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Demokratie in der Krise: Der rechts-linke Mythos
DPA

Die Koordinaten des Politischen sind verrutscht, und die Versuche, die neue Realität mit dem alten Denken zu verbinden, sind bestenfalls kontraproduktiv.

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OskarVernon 24.12.2017, 12:55
10.

Zitat von nasfels
"Die politische Achse Rechts-Links ist weniger wichtig geworden" -- Interessante Einsichten von jemandem, dessen Debattenbeiträge maßgeblich von der naiven Einteilung der Welt in links = gut und rechts = abgrundtief böse leben.
Die Einteilung links = liberal und rechts = autoritär ist nicht minder naiv, oder aber bewusste Täuschung:
Niemand ist so autoritär wie Linke, die Menschen ggf auch gegen deren erklärten Willen ein ganzes Gesellschaftsmodell aufzwingen und denen unter der Parole "Das Private ist politisch" haarklein vorschreiben wollen, wie sie ihr Leben zu gestalten haben und vor allem, wie nicht.

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holger.heinreich 24.12.2017, 13:01
11. Clinton hatte die Unterstützung der Ultralinken in den USA

Clinton hatte die Ultralinken auf ihrer Seite, alle guten, braven SJWs haben für Clinton geworben, weil sie eine Frau ist und nicht weil Clinton irgendwelche Ideale, einzigartigen Talente oder gute Ideen hatte, denn die linken Ideale und die beeindruckende Biographie ala "Vom Arbeiter zum Staatsmann" hatte ihr Konkurrent Bernie Sanders. Und mit ihren Haßtiraden gegen Videospiele und ihrer Nähe zu SJWs hat Clinton die Mitte verjagt. Anhänger von Sanders haben dann lieber die Außenseiter als Clinton gewählt. Clinton hat den Fehler gemacht, daß sie davon ausging, daß sie ohne Einsatz einfach demokratischen Hochburgen halten kann und die Euroamerikaner sie schon aus Angst davor wählen von SJWs als Rassisten diffamiert zu werden, wie es ja jetzt in den USA auf Seiten der Ultralinken in Mode ist. Sie hat Trump als Gegner nicht wirklich ernst genommen, was Trump ausnutzen konnte. Und Trump hat dann halt der Mehrheit der US-Amerikaner die Lügen erzählt, die es gebraucht hat, damit er ihre Stimmen einsammeln kann. Und die normalen Anhänger der Republikaner wählen eh jeden, der ihnen vorlügt ihren göttlichen Massenmörder über die Verfassung zu stellen.

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002614 24.12.2017, 13:03
12. Ein starker Satz:

" Die Verleugnung der Realität ist wesentliches Element dieser Krise."
Und das größte Problem in der Zukunft wird sein: die "Tatsachenwahrheit".

Herrn Diez sei Dank für die Denkanstöße, für die wohl auch wir Deutsche die
alten Trampelpfade verlassen müssen. Es wird schon deshalb bei uns länger
dauern, weil wir in der Nachkriegszeit die Ost/West und links/rechts Denke
durch die hautnahe brutale Konfrontation beider Systeme im eigenen Land
besonders verinnerlicht haben.
Das Umdenken fällt den Menschen in anderen Ländern sicher leichter.

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Patrik74 24.12.2017, 13:03
13. Nicht so kompliziert

Die Macht hat sich einfach vom Gesetzgeber auf die "systemrelevanten" verschoben - vor unseren Augen. Aus dem Gesetzgeber ist ein Gesetznehmer geworden, der nur noch "alternativlos" abnicken darf, was ihm "die Märkte" genehmigen oder gar in die Feder diktieren - "marktkonforme Demokratie" oder besser: Potemkinsche Demokratie.

Aber der Michel labert an seinem Stammtisch unreflektiert lieber von linkem Gequatsche und geifert über Flüchtlinge, Rentner, Beamte, Südeuropäer oder auf wen auch immer die Medienlandschaft ihn grade hetzt.

Wem aber nicht mal die Faktenlage der zunehmenden Ungleichverteilung und der Günstlingspolitik als Anschauung reicht, dem hilft vielleicht das offene Bekenntnis von Warren Buffet:

Zitat von
“There’s class warfare, all right,” Mr. Buffett said, “but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.”
WIE offensichtlich muss es denn noch werden?

In der Tat sind links und rechts irrelevant geworden, weil die ganze Debatte im Parlement irrelevant geworden ist - so sie denn überhaupt noch stattfinden. Die Parlamentarier haben besseres zu tun; sie sitzen in Ausschüssen und lassen sich dort von besagten "Märkten" be..raten.

Frohe Weihnachten!

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keine-#-ahnung 24.12.2017, 13:09
14. Interessant!

Auf was für Gründe manche Linke kommen, warum ihre Sache am Schrumpeln und Absterben ist :-) ! Der Klimawandel ... der darf dabei natürlich nicht fehlen.
Warum "linke" Positionen nicht mehr tragen? Weil es kaum noch linke Positionen gibt, es gibt den kruden Traum der Auflösung des Staatswesens durch das Auflösen gesellschaftlicher und staatlicher Grenzen durch das unentwegte, salvenartige Hineinwirken in die Gesellschaften durch "Aktivisten" und "NGO" mit dem Ziel, jedes erdenkbare Randthema "gesellschaftsfähig" zu machen. Quantitativ betonte Liberalität in Kombination mit Diskursvermeidung. #metoo, Dieselskandal, Flüchtlinge, EEG, Ehe für alle, Klimawandel halt, Trump ist böse etc.pp. Eine Reizüberflutung folgt der nächsten.
Und die Propagandisten erscheinen regelhaft in ihrem autoritärem Auftreten als krasse Asympathen, die sich der gesellschaftlichen Realität mit Hingabe verschliessen.
Deswegen kippt links weg ... eine gesunde Korrektur der Übertreibungen der letzten Jahr, nicht Besonderes also.

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Lykanthrop_ 24.12.2017, 13:16
15.

Ich würde mal den Begriff der Wahrheit mit dem Begriff der Vernunft ersetzten.
Politische Ideologien haben es gemein Wahrheitsansprüche zu definieren, dabei liegt die wahre Wahrheit oft zwischen den Dingen. Des einen Terrorist ist des anderen Freiheitskämpfer, das ist eine Sache des Standpunkts. Der Klimawandel ist real, wahre Prognosen gibt es dennoch nicht.
Ich würde eher mit Vernunft und Logik argumentieren, jeder sollte sein Standpunkt hinterfragen und seine Fähigkeit zu zweifeln erhalten, damit er nicht zum verblendeten Ideologen wird, der seine Gedanken in ein Gefängnis aus Denk Ge- und Verboten sperren lässt. Ideologien sind die Gleise des Ressentiments, gegenüber unliebsamen Gedanken. Ideologien manipulieren unsere Gefühle und Gedanken, alle.

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hildesheimer2 24.12.2017, 13:17
16. Tatsachenwahrheit !

In einer Zeit in der Tatsachen vernebelt, verfälscht oder geleugnet werden, ist möglichtst tiefgehende Fakten-Suche notwendig. Das war gerade Hannah Arendt wichtig und sie hat dieses Thema in Vorträgen ausführlich behandelt. Leider ist der Mensch häufig geneigt, die ihm passenden/ die eigene Meinung bestärkenden Statements ohne Prüfung zu übernehmen. Besonders intensiv wird dies im linken und rechten Lager betrieben. Hier würde es auf beiden Seiten eine Menge Überraschungen beim Erkennen von unbequemen Wahrheiten geben!

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ImSpiegel 24.12.2017, 13:28
17. interessanter Text

Für mich ist der Text ein Musterbeispiel, wie weit sich die Journalisten und selbsternannten Intellektuellen von der Mehrheitsmeinung der Bürger entfernt haben. Der Begriff des Liberalismus wird vollkommen missbraucht. Die Bedrohung liegt doch eindeutig in einem überbordenden Nanny-Staat, der sich längst verselbständigt hat, von der angestammten Bevölkerung unter Opfern und Mühen mittels abgepresster Steuern und Gebühren (zB den öffentl. Rundfunkt als Staat im Staat) am Leben erhalten wird, während er sich immer neue "Aufgabengebiete" sucht. Die Flüchtlingskrise ist letztlich Ausdruck der Verselbständigung eines staatlich-bürokratischen Komplexes, bei der im Namen der Nächstenliebe von der herrschenden Politkaste vor allem der eigene Aufgabenbereich immer weiter ausgedehnt wird. Wenn bereits für alle Bürger im Land die Daseinsvorsroge gewährleistet ist, dann schafft man sich eben neue Bürger. Schlussendlich soll die ganze Welt am überblähten Sozialstaat genesen. Hierbei wir die langsame kulturelle Entfremdung des eigenen Volkes billigend in Kauf genommen. Deshalb ist die Grundannahme des Autors vollkommen falsch. Die derzeitigen politischen Fronten laufen zwischen Kulturbewahrern und zwischen Mulitkulti-Verfechtern. Beide Gruppen gibt es in allen Parteien (zB Buschkowsky und Boris Palmer als prominente Beispiele für Bewahrer in mehrheitlich "linken" Parteien) . Die Medien sind mehrheitlich von Multikuli-Verfechtern dominiert (wie dieser Artikel beweist). Das erstarken autoritärer Politiker ist letztlich auf dieses Gefühl der kulturellen Entfremdung zurückzuführen. Dabei überwiegt nicht das Gefühl der wachsenden Ungleichheit, wie der Autor meint, sondern das Gefühl fehlender Chancengleichheit. Durch staatlichen Eingriff wird unter dem Deckmantel des "Sozialstaates" dermassen viel zwischen verschiedenen Gruppen der Mittelschicht umverteilt, dass letztlich eine innere Entsolidarisierung eintritt und die Gesellschaft sich in Geber und Nehmer aufspaltet. Das zeigt sich auch darin, dass alle "Kultur-Bewahrer" einem Einwanderungssystem, bei dem eben die Einwanderung in Arbeit erfolgt und nicht in den Nannystaat positiv gegenüberstehen.

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syracusa 24.12.2017, 13:30
18. Freiheit

Die Sache mit der Freiheit ist schon ziemlich lustig. Die Linksliberalen wollen, dass die für alle gilt, die Rechtsautoritären wollen, dass sie nur für sie selbst gilt. Der gemeinsame Nenner ist, dass keiner auf seine eigene Freiheit verzichten will. Und dieser gemeinsame Nenner kann nur in einer offene, demokratischen, liberalen, und solidarischen Gesellschaft verwirklicht werden.

Für Linksliberale ist die Rolle des Staats, die sich beim Ausleben der individuellen Freiheiten ergebenden Konflikte zu lösen. Die Freiheit hat ihre Grenzen eben immer an den Freiheiten der anderen. Für Rechtsautoritäre hingegen besteht die Rolle des Staats im Durchsetzen der Freiheiten der Mehrheitsgesellschaft gegen die der Minderheiten.

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rolli 24.12.2017, 13:33
19.

Der Neoliberalismus ist ja nur dem Anschein nach eine Wirtschaftstheorie. Schon in den 30er Jahren unternahmen Hayek, Popper und Mises Anstrengungen in die Psychologie der Menschen einzugreifen. Besonders Hayek formulierte sehr brutal: Nimm einem Menschen seine Arbeit, seine Würde seinen Lebensunterhalt, und er wird für dich alles tun was du von ihm verlangst. Und, um seine kruden Ideen durchzusetzen verlangte Hayek die Abschaffung der Demokratie, wegen des VOLKES, und wollte lieber in eine Diktatur leben, weil da die "notwendigen" Dinge durchgesetzt werden können. Und wenn wir ganz genau hinsehen, so wurde ja das Volk abgeschafft, indem sich die Parteien in winzigen Nuancen voneinander unterscheiden. Offen menschenrechtswidrige Positionen, waren sowohl in der SPD ( wer nicht arbeitet soll nicht essen ) als auch in der CDU/CSU geduldet worden um dieser Diktatur der Wirtschaft ( oder die marktkonforme Demokratie ) herzustellen. Die Wirtschaft, der ungekrönte König, der die Politik als Majordomus vorausschickt um all die Sauereien durchzusetzen, ist weder demokratisch noch menschenrechtskonform und das ganz offen und mit Gewinn. Das was der Autor als neue Allianzen bezeichnet ist lediglich die Freiheit der Wirtschaft jeden benutzen zu können, den sie für sich als wichtig erachtet. Und da gehört Trump genauso dazu wie eine untätige Bundeskanzlerin.
Wenn ich das vergebliche Bemühen des Schulz und Teile der SPD betrachte, aus dieser Fesselung auszubrechen, dann kann ich das nicht als Revolution bezeichnen. Eine Revolution hat immer ein Ziel, das für viele erreichbar sein muss. Wo ist denn - auf dieser Welt - ein Ziel sichtbar, wo eine Revolution greifen könnte? Nirgends. Da ist man schon froh, wenn ein paar Menschen einer Idee nachrennen wie in Frankreich, auch wenn diese Idee sich gegen sie selber richtet.


rolli

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