Forum: Kultur
Debatte ums Urheberrecht: Aufgeblasener Protest
DPA

Sie klingen vage und humorlos, sie verbreiten Angst: Die 1500 Unterzeichner des Aufrufs "Wir sind die Urheber" arbeiten mit dem Mittel der platten Vereinfachung. Die alte Kultur-Elite macht die Piratenpartei zum Sündenbock - dabei sollte sie ihr besser dankbar sein.

Seite 5 von 42
goedeking1 11.05.2012, 16:11
40. Aufgeblasen?

Ein Artikel wie dieser sollte nicht im Spiegel stehen, der oft überzeichnet, aber sehr selten dumm schreibt. Daher lese ich ihn jede Woche. Gerne. Dieser Artikel ist an Ignoranz kaum zu übertreffen, denn der Autor hat sich nicht die mindeste Mühe gemacht, wenigstens im Ansatz zu verstehen, was geistige Leistung überhaupt ist. Satt dessen schreibt er in einer albernen, höhnischen Diktion, die den Verdacht nahelegt, er kenne den Unterschied nicht zwischen Preis und Wert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
meymona 11.05.2012, 16:12
41. Urheberrecht ist kein Grundrecht

Es ist eine (gesellschafts)politische Entscheidung, ob und in welchem Umfang man ein Urheberrecht anerkennt und wie es verteidigt wird. Es ist keineswegs selbstverständlich, dass nur weil eine andere Person auf die gleiche Idee gekommen ist, sie den Schutz genießt (und ich nicht), nur weil sie früher die Idee hatte.
Wir hatten die Diskussion vor 30 Jahren mit den Videorecordern. Auch damals hieß es, wenn man "Aufnehmen" legalisiere, stünden Urheber vor der Ausbeutung.
Jeden gedanklichen Flatus mit einem 30jährigen Schutzmantel zu versehen und mit extrem hohen fiktiven Streitwerten vor Gericht zu verteidigen ist kein Menschenrecht.
Der massive aktuelle Schutz gehört auf kommerzielle Bereiche beschränkt. Und wenn die Poltik das nicht kapiert, werden die Kinder des Internetzeitalters auf Dauer die Piraten wählen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
karma0190 11.05.2012, 16:13
42. optional

Die Parallelen zur Verteilungsdebatte sind schon interessant. Urheberrecht und Patentrecht und Markenrecht sind kein Selbstzweck. Sie dienen dazu, Künstlern, Forschern etc. Anreize zu schaffen, künstlerisch etc. tätig zu sein. Insofern finde ich die Frage vollkommen berechtigt, ob das Urheberrecht, Patentrecht etc. nicht mit der Zeit gehen muss und ob es nicht mittlerweile unverhältnismässige Kosten verursacht.

Es ist schon erstaunlich, dass sich jetzt so viele erfolgreiche Künstler plötzlich für ihre weniger erfolgreichen Kollegen einsetzen. Bezogen auf die gesamte Gesellschaft ist die Gruppe derer, die vom status quo überproportional profitieren jedenfalls ziemlich klein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
hugendubelsfranz 11.05.2012, 16:13
43. optional

Hier hat die sogenannte "Content-Mafia" ein ganz klein wenig von ihrer Anonymität preisgegeben. Sie haben die kleinsten Schräubchen ihres Syndikats In das Rampenlicht geschickt, um durch Angst und Einschüchterung ihr Ziele durchzusetzen: Ein paar nette, bekannte und sympathische Gesichter die den Zeigefinder heben und sagen: "Wenn Ihr nicht aufhört, werden wir nichts mehr machen!". Wer hat was von einer solch stupiden Taktik? Keiner ;)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
lalale 11.05.2012, 16:15
44.

Zitat von andreasoberholz
Als Urheber muss ich sagen. Was ein schlecht recherchierter Artikel. Er wirft mit Plattitüden um sich, stell diejenigen die sich wehren als Deppen da...WOW .... und das dann auch noch von einem Journalisten der sicher bei der VG Wort gemeldet ist..... Krass, da muss ich sagen der Autor schreibt wohl jeden Mist um Geld zu verdienen... Irrtümer gibt es da keine!! Die bisherigen Entwürfe zu Änderungen der Urheberrechts würden viele Leute um Lohn und Brot bringen....
wenn bringt es denn um lohn und brot? und wem bringt es mehr lohn und brot?

der momentane aufbau des verwertungssystems begünstigt die großen und benachteiligt die kleinen...

die GEMA zum beispiel:
nehmen wir an... kleine band... kein nennenswertes airplay im radio oder im tv... spielt sich aber live die finger wund... wenn sie bei der GEMA gemeldet sind... kostet ein konzert dieser band abhängig von eintrittspreis und größe der location angenommene 150€ GEMA-gebühren... davon bekommen sie ca 20-30€ von der GEMA am ende des jahres überwiesen... was passiert mit den restlichen 100+€ ? das geld wird dann auf die künstler aufgeteilt die im radio oder fernsehen laufen... also die grönemeyers und co... oder halt deren songschreiber... sehr faires system oder?

die folgen sind unter anderem... für veranstalter lohnt es sich oft nciht kleine bands zu veranstalten... bei kleinveranstaltern, vor allem do-it-yourself-gruppen sind 150€ normalerweise schon ein großteil des budgets... der selten refinanziert werden kann wenn man der band auch noch was abgeben möchte... oder ganz anders... bei den meisten dieser veranstaltergruppen wird nach abzug der kosten zwischen band und veranstalter 50:50 geteilt... macht mit GEMA 20€ für die band... ohne GEMA 75€... wobei bei ausländichen bands wenn sie nicht zu den großen gehören dass ganze meistens eh komplett versandet...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
johnbatz 11.05.2012, 16:15
45. Ich habe es gelesen

Zitat von j.vantast
Das ist ja hier wie bei der Grass Diskussion. Es hat keiner gelesen, aber jeder reisst die Klappe auf. Lesen Sie sich das Programm der Piraten durch.
Ich habe es gelesen, darin steht, was ich in meinem Betrag zitiert habe: Freigabe von Tauschbörsen. Ich habe auch begründet, warum das der Abschaffung des Urheberrechts gleichkommt. Vielleicht sollten sie es nicht nur lesen, sondern auch zu verstehen, was es bedeutet? Aber vermutlich verstehen sie nicht mehr als "Freie Mucke für alle". Dann sparen sie sich ihre infantilen Beiträge am besten für den örtlichen Kindergarten auf. Für die ist ihr Gesülze noch was neues.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
sverris 11.05.2012, 16:15
46.

Offenbar haben sehr viele "Urheber" und "Verwerter" nicht verstanden, dass die technische Entwicklung nicht umkehrbar ist: die Piratebay zB. ist seit Jahren nicht kleinzukriegen. Und je mehr auch der Literaturmarkt vom E-book beherrscht werden wird, werden die "Piraterieprobleme" nur noch größer.

Hier MUSS sich bei den "Urhebern" im Kopf was ändern! Drohungen und Geheul helfen wenig, sondern schaden eher. Niemand wird sagen, "Urheber" hätten keine Rechte, aber wer ewig und wütend auf seine Rechte pocht, wird bloß Abneigung ernten. Und zuletzt werden Leute dann aus dieser Abneigung heraus sich auch bei piratebay und dergl. bedienen.

Autoren und Verlage: denkt zudem lieber über Eure Vertriebs- und Vermarkungsweisen nach: Amazon verdient sich dumm und dämlich, derweil Buchautoren keine 10% pro verkauftem Buch verdienen. Und wozu die arg langen Schutzfristen nach dem Tod eines Autors? Der Konsument kann sowas nicht nachvollziehen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Pyr 11.05.2012, 16:17
47. Ahso

„sie verbreiten Angst und Vernebelung, wo ihr Geschäft doch die Aufklärung ist.“

„Sie sind damit schon performativ eine Kraft der Aufklärung.“

Aha, da frag ich mich schon mein halbes Leben, was die verschiedensten Formen der Künste denn nun eigentlich begrifflich trennscharf und so lässig aus funktionalistischer Perspektive sein könnten... finde tausende von (vergeblichen) Definitionsversuchen... und, ZackdieBohne, eh ich mich versah: SPON, Dietz – und alles ist mir suddenly klar. (Das war übrigens Kunst, weil Reim undso... ich bestätige jedoch kraft meines Amtes, dass ich meine Kreation hiermit dem „Volk“ vermache! Freies Kopieren für alle! Heissa!)

„"wir" schreiben Bücher und machen Kunst, "wir" sind nicht ihr.“

Joseph B. aus Euys hin oder her... also „ich“ mache jedenfalls keine Kunst und schreibe auch keine Bücher... und muss davon – zum Glück – auch nicht leben... wie wahrscheinlich ein Großteil der Piraten auch nicht. Von daher finde ich an dieser Stelle das Lobby-Gehabe recht angebracht... es geht hier um „deren“ (Künstler & Konsorten) Existenz... ich wäre auch sauer, wenn plötzlich einer auf die Idee käme, meine Arbeit kostenlos unter die Leute zu schmeißen.

Tschüssikovsky

Beitrag melden Antworten / Zitieren
petes 11.05.2012, 16:17
48. optional

Danke Herr Diez, Sie sprechen mir aus der Seele. Leider muß ich feststellen, das die meisten Kommentatoren Ihren Beitrag nicht richtig gelesen haben, sondern nur über das herziehen was sie zu lesen glaubten. Und ich will diese Leute dann mal im privaten hören, wenn die Steuer erhöht wird um wegen dem Leistungsschutzrecht die Verlage zu subventionieren. Oder sie mal wieder bei HD nicht vorwärtsspulen können, oder keine Kopie des Fernsehfilms einem Verwandten in die Hand drücken können, weil der ihn noch nicht gesehen hat. Oder man das gekaufte Musikstück wegen DRM nicht aufs Autoradio bekommt. Regt man dann aber an, über eine Reform des Nutzungsrechts nachzudenken, wird abgeblockt. Aber die Gängelei des Käufers durch die Rechteverwerter finden offenbar alle ok.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
AuchNurEinNick 11.05.2012, 16:17
49. aaa

Zitat von johnbatz
Es gibt kein halbes Urheberrecht. Entweder es gibt ein Urheberrecht oder nicht. Selbst wenn es nur 1 Jahr gilt, dieses eine Jahr muss man es durchsetzen können. ...
Es gibt das Urheberrecht welches vom Gesetzgeber verabschiedet wird. Es gibt da kein Naturgesetz wie Sie vielleicht meinen und angesichts der Realitäten in der heutigen Zeit ist das Urheberrecht reformbedürftig.

Sie sollten sich auch nicht auf diese "Alles oder Nichts"-Schiene begeben. Ansonsten könnte es sein, dass Gerichte irgendwann einmal gezwungen werden eine grundlegende Abwägung der Rechtsgüter vorzunehmen und das könnte sehr, sehr übel für Ihre Position werden.

Zitat von law blog
… Die heute noch so stolzen Urhebern müssten dann die bittere Erfahrung machen, dass das freie Netz wichtiger ist als ihr unbestrittener Beitrag zur Kultur. Das Motto wäre dann: Besser jeder kann frei online seine Meinung sagen, als dass alles den Bach runtergeht, bloß weil ein paar Schriftsteller meinen, sie hätten den unbedingten Anspruch an die Gesellschaft auf ein solides Auskommen pro Essay oder Roman. …
Udo Vetter / law blog: Ihr seit nicht systemrelevant

Zitat von internet-law
… Es ist also verfassungsrechtlich keineswegs geboten, dass das Urheberrecht so rechteinhaberfreundlich bleibt wie bisher, sondern es erscheint durchaus denkbar, dass man künftig die Interessen der Allgemeinheit, gerade auch zu Lasten der Urheber, stärker gewichten wird. Das ist vor allen Dingen in Bereichen wie Unterricht und Bildung geboten, in denen das geltende Urheberrechtsich derzeit hemmend auswirkt. …
Thomas Stadler / internet-law: Wir sind die Bürger

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 5 von 42