Forum: Kultur
Der Fall Relotius - diskutieren Sie hier!

SPIEGEL-Reporter Claas Relotius hat in großem Umfang Artikel gefälscht. Durch Recherchen des SPIEGEL-Kollegen Juan Moreno erhärtete sich der Verdacht gegen Relotius, der Fälschungen zugegeben hat. Der Vorgang legt auch Lücken und Fehler in den Sicherungssystemen des SPIEGEL offen. Andere Medien sind ebenfalls betroffen. Was ist Ihre Meinung?

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koch-51 22.12.2018, 12:51
130. Claas Relotius, Marcus Feldenkirchen, nur Einzelfälle?

Wenn der "Fall" Relotius das Versagen eines Einzelnen ist, - schlimm genug. Aber da war doch vor kurzem noch die AfD-Geschichte von Marcus Feldenkirchen.: Montblanc - Füllfederhalter und angebliche Bordellbesuche von AfD- Abgeordneten auf Kosten des Bundestags, alles gerichtlich als fake news gebrandmarkt. Dass der Spiegel Trump, AfD und Rechts bekämpft, das ist in Ordnung, aber bitte mit redlichen Mitteln, nicht mit solch "schmierigen" Methoden, das ist für ein Blatt in der Tradition Rudolf Augsteins unwürdig.

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funnukem 22.12.2018, 12:51
131. Fake News

Die ganze Geschichte zeigt doch nur zu offensichtlich wie unglaubwürdig die Medien heutzutage sind.
Fake News gehören sicherlich zur Tagesordnung.
Spannende Geschichte aus Fiktion und Realität verkaufen sich einfach zu gut als dass man glauben könnte der Fall Relotius sei ein Einzelfall.
Sicher ist es nicht die Regel, aber auch nicht die Ausnahme.
Fake News gibt es nicht nur in der Politik sonder auch im Journalismus. Auch hier gilt Fake News sind keine Fiktion sie sind Realität manchmal werden sie sogar zur Realität!

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Bananenschale 22.12.2018, 12:58
132. unerträglich

Zitat von me-and-bobby
Das SYSTEM wird sich nicht ändern... Meine Meinung: Diese "Schein- Wahrheitssysteme" sind auf gefühlter Wahrheit und linken Lebenslügen gebaut. Ich bin mir sicher Class Relotius und ähnliche Schönschreiber in anderen Redaktionsstuben bei FAZ, SZ TAZ etc. werden bald wieder rehabilitiert sein, Relotius und sein SPIEGEL- Team wird die Schuld für seine Fake News irgendwie auf „die Rechten“ schieben und innerhalb kurzer Zeit wird er irgendwo Karriere als Roman-Schriftsteller machen oder seine Erfahrungen in Form eines Buches als Bestseller vermarkten. Sein „Verbrechen“ aus Sicht der Leitmedien war nicht mangelnde Linientreue, sondern... seien wir ehrlich...dass er sich erwischen ließ, und ein solches Vergehen ist ungeschickt und lästig, aber verzeihlich. Ich denke, daß erst das NACH-MERKEL- SYSTEM diese SYSTEM- Scherben zusammenkehren kann und wird…
1.) Was hat die Sache mit rechts-links zu tun?
2.) Was mit Merkel?

Wenn Sie einen Systemwechsel wollen, dann sagen Sie das und beschreiben Sie das System, das Sie haben wollen.

So sehr ich die aktuellen Verhältnisse kritisiere ( ich verweise nur auf Rainer Mausfeld ), so wenig möchte ich eine rechtsbraune AfD-Diktatur haben und so sehr bin ich von Leuten Ihres Schlages angewidert! Ich halte Sie für einen Troll, für einen Idioten gar, der krudester Propaganda aus irgendwelchen Himmelsrichtungen auf dem Leim geht.

Es reicht!

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k.petersen 22.12.2018, 13:00
133. Chapeau!

Wieviele Klickzahlen hat Spiegel Online mit dieser bis zum Geht-nicht-mehr aufgeblasenen "Enthüllung" bisher eigentliich zusätzlich verdient?
Wie verkauft sich die Claas-Relotius-Pranger-Ausgabe des SPIEGEL? Wie warme Semmeln?
Aus dem angeblichen "Albtraum" noch so richtig Honig saugen - darauf muss man erst einmal kommen!

Aber wie heißt es doch so schön: "Jede PR ist wirksame PR - Hauptsache, mein Name ist richtig geschrieben!"

Fazit:
Den Skandal liebt der Journalist. Sogar, wenn er selbst betroffen ist!

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TheBastian 22.12.2018, 13:00
134. Journalisten Kollektiv statt Ego Show

Kann sich noch jemand daran erinnern, als unter SPIEGEL Artikeln niemals der Name des/der dafür verantwortlichen Journalisten erschien?
Das war eine Eigensart die man am SPIEGEL wirklich sehr schätzen konnte (ich glaube das war lange vor dieser unsäglichen Boulevardisierung und BWLisierung durch einen Stefan Aust). Dadurch war man mehr dem gemeinsamen Projekt und dem Ethos eines guten und aufrichtigen Journalismus verpflichtet und weniger seinem Ego. Natürlich darf man stolz auf seine Arbeit sein, aber ein allzu ausufernder Narzißmus wurde auf diese Weise doch von Anfang an strukturell in Zaum gehalten. Und was ist heute? Heute haben doch zu viele Journalisten ihre eigene Hochglanz-Webseite (samt Fanclub) und lassen sich bei der Pflege ihrer Eitelkeiten beobachten. Aber es ist nicht nur das. Warum müssen z.B. Polit-Talkshows (die ohnehin nur eine Art showcatchen darstellen) immer den Namen des eitlen Moderators tragen? (Hart aber fair mag da eine Ausnahme sein, obwohl ich auch Frank Plasberg auch nicht wirklich zu den bescheidenen Menschen zählen würde)

Im Übrigen habe ich dieses Erfinden und Zudichten im Studium (Geographie) anhand meiner Kommilitonen selber miterleben dürfen. Wir entwarfen Fragebögen um das ungefähre Umweltbewußtsein auf Sri Lanka u.a. bei Touristen und Einheimischen zu erschließen. Was war? Der Prof hatte uns vertraut und wirklich sehr sehr viele Studies machten ein, zwei Interviews und "interpolierten" dann die restlichen Ergebnisse und füllten die restlichen Fragebögen dann bei einem Drink am Strand selber aus. Und ganz besonders diese "Blender" waren diejenigen, die beim Prof besonders Respekt genossen - einer wurde sogar zum Co-Aufpasser auserkoren, so dass man fast das Experiment von "Die Welle" nochmal durchspielen durfte.
Wirklich sehr desillusionierend, das miterlebt zu haben. Wenn man das dann nur als eine misslungene Feldübung gesehen hätte - geschenkt.
Zu meinem Entsetzen musste ich aber feststellen, dass der Prof in geographischen akademischen Fachzeitschriften tatsächlich auch mit derartigen von Studenten erhobenen Interview-Material gearbeitet hatte und ganz ganz tolle Balkendiagramme präsentierte. Das war zwar nicht das Material, welches wir auf der Exkursion "erhoben" hatten und hier sollte gewiss die Unschuldsvermutung gelten. Aber ich durfte ja beobachten, wie der Prof unserer Interviewbögen einsammelte und keine einizige kritische Frage stellte. Das hinterlässt schon einen Beigeschmack... Und macht auch wütend, weil man sich als Student nicht den kleinsten Fehler erlauben durfte und sehr streng im wissenschaftlichen Arbeiten unterwiesen wurde (was ja auch gut ist)

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commandertom 22.12.2018, 13:06
135. Und doch noch mal ein Kommentar

Falls jemand der Kommentarschreiber ernsthaft glaubt, es solle hier eine Diskussion geführt werden, die zu einem Inhaltlichen Ziel führen soll, so irrt sich der. Die Kommentare interessieren hier in erster Linie aus Interesse der Marktforschung (natürlich sind auch die zensierten Beiträge sehr interessant für diesen Zweck). Aber wer sollte denn wirklich so naiv sein anzunehmen, dem Großkonzern „Spiegel“ ginge es nicht um Verkauf und Profit? Es ist für diesen Zweck natürlich ein indeologisiertes Markenimage als Krone des Journalismus erforderlich, in das die aktuelle Lügengeschichten nicht so recht passen. Aber mein Glückwunsch an den Spiegel, man kann selbst daraus noch Profit schlagen, indem diese Geschichten jetzt öffentlichkeitswirksam und profitorientiert aufgearbeitet werden.
Der Spiegel hat im Hinblick auf die Inhalte seiner „Stories“, zu deutsch „Geschichten“ längst erkannt, dass diese sich besser verkaufen lassen, wenn sie im Einklang mit der politisch vorgegebenen Meinung stehen, als wenn sie dieser widersprechen würden. Der Druck, der in einem totalitären Regime auf die Medien von politischer Seite ausgeübt wird, wird hierzulande komplett durch den Einfluss des Marktes auf die Berichterstattung ersetzt. Das Rezept „tolpatschiger Trump, dumme Amis usw.“ verkauft sich hierzulande immer noch am besten, also her mit solchen Geschichten.

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wolly21 22.12.2018, 13:06
136. Sagen was ist?

Vorschlag:
In Fürth -- oder wo
hat ein Wirt -- oder wer
seine Frau -- oder wen
erschlagen -- oder was. (:--))

Nicht unrichtig.
Aber das verkauft sich halt schlecht.


Es wird immer in diesem Fall Relotius von BETRUG geredet.
Wen hat Relotius materiell geschädigt?

Er habe mit "krimineller Energie" gehandelt.
Hat er jemanden beleidigt?

Kann Geschichten erfinden "kriminell" sein ?
Noch dazu, wenn diese Geschichten preiswürdig waren:
2012 Schweizer Medienpreis für junge Journalisten
2013 Österreichischer Zeitschriftenpreis
2013, 2015, 2016 und 2018 Deutscher Reporterpreis,
(darunter dreimal "beste Reportage",einmal "bester freier Journalist"
2014 von CNN als Journalist of the Year aus.
2017 Liberty Award (Guantanamo-Gefängnis und zwei syrische Flüchtlingskinder) und European Press Prize
2018 Deutscher Reporterpreis ("Text von beispielloser
Leichtigkeit, Dichte und Relevanz, der nie offenlässt, auf welchen Quellen er basiert“)
2018 Peter-SchollLatour- Preis der Ulrich-Wickert-Stiftung.

Wurden diese Preise wegen "sachlicher Richtigkeit" vergeben, oder doch eher wegen "guter Schreibe"?

Hätte Relotius die Artikel als "Kurzgeschichten" in einem Taschenbuch veröffentlicht, wäre sie möglicherweise Nobelpreis würdig geworden.

Ist es kriminell, daß er statt dessen an den Spiegel verkauft hat.
Ist "´Journalist" eine geschützte Berufsbezeichnung?

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bertram_reinhold 22.12.2018, 13:16
137. Klare Ansage

Ich bin der Meinung, dass der US Botschafter den Nagel auf den Kopf trifft: Seit 20 Jahren oder länger wird beim Spiegel gegen die USA polemisiert, provoziert. Hier gibt es sehr wohl einen institutionellen Antiamerikanismus. Mit Donald Trump hat dies grundsätzlich nichts zu tun, auch unter Obama gingen ganzen Orgien von Ressentiments hernieder. Der Spiegel täte gut daran, einmal die aggressive Polemik ihrer Washington-Korrespondenten ins Visier zu nehmen. Ich habe diese Beiträger heruntergeladen, um selbst einmal - zu gegebener Zeit - diese im Ausland zu kommentieren. In vielen dieser Beiträge ist der Bogen restlos überspannt, dort ist mehr Propaganda als Inhalt. Liebe Freunde vom Spiegel, gehen Sie gegen diejenigen konsequent vor, die den Journalismus in den Dreck ziehen !

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Juro vom Koselbruch 22.12.2018, 13:21
138. Ich denke auch, ...

Zitat von Bananenschale
1.) Was hat die Sache mit rechts-links zu tun? 2.) Was mit Merkel? Wenn Sie einen Systemwechsel wollen, dann sagen Sie das und beschreiben Sie das System, das Sie haben wollen. So sehr ich die aktuellen Verhältnisse kritisiere ( ich verweise nur auf Rainer Mausfeld ), so wenig möchte ich eine rechtsbraune AfD-Diktatur haben und so sehr bin ich von Leuten Ihres Schlages angewidert! Ich halte Sie für einen Troll, für einen Idioten gar, der krudester Propaganda aus irgendwelchen Himmelsrichtungen auf dem Leim geht. Es reicht!
... dass wir weder die AfD noch vermeintliche Trolle brauchen. Da liegen Sie in meinen Augen herzerfrischend richtig.

Das Problem ist nur, dass heute oft jene Leute sehr schnell in die rechte Ecke gerückt werden, die nur offen mit notwendiger Nachhaltigkeit existente Probleme an sprechen. Habe das vor Ort erlebt, als ein Politiker der Grünen von den eignen Leuten als rechtsaußen diffamiert wurde. Sein "Verbrechen": Er hatte nachgefragt hatte, warum sich vor Ort sich irakische und syrische Flüchtlinge mehrfach geschlägert hatten und es das mit deutlichem Polizeiausgebot beruhigt werden musste.

Dieses Problem bringt z.B. auch Jan Fleischauer mit seinem m.E. sehr treffenden Buch "Unter Linken - Von einem, der aus Versehen konservativ wurde" auf den Punkt. Wie auch Herr Fleischhauer jener ist, der mich noch am SPIEGEL festhalten lässt.

Mit Merkel hat das m.E. so viel zu tun, dass sie die Politik "narkotisiert" hat. Man muss bestimmte Dinge durchaus konträr und manchmal auch konfrontativ ansprechen und debattieren, damit am Ende kein falscher "Kompromiss", sondern eine Problemlösung rauskommt. Und man darf auch nicht alles mitmachen. Siehe GroKo und SPD, aus der ich aus hier grob skizierten Gründen nach jahrzehntelanger Mitgliedschaft austrat. Man mus sich auch nicht jenem überaus autoritären "Basta" beugen, das sich als "alternativlos" kleidet.

Nee, wir leben im freiheitlichsten Deutschland, das es je gab. Das soll bitte so bleiben. Wir sollten analog zu Willy Brandts Worten tatsächlich wieder mehr Demokrtie wagen. Das macht man nicht durch Beschweigen von Problemen und auch nicht mit Beschimpfung Andersdenkender, denen man in bester "Gutmenschenmanier" exakt so schräg kommt, wie man es ihnen im umgekehrten Fall vorwirft. Und das macht man auch nicht mit neuen Sprachverboten und dem wieder erstarkten "Darüber redet man nicht! Das sagt man nicht!"

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Odothan 22.12.2018, 13:22
139. Schlecht und Gut

Was da passiert ist kann ich nur sehr schlecht nennen. Ein Redakteur / Reporter allein schafft es, alle Sicherungen des Spiegel auszuhebeln und damit das gesamte Haus in Verdacht zu bringen.
Gut ist, wie der Spiegel damit umgeht: Rückhaltlos alles ans Licht bringen, natürlich immer in der Hoffnung, dass nicht jemand anderes im internen Bereich jetzt diese Methdoe abguckt oder seine (Mit-)Schuld unter den Teppich zu Kehren.
Gut finde ich auch, dass hier nicht nur von einem kriminellen Autor gesprochen wird, sondern auch das System benannt wird, in dem der Autor sich gefangen wähnte. Da sehe ich eine Chance für alle: Für den Autor, indem er sich professionelle Hilfe (damit meine ich Psychologen, keine Rechtsanwälte) holt, und für "die Presse", um sich mal selbst mit all ihren Preisen und all ihrem Selbstlob zu hinterfragen.
Sehr gut finde ich, dass der Spiegel alles im Zusammenhang mit diesen Vorgängen ("Affäre" passt hier aus meiner Sicht nicht wirklich) frei zugänglich über Spiegel Online veröffentlicht und damit jedem Verdacht gegenübertritt, nur für zahlende Kunden aufzuklären.
Es ist passiert. Das ist schlimm. Schlimmer noch finde ich allerdings die Häme von einigen Teilen der Presse und auch aus der Politik - die haben es gerade nötig, sich über einen Einzelfall (hoffentlich) zu beklagen, während bei ihnen Lug und Trug das Tagesgeschäft sind.

Lieber Spiegel: Macht weiter! Erfindet das Rad nicht neu, aber rundet es vielleicht da wieder ab, wo es zu Knirschen begann.

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