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Der Jakobsweg: Trampelpfad der Suchenden

Im Disneyland Gottes: Abertausende von Menschen machen sich jährlich auf den Jakobsweg. Früher pilgerte man, um ein besserer Mensch zu werden - heute twittert man und kauft bemalte Fliesen.

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jan.dark 24.06.2012, 13:15
10. O mein Gott!

Die Pilgerei gehört seit 2000 Jahren zum katholischen Geschäftsmodell. Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela sind lange schon Pilgerziele. Aber auch in anderen Städten besorgte man sich Reliquien, um für Pilger Attraktiv zu werden. Rom sorgte stets mit entsprechenden Mythen dann für Zustrom. So wie in Santiago de Compostela 1982 Papst Johannes Paul II. Aber auch Venedig (angeblich Markus-Reliquien) oder Köln (angebliche Reliquien der 3 Könige) nutzten dieses Geschäftsmodell. Wem eine sachliche Darstellung zu trocken ist, der findet Hilfe bei Ken Follet "Die Säulen der Erde", wo die ökonomischen Erwartungen an das Pilgergeschäft zur Finanzierung von Kathedralen beschrieben wird. Wer es auch sachlich verkraftet, dem hilft Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Jakobsweg

Die Touristenströme der Pilger sind auf jeden Fall keine Erscheinung der Neuzeit, sondern fester Bestandteil des christlichen Abendlandes seit über 1000 Jahren bis hin zu den Kreuzzügen.

Bleibt als einzige Neuigkeit, dass aktuelle Pilger auch Twittern. Aber das machen Millionen andere Menschen auch ohne Pilgern. So what?

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Nicola54 24.06.2012, 13:33
11. Traum kaputt

Zitat von sysop
Im Disneyland Gottes: Abertausende von Menschen machen sich jährlich auf den Jakobsweg. Früher pilgerte man, um ein besserer Mensch zu werden - heute twittert man und kauft bemalte Fliesen.
Als ich Jugendliche war (40 Jahre her) war es immer mein Traum, mal den Jakobsweg zu gehen, nicht als "Pilgerin", denn ich bin nicht gläubig. Damals war der Jakobsweg ein "Geheimtipp". Dieser Traum ist kaputt, leider, denn seitdem ich mehrfach in Nordspanien war und diese Horden sah, kann ich mir das nicht mehr vorstellen. Zumal viele der Pilger so eine Aura der selbstgerechten Wichtigkeit ausstrahlen "wir sind etwas Besonderes"..., die ich abstoßend finde.

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no-panic 24.06.2012, 14:04
12. Dankbar

Ja, dankbar bin ich, daß es diesen Jakobsweg gibt und HaPe ihn so berühmt gemacht. Jetzt rennen die Deppen wenigstens nicht hier im Wald rum und verschandeln die Stille mit ihren Ei-Dingern, dem unaufhörlichen Gesabbel und tragbaren Radios.
So kann ich das tun, was die vorgeben zu wollen.

Bei einer ausdauernden Wanderung den Gedankenmüll aus dem Schädel räumen und Ruhe finden.

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Ylex 24.06.2012, 15:04
13. Einmaliges Erlebnis

Der Jakobsweg liegt in Hepstedt zwischen der Breddorfer Straße und dem Brunshoopweg – ich bin ihn schon einmal gegangen, es ging sich auf ihm viel besser als ich dachte, und es war ein einmalig, allein diese Ruhe. Mein Leben hat sich seitem tiefgreifend verändert.

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joha246 24.06.2012, 15:04
14. Ungenau

Liebe Frau Burmester,

leider ist Ihr Beitrag etwas ungenau recherchiert. "Der Jakobsweg", den Sie meinen, ist der Camino Francès, es gibt aber noch sehr viele mehr. Wenn einem danach ist, könnte man selbst hier in Deutschland starten und bis nach Santiago pilgern. Einen solchen Pilger habe ich während meines eigenen Weges kennengelernt. Die einzigen Telefone, die ich während der ganzen 5 Wochen sah, fanden sich auf den letzten 100 km, die gern von FlipFlop-beschuhten Spaniern in Pauschaltouristoptik gelaufen werden, um dem Lebenslauf ein schönes Dokument beifügen zu können. Die Mitpilger, die ich kennenlernte, liefen den Camino, um von eben jenem Informationsoverkill loszukommen, dem wir tagtäglich ausgesetzt sind. Mir eingeschlossen. Auch ich habe mich etwa alle drei bis zehn Tage via Internet kurz bei meiner Familie gemeldet und meine Erlebnisse wiedergegeben, aber das auch meist nur, damit die wissen, dass ich noch lebe.

Liebe Kommentatoren,

wenn hier einige der Meinung sind, der Blitz sollte diese "furchtbaren Horden" treffen, so sei Ihnen gesagt, dass das oft genug passiert und sich entlang des Weges so einige Steinhäufchen oder Pilgermuscheln finden, die an Pilger erinnern, welche der Tod auf dem Weg ereilte. Und ich frage mich, wieso man unbedingt einsam und allein durch die Pampa stiefeln muss, um legitim sagen zu können, man hätte die Stimme Gottes gehört oder den Glauben gefunden? Sind die Menschen denn nicht alle Gottes Kinder? Ist es denn nicht die Entsprechung des Leitsatzes "Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst", wenn Menschen unterschiedlichster Nationalität und Konfession friedlichen und respektvollen Umgang pflegen, zusammen kochen, reden, einander helfen? Ist es denn so schlimm, dass in der digitalen Welt von heute mit tausenden Facebook-Freunden und kaum "echten" sozialen Kontakten immer mehr Menschen auf der Suche nach einer Erfahrung echter Nächstenliebe sind? Und man sollte bedenken, dass die 180.000 Pilger nicht alle am gleichen Tag im gleichen Tempo starten, sondern diese Zahl die Pilger wiedergibt, die während des ganzen Jahres den Weg auf sich nehmen.

@Nicola54: Gehen Sie doch den Camino del Norte, auch Küstenweg genannt. Noch nicht so bekannt und beliebt, wie der Camino Francès, aber soll auch sehr schön sein. Wenn Sie die Erfahrung immer noch machen möchten, so wäre diese Möglichkeit eine Überlegung wert.

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garbanzo 24.06.2012, 15:49
15.

Zitat von kunstdirektor
Dieser von Hape ausgelöste Hype ...
Ist dieser "Hype" denn nicht schon mindestens ein Jahrzehnt vorher durch die damals beliebten Bücher von Paulo Coelho ausgelöst worden?

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Spiegelkritikus 24.06.2012, 15:51
16. Der Jakobsweg ist nicht überfüllt - ein Beweis

Zitat von sysop
Im Disneyland Gottes: Abertausende von Menschen machen sich jährlich auf den Jakobsweg. Früher pilgerte man, um ein besserer Mensch zu werden - heute twittert man und kauft bemalte Fliesen.
Gut, dass vor einigen Tagen im Fernsehen ein Film gezeigt wurde, in dem der Jakobsweg eine wichtige Rolle gespielt hat und Frau Burmester wohl zum Thema der heutigen Kolumne verholfen hat.

In der Tat hat die Zahl der Pilger stark zugenommen. Während 1978 gerade mal 13 Gottesfürchtige am Endziel Santiago den Leistungsnachweis in Form einer amtlichen Bescheinigung entgegennehmen durften, waren es 2011 stolze 183.334 derselbigen.
Aber bedeutet das tatsächlich die komplette Überfüllung, breit ausgetretene Trampelpfade und die Ausbildung von Überholspuren?

Machen wir als gewissenhafte, kalkulatorisch veranlagte Deutsche doch einfach die Probe aufs Exempel!
Gehen wir davon aus, dass die Pilger in den wärmeren Monaten April bis Oktober unterwegs waren. Diese Hypothese ist plausibel, weil es in den anderen Monaten vor allem in den Pyrenäen empfindlich kalt werden kann und bei Schneetreiben ohnehin keiner freiwillig loszieht.
Nun teilen wir die letztjährige Pilgermenge durch diese 7 Monate und bekommen als Ergebnis 26.190 Pilger und einen halben, den wir aber für unsere Zwecke vernachlässigen können. Diese durchschnittliche monatliche Pilgermenge rechnen wir jetzt auf einen einzelnen Tag herunter, das macht exakt tägliche 873 Pilger.

Jetzt kommt logischerweise die Länge das Jakobspfads ins Spiel: 800 KM, was für einen Fussgänger nicht zu unterschätzen ist, aber eine Strecke von sagen wir nur 8 KM wäre dem Reiz und der Herausforderung zweifelsohne abträglich, das kennen wir schliesslich vom Massenmarathon. Aber bleiben wir beim eigentlichen Thema:
Müssten sich etwaige Pilgerströme in die Breite ausdehnen oder käme es zu ständigen Überholvorgängen, so müsste das eigentlich auf dem gesamten Jakobsweg feststellbar sein. Wenn wir nun die 800 KM durch unsere 873 Pilger teilen, kommen wir gerundet auf 0.92 Gottesfürchtige pro Kilometer!

Wir brauchen gar nicht weiter zu rechnen, das Ergebnis ist glasklar: Wenn durchschnittlich nicht einmal ein ganzer Pilger pro Kilometer unterwegs ist, dann kann von einer hoffnungslosen Überfüllung des Jakobswegs keine Rede sein, man kann im Gegenteil von Glück sagen, wenn man einen Gleichgesinnten einholt und sich mit ihm etwas austauschen kann! Quod erat demonstrandum.

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Rainer Helmbrecht 24.06.2012, 16:43
17.

Zitat von Spiegelkritikus
.......... Wir brauchen gar nicht weiter zu rechnen, das Ergebnis ist glasklar: Wenn durchschnittlich nicht einmal ein ganzer Pilger pro Kilometer unterwegs ist, dann kann von einer hoffnungslosen Überfüllung des Jakobswegs keine Rede sein, man kann im Gegenteil von Glück sagen, wenn man einen Gleichgesinnten einholt und sich mit ihm etwas austauschen kann! Quod erat demonstrandum.
Ich habe jahrelang in Saint-Jean-Pied-de-Port gewohnt und kenne die Gegend ganz gut, wenn man nicht unbedingt auf den Spuren von St. Jean wandern will, kann man wunderschöne Wanderungen in eindrucksvoller Landschaft unternehmen, die sich besser gehen, als dort über die unbequemen Straßen zu stolpern;o).

MfG. Rainer

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mitbestimmender wähler 24.06.2012, 17:46
18. Diese Wege sind meist einfacher und Spotbillig

Immerhin besser als zuerst schon zum Psychiater oder Psychopharmaka zu greifen.

Vielen nützt schon ein Glaube, ein Buch, eine fremde Kultur, der Jakobsweg oder eine Auszeit um den eigenen Sinn zu finden.

Klar den Wissenschaften des Geld verdienens und Systemabhängig machens bringen solche "Einzelkämpfer" und Sinnsuchende sehr wenig.

"Nur ein toter Fisch schwimmt mit dem Strom"

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wohei-dho 24.06.2012, 17:51
19. Wie so oft im deutschen (weiblichen) Qualitätsjournalismus...

...ist vieles eindeutig an den Haaren herbeigezogen. Es wird weder recherchiert (und wenn dann schlampig) und einfach mal drauf los geplappert. Oder, wie im vorliegenden Fall dieser sinestren Dame, ein Sachverhalt böswillig aufgebauscht und verfälscht. Wenn es was mit Gott zu tun hat, dann sowieso. Vor allem von den modernen Göttinnen...

Da ich mich seit mehr als 15 Jahren in der Jakobus-Pilgerwege-Bewegung engagiere, unter anderem als Regionalleiter und Buchautor, verfüge ich über eine wirkliche Kompetenz, um den Sachverhalt realistisch und angemessen beurteilen zu können. Aufgrund dessen kann ich über den Beitrag von Fräulein Burmester nur sagen: Absolut falsch und unangemessen. Sie wird es allerdings nicht nachvollziehen können und wollen! wie so vieles andere auch nicht...

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