Forum: Kultur
Der Fall Relotius - diskutieren Sie hier!

SPIEGEL-Reporter Claas Relotius hat in großem Umfang Artikel gefälscht. Durch Recherchen des SPIEGEL-Kollegen Juan Moreno erhärtete sich der Verdacht gegen Relotius, der Fälschungen zugegeben hat. Der Vorgang legt auch Lücken und Fehler in den Sicherungssystemen des SPIEGEL offen. Andere Medien sind ebenfalls betroffen. Was ist Ihre Meinung?

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oldseaman1947 27.12.2018, 18:21
590. Vermissten Meldung

Als Stammleser seit 1968 habe ich seit einigen Jahren den Eindruck der "Spiegel" wird hauptsächlich am Schreibtisch ,ohne direkter Kontakte , erstellt.. Ich vermisse gerade in dieser komplizierten Zeit Interviews mit politischen Größen dieser Welt. Die Sicht von Trump,Putin, Erdogan ,Netanjahu Assad ,Li Keqiang ,Kim Jong un oder Orban .Deren persönliche Ansichten und Ziele sind doch für ein Nachrichten Magazin spannend. Die ARD hat vor ca zwei Jahren Assad befragt. Warum muss ich im "Spiegel " auf Interviews dieser Brisanz im Spiegel verzichten ? Die politische Bildung sollte in einer Demokratie nicht einseitig sein. Diese eine Sicht haben den Deutschen die Nazis und angeblichen Sozialisten aufgezwungen .

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balotelli 27.12.2018, 19:14
591. Sehe ich ganz genauso ....

Zitat von alterknacker54
Das System der Zensur bei SPON ist absolut undurchschaubar und willkürlich. Auch die Dauer von Kommentarfunktionen, d.h. wie lange man einen Artikel kommentieren kann, ist einfach nicht nachvollziehbar: Manchmal steht die Kommentarfunktion mehrere Tage zur Verfügung und es werden über 70 Seiten vollgeschrieben, manchmal ist die Kommentarfunktion so schnell abgeschaltet, dass man keine Möglichkeit, seinen eigenen Senf dazu zu geben. Es ist manchmal schon very strange....
Ich habe manchmal auch den Eindruck, dass bestimmte Beiträge nicht veröffentlicht werden, obwohl sie der Netiquette entsprechen.

Wobei ich nicht so recht ein System erkennen kann. Ich habe mir ein paar Mal die Mühe gemacht und dann folgendes festgestellt:

Beitrag z.B. am Nachmittag nicht veröffentlicht (wurde aus den eigenen Beträgen gelöscht) - ich speichere mir alle meine Beiträge noch separat ab - den exakt gleichen Beitrag dann am nächsten Morgen, bevor ich in die Arbeit gefahren bin, nochmals eingestellt und prompt veröffentlicht. Kommt scheinbar auch auf die Person an, die zensiert (Spätschicht vs. Frühschicht).

Auffällig ist auch, dass bei gleichen Themen auf Weltonline anteilsmäßig sehr viel mehr regierungskritische Forumsbeiträge veröffentlicht werden, als bei SPON.

Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass dort das Klientel um so viel unterschiedlicher ist, als bei SPON.

Mit dem Veröffentlichen und dem Nichtveröffentlichen von bestimmten Beiträgen kann man - wenn es so gewollt ist - doch erheblich manipulieren ....

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Andre V 27.12.2018, 22:48
592. Links, nicht rechts!

Zitat von Hibiskus
Ich bin z.B. über folgendes in der Fake-Reportage "Jaegers Grenze" entsetzt, weil ich es als rechts-populistisch betrachte, solch etwas ohne Überprüfung zu veröffentlichen.: ZITAT: "Seine Frau habe sich scheiden lassen, er sei nur wegen seiner Tochter aus Afghanistan zurückgekehrt. Und als er sie gefragt habe, wer ihr die Drogen verkauft, von wem sie als Teenager den ganzen Stoff bekommen habe, da habe sie ihm verraten: von den drei Männern, denen er Arbeit und eine Chance gegeben hatte, die immer zu ihnen zum Essen gekommen waren, den jungen Männern aus Kolumbien."
Dann verstehen Sie nicht, wie Relotius und der SPIEGEL arbeiten...

Man stellt einen sog. Strohmann auf (https://de.wikipedia.org/wiki/Strohmann-Argument), legt diesem Aussagen in den Mund oder schreibt ihm Taten zu, die er zwar nicht gesagt oder getan hat, die ihn aber als glühendes Beispiel des Denkens oder Handelns beschreiben, das man ablehnt.

Dieser Strohmann wird jetzt argumentativ (wenn man gut ist) überwunden oder lächerlich gemacht (wenn man selbst nur schlechte Argumente hat). Der Leser, Zuschauer oder sonstige passive Konsument identifiziert sich und sympathisiert mit dem Gegner des Strohmanns und wird somit auf ganz billige Art und Weise ins eigene politische Lager geholt. Interessant wird es, wenn diejenigen, die diese Techniken anwenden, nicht einmal mehr merken, dass sie es tun. Sie gehören schließlich zu den Guten, der Zweck heiligt die Mittel. In diesem Fall ist der Kampf gegen Rechts so wichtig, dass man ruhig lügen, manipulieren und konträre Meinungen dazu unterdrücken darf. "Jaegers Grenze" ist damit das beste Beispiel für LINKSpopulismus.

Ihr Beitrag sagt mir im Übrigen, dass Herr Relotius bei Ihnen gewirkt hat. Er sollte Leser davon überzeugen, dass Trumpwähler unzuverlässig und irrational sind. Herr Relotius hat seinen Auftrag also erfüllt. Rein juristisch ist dem SPIEGEL damit keinerlei Schaden entstanden :-)

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jane.friedrich.33 28.12.2018, 11:27
593. Pure Enttäuschung!

Der Spiegel schrieb in den letzten Jahren immer nur das was zu ihrer politisch linken Gesinnung passte:

- Silvesternachtübergriffe durch massenhaft Ausländer? Das passt nicht. Also erst versuchen gar nicht drüber zu schreiben und wenn es dann doch eine grössere Sache wird dann ist es das Versagen der Polizei.

- G20 Randale von Linken mit 12 Millionen Schäden und verletzten Polizisten? Die Randalierer an den Pranger? Nein! Die Polizei ist auch hier Schuld wegen zu gewaltvollen Auseinandersetzungen mit den Randalierenden.

Das ein Spiegelreporter nun auch massenhaft Reportagen gefälscht hat, ist damit nur konsequent. Er schrieb eben das was man von ihm erwartete und wenn die Realität nicht in die linke Gesinnung passte, wurde eben gefälscht.

Lieber Spiegel, ein Magazin wie euers hat eine massive Verantwortung. Aktuell bildet ihr die Meinung der Deutschen so wie ihr sie haben wollt. Kehrt zu euren Wurzeln zurück und schildert die Realität - ganz einfach. Macht also das was man von euch als Nachrichtenmagazin erwarten darf.

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ohnebenutzername 28.12.2018, 11:47
594. Schtonk!

Dem genialen Helmut Dietl ist es gelungen aus der Katastrophe des Sterns (Hitlers Tagebücher) die beste deutsche Nachkriegskomödie zu kreieren. Davon abgesehen, dass der Regisseur und Drehbuchautor Dietl leider verstorben ist, fragt sich, was aus der traurigen Spiegel Relotius Affäre noch für Honig zu saugen sein wird.

Ich befürchte, dass wird kein 2. Schtonk, eher ein verschwiemelter Vorabendkrimi (vielleicht ein "Notruf Hafenkante" Folge 666 - a la: Die Komissare finden eine Wasserleiche in der Elbe...Teerreste und Federn finden sich am am toten Körper... die Spur führt zu einem renommierten Verlagshaus... eisiges Schweigen schlägt dort den Ermittlern entgegen... aber das Team gibt nicht auf... beseelt durch den Genuß von Fischbrötchen und Doppelkorn... findet es heraus, dass der Tote im Wasser ein Betrüger war und aus Rache von erbosten Kollegen ermordet wurde...).

Der Spiegel begreift hoffentlich, dass er mit diesem Skandal in der selben Liga wie seinerzeit der Stern gelandet ist. In den beschwichtigend wirkenden Erklärungsversuchen des Spiegels vermisse ich Zorn und Wut des Opfers auf den Täter. Und ich vermisse eine öffentliche Erklärung des Betrügers, der sich hoffentlich in Grund und Boden schämt. Aber nein, er nimmt sich erst einmal einen Anwalt und gibt die Preise zurück (bevor sie ihm entrissen werden). Ehre, Ethos gar Anstand? Fehlanzeige!

Ich bin kein regelmäßiger Spiegelleser (mehr seitdem dieser Besserwisser-Schreibstil dort Einzug gehalten hat), aber ich vermute, Relotius wird kein Einzelfall bleiben, denn in Aufbau und stimmungsdurchflitterten Stil sind sich die Reportagen doch sehr ähnlich; und -das wird offensichtlich von der Redaktion auch genauso gewünscht. Vielleicht der stinkt der Fisch doch vom Kopf her.

Schtonk!

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oibees 28.12.2018, 15:29
595. Jede Krise ist auch eine Chance

Spätestens seit Margot Käßmann ist bekannt, dass man mit Aufrichtigkeit, Ehrgefühl und dem Zugeben von Fehlern in der Öffentlichkeit sein Ansehen steigert; es ist schade, dass zu wenig Poltitiker dass kapiert haben. Der SPIEGEL scheint dies kapiert zu haben und zieht, zumindest sieht es so aus, die richtigen Konsequenzen aus der Affäre. Viel Erfolg dabei.

In der Affäre gab es kein Tote und Verletzte, aber gerade in einer Zeit, in der Politiker die Lüge als Mittel der Politik etablieren, ist es Aufgabe der Presse, dem entgegenzuwirken. Es wäre daher ratsam, dass mehrere Verlage eine gemeinsame oder gegenseitige Qualitäts- bzw. Wahrheitskontrolle durchführen.

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gruffelo 28.12.2018, 16:00
596.

Zitat von oibees
Spätestens seit Margot Käßmann ist bekannt, dass man mit Aufrichtigkeit, Ehrgefühl und dem Zugeben von Fehlern in der Öffentlichkeit sein Ansehen steigert; es ist schade, dass zu wenig Poltitiker dass kapiert haben. Der SPIEGEL scheint dies kapiert zu haben und zieht, zumindest sieht es so aus, die richtigen Konsequenzen aus der Affäre. Viel Erfolg dabei. In der Affäre gab es kein Tote und Verletzte, aber gerade in einer Zeit, in der Politiker die Lüge als Mittel der Politik etablieren, ist es Aufgabe der Presse, dem entgegenzuwirken. Es wäre daher ratsam, dass mehrere Verlage eine gemeinsame oder gegenseitige Qualitäts- bzw. Wahrheitskontrolle durchführen.
Sooo? Wie kommen Sie denn darauf, dass der Spiegel Konsequenzen aus der Affäre zieht, und noch dazu die richtigen? Ich kann bislang keine Konsequenzen erkennen, ausser das Herr Relotius an den Pranger gestellt und entlassen wurde? Sie vielleicht?

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Turbo 28.12.2018, 17:21
597. Bildung vs. Korruption

Es gibt Wissenschaftler in der Kommunikationswissenschaft und Soziologie, die den Bildungsgrad der Journalisten in D seit Jahren kritisieren. Der sei zu niedrig aber notwendig, um unterschiedliche Sachverhalte in einer zunehmend komplexen Welt einerseits zu verstehen, andererseits aber auch korrekt beschreiben zu können. Oftmals ist das Zweite noch schwieriger, als das Erste und bedarf eines breiten Wissens, viel Berufserfahrung, Bildung und persönlicher Reife.

Wer sich die akademischen Karrieren einschlägiger und (auf den öffentlichen Diskurs) einflussreicher Journalisten und Medienvertreter anschaut, muss feststellen, dass viele in der Wirtschaft damit wohl keinen Schritt weit kommen würden.

Wenn ein System dann Anreize hat, statt auf Qualität auf das zu setzen, was gehört werden soll, kommt genau so etwas wie bei diesem Herrn heraus: Ein an sich smarter Kopf, der erkannt hat, dass die Lüge lukrativer ist, als die Regeln. Das ist nicht anderes, als Korruption. Und das geht ein funktionierender Staat am besten mit besserer (Aus)Bildung an.

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Oberschlawutzi 28.12.2018, 17:49
598. Ihr braucht das nicht abzudrucken.

Liebe SPONs,
mein Verhältnis zum Spiegel, das habe ich in den letzten Tagen gemerkt, ist kein Einzelfall. Es ging sehr vielen so ähnlich wie mir, was ich aus den Leserbriefen entnehmen konnte, die überall zu finden waren: Früher hätte ich auf den Spiegel geschworen, weil er kritisch war gegenüber den Versumpfungen, die automatisch in Regierungskreisen mit der Zeit auftauchen. Das Sturmgeschütz der Demokratie, dieser Begriff hat einfach gepasst. Heute seid ihr ein Sturmgeschütz der (schlechten) Regierung, und das ist zwangsläufig das Ende eines kritischen Blatts. Aber was solls, ihr habt euch so entschieden, und ich bin ganz sicher nicht der einzige, der das so sieht. Den alten anspruchsvollen Spiegel gibt es nicht mehr, und wenn ich unkritischen, regierungskonformen Mainstream lesen will, der sich in Trump-Bashing, AfD-Bashing, Grünen-Hyping und FDP-Hyping erschöpft, kann ich zwischen sehr vielen Blättern und Blättchen wählen oder einfach der Kanzlerin glauben. Der Spiegel ist klein geworden, zu klein für mich, mit Verlaub. Denn ich gehöre zu den kritischen Lesern, und ich merke es relativ schnell, wenn nicht informiert, sondern manipuliert werden soll. Seit geraumer Zeit lese ich weder den gedruckten noch den digitalen Spiegel mehr, abgesehen von ein paar sporadischen Besuchen, die ich mir erlaube, um zu sehen, ob sich was geändert hat. Eure Entwicklung ist aber so kontinuierlich und konsequent, dass ich auf eine Änderung nicht hoffe. Auch jetzt nicht, denn Relotius, so meine Sicht, war kein bedauerlicher Unfall, sondern eine absehbare Katastrophe, das Auffliegen eines unlauteren Systems, das irgendwann passieren musste. Für den Spiegel an Peinlichkeit kaum zu übertreffen. Es hätte dem Spiegel gut angestanden, einen solchen Skandal in einem anderen Blatt aufzudecken oder in den ÖR Medien, aber wenn man selbst so denkt … Wie dem auch sei, ihr werden sicher gut ohne mich auskommen, so gut wie ich ohne euch. Schönen Gruß in die Filterblase, die ihr immer nur bei den anderen diagnostiziert habt.

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hypnoforce 28.12.2018, 18:01
599. Bezahl-Artikel und Vorwurf Unwahrheitspresse

Um spiegel+ Artikel zu lesen, sollte nicht der Leser zahlen, sondern er sollte bezahlt werden. Zum generellen Thema Unwahrheitspresse darf sich jeder seinen Teil selbst zusammenreimen. Traurig, dass es soweit gekommen ist.

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