultur.
Da werden die wahren gesellschaftlichen Probleme völlig ausgeblendet und die Ursachen ins Gegenteil verkehrt. Absolut angepasstes Verhalten.

Aber was soll man erwarten? Diese Leute arbeiten dann auch nicht anders als die Schreiberlinge. Am Leben vorbei nach Meinungsvorgaben. Die nicht natürlich schriftlich aber schon sehr vorformuliert sind, bzw andere kommen gar nicht zu Wort oder werden nicht eingestellt..

Kann mann es diesen "Karikaturisten verdenken? Nein... die nächste Miete und der nächste Einkauf muss schliesslich bezahlt werden.

Wissen Sie, dass ganze erinnert an die Karikaturen zu DDR Zeiten in den jeweiligen Bezirksblättern der SED.

Klar gab es da auch mal lustige Sachen in der Regel aber politische Propaganda die der Linientreue von heute identisch ist. Wer's mag....Der Kunde wird richten....

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Europa! 07.07.2019, 15:36
3. Traurige Karikaturisten

Wenn Karikaturisten demnächst dekretieren, wer alles nicht über sie lachen darf, sehen wir traurigen Zeiten entgegen. Tut mir leid, aber Herr Bauer hat weder das Wesen des Lachens begriffen, noch das zutiefst ungerechte Prinzip der Satire. Vielleicht sollte er lieber die Klappe halten und einfach nur zeichnen. Ob ich lache, werd ich dann schon sehen.

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Daniel 1956 07.07.2019, 15:41
4.

"Ich frage mich im Zweifelsfall schon mal: Könnte darüber jetzt ein Rassist lachen?" - Das heißt doch nichts weiter, als daß der Karikaturist selber latent rassistisch ist und er sich, mittels der dann in Anwendung kommenden Schere im Kopf, durch Selbstzensur gerade noch mal so einem 'Shitstorm' entzieht.

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isar56 07.07.2019, 15:42
5. Cartoons, Witze

z.B. über Juden kommen am besten aus den eigenen Reihen (Alles auf Zucker, Die Töchter des Monsieur Claude etc).
Ich kenne Gehbehinderte, die Behindertenwitze erzählen, die mir im Hals stecken bleiben. Wenn F. Becker Muslimas bloßstellte, hat sie das 30 Jahre zuvor mit Müttern getan. Zu welchen Konsequenzen Cartoons führen können, zeigte sich in grausamster Weise 2015 bei charlie hebdo. 11 Menschen starben für nichts, wegen nichts. Deshalb kann und will ich diesen ..... shitstorm ( blöder Begriff) gegen Becker nicht verstehen.
Außerdem zeichnete sie die Frauen sehr niedlich.

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newline 07.07.2019, 16:19
6. Es wundert mich,

dass Foristen, die das hohe Lied der Kunstfreiheit singen, verächtlich über Schreiberlinge reden oder den Begriff Karikaturisten in Anführungsteichen setzen.

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pink15 07.07.2019, 16:26
7. Karikaturisten und Satiriker

dürfen sich niemals nach der Ausgewogenheit fragen, denn Satire und Karikaturen stehen immer auf einem Standpunkt, der den Karikierten logischerweise zunächst nicht gefallen wird. Entscheidende Frage ist nur, ob etwas die karikierte Sache trifft und auf den Punkt bringt.
Zum "Shitstorm" gegen Becker: Ein Shitstorm ist übersetzt ein Scheißsturm, bedeutet also, dass die, die sich daran beteiligen, einfach nur Scheiße erzählen.

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quark2@mailinator.com 07.07.2019, 16:28
8.

Ich denke mal, das vom Karikaturisten angeprangerte Problem muß jeweils deutlich größer sein, als der Schaden, den er durch eventuelle Beleidigungen anrichtet. Außerdem darf es keine offensichtliche Alternative geben, die den gleichen Zweck mit signifikant geringeren Beleidigungen zu erreicht. Nur in diesem Rahmen bin ich bereit, Karikaturisten (bzw. Journalisten generell) "Narrenfreiheit" einzuräumen. Bei Böhmermann und Charlie Hebdo hatte ich allerdings nicht das Gefühl, daß dies noch gegeben wäre. Aber das liegt natürlich irgendwo auch im Auge des Betrachters.

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so what? 07.07.2019, 16:32
9. Die MSM, mit dem Spiegel & SPON voran,

haben ganz wesentlich dazu beigetragen, dass eine solche Frage "Was darf..." überhaupt gestellt werden muss.

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