Forum: Kultur
Debatte um Islamophobie: Peinlicher Aufklärungsunterricht

Mehr Selbstverachtung und Realitätsverlust war selten: In deutschen Feuilletons tobt eine neue Debatte über den richtigen Dialog mit dem Islam. Kurioserweise werden dabei ausgerechnet jene Publizisten als "Hassprediger" bezeichnet, die auf westliche Werte wie Aufklärung und Menschenrechte pochen.

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Bernie0711 15.01.2010, 16:46
10. Peinlicher Aufklärungsunterricht

Ich habe elf Jahre in islamischen Ländern gelebt. Dort wurde mir mehrmals versichert, daß vor allem Saudi Arabien, aber auch der Iran und die Türkei Milliardenbeträge an Politiker und Journalisten in Europa ausgeben, damit diese für den Islam öffentlichkeitswirksam Werbung betreiben.
Vielleicht trägt diese Tatsache dazu bei, solche Artikel in einigen deutschen Zeitungen besser zu verstehen.

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Philipp E 15.01.2010, 16:47
11. Warum sind solche Artikel die absolute Ausnahme?

Großes Lob an den Autor.
Nur haben Sie m.E. den falschen Arbeitgeber, kriegt man doch häufig den Eindruck, dass der Spiegel diese Debatte und die zahlreichen Missstände selbst nicht wirklich ansprechen möchte.
Es ist einer der Themen, die Journalisten gerne erst gar nicht diskutieren, da sie hier Farbe bekennen und wohlmöglich noch Konsequenzen fürchten müssten - sowohl von Seiten der Vorgesetzten als auch von Seiten entsetzter Muslime (nicht alle aber doch sehr viele) , die von Meinungsfreiheit nichts halten, so lange ihnen die Meinung nicht gefällt.

Nun, so lange die Artikel - wie hier - für 99% der Muslime, die ich meine und für 80% der Deutschen unverständlich sind, soll heißen, so lange die Leute nicht merken, wie scharf diese Kritik ist, ist es ungefährlich.
Leider bekommt man jedoch den Eindruck, dass selbst die selbsternannten "Intelektuellen" in großer Zahl einfach ignorant geworden sind. Die wissen, dass bestimmte Dinge fürchtlich sind, sie wissen oder müssten wissen, dass bestimmte Entwicklungen fürchterlicher werden und tun doch so, als wäre es unangemessen, etwas dagegen zu sagen oder gar erst zu tun.


Diese Wahrnehmungsverweigerung macht mich stutzig, denn die "normalen" Menschen, die, die jeden Tag Arbeiten gehen, zur Schule gehen oder einfach über die Jahre die Entwicklung mitbekommen haben (ich schätze, das sind so um die 75%) sind längst ganz anderer Meinung als die selbstgefühlten "Intelektuellen".

Nevertheless:
So lange die Medien diese Taktik verfolgen (und nur Gott weiß, weshalb sie dies tun) ist Besserung ausgeschlossen, werden Leute, die ihre Meinung äußern weiterhin diskreditiert, werden diese Entwicklungen schlimmer werden.

Mich würde halt nur interessieren, warum.
Pressefreiheit sollte nicht missbraucht werden.

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shareman 15.01.2010, 16:48
12. Anbiederung

Zitat von sysop
Mehr Selbstverachtung und Realitätsverlust war selten: In deutschen Feuilletons tobt eine neue Debatte über den richtigen Dialog mit dem Islam. Kurioserweise werden dabei ausgerechnet jene Publizisten als "Hassprediger" bezeichnet, die auf westliche Werte wie Aufklärung und Menschenrechte pochen.
Anbiedrung und Appeasement sind meist der Anfang vom Ende- der Werteverlust.
Dabei gilt es doch, den immer stärker werdenden Anzeichen der Islamisierung zu begegnen - nach dem Motto: Wehret den Anfängen!

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EdenIsLost 15.01.2010, 16:51
13. Schöner Artikel...

...aber hat sich der Spiegel mit seinen Werken vorher wirklich soviel anders verhalten als er es jetzt kritisiert?

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steinaug 15.01.2010, 16:52
14. Was ist los?

Was ist denn hier los ? Ein gelungener Beitrag des Spiegel zum Thema Islam und westlicher Selbsthass der Feuilleton - Wortakrobaten. Das ich das noch erleben darf.
Nach dem Geschreibsel von Sudel-Seidel in der FAS, bin ich tatsächlich vom Glauben abgefallen.

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wafi 15.01.2010, 16:52
15. der Realitätsverlust

ist höchstens im Spiegel und eben in diesem Artikel zu lesen.

Wer hat was dagegen einen Haßprediger zu kritisieren? Niemand ...
Der kleine, feine Unterschied ist nur ... nur weil ein Haßprediger Muslim ist, sind noch lange nicht alle Muslims Haßprediger. Die Stigmatisierung eines Glaubens ist das, was eben nur noch ätzend ist. Eine solche Stigmatisierung hat auch nichts mit Aufklärung zu tun, sondern ist zutiefst dumm und hat eher Auswirkungen, wie sie Herr Benz in der SZ beschrieben hat. Aber ist schon klar, die Protagonisten einfachster Weltbilder haben es eben schwierig zu differenzieren.

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Holger Danske 15.01.2010, 16:53
16. Es ist noch viel schlimmer....

... wenn man die Artikel liest. So schreibt Herr Steinfeld allen Ernstes "Henryk M. Broder verfasst zwar nur Streitschriften, wenn er kämpft. Aber die Anhänger eines radikalen Islams sehen die Sache, wenn sie die Waffe in die Hand nehmen, im Prinzip ähnlich."

Klar. Im Prinzip ist alles gleich. Zwei Meinungen sind Meinungen. Die Freiheit propagieren ist das Gleiche, wie sie bekämpfen. Klar. Und die Sharia mit abgehackten Händen, gesteinigten Frauen, gehenkten Schwulen, das ist im Prinzip das Gleiche wie das, was bei uns passiert, wenn man ein Ticket für`s Falschparken bekommt. Strafe muß sein.

Oder der hier: "Wer die Grundbegriffe der Demokratie behandelt, als wären sie Glaubensartikel - Gebote, zu denen man sich bekennen muss -, der ist von der Gesinnung ihrer Gegner schon durchdrungen." Wenn ich unsere Verfassung gut finde und verlange, daß sie weiterhin hier gilt, dann bin ich schon ein Verfassungsfeind. Also gesinnungsmäßig. Früher hat man ja gesagt "Geh´ doch rüber", jetzt möchte man ihnen zurufen "Geht doch nach Arabien".

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hatem1 15.01.2010, 16:53
17. Volle Zustimmung!

Danke, Herr Mohr für diesen überfälligen, richtigen und klaren Kommentar!
Es ist wirklich unfassbar, wie manche hier in Selbsthass und vorauseilender Unterwerfung fast alles zur Disposition stellen, was Aufklärung und Freiheit von Unterdrückung und Fanatismus unterscheidet.

Herr Benz, Herr Steinfeld und Herr Seidl wissen einfach nicht, wovon sie reden. Ich kann den Herren nur dringend empfehlen, einige Zeit in einem muslimischen Land zu verbringen.
Zur Not tut es auch eine Hauptschule in Neukölln, eine Moschee auf St. Georg oder ein Kulturverein in Ehrenfeld.
Und sie sollten Jens Jessen von der ZEIT gleich mitnehmen, bevor der auch noch einen ähnlich peinlichen Artikel wie die Herren verfasst, dessen Ergebnis vermutlich ist, dass letztlich intolerante deutsche Rentner für sogenannte "Ehrenmorde" verantwortlich sind....

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New_Yorker 15.01.2010, 16:57
18. Klare und ueberfaellige Worte

Zitat von sysop
Mehr Selbstverachtung und Realitätsverlust war selten: In deutschen Feuilletons tobt eine neue Debatte über den richtigen Dialog mit dem Islam. Kurioserweise werden dabei ausgerechnet jene Publizisten als "Hassprediger" bezeichnet, die auf westliche Werte wie Aufklärung und Menschenrechte pochen.
Den Kultur- und Werterelativisten in unseren eigenen Reihen muss deutlich entgegengetreten werden. Dies ist hier mit Klarheit und Bravour geschehen und laesst keine Wuensche offen. Ein Henryk Broder von der Achse des Guten haette es nicht besser machen koennen.
Nein, der islamischen Gesellschaft muss abverlangt werden, dass sie sich mit ihren rueckstaendigen, ja atavistischen Ansichten auseinandersetzt und eine 'islamische Aufklaerung' herbeifuehrt.

Andernfalls befinden sich ihre Anhaenger nicht auf Augenhoehe mit der westlich-demokratischen Gesellschaft.
Keine Zugestaendnisse an die Feinde der Freiheit!

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thomas bode 15.01.2010, 16:58
19. henryk broder

sorry, aber henryk broder verteidigt nicht in erster linie die europäische oder sonstige menschenrechts-charta sondern ist ein immer aufgeregter verteidiger dessen was er als jüdische und israelische interessen betrachtet. es ist zwar letztlich nicht klug, es würde diesen interessen förderlicher sein eine gelassenere haltung einzunehmen, so wie es etliche juden und israeli ja auch tun. aber aufgrund der bekannten geschichtlichen hintergründe ist seine haltung nachvollziehbar.
in diesem artikel versucht der autor allerdings diese stets parteiischen und aufgeregten gleich zu setzen mit den "verteidigern" westlicher werte. gut analysiert ist das nicht.

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