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Demokratie in der Krise: Der rechts-linke Mythos
DPA

Die Koordinaten des Politischen sind verrutscht, und die Versuche, die neue Realität mit dem alten Denken zu verbinden, sind bestenfalls kontraproduktiv.

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Barath 24.12.2017, 15:25
40. ...

"Arendt stellt den Begriff der Macht in den Mittelpunkt ihres Nachdenkens über die Art und Weise, wie die repräsentative Demokratie funktioniert
...
Was Hannah Arendt 1971 schrieb, gilt dabei speziell auch heute wieder: "Auf Wahrheit oder Unwahrheit kommt es nicht mehr an, wenn das Leben davon abhängt, dass man so handelt, als ob man der Lüge vertraute; dann verschwindet die Tatsachenwahrheit und ihre Verlässlichkeit völlig aus dem öffentlichen Leben, und damit auch der wichtigste stabilisierende Faktor im dauernden Wandeln menschlichen Tuns."

Erst wenn das Wissen um die "Tatsachenwahrheit" wiederhergestellt ist, lassen sich auch politische Koalitionen formen, die die Zukunft im Blick haben."

Das sind die entscheidenden Punkte des Artikels! Ein US-General sprach heute davon, dass es bald einen großen Krieg geben wird - Den keiner von uns will! Oder doch?
Der Konflikt mit Russland blendet von Anfang an die Interessen der "Spieler" aus - sowohl die russischen, als auch "unsere" eigenen. Als würde niemand irgendwas wollen, anstreben oder versuchen - aber trotzdem kommt es zu Konflikten, Umstürzen, "Annexionen" und Kriegen... irgendwie. Weil die anderen einfach böse sind... oder so.
Wenn der BULLSHIT aufhört, und die Medien klar davon reden wer was warum macht, könnten die Bürger auch entscheiden, ob sie das wollen oder nicht. Aber es will ja keiner irgendwas. Nur die Russen machen böses. Einfach so. Alle 140 Millionen. Wie ein böser Hund, der nur eine harte Hand versteht.
Und so schlafwandelt das Volk in den nächsten großen Krieg und wird hinterher, diesmal sogar ehrlich, wieder sagen: Wir haben doch nichts gewusst...

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Patrik74 24.12.2017, 15:37
41. Die unvollendete

Zitat von pleromax
"WIE offensichtlich muss es denn noch werden? In der Tat sind links und rechts irrelevant geworden, weil die ganze Debatte im Parlement irrelevant geworden ist - so sie denn überhaupt noch stattfinden." Völlig richtig, auch wenn das Kernproblem sehr viel älter (und grundsätzlicher) ist, als es sich der geschichtsvergessene und noch stets systemaffirmative Stand der Mietschreiber vorstellen kann bzw. mag. Derlei Überlegungen trieben schon die Akteure der Französischen Revolution um - deren historische Auswirkungen abzuschätzen es einem bekannten Statement Zhou Enlais aus dem Jahr 1953 zufolge immer noch zu früh ist ...
Wenn man es in solche historischen Zeiträumen betrachtet, dann kann man es auch so sehen, dass die französische Revolution noch unvollendet ist.

Von dem Leitmotiv "Liberté, Égalité, Fraternité" ist wohl noch keines vollständig umgesetzt werden - insbesondere das letzte steht wohl noch in weiter Ferne. Bei der kleinsten Irritation - wie bspw. die Flüchtlings-"Krise" - verfällt der Mensch, auch in einem der reichsten Länder der Welt, sofort in Schnappatmung und Hass; der Mensch bleibt eben des Menschen Wolf...

Rechtlich-formal hat man zwar in den westlichen Demokratien die ersten beiden Forderungen leidlich umgesetzt, aber leider hat man dabei "die Wirtschaft" nach wie vor außer Acht gelassen; es handelt sich dabei immer noch um einen wichtigen Bereich der Gesellschaft, der nach Art eines Feudalismus organisiert ist.

Aufgabe des sog. Volksvertretung wäre es eigentlich, dem "tiers état" eine Stimme und mächtige Vertretung gegen den Geldadel zu geben, aber leider ist es in unserer hedonistisch/opportunistisch geprägt Zeit für die Herren, Damen und Sonstige der Politik (politikende?) bequemer und einträglicher, den Schein zu wahren und sich de facto eben jedem Geldadel anzudienen. Wie heißt es so schön: Versicherungsvertreter verkaufen Versicherungen, Staubsaugervertreter verkaufen Staubsauger, Volksvertreter ...

Aus diesem Dilemma gibt es nur zwei Auswege: Das Volk erobert sich die Demokratie zurück oder die Revolution wird irgendwann "mit anderen Mitteln" fortgesetzt.

Ich hoffe ja auf die erste Variante, aber angesichts der Tatsache, dass die offensichtliche Missstände gedankenlos gerne mit "Neiddebatte" und "Verschwörungstheorie" ad acta gelegt werden, bin ich mittlerweile skeptisch, dass es so kommen wird. Es muss wahrscheinlich noch schlimmer werden bevor es besser werden kann - es ist wohl in der Tat noch zu früh ..

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780 24.12.2017, 16:41
42.

Zitat von boba
wenn „freiheit“ - so wie in den letzten jahrzehnten geschehen - letztendlich nur bedeutet, daß sich irgendwelche neoliberalen gestalten die taschen vollstopfen und sich der dumme rest in einer „wirtschaftskonformen demokratie“ mit der „alternativlosigkeit“ dieses geschehens abzufinden hat … dann taugt’s nicht viel mit dieser freiheit!
Was folgt aber daraus, bisher sehe ich nur, dass alles in Richtung Diktaturen geht, aber Diktatoren stopfen sich doch erst recht die Taschen voll.
Also die Freiheit kann nichts dafür, dass sie mißbraucht wird.

Eigentlich folgt daraus, eine Chance, zwar verdammt spät, aber immerhin, und Diez gibt hier Ansätze, wie eine neue Demokratie erst einmal betrachtet werden müßte, nämlich herauszufiltrieren, wo die Schwachstellen der Demokratie sind, und wo die Bedürfnisse der Bürger sind, die die Politiker bis jetzt noch nicht einmal benennen können.

Also es gilt nicht alleine die Schere Arm-Reich, es gilt die Schere Politiker-Bürger und schließlich die Frage, wie man eine wirkliche Freiheitlichkeit etablieren kann, weg von dem Neoliberalismus.

Also das würde erfordern, neue politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen und Schaffen einer neuen Ideologie oder besser Entdecken von neuen Werten und Füllen der abgetretenen Werte mit wirklichem Inhalt.

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yorktonite 24.12.2017, 17:06
43. Und grimmig schaut der Donald Trump ...

Links-intellektuell - das heisst ja zumeist, schwierig, diffus, kaum nachvollziehbar. Die Rechte in Deutschland steht zu ihrem gesunden Menschenverstand. Simple Fragen - simple Antworten. Es ist derselbe gesunde Menschenverstand, der von der Linken als "Stammtischparolen" diffamiert wurde. Intellektualismus sollte auf dem gesunden Menschenverstand basieren, sollte ihn zur Grundlage haben. Linker Intellektualismus sieht sich hingegen in scharfem Gegensatz zum gesunden Menschenverstand. Die Linke will uns ein X fuer ein U vormachen ...

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rogerdesued 24.12.2017, 17:32
44. Ungedacht

‚pejoachim’ wirft in Kommentar 3 die Frage auf, ob Diez‘ Texte lektoriert würden; es fänden sich darin richtige und gute Gedanken, mit denen der Autor „sprachlich nicht fertig wird“. Das ist eine sympathische, überaus freundliche, sogar zu freundliche Deutung. Man „hat“ nur Gedanken, wenn man sie sprachlich zu fassen weiß. Vorher sind es keine. Ob redigiert oder nicht, die meisten Kolumnen von Georg Diez sind aufs Ganze nicht gut geschrieben, weil nicht schlüssig gedacht - die sprachliche Überforderung ist genuin eine gedankliche, und wenn der Anschein nicht täuscht, wurzelt darin die Aggression, die aus fast jeder der Kolumnen auffällig hektisch spricht. Hybris, die, weil sie Hybris bleibt, einen latenten Selbsthass nährt (‚ich wäre gern Weltendeuter und fühle, dass ich‘s nicht bin, weil mir entscheidendes Rüstzeug fehlt‘), zeugt unklares, fahriges Denken: In einer Woche und Kolumne herrscht in der Welt bereits Revolution, aber in der nächsten Woche muss lieber doch erst einmal programmatisch gearbeitet werden; in einer wird mit halb verdauten Mythen gefuchtelt, in der nächsten mit brachial passend gebeugter Hannah Arendt. Und nichts daran fügt sich zueinander. Was wäre mit solchen Texten vor 20 Jahren geschehen? Es hätte sie wohl keiner gedruckt, sie hätten in diesem
Stadium kein ernsthaftes Lektorat, kein ernsthaftes Redigieren bestanden. Wäre es schade drum gewesen? Nein, schade ist‘s um die gedachten, konsistent gebauten Texte von luzider Schärfe, die man stattdessen lesen könnte.

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gesichter 24.12.2017, 17:35
45.

Zitat von jbochow
Ein echter 'Diez', mal wieder an der Realität vorbeigedacht und sich in das linke Wolkenkuckucksheim geflüchtet.
jbochow: Außer diesem Unsinn Ihrer vermeintlichen Realität ist es zudem völlig inhaltslos. Hätten Sie sich sparen können.

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fiegepilz 24.12.2017, 17:36
46.

einem zu erzählen rechts/links gäbe es nicht mehr ist auch ein trick aus der neoliberalen mottenkiste. veruscht gerade macron in frankreich erfolgreich. aber leider nein, einziger unterschied ist die rechten haben die medienhoheit über die privatmedien.

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gesichter 24.12.2017, 17:42
47.

Zitat von ImSpiegel
Für mich ist der Text ein Musterbeispiel, wie weit sich die Journalisten und selbsternannten Intellektuellen von der Mehrheitsmeinung der Bürger entfernt haben. Der Begriff des Liberalismus wird vollkommen missbraucht. Die Bedrohung liegt doch eindeutig in einem überbordenden Nanny-Staat, der sich längst verselbständigt hat, von der angestammten Bevölkerung unter Opfern und Mühen mittels abgepresster Steuern und Gebühren (zB den öffentl. Rundfunkt als Staat im Staat) am Leben erhalten wird, während er sich immer neue "Aufgabengebiete" sucht. Die Flüchtlingskrise ist letztlich Ausdruck der Verselbständigung eines staatlich-bürokratischen Komplexes, bei der im Namen der Nächstenliebe von der herrschenden Politkaste vor allem der eigene Aufgabenbereich immer weiter ausgedehnt wird. Wenn bereits für alle Bürger im Land die Daseinsvorsroge gewährleistet ist, dann schafft man sich eben neue Bürger. Schlussendlich soll die ganze Welt am überblähten Sozialstaat genesen. Hierbei wir die langsame kulturelle Entfremdung des eigenen Volkes billigend in Kauf genommen. Deshalb ist die Grundannahme des Autors vollkommen falsch. Die derzeitigen politischen Fronten laufen zwischen Kulturbewahrern und zwischen Mulitkulti-Verfechtern. Beide Gruppen gibt es in allen Parteien (zB Buschkowsky und Boris Palmer als prominente Beispiele für Bewahrer in mehrheitlich "linken" Parteien) . Die Medien sind mehrheitlich von Multikuli-Verfechtern dominiert (wie dieser Artikel beweist). Das erstarken autoritärer Politiker ist letztlich auf dieses Gefühl der kulturellen Entfremdung zurückzuführen. Dabei überwiegt nicht das Gefühl der wachsenden Ungleichheit, wie der Autor meint, sondern das Gefühl fehlender Chancengleichheit. Durch staatlichen Eingriff wird unter dem Deckmantel des "Sozialstaates" dermassen viel zwischen verschiedenen Gruppen der Mittelschicht umverteilt, dass letztlich eine innere Entsolidarisierung eintritt und die Gesellschaft sich in Geber und Nehmer aufspaltet. Das zeigt sich auch darin, dass alle "Kultur-Bewahrer" einem Einwanderungssystem, bei dem eben die Einwanderung in Arbeit erfolgt und nicht in den Nannystaat positiv gegenüberstehen.
"Die Flüchtlingskrise ist letztlich Ausdruck der Verselbständigung eines staatlich-bürokratischen Komplexes, bei der im Namen der Nächstenliebe von der herrschenden Politkaste vor allem der eigene Aufgabenbereich immer weiter ausgedehnt wird." Entschuldigung, aber ich habe selten so einen Schwachsinn, verborgen hinter vorgespielter Intellektualität gelesen. Meine Meinung betrifft aber den gesamten, raktionär-rückwärtgerichteten Text. Z.B.: "Wenn bereits für alle Bürger im Land die Daseinsvorsroge gewährleistet ist, dann schafft man sich eben neue Bürger." Endloser Irrsinn...

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Brachtalsmörtel 24.12.2017, 18:21
48. Bärfex (... wie schon "gesagt")

Bevor ich mich in die Untiefen H(a). A.s Gedankenwelt vertieft haben wuerde, zwei Anmerkungen vorweg: i) Die Bedeutung des "Reflex" jedweder Kategorie im Hinblick auf Vernunft... als Antagonistin, jedoch... nun ja, des seiner- oder andererseits Reflex' oder "doch nur Instinkts" dess[elb]en [Erklärungsansatzes, da eh gar nie anders möglich; sollte eigentlich einleuchten, oder?]? ii) Die "Sozusagen (Behauptung einer politischen) Ordnung" oder geordneter gesellschaftlicher Verhältnisse im Gleichtakt zur (unausgesprochenen, resp. nicht auszusprechen zu wagen dürfenden) Leugnung jeglicher (Un-)ordnung (je desto autoritärer), sprich einer "Mitnichten nur möglicherweise Anarchie". Damit wuerden mir schließlich ursächlichere Fragen so nach Reflex[ionsürsprueng]en gedämmert gehabt haben können, gelle? Und der Versuchung an sich (rein sprachlicher Natur ["Ist gleich Lüge"!], da [sic! {her(...) geg('ch)laubt}] Logos' {Sch'ein}Prinzip[ien] zeitlos [{n(ur im '}un-]gültiger Zeitgebundenheit) wäre einen ihr angemesseneren Platz weitaus einfacher zuzuordnen möglich, wenn ich mich nur nicht (ganz nun) irrte, ts!(?)

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melnibone 24.12.2017, 18:37
49. Ja Herr Diez ...

ich halte mich Kurz: es gibt nur noch neoliberale Scheiße weltweit ... im jeweiligen ´völkischen´ Kontext.
Und noch gleich die Zukunftsprognose hintendran .... wenn die USA ihre Unternehmensbesteuerung auf ca. 20 Prozent senkt ... werden die anderen Vereinigten-Unsozialen-Staaten dieser Welt bald folgen.
Neoliberale Gülle weltweit statt Entwicklung der Gesellschaften.
Verarmung und Verelendung auf diesem Planeten werden zügig voran schreiten.
Wünsche ihnen trotzdem schöne Tage mit ihren Angehörigen oder Liebsten.

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