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Demokratie in der Krise: Der rechts-linke Mythos
DPA

Die Koordinaten des Politischen sind verrutscht, und die Versuche, die neue Realität mit dem alten Denken zu verbinden, sind bestenfalls kontraproduktiv.

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alohas 24.12.2017, 14:08
30.

Zitat von syracusa
Die Sache mit der Freiheit ist schon ziemlich lustig. Die Linksliberalen wollen, dass die für alle gilt, die Rechtsautoritären wollen, dass sie nur für sie selbst gilt. Der gemeinsame Nenner ist, dass keiner auf seine eigene Freiheit verzichten will. Und dieser gemeinsame Nenner kann nur in einer offene, demokratischen, liberalen, und solidarischen Gesellschaft verwirklicht werden. Für Linksliberale ist die Rolle des Staats, die sich beim Ausleben der individuellen Freiheiten ergebenden Konflikte zu lösen. Die Freiheit hat ihre Grenzen eben immer an den Freiheiten der anderen. Für Rechtsautoritäre hingegen besteht die Rolle des Staats im Durchsetzen der Freiheiten der Mehrheitsgesellschaft gegen die der Minderheiten.
Falsch. Abgesehen von den problematischen Begrifflichkeiten, mit denen Sie ihre kleine Welt einteilen,"linksliberal", "rechtsautoritär", geht es mitnichten irgendjemandem, der von Ihnen wie auch immer tituliert wird, darum, anderen die Freiheit abzusprechen. Tatsache ist jedoch, dass eben nicht alle in der Freiheit der im Weltmaßstab kleinen deutschen Insel der Glückseligkeit leben können. Auch Afghanen sollen frei sein, ja, aber dazu muss eben auch Afghanistan frei sein. Die Freiheit in westlichen Ländern ist zudem nicht immer unbedingt genau das, was Leute aus anderen Kulturkreisen darunter verstehen.

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freddygrant 24.12.2017, 14:14
31. Meine Erfahrung ist ...

... rechts ist alles das, was ich hinter mir gelassen habe -
wie Religionen und Ideologien -, links ist da, wo ich mich
bwwusst mit Blick nach vorne hin bewegen werde. Dies gilt
sowohl in sozialer - also gesellschaftlicher - als auch
politischer, kultureller und ethischer Hinsicht. Vor weiterem inhumanen, westlichen Liberalismus - ohne die genannte gesellschafts- und umweltrelevante Verantwortung und
Werte - sollten uns die die Erfahrungen der Geschichte
bewahren.

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P.Delalande 24.12.2017, 14:18
32.

Zitat von nasfels
"[...] wie die Ungerechtigkeit bekämpft werden kann, die in den westlichen Gesellschaften einen systemgefährdenden Punkt erreicht hat." -- Ach wirklich? Martin Schulz hat einen komplett auf soziale Gerechtigkeit fokussierten Wahlkampf geführt. Ergebis: Gerade eben noch 20%. Kann es sein, dass die Leute, anders als diejenigen, die sich gerne als linksintellektuelle Vordenker gerieren, Gerechtigkeit gar nicht als das Kernproblem heutiger Tage ansehen?
Doch die "Leute" sehen Gerechtigkeit auch heute noch als den Kitt der die Gesellschaft zusammenhält. Martin Schulz hat die Wahl nicht verloren, weil er "seinen Wahlkampf auf soziale Gerechtigkeit fokussierte", sondern weil der SPD jegliche sozialpolitische Glaubwürdigkeit abhanden gekommen ist.

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Strichnid 24.12.2017, 14:18
33.

Zitat von OskarVernon
Es sind stets Linke und in aller Regel selbsternannte Linksliberale, denen solch individuelle Freiheit ein Dorn im Auge ist: Die wollen viel lieber verbieten kontrollieren bestrafen... :-(
Sie kennen nicht besonders viele Linke, oder? Die die ich kenne, sind alle sehr tolerant gegenüber verschiedenen Lebensweisen.

Im Moment sind es doch eher die Rechten, die verbieten und bestrafen wollen. Und zwar all diejenigen, die in ihren Augen Gutmenschen sind, oder gleich Flüchtlinge.

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syracusa 24.12.2017, 14:34
34.

Zitat von OskarVernon
Das, mit Verlaub glauben Sie doch selbst nicht. Ich bin sehr dafür, dass sich der Staat grundsätzlich raushält, wo Menschen ihr (ggf. Zusammen-) Leben selbst bzw. miteinander gestalten können und wollen.
Sie müssen in jeder Hinsicht blind sein, um zu solch einer Weltsicht zu gelangen. Ihre Welt würde alleine auf das Recht des Stärkeren hinauslaufen. Eine Welt, die auf Unterdrückung, Mord und Totschlag aufbaut.

Menschen sind verschieden, haben verschiedene Lebensentwürfe und Lebensziele. Der eine wünscht sich, in einer völkisch reinen Umgebung zu wohnen, der andere wünscht sich, einfach so wie alle anderen auch mit seinem Lebensgefährten zusammen leben zu dürfen, auch wenn der das gleiche Geschlecht hat wie er selbst, und vielleicht eine andere Hautfarbe.

Der Staat ist genau da zu da, die Freiheiten der Menschen so zu regulieren, dass für alle ein Höchstmaß an individueller Freiheit heraus kommt. Das bedeutet, dass die wirtschaftliche Macht der Reichen durch staatliche Eingriffe gebremst werden muss, und dass keiner durch seine Nachbarn am Ausleben seiner Freiheit gehindert werden darf, wenn der Nachbar dadurch nicht geschädigt wird. Diese Regeln aufzustellen und mit einem Gewaltmonopol durchzusetzen ist zentrale Aufgabe des Staates.

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Yoroshii 24.12.2017, 14:38
35. Wirklich und wahrhaftig!

Zitat von nasfels
"Die politische Achse Rechts-Links ist weniger wichtig geworden" -- Interessante Einsichten von jemandem, dessen Debattenbeiträge maßgeblich von der naiven Einteilung der Welt in links = gut und rechts = abgrundtief böse leben. "[...] wie die Ungerechtigkeit bekämpft werden kann, die in den westlichen Gesellschaften einen systemgefährdenden Punkt erreicht hat." -- Ach wirklich? Martin Schulz hat einen komplett auf soziale Gerechtigkeit fokussierten Wahlkampf geführt. Ergebis: Gerade eben noch 20%. Kann es sein, dass die Leute, anders als diejenigen, die sich gerne als linksintellektuelle Vordenker gerieren, Gerechtigkeit gar nicht als das Kernproblem heutiger Tage ansehen?
Da ham se abba die ganz große Kuh fliegen lassen! Umgekehrt wird ein Schuh draus! Sprache kann verräterisch sein: "Du linke Bazille!" "Das ist ein ganz linke Tour" usw.....
Die RECHTE Bazille? Nie gehört! Es klingt noch nicht mal sauber, wenn man sagt: Das ist eine ganz rechte Tour!
Die Linkshänder sind nun mal in der numerischen Minderheit. Grad mal max. 10%. Links ist ekelerregend. So war das lange. Vor 200 Jahren hat man die in FRA die Königstreuen rechts platziert. Heut ist das immer noch so in diesem unserem Lande. Seehofer muss die Republik nach rechts abdichten und lässt das nun Söder machen. Wagenknecht hockt links und hält ausgesprochen wacker die linke Fahne hoch. Andere ehedem Linke schleichen sich ins rechte Lager ein und hinterlassen aber eine übelriechende Correctnessspur. Die gute Tante SPD stolpert auf einer morschen linken Treppe dem Abgrund entgegen. Es gibt keine Arbeiter mehr. Es gibt halt das Prekariat. Und neuerdings machen sich Heerscharen von handysierten Globalisten breit, die das Gerät sowohl rechts als auch links bedienen und orientierungslos in die Zukunft stolpern. Wen oder was oder auch warum soll man wählen?

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OskarVernon 24.12.2017, 14:40
36.

Zitat von Strichnid
Im Moment sind es doch eher die Rechten, die verbieten und bestrafen wollen.
Die Linken sind tolerant gegenüber allen möglichen Minderheiten, gegenüber der Mehrheit eher weniger:
Ich habe vor der Bundestagswahl sehr genau geprüft, wer mich wie umfassend und tiefgreifend bevormunden, meine und anderer Leute Freiheit immer noch weiter einschränken will: Mögen Sie raten?

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OskarVernon 24.12.2017, 14:54
37.

Zitat von syracusa
Der Staat ist genau da zu da, die Freiheiten der Menschen so zu regulieren, dass für alle ein Höchstmaß an individueller Freiheit heraus kommt. Das bedeutet, dass die wirtschaftliche Macht der Reichen durch staatliche Eingriffe gebremst werden muss, und dass keiner durch seine Nachbarn am Ausleben seiner Freiheit gehindert werden darf, wenn der Nachbar dadurch nicht geschädigt wird. Diese Regeln aufzustellen und mit einem Gewaltmonopol durchzusetzen ist zentrale Aufgabe des Staates.
Richtig, trotzdem könnte der sich raushalten, wo es mangels Geschädigter nichts zu regulieren gibt. Alles andere nutzt niemandem, schürt aber Staats- und Politik(er)verdrossenheit: Wer braucht so was?

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Leser161 24.12.2017, 14:57
38. Gehen Sie vorran

"Erst wenn das Wissen um die "Tatsachenwahrheit" wiederhergestellt ist, lassen sich auch politische Koalitionen formen, die die Zukunft im Blick haben."

Bzw. was meinen Sie mit wiederhergestellt? Es zählte noch nie Tatsachenwahrheit in der Politik. Es gab immer nur Geschichten ich bringe hier beispielhaft "Die Renten sind sicher!".

Was wir aktuell erleben ist das das Instrument der netten Geschichte ausser Kontrolle gerät. Das liegt daran, dass die "Neuen" Medien nicht so gut unter Kontrolle sind wie Tageszeitung und Fernsehen. Jeder kann sich eine nette Geschichte ausdenken und so die Massen mobilisieren.

Will man die Trumps/Orbans/Hoeckes schlagen muss man ein besseres Instrument finden als die nette Geschichte. Ich hoffe da auf das gute Argument.

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postit2012 24.12.2017, 14:57
39. Was Sie schreiben, ist halbwegs vernünftig.

Zitat von OskarVernon
Die Einteilung links = liberal und rechts = autoritär ist nicht minder naiv, oder aber bewusste Täuschung: Niemand ist so autoritär wie Linke, die Menschen ggf auch gegen deren erklärten Willen ein ganzes Gesellschaftsmodell aufzwingen und denen unter der Parole "Das Private ist politisch" haarklein vorschreiben wollen, wie sie ihr Leben zu gestalten haben und vor allem, wie nicht.
Rechts und Links beschreiben BEIDE nur sehr grobe Orientierungsmarken in einem ganzen Raum von Entwicklungsmöglichkeiten, von dem wir gar nicht wissen, wie viele Dimensionen er hat. Das bedeutet, dass sie für sich genommen einfach nicht ausreichen, um sich zurechtzufinden. Sicher gehört dazu auch die Dimension "oben" und "unten".

Ohne vollständiges Koordinatensystem sind Richtungsentscheidungen nicht zu leisten und auch die zwei Dimensionen "Re"-"Li" mit "O"-"U" sind vermutlich noch viel zu kümmerlich. Wie wär's z. B. noch mit der Dimension "mit Augenmaß" vs. "obsessive Maßlosigkeit"?

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