Forum: Kultur
Debatte über Karikaturen: "Der Satiriker darf erst mal alles"
Hauck & Bauer

Manche Zeitungen bringen überhaupt keine politischen Karikaturen mehr, Zeichner müssen jederzeit mit einem Shitstorm rechnen: Sind wir zu dünnhäutig für Witze geworden? Fragen an den Humoristen Dominik Bauer.

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vulcan 07.07.2019, 16:44
10.

Zitat von pink15
dürfen sich niemals nach der Ausgewogenheit fragen, denn Satire und Karikaturen stehen immer auf einem Standpunkt, der den Karikierten logischerweise zunächst nicht gefallen wird. Entscheidende Frage ist nur, ob etwas die karikierte Sache trifft und auf den Punkt bringt. Zum "Shitstorm" gegen Becker: Ein Shitstorm ist übersetzt ein Scheißsturm, bedeutet also, dass die, die sich daran beteiligen, einfach nur Scheiße erzählen.
Nein, die Übersetzung stimmt nicht - der Satz "I can't see shit" bedeutet auch nicht, dass ich gerade 'keine Scheiße sehe".

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spon_7302413 07.07.2019, 17:01
11. Lustige Karikaturen

Einige der Beiträge erzählen so manches über das Verständnis, die Beweggründe und Lesekompetenz der jeweiligen Verfasser. Auch das eine Form der treffenden Karikatur, wenn auch zu vermuten ist, dass das nicht beabsichtigt war... ;-))

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ramuz 07.07.2019, 17:02
12. Tjaja.... wie nett von Ihnen...

Zitat von quark2@mailinator.com
Ich denke mal, das vom Karikaturisten angeprangerte Problem muß jeweils deutlich größer sein, als der Schaden, den er durch eventuelle Beleidigungen anrichtet. Außerdem darf es keine offensichtliche Alternative geben, die den gleichen Zweck mit signifikant geringeren Beleidigungen zu erreicht. Nur in diesem Rahmen bin ich bereit, Karikaturisten (bzw. Journalisten generell) "Narrenfreiheit" einzuräumen. Bei Böhmermann und Charlie Hebdo hatte ich allerdings nicht das Gefühl, daß dies noch gegeben wäre. Aber das liegt natürlich irgendwo auch im Auge des Betrachters.
"Nur in diesem Rahmen bin ich bereit, Karikaturisten (bzw. Journalisten generell) "Narrenfreiheit" einzuräumen. "
... das Sie das zu tun geruhen. Damit sind Sie, und verschroben denkende Typen wie Sie, natürlich das absolut passende Ziel für geradezu jede Art von abwertender Karikatur. Und es wäre nicht mal eine Beleidigung. So, wie auch ich Sie damit nicht beleidige. Es ist lediglich logisch.

Mit dem Begriff der Narrenfreiheit haben Sie sich vermutlich auch noch nie so recht beschäftigt: Herkunft, Bedeutung, Auswirkung, Konsequenz. Tun Sie das mal, dann werden Sie merken, dass er auf Karikaturisten nicht und auf Journalisten ( die Sie lachhafterweise mit in den gleichen Topf zu werfen geruhen wollten.... ) schon gar nicht passt. Der beratende Hoffnarr, von dem sich der Begriff herleitet, hätte Ihnen als geruhenden Herrscher jetzt aber mal derbe was gehustet...

@ mailinator: Ihr Beitrag ist moralinsaurer Quark.

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im_ernst_56 07.07.2019, 17:02
13. So verstehen ich das Interview

Satire darf alles. Im Rahmen politischen Korrektheit natürlich. Alte weiße Männer und die katholische Kirche darf man weiterhin karikieren. Im übrigen alles, worüber Linksliberale lachen können. Das lässt genügend Spielraum. Dürfte man eigentlich die beiden Vorsitzenden der Grünen karikieren und käme dann vielleicht Beifall aus der falschen Ecke?

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vulcan 07.07.2019, 17:02
14.

Ich hab schon ewig keine Karikatur mehr gesehen, die nicht der derzeit herrschenden politischen Korrektheit voll entsprochen hätte.
Ich halte allerdings nicht explizit nach Karikaturen Ausschau, also gibt es sie ja vielleicht noch.
Aber der Herr Bauer bestätigt diese Entwicklung praktisch in dem Interview. Sehr traurig, und dadurch wird der Begriff Karikatur selbst zur Karikatur.
Gerade Karikaturisten dürften sich m. E. nicht die Frage stellen, ob eventuell "die falschen darüber lachen könnten" - das ist jämmerlich und grenzt den Horizont des Karikaturisten stark ein.
Allerdings sehe ich auch nicht, wie eine in diesem Sinne 'zweifelhafte' Karikatur zum Beispiel hier bei Spon erscheinen sollte - nie im Leben. Sind es doch Medien wie Spon selbst, die diese "pc-Diktatur" mit erschaffen haben.
Da kann man dem angestellten Karikaturisten wohl noch nicht einmal vorwerfen, dass er darüber nachdenkt, ob seine K. wohl ok ist oder nicht. Wozu soll ich etwas erschaffen, das eh nie erscheint oder sogar meinen Job gefährdet?
Also beschränken wir uns bei Karikaturen auf Trump und die AfD - das geht immer.
Schöne neue Welt. Und nicht nur für Karikaturisten.

ps: Bitte fügen Sie in Gedanken dem Wort 'Karikaturist(en) bitte noch weils ein '/in(en)' an. Oder mit Sternchen. Oder was gerade der Vorschrift entspricht.
Danke.

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dannyinabox 07.07.2019, 17:09
15.

"die Zusammenarbeit mit dem Karikaturisten Michael de Adder gekündigt haben, weil er eine kritische Karikatur über Trumps Flüchtlingspolitik veröffentlichte.." Witzig wenn man sich mal vor Augen führt das z.B in den Late Shows die Witze fast nur noch um Trump drehen mit teils zweifelhaften Pointen. MIr ist in den 3 Jahren Trump Präsidentschaft auch keine Zeitung unter gekommen die nicht gerne gegen Trump schiesst. Der Spiegel selbst spielt dieses Spiel. Ziemlich Schizophren.

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juba39 07.07.2019, 17:31
16. Darf Karikatur WIRKLICH alles?

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie mal eine zu spitze Zeichnung bereut?
Bauer: Nein. Wir bereuen höchstens Cartoons, die nicht lustig genug waren.
Ich gebe für den Karikaturisten einmal ein Beispiel aus dem realen (karkaturisten) Leben.
Da erscheint eine Karikatur, die ein abstürzenden (russisches!) Flugzeug, mit dem berühmten Alexandrow-Ensemble an Bord, zeigt. Der Karikaturist zeigt verzerrte Gesichter hinter den Scheiben, mit dem Spruch, man übt wohl gerade einen neuen Kammerto 'a' ein. Nun erschien diese Karikatur nicht in irgendeiner rechten Provinzzeitung. Nein, in der weltberühmten französischen Redaktion, die einige Zeit vorher Ziel eines Terroranschlags war, weltweite Solidarität einforderte und auch bekam, bei Charlie Hebdo konkret. Möge sich jeder ein Urteil bilden, ob Karikatur wirklich alles darf. Übrigens, zum selben Flugzeugabsturz veröffentlichte das NYPD auf Youtube ein 'tribute'. So unterschiedlich sind Ansichten..

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kj.az 07.07.2019, 17:48
17. Ihre Argumentation ist sehr treffend

Zitat von jemde
Ich finde es sehr problematisch, wenn bestimmte Dinge nicht auf's Korn genommen werden dürften, nur weil man damit der "falschen" Seite recht geben würde. In dieser Geisteshaltung kommt eine für mich unglaubliche Bevormundung der Rezipienten zum Ausdruck, die zur Spaltung der Gesellschaft beiträgt: bloß nicht einem Argument der AFD zustimmen. In unserem Leitbild einer pluralistischen Gesellschaft soll jeder seine Meinung frei äußern dürfen. Jede Äußerung wird ernst genommen und der mündige Bürger bildet sich aus dem Konzert der Meinungen dann seine eigene. Zum 100-sten Mal muss darauf hingewiesen werden, dass Religion nichts mit Rasse zu tun hat. Im übrigen habe wir uns nach den Verwirrungen des 3. Reichs doch eigentlich darauf verständigt, dass der Rasse-Begriff nicht sinnvoll auf die unterschiedlichen Menschen angewendet werden kann. Ich weiß nicht, warum jetzt alle wieder mit diesem unseligen Begriff hantieren.
und deshalb wundere ich mich, dass er durch die hauseigene Pruefung der 'political correctness' des SPON durchgegangen ist. Wie man naemlich bereits am Interview mit dem Satiriker erkennen kann, hat die Reduzierung der Meinungsaeusserung mittels Diffamierung angsterregende Hoehen erreicht. Satire ist ein scharfes Schwert, das historisch schon immer Missstaende aufzeigte. Das darf heute offenbar nicht mehr sein.

Ihrem Kommentar kann ich deshalb nicht viel mehr hinzufuegen. Messerscharf erkannt und beschrieben. Danke.

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ruhepuls 07.07.2019, 17:50
18. Narzisstische Mimöschen?

Wen wundert es? Wir werden immer "empfindlicher" und narzisstischer. Und ein*e Narzist*in verträgt eben keine Kritik am eigenen Ego. Ist schließlich das wichtigste auf der Welt. Und "was aushalten können" ist eh mega-out. So what?

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interessierter Laie 07.07.2019, 17:51
19. @Daniel 1956

das ist doch Quark. Die Interpretation von Aussagen und auch Bildern liegt immer beim Gegenüber. Selbst ein leeres Blatt oder eine sinnfreie Reihe von Wörtern und Buchstaben kann im Zweifel auch anders verstanden werden als intendiert. Früher hätte man in solchen Fällen dem Urheber zumindest erlaubt, sich zu erklären. Heute brüllt der Mob sofort los. Das Ergebnis ist dann, dass "frohe Weihnachten" nur noch gebraucht werden darf, wenn man sich der Religion des Gegenübers sicher ist. Ich hätte als Christ aber überhaupt kein Problem damit, wenn mir jemand einen frohes was-auch-immer-Fest wünscht, das ich nicht feiere. Und ich hab auch noch keinen Juden oder Moslem getroffen, den das gestört hätte.

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