Forum: Kultur
"Der Schlächter von Wilna": Die Wahrheit in der Defensive
Der Filmverleih

Schmierentheater statt Vergangenheitsbewältigung: Der Film "Murer - Anatomie eines Prozesses" erinnert an Franz Murer, den "Schlächter von Wilna", und sein faschistisches Erbe, das Österreich bis heute pflegt.

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Ben4 21.11.2018, 17:51
1. Kommt wohl gerade recht ...

Dass der Film auch als Selbstkritik verstanden werden kann, kommt dem Autor wohl nicht in den Sinn, da dieser ja den Unsinn des damaligen Verfahrens ja recht genau widergibt?!

In den deutschen Qualitätsmedien ist -- neben der alltäglichen detaillierten US-Präsidenten-Berichterstattung -- zu beobachten, dass jede noch so kleine Gelegenheit genutzt wird um Kritik an der aktuellen österr. Regierung anzubringen, die nun nicht mehr den deutschen Qualitätsvorstellungen entspricht. Mag mancher Kritikpunkt berechtigt sein, so wirkt mancher in dieser Form des Österreich-Bashing schlicht banal und lachhaft ... so long and thanks ...

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Lankoron 21.11.2018, 17:56
2. Sehr gerne sehen

sich alle Länder als reine Opfer des Nationalsozialismus....egal ob Östereich, Polen, Italien, Niederlande oder Frankreich. Kein Wort davon, dass aus ihren Reihen massenhaft freiwillige Helfer kamen, dass aus ihren Reihen sogar viele Anführer der Verbrechen kamen, das ein grosser Teil der Bevölkerung die Massnahmen unterstützt oder gebilligt hat. Östereich ist ein klares Mittäterland, die Widerstandsbewegung in Frankreich wurde erst 1944 stark, die AK in Polen hatte nur wenige Unterstützer, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Finnland waren sehr bereitwillige Unterstützer. Aber es war und ist natürlich viel einfacher, auf jemand anderes zu zeigen, als eigene Schuld zu erforschen und einzugestehen.

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winnischneider 21.11.2018, 18:05
3. Letzter Satz

wie der Herr, so’s Gescherr

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ambulans 21.11.2018, 18:17
4. @ben4 (oben),

das problem der aktuellen österreichischen regierung ist doch gerade, dass genau diese jede absolut erforderliche distanz zu gewissen aspekten im zusammenhang mit früheren zeiten (zur erinnerung: herr a.h. aus b. am inn war österreicher) vermissen lässt. zweifellos ein schelm, wer hier evtl. an böses denken würde ...

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Augustusrex 21.11.2018, 19:35
5. Ja, die Österreicher

Vor einigen Jahren gab es mal eine Dokumentation über die "Angliederung" Österreichs an Hitlerdeutschland. Da wurden Leute befragt, ob sie auch zuhörten als Hitler seine Rede hielt am Heldenplatz. Natürlich ist keiner dabei gewesen. In dem Hotel, in welchem Hitler in Wien immer abstieg, fragte man den Concierge, ob Hitler immer noch im Buch des Hotels vermerkt sei. Der Mann sagte etwa: "Nein, einen Herrn Hitler kennen wir hier nicht. Schaun's, unsere Gäste interessieren sich für gekrönte Häupter und nicht für einen Herrn Hitler." Die haben wirklich ein sehr glattgebügeltes Verhältnis zu ihrer Vergangenheit. 1918, nach dem WK 1, wollten sie gern zurück nach Deutschland, aber 1945 hatten sie dann ganz schnell begonnen, sich als Opfer zu gerieren, die mit Deutschland natürlich nichts gemein hatten.

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ruhepuls 21.11.2018, 20:27
6. Rechtzeitig "ausgestiegen" oder halten den Dieb gerufen...

Zitat von Lankoron
sich alle Länder als reine Opfer des Nationalsozialismus....egal ob Östereich, Polen, Italien, Niederlande oder Frankreich. Kein Wort davon, dass aus ihren Reihen massenhaft freiwillige Helfer kamen, dass aus ihren Reihen sogar viele Anführer der Verbrechen kamen, das ein grosser Teil der Bevölkerung die Massnahmen unterstützt oder gebilligt hat. Östereich ist ein klares Mittäterland, die Widerstandsbewegung in Frankreich wurde erst 1944 stark, die AK in Polen hatte nur wenige Unterstützer, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Finnland waren sehr bereitwillige Unterstützer. Aber es war und ist natürlich viel einfacher, auf jemand anderes zu zeigen, als eigene Schuld zu erforschen und einzugestehen.
Schon richtig: NS-Gedankengut war weit verbreitet. Im Grunde war ganz Europa - seit der Entstehung der Kolonien - mehr oder weniger rassistisch, denn irgendwie musste man ja das Unrecht der Eroberung anderer Kontinente rechtfertigen ("die Untermenschen, denen man die Zivilisation brachte...") Nur konnten Länder wie Italien oder Frankreich rechtzeitig die Kurve kratzen - und Österreich & Co. spielten die Opferkarte. Insofern braucht da auch niemand nach Schuld zu suchen, denn die trifft immer den Letzten. Und das war nun mal Deutschland.

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thor.z1367 21.11.2018, 21:36
7. Leider ist die Wirklichkeit ñoch schlimmer

Zitat von Ben4
Dass der Film auch als Selbstkritik verstanden werden kann, kommt dem Autor wohl nicht in den Sinn, da dieser ja den Unsinn des damaligen Verfahrens ja recht genau widergibt?! In den deutschen Qualitätsmedien ist -- neben der alltäglichen detaillierten US-Präsidenten-Berichterstattung -- zu beobachten, dass jede noch so kleine Gelegenheit genutzt wird um Kritik an der aktuellen österr. Regierung anzubringen, die nun nicht mehr den deutschen Qualitätsvorstellungen entspricht. Mag mancher Kritikpunkt berechtigt sein, so wirkt mancher in dieser Form des Österreich-Bashing schlicht banal und lachhaft ... so long and thanks ...
Man merkt sehr genau von welchen Rand sie kommen. Nämlich rechts.Das Österreich ein rechtsaussen Staat ist mit dem Hang EU Gelder und Touristengelder einzunehmen.Aber das Wort Solidarität für andre nicht kennt und da von Europa nichts wissen will. Scheint für sie normal zu sein.

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RuedigerGrothues 22.11.2018, 09:42
8. Realitätsabbildung

Zitat: "In diesem Moment wird das mittelmäßige court drama, das Froschs Film vorführt, erkennbar als österreichisches Schmierentheater."

Habe den Film (noch) nicht gesehen, aber dem zitierten Satz könnte man entnehmen, dass der Autor etwas beklagt, was der (nur damaligen?) Wirklichkeit zur Last zu legen ist und nicht dem Film, der diese abzubilden versucht - was für die Zuschauerin, den Zuschauer zugegebenermaßen wohl schwer zu ertragen ist.

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rkuenzli60 22.11.2018, 09:48
9. eines der ersten Opfer

Selber Österreicher, Grazer, und damit schwerst vorbelastet. Familie gespickt mit Alt-Nazis und Neo-Nazis, deren
Bemerkungen über historische und gegenwärtige Vorgänge im schönen Land nur noch Kopfschütteln und Unverständnis hervorrufen. Und dann den Kommentar Nr.1 über sich ergehen lassen müssen, da ist wieder die
alte Wagenmentalität die schon so oft zu bemerken war und ist. Nicht der Zustand unseres Landes ist das Problem sondern die Berichterstattung. Ja Qualitätsmedien, da fehlt noch die Elitekritik. Mann oh Mann, wäre wieder mal Zeit Qualtingers "Herr Karl" zu lesen oder sich "Die letzten Tage der Menschheit" anzutun. Vielleicht auch mal wieder ein Besuch des Jüdischen Friedhof im Wiener ZentralFriedhof, um zu sehen wer da wieder mal
mit Hakenkreuzen geschmiert hat.
Ne Österreich ist schon lange nicht mehr meins, so schön es dort ist, aber unter der sehr dünnen Farbschicht der
Spiessigkeit und Freundlichkeit einer der hässlichsten Fratzen Europas. Oban ist wenigstens ehrlich.

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