Forum: Kultur
Debatte über Karikaturen: "Der Satiriker darf erst mal alles"
Hauck & Bauer

Manche Zeitungen bringen überhaupt keine politischen Karikaturen mehr, Zeichner müssen jederzeit mit einem Shitstorm rechnen: Sind wir zu dünnhäutig für Witze geworden? Fragen an den Humoristen Dominik Bauer.

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max-mustermann 07.07.2019, 17:54
20. Denkverbote

Zitat von vulcan
Ich hab schon ewig keine Karikatur mehr gesehen, die nicht der derzeit herrschenden politischen Korrektheit voll entsprochen hätte. Ich halte allerdings nicht explizit nach Karikaturen Ausschau, also gibt es sie ja vielleicht noch. Aber der Herr Bauer bestätigt diese Entwicklung praktisch in dem Interview. Sehr traurig, und dadurch wird der Begriff Karikatur selbst zur Karikatur. Gerade Karikaturisten dürften sich m. E. nicht die Frage stellen, ob eventuell "die falschen darüber lachen könnten" - das ist jämmerlich und grenzt den Horizont des Karikaturisten stark ein.
Genau so ist es, Herr Bauer hatt selbst in vorauseilendem Gehorsam eine Schere in seinem Kopf installiert und diese Einschränkung, nicht mehr Alles und Jeden aufs Korn nehmen zu können/dürfen, bedeutet defakto das Ende für einen GUTEN Satiriker. Er sollte sich vielleicht lieber einen anderen Job suchen.

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polychroma 07.07.2019, 18:08
21. Freiheit stirbt

Wirklich traurig, wie politische oder auch gesellschaftliche Karikaturen durch Korrektnessdenken unmöglich werden. Finde erbärmlich, was Herr Bauer da sagt. Das soll Freiheit sein?!?

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Europa! 07.07.2019, 18:26
22. Nein, nicht "für nichts"

Zitat von isar56
z.B. über Juden kommen am besten aus den eigenen Reihen (Alles auf Zucker, Die Töchter des Monsieur Claude etc). Ich kenne Gehbehinderte, die Behindertenwitze erzählen, die mir im Hals stecken bleiben. Wenn F. Becker Muslimas bloßstellte, hat sie das 30 Jahre zuvor mit Müttern getan. Zu welchen Konsequenzen Cartoons führen können, zeigte sich in grausamster Weise 2015 bei charlie hebdo. 11 Menschen starben für nichts, wegen nichts. Deshalb kann und will ich diesen ..... shitstorm ( blöder Begriff) gegen Becker nicht verstehen. Außerdem zeichnete sie die Frauen sehr niedlich.
Die Macher von Charlie Hebdo sind nicht "für nichts" gestorben, sondern für die europäische Freiheit. Und deshalb werden sie auch nie vergessen. Und wenn Zeitungen auf Karikaturen verzichten, dann weiß man auch, warum sie das tun: Weil die Leute dahinter Feiglinge sind, für die Freiheit ein hohles Wort ist.

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langenscheidt 07.07.2019, 18:34
23. Dass Karikaturisten...

...schon überlegen, ob sie mit ihren Karikaturen möglicherweise wen politisch hofieren könnten zeigt, wie wenig heutige Künstler mit ihrer Freiheit umgehen können bzw. verängstigt sind. Freiheit war mal ein hohes Gut im Nachkriegsdeutschland. Wir jubelten, dass mit dem Internet die Freiheit gestärkt wurde. Stattdessen geht unsere Freiheit zugrunde, propagiert von denen die Freiheit propagieren, aber die Freiheit in der Praxis nur für sich selbst beanspruchen.

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Europa! 07.07.2019, 18:36
24. Zur Klarstellung

Die Zeichnung: "Alexa, demonstriere gegen Nazis!" ist sehr witzig. Man kann aus mehr als einem Grund darüber lachen (oder zumindest laut schmunzeln). Und sie ist auch nicht politisch korrekt, sondern durchaus subversiv. Was wieder mal zeigt: "Bilde, Künstler, rede nicht!"

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widower+2 07.07.2019, 18:44
25. Wieso?

Zitat von polychroma
Wirklich traurig, wie politische oder auch gesellschaftliche Karikaturen durch Korrektnessdenken unmöglich werden. Finde erbärmlich, was Herr Bauer da sagt. Das soll Freiheit sein?!?
Weil zwei von sehr vielen Karikaturisten in einem Interview Fragen beantworten und von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen, sind "politische oder gesellschaftliche" Karikaturen für Sie gleich unmöglich geworden?

Das Ende der Freiheit wäre gekommen, wenn Sie die beiden Karikaturisten zwingen würden, Karikaturen zu veröffentlichen, die nicht ihren eigenen Überzeugungen entsprechen.

Ihnen selbst steht es übrigens jederzeit frei, eigene Karikaturen nach Ihrem Gusto zu produzieren.

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Leser161 07.07.2019, 18:44
26. Ja

Für alle Witze. Wenn Witze über alte weisse Männer wie mich gemacht werden dürfen dürfen auch Witze über Moslems über LGBTQ-Personen über Frauen über Trump gemacht werden-

Ich kriege genau dann ein Problem, wenn irgendein Witz verboten wird. Charlie Hebdo anyone?

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Andre V 07.07.2019, 18:46
27.

Zitat von Europa!
Die Zeichnung: "Alexa, demonstriere gegen Nazis!" ist sehr witzig. Man kann aus mehr als einem Grund darüber lachen (oder zumindest laut schmunzeln). Und sie ist auch nicht politisch korrekt, sondern durchaus subversiv. Was wieder mal zeigt: "Bilde, Künstler, rede nicht!"
Natürlich ist das witzig. Bei "Alexa, demonstriere gegen den Klimawandel" hätten aber viele Medienorgane schon dankend abgewunken, weil es gegen den Kern der eigenen Überzeugungen geht. So ein Kaffee bei Starbucks kommt schließlich nicht klimaneutral oder gendergerecht...

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andiwe 07.07.2019, 19:25
28. Auch der Satiriker darf nicht alles

Die Grenze für alles (auch Kunst!) steht im Grundgesetz: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das gilt auch für Satiriker. Einfache Daumenregel: Womit beginnt ein schlechter Witz? Mit einem Blick über die Schulter. Wenn man einen Witz nicht erzählen würde, weil der Betroffene im Raum ist, ist er mindestens schlecht, wenn nicht diffamierend. Für Satire oder Cartoon gilt das Gleiche. Leider glauben immer mehr Menschen an beiden Seiten des Spektrums, dass politische Gegner keine Rechte hätten, nicht einmal das auf Menschenwürde. Oder Gesundheit. Oder Eigentum.

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skylarkin 07.07.2019, 19:34
29.

Wer wegen womöglich Applaus aus der falschen Ecke bestimmte Misstände nicht mehr anprangert, hat die Zensurschere schon im Kopf. Das ist kein ' Kariktaur/Kunst' darf alles, sondern pc-konformer Humor und ziemlich verlogen. Erschreckend, das dem Interviewten dieser Widerspruch nicht auffällt.

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