Forum: Kultur
Demokratie in der Krise: Der rechts-linke Mythos
DPA

Die Koordinaten des Politischen sind verrutscht, und die Versuche, die neue Realität mit dem alten Denken zu verbinden, sind bestenfalls kontraproduktiv.

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dieter-ploetze 25.12.2017, 16:18
80. @3 pejoachim ins lektorat damit

ich gebe Ihnen recht, gerade bei diesem beitrag hatte ich den aehnlichen gedanken. es sind durchaus interessante aspekte
und ueberlegungen zu finden aber eben schwierig ausgedrueckt,
ich meine ein wenig verquast. einen stolperstein gab es doch fuer mich, freiheit liesse sich heute nur noch aus dem mangel heraus, vom negativen her interpretieren. tatsaechlich?

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bestrosi 25.12.2017, 16:31
81. einseitig

Na Hauptsache Herr Diez weiß immer noch, wer die Guten und wer die Bösen sind. Daraus ergeben sich dann die "Tatsachen" und diejenigen Freiheiten, die schützenswert sind.

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hortser 25.12.2017, 19:04
82. Berufswahl

Philosoph war mal ein quasi eigenständiger Beruf , Journalist ein anderer .
Beides hat sprachliche Kompetenz verlangt, intellektuelle Klarheit in der Argumentation, Formulierung und Wortwahl .

Die Verwendung von Zitaten war zur Erläuterung gedacht (und als Hommage) in einem stimmigen Kontext, nicht isoliert als Selbstzweck .

Bzgl. des Themas; der Autor scheint Begriffe hin und her zu schieben, um 'alte' Denkweisen zu bezweifeln, nur um dann zu dem exakt gleichen Denken zurückzukehren .
Ein Austausch von Worten ?

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Patrik74 25.12.2017, 20:00
83. Na wenn das so ist

Zitat von cover-dale
Auch wenn die Menschheit, und die Natur, dadurch die Kurve kriegen könnte: wenns dem Wähler nicht gefällt, sind Wahrheiten eher hinderlich. Mir ja auch, Verdrängung ist so ein Segen.
dann sollte man Demokratie als Staatsform einfach abschaffen, weil ohnehin nur kurzfristig motivierter Mist dabei herauskommt. Vielleicht war an der Aristokratie (theoretisch Herrschaft der besten) doch was dran...

Ich denke aber tatsächlich, dass das, was sich heute so landläufig Repräsentative Demokratie nennt - und seit kurzem ehrlicher Marktkonforme Demokratie - mit Demokratie recht wenig zu tun hat. Wer ernsthaft noch glauben will, dass es in unserer Staatsform wirklich darum geht, den Wählerwillen möglichst genau abzubilden, und im Widerstreit vernünftiger Argumente die unter den gegeben Umständen optimale Lösung zu finden, muss sehr naiv, ignorant oder von Blindheit geschlagen sein. All dies gilt allenfalls noch dem Schein nach, weshalb ich sie Potemkinsche Demokratie nennt. Die Fassade steht noch, aber das war es dann auch schon.

Immerhin kann man aber feststellen, dass bereits dieser klägliche Versuch schon zu einer Verbesserung der Lebenssituation des systemirrelevanten "Rests" der Bevölkerung (also die Minderheit von 90% des Volkes) geführt hat, so dass es sich vielleicht lohnen würde, das Konzept weiterzuentwickeln - wir sind hier noch lange nicht am "Ende der Geschichte" angekommen, da geht noch mehr.

Leider ist es der politischen Kaste zwischenzeitlich gelungen, das Volk dermaßen zu desinteressieren und zu demotivieren, dass mittlerweile jede Dreistigkeit allenfalls ein müden Aufnicken erzeugt (Thöööölke).

Tatsächlich wäre es wünschenswert, wenn das Parlament ein Ort geistig anregender Debatten wäre, bei denen es nicht darum geht, wer der jeweils linientreueste Polemiker ist, sondern ein Ort, an dem Reden gehalten werden, von denen der geneigte Zuschauer das warme Gefühl hätte, dass die richtigen Leuten (mit durchaus konträren Meinungen) sich nach Kräften um das Staatswohl bemühen, und man ihnen tatsächlich zugestehen könnte, so etwas wie ein "Elite" zu sein, die aufgrund ihrer Qualifikation schon eine gute Lösung für die Fragen der Zeiten finden wird.

Sehr höflich und zurückhaltend ausgedrückt: Ich habe nicht den Eindruck, dass unser aktuelles System und der damit einhergehende Auswahlprozess zu diesem Ergebnis führt...

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ImSpiegel 25.12.2017, 20:27
84.

@kuac
[Woher wissen Sie was die "Mehrheitsmeinung der Bürger" ist und wer definiert das?]

Wie bitte? Die Mehrheitsmeinung der Bürger wurde doch gerade durch eine Bundestagswahl zum Ausdruck gebracht. Hierbei kam eben zum Ausdruck, dass Umverteilungsungerechtigkeit wie von der SPD zum Wahlkampfthema gemacht bei der Mehrheit der Bürger eben keine Mehrheit hat. Mit anderen Worten es stört die Bürger in ihrer Mehrheit nicht so sehr, wenn keine vollständige Verteilungsgerechtigkeit herrscht ("Die Reichen werden immer reicher"). Was die Bürger aber stört ist das Aufweichen der kulturellen Identität und das zunehmende Verschwinden der Chancengleichheit ( etwa indem in öffentlichen Schulen Analphabeten mit unterrichtet werden müssen und eigene Kinder weniger Untericht erhalten).
Du brauchst ja auch nur die Mehrheitsmeinung in diesem Forum betrachten, die ganz klar der Meinung des Kolumnisten zuwider läuft. Ich denke dass wir gesamtgesellschaftlich gerade eine konservative Restauration erleben, die die schlimmsten Auswüchse des "68er-Kapitalismus" beseitigen wird. Diese findet allerdings zugegebenermaßen publizistisch im Wesentlichen neben und außerhalb des "SPIEGELs" statt.

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badbentham 26.12.2017, 09:08
85. Prinzipiell

hat Diez Recht: Über die letzten 50 Jahre hat sich der Diskurs, auch durch den Wegfall des Systemantagonismus, massiv vom klassischen "Oben-Unten" Koordinatensystem, - der "Rechts-Links Mythos" - , in Richtung "(neo- )liberale Herrschaftsausübung" als Kernparadigma gewandelt, die schließlich die "autoritäre Herrschaftsausübung" als deren mittelbare Folge erneut auf den Plan gerufen hat, da der Liberalismus in seiner Selbstwidersprüchlichkeit letztendlich auf die unbeschränkte Freiheit Weniger über den Rest hinausläuft: - Von wegen "Ende der Geschichte". Wer die Herrschaftsausübung in ihrer jetzigen Form ablehnt, sieht sich meist primär nicht mehr als Agent eines gegen Herrschaft allgemein gerichteten "Unten"; insoweit war die ambivalente liberale Ideologie des pseudo-egalitären "frei machenden" Consumerism, die die Bildschirme seit mindestens 70 Jahren füllt, hochgradig erfolgreich, und insoweit bot der Osten ausreichend erschreckendes Material wie eine "klassenlose Gesellschaft" real auch aussehen kann, während politische Organisation sich über die Finanzkraft bestimmt, mit der man sein Denken unter die Leute bringen kann, sondern wendet sich stattdessen rustikalen gegenaufklärerischen Ordnungsversprechen zu, deren Traditionen weit ins 19.Jh. zurückreichen, in der Hoffnung, die bestehenden "Eliten" auszutauschen, und dabei dann selber einen oberen Platz in der Hackordnung der neuen Pyramide einzunehmen: Wenn Herrschaft, dann bitteschön ohne das Feigenblatt der liberalen "Lügenpresse". Dabei ist dort alles, was der Neoliberalismus bejaht, angefangen mit offenen Grenzen für den freien Warenverkehr wozu auch die Arbeitskräfte rechnen, inklusive der Armutsströme die das Wirtschaftssystem naturgemäß und mit Leichtigkeit milliardenfach erzeugt, über die transnationale Kooperation in der globalisierten Welt, der natürliche Feind. P.S.: Übrigens ist die Verwendung des Wortes "Ressentiment" meist (auch im Text) unpräzise; auch wenn man es wohl auch verkürzend mit "Futterneid" umschreiben kann. Der "heimliche Groll" und das Rachebedürfnis richtet sich aber eher gegen "die Eliten" , gegenüber denen man sich "zu kurz gekommen" wähnt. Das Ressentiment war/ist ein wesentliches Element des Antisemitismus; aber es ist nicht der Antrieb gegenüber Menschengruppen, die man ohnehin rassistisch als "minderwertig" erachtet: In der Menschenverachtung tritt beides zusammen.

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badbentham 26.12.2017, 09:44
86. Entschuldigung;

Zitat von yorktonite
Links-intellektuell - das heisst ja zumeist, schwierig, diffus, kaum nachvollziehbar. Die Rechte in Deutschland steht zu ihrem gesunden Menschenverstand. Simple Fragen - simple Antworten. Es ist derselbe gesunde Menschenverstand, der von der Linken als "Stammtischparolen" diffamiert wurde. Intellektualismus sollte auf dem gesunden Menschenverstand basieren, sollte ihn zur Grundlage haben. Linker Intellektualismus sieht sich hingegen in scharfem Gegensatz zum gesunden Menschenverstand. Die Linke will uns ein X fuer ein U vormachen ...
- mein "gesundes Empfinden", das andauernd diffamiert wird, sagt mir, dass sich Sonne, Mond, und Sterne um die Erde drehen. Ebenso, auf YT gibt es dafür hinreichend gleichgesinnte Verfechter, dass die Erde eine Scheibe ist; - simple Fragen - simple Antworten! Und da gibt es doch tatsächlich unverfrorene Leute, in scharfem Gegensatz zum gesunden Menschenverstand, die mir mit übelster kaum nachvollziehbarer Dialektik ein X für ein U vormachen wollen! Dabei gibt es doch , jawoll , meine unhinterfragbaren ewige Wahrheiten...! - Wer ist übrigens nochmal im Beispiel der waschechte Ideologe: Ich, oder Galilei? Ich kann es hier ja wohl durchaus nicht sein...

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002614 27.12.2017, 14:51
87. Nee

Zitat von badbentham
hat Diez Recht: Über die letzten 50 Jahre hat sich der Diskurs, auch durch den Wegfall des Systemantagonismus, massiv vom klassischen "Oben-Unten" Koordinatensystem, - der "Rechts-Links Mythos" - , in Richtung "(neo- )liberale Herrschaftsausübung" als.......
Da missverestehen Sie den Liberalismus total.
Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo sie anfängt, die Freiheit eines anderen zu beschränken.

Natürlich ist es schwer, DIESEN Liberalismus in einem großen Volk zu leben. Dafür sind die Menschen zu unterschiedlich und auch zu egoistisch - aber den Liberalismus ("neo" ist nur ein Versuch, ihn zu verunglimpfen) mit "Herrschaftsausübung" in Verbindung zu bringen, ist einfach Unsinn.

Da kennt man wirkliche Herrschaftssysteme, die allesamt eben NICHT liberal waren - oder sind.

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Aberlour A ' Bunadh 28.12.2017, 17:15
88. Liberalismus "in einem großen Volk leben"

Zitat von 002614
Da missverestehen Sie den Liberalismus total. Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo sie anfängt, die Freiheit eines anderen zu beschränken. Natürlich ist es schwer, DIESEN Liberalismus in einem großen Volk zu leben. Dafür sind die Menschen zu unterschiedlich und auch zu egoistisch - aber den Liberalismus ("neo" ist nur ein Versuch, ihn zu verunglimpfen) mit "Herrschaftsausübung" in Verbindung zu bringen, ist einfach Unsinn. Da kennt man wirkliche Herrschaftssysteme, die allesamt eben NICHT liberal waren - oder sind.
Daher wird "in einem großen Volk" die Gesellschaft juridisch durchgebildet sein. Das heißt, das Recht grenzt die Einflusssphären in einem liberalen Rechtsstaat ab, so dass die Individuen mit spezifischen Handlungsrechten aufeinander bezogen sind. Freiheit wird daher immer beschränkt, wenn die Freiheit anderer tangiert wird. Wer was zu welchen Zeitpunkt darf oder zu unterlassen hat, regeln mitunter spezifische Normen. Implizit werden durch Gesetze und Rechtsprechung immer "Property Right" zugeteilt. Die Frage der "Herrschaftsausübung" stellt sich dabei aber immer insofern man fragt, welchen Individuen oder Gruppen der liberale Rechtsstaat Handlungs-- und Verfügungsrechte mittels des Rechts zuweist, bzw. in welchem Umfang das geschieht. Sie können ja mal selber überlegen, ob der "unparteiische und von Einflüssen freie liberale Rechtsstaat" eher minderbemittelte Bewohner von Problemstadtvierteln im Fokus hat oder spezifische Gruppen einflussreicher Gönner.

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