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Der Fall Relotius - diskutieren Sie hier!

SPIEGEL-Reporter Claas Relotius hat in großem Umfang Artikel gefälscht. Durch Recherchen des SPIEGEL-Kollegen Juan Moreno erhärtete sich der Verdacht gegen Relotius, der Fälschungen zugegeben hat. Der Vorgang legt auch Lücken und Fehler in den Sicherungssystemen des SPIEGEL offen. Andere Medien sind ebenfalls betroffen. Was ist Ihre Meinung?

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spon_12 22.12.2018, 13:23
140.

Zitat von wolly21
Ist es kriminell, daß er statt dessen an den Spiegel verkauft hat. Ist "´Journalist" eine geschützte Berufsbezeichnung?
Versteh ich nicht. Hätte er gesagt: Hier, ne Geschichte über XY, einiges ist nur erfunden. Dann hätte der SPIEGEL sagen können: Wollen wir nicht. So hat der SPIEGEL eben dem Journalisten vertraut. Ob da Mechanismen (nicht) gegriffen haben, möchte ich gar nicht beurteilen. Beim SPIEGEL sieht man das offenbar so - und geht offen damit um. Könnte man auch anders versuchen.

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sven.kex 22.12.2018, 13:24
141. Der SPIEGEL ist kein Großkonzern.

Zitat von commandertom
Falls jemand der Kommentarschreiber ernsthaft glaubt, es solle hier eine Diskussion geführt werden, die zu einem Inhaltlichen Ziel führen soll, so irrt sich der. Die Kommentare interessieren hier in erster Linie aus Interesse der Marktforschung (natürlich sind auch die zensierten Beiträge sehr interessant für diesen Zweck). Aber wer sollte denn wirklich so naiv sein anzunehmen, dem Großkonzern „Spiegel“ ginge es nicht um Verkauf und Profit? Es ist für diesen Zweck natürlich ein indeologisiertes Markenimage als Krone des Journalismus erforderlich, in das die aktuelle Lügengeschichten nicht so recht passen. Aber mein Glückwunsch an den Spiegel, man kann selbst daraus noch Profit schlagen, indem diese Geschichten jetzt öffentlichkeitswirksam und profitorientiert aufgearbeitet werden. Der Spiegel hat im Hinblick auf die Inhalte seiner „Stories“, zu deutsch „Geschichten“ längst erkannt, dass diese sich besser verkaufen lassen, wenn sie im Einklang mit der politisch vorgegebenen Meinung stehen, als wenn sie dieser widersprechen würden. Der Druck, der in einem totalitären Regime auf die Medien von politischer Seite ausgeübt wird, wird hierzulande komplett durch den Einfluss des Marktes auf die Berichterstattung ersetzt. Das Rezept „tolpatschiger Trump, dumme Amis usw.“ verkauft sich hierzulande immer noch am besten, also her mit solchen Geschichten.
wenn es den SPIEGEL nicht mehr (oder immer weniger) gibt, ist er weg. Die verbundenen Zeitungen retten ihn auch nicht. Vielleicht flüchtete er sich unter das Dach eines "Konzerns" Funlke oder Bertelsmann.

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aliof 22.12.2018, 13:26
142. Nicht im Mindesten preiswürdig

Zitat von wolly21
... Wurden diese Preise wegen "sachlicher Richtigkeit" vergeben, oder doch eher wegen "guter Schreibe"? ... Ist es kriminell, daß er statt dessen an den Spiegel verkauft hat. Ist "´Journalist" eine geschützte Berufsbezeichnung?
Lese selbst viel und freue mich eigentlich immer auch über etwas längere Magazinartikel mit Hintergrund. So war ich auch einmal auf einen Artikel von R. gestoßen, was ich aber nur als hohl empfand, nicht zu Ende las, und vergaß .. bzw. verbuchte das unter Pseudojournalismus. - Wie ich inzwischen aber gelernt habe , waren Viele auf ihn hereingefallen.

Ganz im Gegensatz zu der echten und liebevoll gestalteten, unbezahlten Gegendarstellung der Leute aus einem der verunglimpften Orte, Michele Anderson and Jake Krohn.
Vergleichbar dieser Beitrag , mit den z. T. noch ausführlicheren Reportagen in der NewYorkTimes.

Vielleicht ursächlich , jedenfalls empfehle ich darüber nachzudenken : bei www.nyt.com zeichnen gerade bei Recherche-intensiven Artikel oft mehrere Autoren verantwortlich. Möglicherweise wird dort eher in Teamverantwortung gearbeitet als bei SPON.

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sven.kex 22.12.2018, 13:27
143. Der Statthalter des größeten Lügenbarons des Universums

Zitat von bertram_reinhold
Ich bin der Meinung, dass der US Botschafter den Nagel auf den Kopf trifft: Seit 20 Jahren oder länger wird beim Spiegel gegen die USA polemisiert, provoziert. Hier gibt es sehr wohl einen institutionellen Antiamerikanismus. Mit Donald Trump hat dies grundsätzlich nichts zu tun, auch unter Obama gingen ganzen Orgien von Ressentiments hernieder. Der Spiegel täte gut daran, einmal die aggressive Polemik ihrer Washington-Korrespondenten ins Visier zu nehmen. Ich habe diese Beiträger heruntergeladen, um selbst einmal - zu gegebener Zeit - diese im Ausland zu kommentieren. In vielen dieser Beiträge ist der Bogen restlos überspannt, dort ist mehr Propaganda als Inhalt. Liebe Freunde vom Spiegel, gehen Sie gegen diejenigen konsequent vor, die den Journalismus in den Dreck ziehen !
muss mal den Ball ganz flach halten. Trump und seine Mannen sind die Letzten, sie sich über Herabwürdigungen, Beleidigungen und Lügenmärchen beklagen dürfen.
Aktuell steht der Lügenpegel von Trump bei über 6.000.
Da kommt selbst ein Claas R. nicht mit.
Die Intervention des Botschafters hätte gerne deutlichen zurückgewiesen werden dürfen.

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sven.kex 22.12.2018, 13:30
144. Die Preisgerichte müssen ihre Kriterien in Frage stellen!

Zitat von wolly21
Vorschlag: In Fürth -- oder wo hat ein Wirt -- oder wer seine Frau -- oder wen erschlagen -- oder was. (:--)) Nicht unrichtig. Aber das verkauft sich halt schlecht. Es wird immer in diesem Fall Relotius von BETRUG geredet. Wen hat Relotius materiell geschädigt? Er habe mit "krimineller Energie" gehandelt. Hat er jemanden beleidigt? Kann Geschichten erfinden "kriminell" sein ? Noch dazu, wenn diese Geschichten preiswürdig waren: 2012 Schweizer Medienpreis für junge Journalisten 2013 Österreichischer Zeitschriftenpreis 2013, 2015, 2016 und 2018 Deutscher Reporterpreis, (darunter dreimal "beste Reportage",einmal "bester freier Journalist" 2014 von CNN als Journalist of the Year aus. 2017 Liberty Award (Guantanamo-Gefängnis und zwei syrische Flüchtlingskinder) und European Press Prize 2018 Deutscher Reporterpreis ("Text von beispielloser Leichtigkeit, Dichte und Relevanz, der nie offenlässt, auf welchen Quellen er basiert“) 2018 Peter-SchollLatour- Preis der Ulrich-Wickert-Stiftung. Wurden diese Preise wegen "sachlicher Richtigkeit" vergeben, oder doch eher wegen "guter Schreibe"? Hätte Relotius die Artikel als "Kurzgeschichten" in einem Taschenbuch veröffentlicht, wäre sie möglicherweise Nobelpreis würdig geworden. Ist es kriminell, daß er statt dessen an den Spiegel verkauft hat. Ist "´Journalist" eine geschützte Berufsbezeichnung?
Wohl wahr, was Sie schreiben.
Wenn Preise für Geschichten vergeben werden, schreiben die Journalisten (und tatsächlich darf sich jeder so nennen) eben Geschichten.

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Ruhrsteiner 22.12.2018, 13:31
145. Informationsvalidierungsorganisation

Zitat von jb_spon
@ Spiegel - Mitarbeiter: danke für Eure Arbeit und Eure offene Darstellung der Hintergründe zu diesem Fall. Ich finde es gut, dass Ihr hier nichts beschönigt oder versucht zu vertuschen. Ich sehe, dass Ihr aus den Fehlern lernen wollt. Nur so könnt Ihr die besten bleiben.
Es gehört zum Kleinen Einmaleins der Organisation jedes wissenschaftlichen oder wirtschaftlichen Überseeprojektes, dass man dazu auch funktionierende Validierungs-, besser Verifizierungssysteme einbaut. Um vom Institut/HQ aus sicher zu stellen, dass eingehende Informationen von Task-Leitungen vor Ort oder dortigen Counterparts auch stimmen - ganz einfach, um entstehende Probleme sofort zu erkennen, und sofort richtig korrigierend eingreifen zu können. (Irren ist menschlich.).

Nur der SPIEGEL kann so etwas bei Auslandsreportagen nicht organisieren, oder will es nicht? Es lebe der Vertrauensvorschuss an Auslandsreporter?

Also soll jetzt über ein halbes Jahr in Hamburg eine dreiköpfige, unabhängige Kontrollkommission her, die alles wieder ins Lot bringt?

Die Betonung liegt wenn überhaupt wohl aus Fehlern lernen WOLLEN. Eine Erfolgsgarantie - ist das nicht. Und seine angebliche Hilflosigkeit zu dieser Problemstellung - kaufe ich dem "Spieglein, Spieglein an der Wand" (Pardon!!!) nicht ab. So naiv kann man gar nicht sein....

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doclondon 22.12.2018, 13:32
146. Fall Spiegel

Auch wenn der Spiegel es krampfhaft versucht die Angelegenheit zu einem Fall Relotius zu degradieren: Das eigentliche Problem des Spiegels ist die jahrelange Hofberichterstattung für die derzeitige Regierung. Der Spiegel hat sich soweit von seinen eigenen Idealen entfernt, dass er sich obsolet gemacht hat. Das Problem ist weiter, dass es offenbar innerhalb der Redaktion wenige Personen gibt, die die Rückkehr zu einer an Fakten orientierten Berichterstattung einfordern. Ohne dieses eigentliche Problem des Spiegels wäre der Fall Relotius bestenfalls eine Randnotiz wert. Und nein, ich bin kein radikaler Troll sondern existiere wirklich, zahle Steuern, habe Kinder und bin mit dem Spiegel und wirklichen Journalismus großgeworden (liegt gefühlte Jahrhunderte zurück).

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ciconia_nigra 22.12.2018, 13:32
147.

Sagen, was ist? Daß ich nicht lache...
Ihr sagt ja nicht einmal, daß ihr Moreno mit Rauswurf gedroht habt.

Und ihr werdet auch das wieder löschen, so wie jegliche Kritik meinerseits in den letzten Tagen und Wochen. Und genau deswegen wird Relotius nicht der letzte Fall gewesen sein, sondern nur der offensichtlichste. Ihr schreibt schon lange nicht mehr, was ist, sondern was ihr gerne hättet. Ihr solltet euer Motto gegen "Ich mache mir die Welt, widdewiddewie sie mir gefällt" austauschen.

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sven.kex 22.12.2018, 13:40
148. Nein, es ist nicht gut, wie der SPIEGEL "damit" umgeht!

Zitat von Odothan
Was da passiert ist kann ich nur sehr schlecht nennen. Ein Redakteur / Reporter allein schafft es, alle Sicherungen des Spiegel auszuhebeln und damit das gesamte Haus in Verdacht zu bringen. Gut ist, wie der Spiegel damit umgeht: Rückhaltlos alles ans Licht bringen, natürlich immer in der Hoffnung, dass nicht jemand anderes im internen Bereich jetzt diese Methdoe abguckt oder seine (Mit-)Schuld unter den Teppich zu Kehren. Gut finde ich auch, dass hier nicht nur von einem kriminellen Autor gesprochen wird, sondern auch das System benannt wird, in dem der Autor sich gefangen wähnte. Da sehe ich eine Chance für alle: Für den Autor, indem er sich professionelle Hilfe (damit meine ich Psychologen, keine Rechtsanwälte) holt, und für "die Presse", um sich mal selbst mit all ihren Preisen und all ihrem Selbstlob zu hinterfragen. Sehr gut finde ich, dass der Spiegel alles im Zusammenhang mit diesen Vorgängen ("Affäre" passt hier aus meiner Sicht nicht wirklich) frei zugänglich über Spiegel Online veröffentlicht und damit jedem Verdacht gegenübertritt, nur für zahlende Kunden aufzuklären. Es ist passiert. Das ist schlimm. Schlimmer noch finde ich allerdings die Häme von einigen Teilen der Presse und auch aus der Politik - die haben es gerade nötig, sich über einen Einzelfall (hoffentlich) zu beklagen, während bei ihnen Lug und Trug das Tagesgeschäft sind. Lieber Spiegel: Macht weiter! Erfindet das Rad nicht neu, aber rundet es vielleicht da wieder ab, wo es zu Knirschen begann.
Der SPIEGEl nagelt EINEN Mann als Kreuz genagelt. Man bescheinigt ihm "kriminelle Energie". Kein Wort von krimineller Nachlässigkeit und Leichtgläubigkeit bei den DOKs und den Vorgesetzten, kein Wort von der fast sakrosanten Unantastbarkeit des "Erfolgsautors" und "Premiumtexters".
Habe ich etwas gelesen, dass die Redaktion das "Spiegel-Statur" infrage stellt und abkommt vom betreuten Denken?
Nein, abgesehen von Schwachstellen ist eigentlich alles Ordnung.
Ein Forist hatte darauf hingewiesen, dass der Mittschnitt von Interviews üblich sei (Stimmt, mache ich auch so , oder wenn der Gesprächspartner das nicht will: ausführliche Notizen). Hat etwa niemand im Hause "SPIEGEL" nach solchen Banalitäten gefragt?!

Nein, der SPIEGEL darf nicht so weiter machen.
Er muss endlich eine NACHRICHTENmagazin werden.

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jogola 22.12.2018, 13:46
149. One man one vote

was soll denn nun ausgerechnet mein Lieblingselitärer, dem man vor laufender Kamera noch erklären musste, dass auch er nur eine Stimme hat, zum Thema Sitte und Anstand beitragen.

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