Forum: Kultur
Debatte um Kühnerts Vorschläge: Das Tabu, das er bricht
Markus Schreiber/ AP

Warum sich so viele über den Juso-Vorsitzenden aufregen? Weil es als Frevel gilt, politische Fantasie dort walten zu lassen, wo es um Besitz und Geld geht. Dabei ist es höchste Zeit genau dafür.

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hinterhaus 04.05.2019, 13:13
30.

"Mehr gibt es dazu nicht zu sagen." Besser als der anonyme Schreiber kann man es nicht zum Ausdruck bringen: bloß keinen Millimeter abweichen vom "weiter so", auch wenn wir alle genau wissen, dass das die Krise verschärft. Da will sich jemand nicht auseinandersetzen, sondern die Oberhand behalten. Schade.
Aber ein Dank für diesen nachdenklichen Essay - und auch an Herrn Kühner für den Anstoß zu dieser Debatte. Wir müssen sie nicht nur führen, sondern wir müssen ihr auch Taten folgen lassen. Ein "weiter so" verbietet sich. Und es ist schon lange Zeit, dass wir mal darüber nachdenken, ob der ungebremste Kapitalismus mit allen seinen Nebenwirkungen wirklich das beste aller Wirtschaftssysteme ist. Lasst uns also die Debatte führen. Und umsteuern - auch wenn noch nicht klar ist, wohin genau. Die von Herrn Kühnert vorgeschlagene Richtung scheint mir so verkehrt nicht zu sein.

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Emderfriese 04.05.2019, 13:13
31. Möglichkeiten

Zitat von josho
....was Kühnerts Thesen plötzlich für eine Unruhe im Land sorgen - da hat Frau Nahles recht. Die Linkspartei vertritt seit ihrer Gründung bzw. Abspaltung nichts anderes. Allerdings ist es mit Erfolg gelungen - auch mit tatkräftiger Hilfe einse Teils der Presse - die von der Linkspartei kommenden Thesen zu verunglimpfen und ad absurdum zu führen. Wenn Herr Kühnert jetzt dasselbe sagt, dann beschäftigen sich auf einmal Wissenschaftler und seriöse Kommentatoren für diesen Inhalt. Wäre Kühnert in der Linkspartei, dann fände sich über seine Ideen noch nicht einmal ein Zweizeiler.
Die Angst vieler Kommentatoren (jetzt tatsächlich mal nicht des SPON!) rührt eben daher, dass ein SPD-Vertreter diese Thesen aufstellt. Die Linke kann man marginal behandeln - sollte aber die SPD eine Linkskurve hinlegen, dann geht hier sogleich Manchem der A...sch auf Grundeis. Es könnte sich ja etwas verändern an den Besitzverhältnissen. Und wer der aufschreit, hat zu verlieren. Die ärmere Masse dagegen nicht. Mit der SPD würde es möglich...

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spon_4_me 04.05.2019, 13:14
32. Salbungsvolle

Reden. Knuffige Pseudo-Sozialismus-Debatte, um säsonale Löcher zu stopfen und die nächste Clickflut zu erzeugen, die Ihr dann brav kapitalistisch nächstens Euren Werbekunden präsentieren werdet, um das Budget zu rechtfertigen. Wichtig wäre wirklich eine Diskussion über Gerechtigkeit - nicht bloß über die Vermögen der Superreichen. Was geht mich das Leben der Quandts an? Aber für eine echte Gerechtigkeitsdebatte müsste man bereit sein, harte Fragen zu beantworten: Was ist gerecht im Bezug auf verschiedene Generationen? Was im Bezug auf den Beitrag, den der Einzelne für das Gemeinwesen leistet? Was im Hinblick auf persönliche Notstände, auch wenn man fahrlässig in diese gerät? Zu all dem hören wir nichts von Politikern und öffentlichen Intellektuellen. Frische Ideen und queres Denken braucht das Land - mag sein. Doch wenn Publizisten nicht mehr bieten als die übliche Freude über frischen Wind und wohlfeilen Remmidemmi im Politikbetrieb zu Wahlkampfzeiten, woher sollen diese Ideen kommen?

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quergelesen 04.05.2019, 13:15
33. Unterschreib ich

Mach mir schon länger solche Gedanken, vom bedingungslosen Grundeinkommen bis zur kostenlosen medizinischen Versorgung. Solange jedoch der Investor wichtiger ist als die Menschen die Werte durch ihren Einsatz schaffen wird sich nichts ändern. Und viele andere Denkmuster gilt es auch zu überdenken: Warum sollte bsp ein Handwerker in vielen Fällen deutlich weniger in seiner Lohntüte finden als ein Verwaltungsfachangestellter. Warum glauben wir das dessen Leistung, die ja zusätzlich zu theoretischem Wissen noch die motorischen Fähigkeiten erfordert, günstiger sein sollte?

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mmpuck 04.05.2019, 13:17
34. Kühnert sagt

ich bin Marxist und äußert sich entsprechend. Alle Vielbesitzenden jaulen erschreckt auf. Dabei sollten sie begreifen, dass Marxismus nicht bedeutet Reiche zu Bettlern zu machen. Marxismus nedeutet vielmehr, dass heute Reiche und heute Arme alle miteinander ein gutes, ein erfülltes Leben von der Wiege bis zur Bahre erarbeiten können. Milliarden auf dem Konto sind dafür nicht erforderlich - auch nicht Millionen.

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tingeltangel-bob 04.05.2019, 13:18
35.

Zitat von grumpy53
Meine Güte, diese Schnappatmung die aufkommt, wenn mal jemand anders denkt, neu diskutieren will, eigene Vorschläge einbringt - und womöglich den etablierten Kapitalismus in Frage stellt. Wohnraum wird unbezahlbar, Bildungschancen sind schon längst nicht mehr für alle "gleich", einige wenige werden immer reicher, Banken zocken uns "Kleine" ab, aber wehe, jemand bringt den bösen Begriff Sozialismus ein. Herrje. Das muss die SPD aushalten können. Bevor der Sozialismus, Enteignung und Verstaatlichung von was auch immer eingeführt wird, sind ne Menge Änderungen an Gesetzgebung, Verfassung, Rechtstaatlichkeit und was nicht immer mehrheitlich umzusetzen. Also erst mal wieder ruhiger atmen und nachdenken, das schadet nie. Und dann gucken, wo müssen denn Parteien umsteuern - vor allem die SPD, die sich vor lauter Blick nach rechts und Verteilungskämpfen in der Mitte traditionelle linke Ideen längst verraten und verkauft hat. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf und wähle sie immer noch - notfalls auch aufgrund mangelnder Alternativen.
Genau das ist doch das Problem! Anstatt konstruktive Vorschläge zu machen, welche Gesetze und Regelungen wie geändert werden müssten um u.a. explodierenden Mieten Einhalt zu gebieten, faselt dieser Herr von Enteignung und Verstaatlichung. Mal ganz abgesehen davon, dass seine Partei lange genug mitregiert ist, um entsprechende Änderungen auch durchzusetzen. Nein, hier offenbart sich ein absoluter Mangel an Geschichtsverständnis und Verständnis von Wirtschaft. Das was dem da offensichtlich vorschwebt, ist seit 1917 überall praktisch widerlegt worden: der Staat ist nun mal nicht der "bessere" Manager. Und da bedarf es noch nicht mal eines längeren Auslandsaufenthaltes in Nordkorea um das mal aus nächster Nähe in Augenschein zu nehmen, da reicht schon ein Blick auf das was beim BER passiert ist und weiter passiert. Und wer da in verantwortlicher Position saß/sitzt.

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dasfred 04.05.2019, 13:20
36. Erbauung zum Wochenende

Der Essayist hat hier der Kevin Künast Diskussion das empörende Element genommen. Die Frage nach der Würde des Menschen, der einfach in dieses System hineingeboren wurde, wir viel zu selten gestellt. Die Auswüchse des Kapitalismus sind hinreichend bekannt. Die Lösung dazu wird aber von interessierter Seite ständig blockiert. Die Wirtschaft will Menschen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren, die in jeder bezahlten Arbeitsstunde Gewinn abwerfen. Wo sie vorher herkommen und wo diese Menschen landen, wenn sie keinen Ertrag mehr bringen, dass darf die Kaste der Abhängigen dann selbst aus eigenen Mitteln regeln.

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lutfikus 04.05.2019, 13:22
37. Kühnert ist nur der Aufhönger

Es geht doch hier garnicht um die Aussage von Kühnert, die ist nur der Aufhänger des Artikels. Entscheidend ist für mich der letzte Satz, der den Artikel nichmals auf den Punkt bting: Unsere Gesellschaft denkt viel zu eng!
Wer nur Systemimanent unterwegs ist und nur entsprechende Gedanken zulässt, der wird keine nennenawerten Entwicklungsschritte machen können.

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Karlowitsch 04.05.2019, 13:22
38. Alle gleich in einer auf Diversität fixierten Welt?

Zitat von grumpy53
Wohnraum wird unbezahlbar, Bildungschancen sind schon längst nicht mehr für alle "gleich",
Noch nie war es so einfach und auch über diverse Umwege möglich, die Bildungswege zu durchlaufen, wenn man will. Finanzhilfen und gratis noch und nöcher. Nur wer Korrelation und Kausalität verdreht
(Eltern waren nicht etwa nur schlechtes Vorbild und dank Sozialstaat geht es doch auch so, nein, man hätte ja unbedingt gewollt...Genug Gegenbeispiele, die es sich ermöglicht haben gibt es aber doch...)
und Statistiken (extra) falsch interpretiert, rafft das nicht.
Wohnraum wird auch nicht unbezahlbar sondern findet wieder zu dem Wert zurück, den er hat. Alle reden immer von der Wichtigkeit von "Grundbedürfnissen", aber das Geld soll nur für Konsum da sein und die Grundbedürfnisse möglichst nichts kosten und vom Staat subventioniert werden. Das Mieten war zu lange zu billig, den Wert von Eigentum hat man zu Billig-Kauf-Zeiten nicht erkannt. Wie an der Börse, da drängen die Leute auch in den Boomphasen hinein und nicht wenn es günstig ist. Über verpasste Chancen wird dann auch gejammert. Aber da traut sich noch keiner, nach dem Staat zu rufen.
Obwohl, enteignen statt Anteiel kaufen ist auch ähnlich.
Übrigens wird Wohnen teuer, weil es sich viele eben schon leisten können. Auch weil andere wichtige Dinge weiterhin billig sind (Lebensmittel) und unwichtige Dinge wie Technikkram immer billiger wird.

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Emderfriese 04.05.2019, 13:22
39. Vorwärts nimmer, abwärts immer

Zitat von trippi111
Selbstverständlich darf Herr Kühnert so etwas denken und auch formulieren. Aber es ist schon etwas anderes, ob man das als Mitglied einer Regierungspartei macht oder aus der Opposition heraus. Die Regierungspartei soll gestalten - das ist der Auftrag des Wählers. Es gibt keinen Wählerauftrag für Opposition. Die SPD bezieht sich gerne auf Willy Brandt. Der hat einmal geschrieben: „[Bismarcks] oberste Maxime, die Politik als Kunst des Möglichen zu erkennen, ist zu oft mit dem Munde nachvollzogen und zu wenig mit Verstand befolgt worden. Denn sie bedeutet, dass […] es weder Kunst noch Politik ist, im Wunschdenken befangen zu bleiben.“ Ich kann dem Autor des SPON Artikels überhaupt nicht folgen. "Weil es als Frevel gilt, politische Fantasie dort walten zu lassen, wo es um Besitz und Geld geht. Dabei ist es höchste Zeit genau dafür." Denn die Gedanken von Herrn Kühnert sind alles andere als neu. Fragen Sie doch gerne mal bei der Linken nach. Die Zustimmungswerte in der Bevölkerung dazu sind nicht so richtig toll. Warum sollten sie jetzt ansteigen, nur weil ein Herr Kühnert sie äußert? Und eine Gestaltungsmehrheit links der heutigen SPD-Positionen finden zu wollen - da muss man schon sehr viel Phantasie aufbringen. Was Kühnert jedoch anzettelt ist eher eine Schwächung seiner eigenen Partei. Ich befürchte, dass er genau das will und dass er genau das schafft. Eine weitere Schwächung der SPD in der deutschen Parteienlandschaft jedoch ist ein Verlust in der Demokratie. Und das sollte doch keiner wollen.
"...Was Kühnert jedoch anzettelt ist eher eine Schwächung seiner eigenen Partei. Ich befürchte, dass er genau das will und dass er genau das schafft. Eine weitere Schwächung der SPD in der deutschen Parteienlandschaft jedoch ist ein Verlust in der Demokratie. Und das sollte doch keiner wollen."

Sie wollen sagen: weiter so, SPD? Wohin denn noch? Straks auf die 5 Prozent-Grenze zu? Absteigender kann der Ast doch gar nicht sein, auf dem die SPD sitzt! Und diese "Schwächung" (vornehme Umschreibung für Absturz) haben die Nahles, Schröders & Co. hervor gerufen bzw. zu verantworten. Wollen Sie denn, dass das so weiter geht? Da doch lieber mal den Kurs umdrehen auf SOZIALdemokratie.

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