Forum: Kultur
Der Fall Relotius - diskutieren Sie hier!

SPIEGEL-Reporter Claas Relotius hat in großem Umfang Artikel gefälscht. Durch Recherchen des SPIEGEL-Kollegen Juan Moreno erhärtete sich der Verdacht gegen Relotius, der Fälschungen zugegeben hat. Der Vorgang legt auch Lücken und Fehler in den Sicherungssystemen des SPIEGEL offen. Andere Medien sind ebenfalls betroffen. Was ist Ihre Meinung?

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Nazir 27.12.2018, 08:11
570. Der eigentliche Skandal ist nicht Herr Relotius

Sehr geehrte Redaktion,
ich denke, Sie verkennen den Ernst der Lage des Falls Relotius. Seit Jahren schon habe ich mich über recht offensichtlich tendenziöse und von der Meinung des Autors oder der Autorin stark gefärbte Spiegeltexte geärgert und gefragt, ob das alles so stimmt. Im Vertrauen auf Ihre Dokumentationsabteilung bin ich bisher davon ausgegangen, dass abgesehen von tendenziöser Wortwahl derartige Artikel auf Fakten beruhen. Wenn ich mir allerdings anschaue, welche Fehler Sie als Redaktion in den Artikeln von Herrn Relotius nicht bemerkt haben und Sie gleichzeitig behaupten: [...] "gut 60 Kollegen - Physiker, Historiker, Biologen oder auch Islamwissenschaftler - stellen sicher, dass Namen, Daten und Fakten stimmen, sie verifizieren jedes Wort und jede Zahl.", dann gibt es eigentlich nur 2 Möglichkeiten: Die Dokumentationsabteilung ist unfähig und wirkungslos oder die Märchen des Herrn Relotius wurden gegen den Widerstand der Dokumentation durchgedrückt, weil Sie Führungskräften in Ihrem Hause gut passten.
Beides aber ist meiner Meinung nach ein Todesurteil für die Glaubwürdigkeit des Spiegel, denn immerhin hat das System Relotius auf eine dieser beiden Arten viele Jahre (!) funktioniert. Ich habe daher bereits mein Abonnement gekündigt und werde Informationen aus Ihrem Hause leider nur noch nach unabhängiger Bestätigung glauben können.

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steingärtner 27.12.2018, 08:33
571. Was ich mir wünschte

Wäre schön, wenn die Redaktion irgendwann mal auf die hier geäußerten Lesermeinungen konkret(!) eingehen würde. (Der Grundtenor ist ja eindeutig.)
Nach einer Woche werden ja schon Vorstellungen da sein, wie in Zukunft berichtet wird und welche Grundsätze dabei gelten sollen. Und das ist es, was die Leser interessiert.
Die Berichterstattung zu vielen Themen in den letzten Tagen, lässt noch nicht auf Erkenntnisse in dieser Richtung hoffen.
Also SPIEGEL, überrascht uns.

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YoRequerrosATorres 27.12.2018, 10:07
572. Reicht jetzt!

Okay, ihr nehmt Euch wahnsinnig wichtig. Das ist gut so, auch wegen der Selbstachtung, Ernsthaftigkeit und vieler anderer Wörter, die so lang sind. Jetzt ist es aber auch gut so.
Schreibt bitte über Wichtiges, Lustiges, Buntes, Trauriges oder niedliche Tiere. Lese ich nämlich lieber.

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Hibiskus 27.12.2018, 10:44
573.

Zitat von Hibiskus
(...) Auch wenn es keine Fake-Geschichte gewesen wäre, hätte man diese Reportage nicht veröffentlichen sollen, weil man sich somit zum Sprachrohr dieses angeblichen "Herrn Jaeger" gemacht hätte! (...)
Ich antworte auf meinen eigenen Kommentar (Nr. 561), weil ich folgende Anmerkung habe.:
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wusste der Spiegel noch nicht, dass die Geschichte über "Herrn Jaeger" erfunden ist, obwohl es bereits Warnhinweise von Herr Moreno gab. Der Spiegel hat sich somit zum Sprachrohr eines fiktiven "Herrn Jaegers", den man für authentisch hielt, gemacht.

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Ruhrsteiner 27.12.2018, 11:04
574. an 529.: Eine höchst eigenartige Erwiederung

Ich habe meine Meinung zu Jakob Augstein als Herausgeber des FREITAG sowie Kommentator und Essayisten ins Forum gestellt - nicht als Reporter.... Ich habe auch nie behauptet eine Reportage sei ein literarisches Genre. Im Gegenteil: Ich erwarte von seriösem Journalismus die klar erkennbare Unterscheidung zwischen belletristisch angehauchten Feuilleton-Artikeln, publizistischer Meinungsäußerung und der unabdingbar um sachliche, zutreffende Information bemühten Reportage.

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Hibiskus 27.12.2018, 11:11
575.

Zitat von Hibiskus
Ich antworte auf meinen eigenen Kommentar (Nr. 561), weil ich folgende Anmerkung habe.: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wusste der Spiegel noch nicht, dass die Geschichte über "Herrn Jaeger" erfunden ist, obwohl es bereits Warnhinweise von Herr Moreno gab. Der Spiegel hat sich somit zum Sprachrohr eines fiktiven "Herrn Jaegers", den man für authentisch hielt, gemacht.
Ich bin z.B. über folgendes in der Fake-Reportage "Jaegers Grenze" entsetzt, weil ich es als rechts-populistisch betrachte, solch etwas ohne Überprüfung zu veröffentlichen.:

ZITAT: "Seine Frau habe sich scheiden lassen, er sei nur wegen seiner Tochter aus Afghanistan zurückgekehrt. Und als er sie gefragt habe, wer ihr die Drogen verkauft, von wem sie als Teenager den ganzen Stoff bekommen habe, da habe sie ihm verraten: von den drei Männern, denen er Arbeit und eine Chance gegeben hatte, die immer zu ihnen zum Essen gekommen waren, den jungen Männern aus Kolumbien."

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Ruhrsteiner 27.12.2018, 11:56
576. an 529: korrektes Zitieren

Zitat von Ruhrsteiner
M.E. macht Jakob Augstein aus seinen politischen Überzeugungen publizistisch keinen Hehl. Und er ist Herausgeber des FREITAG, eines politischen Magazins - bei dem ich mit entsprechendem politischen Meinungsjournalismus von vorne herein rechnen kann. Als Autor für den SPIEGEL bzw. SPON habe ich ihn vor allem als Kommentator bzw. Essayisten wahrgenommen, von dem ich sogar erwarte, dass er seine teilweise provokante Meinung vertritt (… weshalb ich die natürlich noch lange nicht teilen muss, sondern schlichtweg an seiner Meinung interessiert bin.) Das ist etwas völlig anderes als journalistische Meinung als solche nicht offen gelegt in eine Reportage einfließen zu lassen, die sich als journalistisch um Wahrheitfsfindung und Objektiivität bemüht darstellt. Letzteres ist eine bewusste Täuschung der Leserschaft, die sich sachlich informiert glaubt (, oder eben auch nicht). In diesem Sinne vermisse ich z. B. in der gesamten Diskussion auch die fachlich informierende Unterscheidung zwischen Edeljournalismus, Erzähljournalismus - in dem ich zunächst nur ein stilistisches Mittel vermuten würde - und konkretem Meinungsjournalismus. Darüber mag man streiten können. Nur eins darf bei seriösem Journalismus m. E. nie geschehen: Eine vorsätzliche Täuschung bzw. Desinformation der Leserschaft. Gleichwohl: Auch Ihnen frohe Weihnachten.
Wenn man den Beitrag eines anderen Foristen zitiert, dann sollte man ihn auch korrekt und nicht bewusst sinnentstellend verkürzt zitieren, um eine "Fake-Diskussion" anzuzetteln. Letzteres hätte nämlich "C.R."-Niveau.

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gruffelo 27.12.2018, 12:25
577. Zeit für eine Reaktion, Herr Klusmann!

Lieber Herr Klusmann, bislang ist im vorliegenden Fall lediglich Herr Relotius an den Pranger gestellt worden. War's das? Wirklich? Weiter so, fabulous Spiegel guys? War nur ein kleiner Fehler, ist schon behoben? Bislang sind für den naiven Leser jedenfalls weder in der Art der Berichterstattung noch bei der Führungsmannschaft irgendwelche Konsequenzen erkennbar. In einer Organisation mit 600 Mitarbeitern wie beim Spiegel gibt es diverse verantwortliche Stellen, die offensichtlich im Fall von Hr CR versagt haben. Wo bleiben die Konsequenzen, die glaubhaft machen, dass sich beim Spiegel jetzt etwas grundlegend ändern wird? Was geschieht mit dem Abteilungsleiter des Gesellschaftsressorts, Abteilungsleiter der Dokumentationsabteilung, Mitarbeiter der Doku-Abteilung, Co-Autoren des Hr CR, die seine gefälschten Artikel mitgetragen haben (anders als der gott sei Dank integere Juan Moreno), verantwortliche Chefredakteure und stv. Chefredakteure die über Jahre die Art von Berichterstattung gepusht haben, die Hr CR schlussendlich zum Verhängnis wurde, etc. etc.? Ein weiter so mit der bisherigen Mannschaft wird auch ein weiter so im Stil und in der Art der Berichterstattung bedeuten - dafür hätte man Sie sicher nicht vom MM zum Spiegel zu holen brauchen, Herr Klusmann...

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Hibiskus 27.12.2018, 12:33
578.

Zitat von Hibiskus
Ich bin z.B. über folgendes in der Fake-Reportage "Jaegers Grenze" entsetzt, weil ich es als rechts-populistisch betrachte, solch etwas ohne Überprüfung zu veröffentlichen.: ZITAT: "Seine Frau habe sich scheiden lassen, er sei nur wegen....
Ich finde es besonders schlimm und entäuschend, weil diese Fake-Geschichte im SPIEGEL veröffentlicht worden ist! Der Spiegel gehörte meines Erachtens zu den vertrauenswürdigen Medien. Wenn man ein Magazin/ eine Zeitung für vertrauenswürdig hält, dann glaubt man eine Fake-Geschichte leichter.

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klmo 27.12.2018, 12:37
579.

Zitat von gruffelo
Lieber Herr Klusmann, bislang ist im vorliegenden Fall lediglich Herr Relotius an den Pranger gestellt worden. War's das? Wirklich? Weiter so, fabulous Spiegel guys? War nur ein kleiner Fehler, ist schon behoben? Bislang sind für den naiven Leser jedenfalls weder in der Art der Berichterstattung noch bei der Führungsmannschaft irgendwelche Konsequenzen erkennbar. In einer Organisation ....
Welche Konsequenzen erwarten Sie?
Was mich mittlerweile amüsiert, sind die Fälschungen auf der banalsten Ebene, wo erst in der Gesamtheit der Story die entsprechende geistige und ideologische Aura dem jeweiligen Thema verpasst wurde. So betet man zum Sonntag in der Kirche von Fergus Falls für Trump, ein Stadtverwalter war noch nie mit einer Frau zusammen und noch nie hat er den Ozean gesehen. Einem mexikanischen Restaurantangestellten verpasst er den Vornamen Israel, der gemobbt wird und seine Mutter Maria, nierenkrank, habe Trump gewählt, welches sie später bereute.
Eines muss man den Relotius zugestehen, dass er es psychologisch perfekt verstand, den Spiegel zu leimen. Dabei stellt sich neben den Verursacher Relotius die viel dringendere Frage, WARUM seine Storys so erfolgreich waren und durch alle Kontrollinstanzen durch-gewunken wurde.
Die Antwort ist eigentlich klar, weil fast immer der Relotius den Deckel erfand, der genau auf den Topf passte.

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