Forum: Kultur
Der Fall Relotius - diskutieren Sie hier!

SPIEGEL-Reporter Claas Relotius hat in großem Umfang Artikel gefälscht. Durch Recherchen des SPIEGEL-Kollegen Juan Moreno erhärtete sich der Verdacht gegen Relotius, der Fälschungen zugegeben hat. Der Vorgang legt auch Lücken und Fehler in den Sicherungssystemen des SPIEGEL offen. Andere Medien sind ebenfalls betroffen. Was ist Ihre Meinung?

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spon_12 22.12.2018, 13:51
150.

Zitat von ciconia_nigra
Sagen, was ist? Daß ich nicht lache... Ihr sagt ja nicht einmal, daß ihr Moreno mit Rauswurf gedroht habt.
Sehe ich anders:

"Im Streit mit und über Relotius riskiert Moreno seinen eigenen Job, zwischenzeitlich recherchiert er dem Kollegen, verzweifelt, auf eigene Kosten hinterher."

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/fall-claas-relotius-spiegel-legt-betrug-im-eigenen-haus-offen-a-1244579.html

Habe ich beim ersten Lesen schon so verstanden, dass Moreno hätte gehen dürfen, wenn er keine Beweise geliefert hätte.

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nesmo 22.12.2018, 13:53
151. Die paradiesischen Zeiten

der kritischen Medien wie Spiegel, Zeit und Süddeutsche endeten, als sie selbst Teil des Establishment wurden. Solange man gegen die Regierung, den rückständigen Mainstream und die Verkrustungen des Staates anschriebt war man die geliebte Avantgarde für eine bessere Zukunft. Seit die Regierung und die herrschende öffentliche Meinung im wesentlichen selbst linksliberal wurde, musste man diese herrschende Meinung gegen neue Kritiker verteidigen. Vom Revolutionär zum Konservator. Das hat notwendige Folgen in der Form der Berichterstattung. Die größten Kritiker der Elche, waren früher selber welche.

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briefzentrum 22.12.2018, 13:53
152. Claas Relotius - Die Folgen des Spiegel-Skandals

Der Spiegel reagiert seit Mittwoch mit Hyperaktivität. Die zur Schau gestellte Attitüde der Selbstkasteiung und Selbstdemütigung soll das Publikum milde und gnädig stimmen und eine Absolution durch die (zahlende) Leserschaft ermöglichen. Bei einigen - vermutlich katholischen - Lesern wirkt dies offensichtlich schon: Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa. Sie mögen keine Störung ihres Weltbildes und ihres Alltags und spenden schon Vergebung, bevor sie das wahre Ausmaß des Falls überhaupt kennen. Im Ergebnis wird das nichts nutzen. Der Relotius-Skandal wird den Spiegel in eine massive wirtschaftliche und journalistische Krise stürzen. Dazu muss man kein Prophet sein, sondern sich nur die Folgen des Skandals um die Hitler-Tagebücher im Stern 1983 ansehen. Der Spiegel wird deutlich an Auflage verlieren. Der Grund ist ein systematischer und nachhaltiger Vertrauensverlust, der allein durch die katholische Leserschaft nicht kompensiert werden kann;-) Der erst im Januar 2019 formal antretende Chefredakteur wird sich angesichts des erwartbaren Chaos und der daraus folgenden unklaren Zukunftsstrategie von Heft und Verlag nicht lange halten können. Wie dereinst beim Stern werden sich in den nächsten Jahren die Chefredakteure beim Spiegel die Klinke in die Hand geben. Die Trennung zwischen Spiegel und SPON wird wieder stärker betont. Im Lauf des Skandals wird Relotius mutmaßlich selbst strafrechtlich belangt, vermutlich wegen Betrugs und Fälschung von Dokumenten. Die juristische Aufarbeitung des Falls wird das Mitverschulden des Verlags und der Redaktion an diesem Vorgang ans Licht bringen und zugleich ein Licht werfen auf die Entwicklungstendenzen und die gängige Praxis einer ganzen Branche. Kann der Spiegel das überleben? Als wirtschaftlich selbstständiges und profitables Presseorgan? Das ist m.E. noch keineswegs ausgemacht.

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Torte 22.12.2018, 13:57
153. Das ist der Fluch...

des so genannten Meinungsjournalismus, die Fetischisierung des subjektiven Spiels mit den Erscheinungen, das es bewußt darauf anlegt, am Wesen einer Sache, eines Verhältnisses, eines Prozesses aus eitlem scheinästhetischen Gutdünken vorbei zu denken und zu schreiben. Bekanntermaßen produzieren diese Journalisten keine Artikel mehr, sondern bezeichnen ihre Produkte selber als STÜCKE! Wählt man diese Begrifflichkeit, ist der Weg zur Fiktion nicht mehr weit. Auch die Selbstkasteiungen des Spiegel gehorchen genau diesem Prinzip: Nicht einfach zu schreiben, was ist, sondern WAS (angeblich) IST, SO SCHÖN ZU SCHREIBEN, daß der Meinungselfenbeinturm nicht in sich zusammenfällt.

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nesmo 22.12.2018, 14:08
154. Vom Sturmgeschütz zur Festung

Der Spiegel ist vom Angreifer gegen das Establishment zum Verteidiger des Establishments geworden. Als Angreifer kann man sich keine Ungenauigkeiten leisten, als Verteidiger lässt man vieles aus gesicherter Position einfach abprallen, übersieht es, sitzt es aus. Eigene erkämpfte Positionen werden nicht mehr in Frage gestellt. Irgendwann stellen nur noch andere die Fragen.

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markusostermann 22.12.2018, 14:09
155. Kitschige Reportagen statt Fakten

Ich erwarte vom Spiegel keine Literatur sondern hart recherchierte Fakten. Und nur diese. Gerade diese "Schönschreiberei" in den Reportagen - und leider nicht nur in diesen - hat mir das Lesen des Spiegels schon länger verleidet. Oft hat man das Gefühl, dass hier um dess Selbstzweckes (Story) willen fabuliert wird. Wird ja zudem durch ausreichend verteilte Preise gefördert. Vielleicht sollten die Redaktionen sich von ihrem literarischen Tunnelblick lösen und wieder darauf konzentrieren Fakten und Zusammenhänge zu liefern.

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bigbang06 22.12.2018, 14:10
156. Ich bin

dafür das man den Spiegel einstellt, da er irreparablen Schaden über unsere Gesellschaft gebracht hat durch die Falschdarstellung seiner linken Ideologie!!! Warum das weniger schlimm sein soll als bei rechter Ideologie das müsst ihr mir mal so erklären, dass ich es verstehen kann!?!? Das wird aber wohl nicht passieren!!! Es ist an der Zeit das ihr selbsternannten Gutmenschen, die angeblich Wissen was für alle das Beste ist auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werdet, wenn es nach mir geht sollte das alles bestraft werden, aber wir wissen ja warum ihr da nichts zu befürchten habt!!! Genießt es, solange es noch so ist!!!

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stoertebekker 22.12.2018, 14:15
157. Machen Sie es sich nicht zu einfach

In einer ersten Reaktion wurde die Frage der Leser, ob das Weltbild einen Einfluss auf das Nichtbemerken der Fälschungen haben konnte, kategorisch verneint. Und das BEVOR die Kommission zu arbeiten beginnt. Mittlerweile finde ich diese Antwort nicht mehr - was gut ist, wenn ehrliche Einsicht dahinter steckt.

Im Zuge der Aufarbeitung sollte das gesamte Ausbildungs-/ Begleitungs-/ Korrektursystem in Frage gestellt werden. Ich konnte über lange Jahre die Chemieindustrie beobachten. Dort hat man es mittlerweile durch permanente Schulung geschafft, das Sicherheitsdenken quasi prozedural zu verankern. Selbst auf Treppen in Büro-/Laborgebäuden findet sich "Treppauf/treppab den Handlauf pack." Nur durch konsequentes Vorleben vom ersten Tag an, permanentes Erinnern und die notwendigen Kontrollen kann man eine entsprechende Kultur schaffen. In der ist dann ein einmaliges Abweichen von den Regeln immer noch möglich, aber nicht über einen langen Zeitraum.

Und noch eine andere Beobachtung. Sie sollten sich alle Artikel, die mit Aufmachern wie "Jeder 6. xyz ..." oder "300% Zunahme der Anträge auf deutsche Staatsbürgerschaft durch Briten im Zuge des Brexit" (ohne die verschwindend geringe Basis zu erwähnen) o.ä. beginnen, mal daraufhin kritisch anschauen, ob es nicht doch eine weltbildliche Voreingenommenheit bei der Interpretation der Zahlen gibt. Denn bei 1/6 der Gesamtheit sind 5/6 (und damit die überwiegende Mehrheit) eben doch anderer Meinung/in einer anderen Lebenssituation als die headline suggeriert. (aktueller, allerdings nicht ganz so starker Fall im heutigen SPON: 11.800 Beschwerden auf >20 Mrd. versandte Pakete. Das sind 0,000059%. Hat die Zunahme von Beschwerden da irgendeine Relevanz? Ist das ein Artikel?)

Das Problem mit dieser Art Berichterstattung ist, dass die Leser/Bevölkerung die (beabsichtigte) Meinung der Headline wahrnehmen und speichern, die Fakten dann aber etwas Anderes sagen. Und genau an dieser Stelle entsteht das Misstrauen gegen die Medien - sozusagen FakeNews, obwohl es eigentlich MisleadingHeadlines sind. Im Übrigen gilt das genauso für diverse Werbeversprechen, die im Kleingedruckten dann die Einschränkungen/andere Informationen enthalten. Menschen, die mehrfach darauf reingefallen sind, weil sie nicht so virtuous mit Sprache umgehen können, verlieren irgendwann den Glauben an das in der Headline/Werbung Wahrgenommene - FakeNews sind entstanden.

Ansonsten finde ich es aber erfrischend und ermutigend, dass in den Leserkommentaren viele Gleichgesinnte nach guter Faktenlage und weniger Bewertung/Emotionen verlangen und darauf hinweisen, dass Journalisten in aller Regel über die Fachgebiete der einzelnen Leser nur unzureichend und fehlerhaft schreiben. Die Lösung könnten schreibende Experten sein. Aber die offene Diskussion und der artikulierte Bedarf machen Hoffnung.

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Gladiolen oder Tod 22.12.2018, 14:15
158. Trump- bashing

Es ist kaum zum Aushalten. Da ist der Fall Relotius noch taufrisch . Es hat sich gezeigt, dass mehrere Artikel, die sich mit den USA und deren Bewohnern und Wählern auseinander setzen, sehr blumig ausgeschmückt wurden . Sogar der US Botschafter hat sich bereits beim Spiegel beschwert. Aber das hält diesen nicht davon ab, wie jeden Tag, einen oder mehrere bashing - Artikel über Trump herauszuhauen. Das war auch vor dem Relotius Fall schon schlimm genug, nimmt aber derzeit geradezu groteske Züge an. Wenn man für einen kurzen Moment daran geglaubt hat, dass der Spiegel auch nur ein Fünkchen gelernt haben könnte, wird man spätestens jetzt eines Besseren belehrt. Dummer Ausrutscher mit Herrn R. Aber der Gesinnungsjournalismus geht weiter. Das ist eine Frage der Haltung.
Obwohl es so viele andere interessante, lesenswerte Themen gäbe.
Ohne unser täglich Trump- bashing geht nichts . Schade .

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albertaugustin 22.12.2018, 14:17
159. Ich habe die Artikel von Claas Relotius

nicht gelesen, wie viele andere Artikel im jeweiligen Magazin auch nicht. Sowohl in der Print-Ausgabe, bin Abonnent seit etwa 1970, also auch bei SPON dominieren link-grüne Gender-Schreiberlinge die uns weismachen wollen was der Leser gefälligst zu tun hat, mit immer den gleichen Themen: Trump- und USA-Bashing, Brexit-Meldungen zum hundersten Mal, wovon der grösste Teil wohl auch Fake ist, dann immer wieder AfD-Geschimpfe, schon vergessen, dass diese Partei demokratisch ist ?? usw usw. Statt jetzt wochenlang in Selbstmitleid würden Sie da oben in Hamburg gescheiter eine bessere Zeitung machen !!! und die links-grünen "Meinungsmacher" in einen längeren Weihnachtsurlaub schicken !!!

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