Forum: Kultur
Deutsch - ein schwieriger Fall?

Schweinsbraten oder Schweinebraten? Der Butter? Oder gar das Tunell? Deutsch ist eine Sprache voller Zweifelsfälle. Wie kommen Sie damit klar? Braucht die deutsche Sprache mehr Pflege? Der Artikel zum Thema: Bastian Sick im Chat: "Ich sage dazu Klapprechner" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur

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Reklov 18.11.2010, 14:48
6730.

Zitat von Ty Coon
Dann aber doch lieber "das folgende" (= "dies"), lieber Reklov. Wir wollen das Beste hoffen. :)
Nein. Hier ist die NRS eindeutiger als die ARS: Substantivierte Adjektive werden großgeschrieben, v. a. wenn sie Subjekt (das Folgende) oder Objekt (das Beste) im Satz sind. Im Adverbiale halte ich es allerdings mit der Kleinschreibg. der ARS: im voraus, gestern abend etc.

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Reklov 18.11.2010, 14:56
6731.

Zitat von LurchiD
Heute aber ist vor allem beim männlichen Geschlechte stark bedroht durch , ein Wesen, ...
Aber, aber. Ich erinnere mich nicht, dass Karl May Ihren Dativus generalicus appositionis verwendet hat. Also immer noch ausschließlich korrekt:

... stark bedroht durch rattus electronicus, ein Wesen, ...

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Gunhild Simon 18.11.2010, 17:46
6732.

Zitat von Reklov
Aber, aber. Ich erinnere mich nicht, dass Karl May Ihren verwendet hat. Also immer noch ausschließlich korrekt: ... stark bedroht durch , , ...
So weit so gut. Ein Kongruenzfehler wohl.

Nicht einmal von der Art, die die Dudengrammatik als gängigen, kaum noch wahrgenommenen und daher von den meisten auch nicht mehr als falsch empfundenen Kongruenzfehler der umgekehrten Sorte beschreibt.

Dieser Typ zeichnet sich dadurch aus, das die Apposition in den Nominativ übertragen wird.

Er lautet etwa so: ".. stark bedroht durch rattus electronicus, ein Rattentyp, der Buchseiten vertilgt."

Daneben ist dies aber ein Fall für das von mir gern postulierte Ins-Rechte-Lesen:

Man erkennt doch unschwer, daß der Schreiber im Gedanken an das Muster "...bedroht von ...," den Satz zu Ende so formuliert hat: " ... , einem Wesen ..."

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Gunhild Simon 18.11.2010, 18:12
6733.

Zitat von Reklov
Aber, aber. Ich erinnere mich nicht, dass Karl May Ihren verwendet hat. Also immer noch ausschließlich korrekt: ... stark bedroht durch , , ...
So weit so gut. Ein Kongruenzfehler wohl.

Nicht einmal von der Art, die die Dudengrammatik als gängigen, kaum noch wahrgenommenen und daher von den meisten auch nicht mehr als falsch empfundenen Kongruenzfehler der umgekehrten Sorte beschreibt.

Dieser Typ zeichnet sich dadurch aus, daß die Apposition in den Nominativ übertragen wird.

Er lautet etwa so: ".. stark bedroht durch rattus electronicus, ein Rattentyp, der Buchseiten vertilgt."

Daneben ist dies aber ein Fall für das von mir gern postulierte Ins-Rechte-Lesen:

Man erkennt doch unschwer, daß der Schreiber im Gedanken an das Muster "...bedroht von ...," den Satz zu Ende so formuliert hat: " ... , einem Wesen ..."

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LurchiD 18.11.2010, 19:54
6734.

Zitat von Reklov
Aber, aber. Ich erinnere mich nicht, dass Karl May Ihren verwendet hat.
Sollte jemand mich fragen, welches wohl der traurigste, der langweiligste Ort der Erde sei, so würde ich, ohne mich lange zu besinnen, antworten: Das Sprachforum im Spon, zur Forenpause vormittags um halb elf.

Diese Meinung ist allerdings nur eine rein persönliche; ein anderer würde sie wahrscheinlich bestreiten; ich aber habe heute in diesem Forum auf meinen Beitrag wartend die inhaltslosesten fünfundvierzig Minuten meines Lebens - man verzeihe mir den freilich sehr zutreffenden Ausdruck - verfaulenzt und verspielt, und als mein Beitrag wohl endgültig in einem der zahlreichen Orkoi des Forums verschwunden war, stellte ich eine vorher gesicherte Version ein, nicht bedenkend, daß ich darin noch einen Kasus hätte anpassen müssen.

Obgleich der neueingestellte Beitrag in Kürze erschienen war, und ich so am ersehnten Ziele angekommen, war ich doch ein paar Stunden später keineswegs entzückt über das Echo, welches mein Beitrag hervorgerufen hatte. Rings von hohlen, spöttischen Kommentaren umgeben, lag mein Beitrag mit dem Kasusfehler wie eine ausgedorrte Leiche in erdrückender Sonnenglut.

(nach Karl May, Satan und Ischariot)

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Ty Coon 18.11.2010, 20:19
6735.

Zitat von Reklov
Nein. Hier ist die NRS eindeutiger als die ARS: Substantivierte Adjektive werden großgeschrieben, v. a. wenn sie Subjekt (das Folgende) oder Objekt (das Beste) im Satz sind. Im Adverbiale halte ich es allerdings mit der Kleinschreibg. der ARS: im voraus, gestern abend etc.
Jedenfalls kommen die einzigen Impulse, die man noch so hört, derzeit aus der Schweiz. Ich bin mit den Vorschlägen der SOK weitgehend (und nicht "weit gehend") einverstanden, würde mir nur wünschen, daß auch eine Akzeptanz für Adelung bestehenbleibt, denn ich will nicht "Busse" mit "Busse" verwechseln.

Wo bleibt eigentlich der Feuerkopf Ickler, my great and glorious hero? Von dem hört man ja auch nichts mehr. Hat sich wohl auch schon in den Ruhestand verabschiedet. Ich gönne ihm seine Pension von Herzen, er hat sich, auch in früheren Jahren schon, sehr um die deutsche Sprache verdient gemacht.

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Gunhild Simon 19.11.2010, 09:55
6736.

Zitat von LurchiD
... Rings von hohlen, spöttischen Kommentaren umgeben, lag mein Beitrag mit dem Kasusfehler wie eine ausgedorrte Leiche in erdrückender Sonnenglut.
Ich verstehe, was Sie meinen.

Auch ich habe mich inhaltlich trotz Ihrer direkten Ansprache nicht recht zu einer Stellungnahme entschließen können: Das Eis ist dünn. Die Grundschullehrerrolle ist undankbar.

Es ist unrealistisch, Lesen als den einzigen Weg zu Rechtschreibung und Stil zu propagieren.

Zum Lesen braucht es vor allem eins: Lust. Und dann jemanden, der einen auf den Weg bringt, einem Lektüre zeigt, die gerade paßt.

Schaden kann es nie. Prägen wird es die Sprache.
Und dann gibt es ja noch den Spruch "Zeige mir, was du liest, ..."

Nur habe ich den Eindruck, daß die Wahrnehmung von Gelesenem unterschiedlich reflektiert wird.

Ich habe schon Vielleser gesehen, deren Rechtschreibung ganz unberührt war von dem, was sie da verschlungen hatten. Die hatten nur auf den Inhalt geachtet, aber keine Konsequenzen für ihr eigenes Schreiben daraus gezogen. Vielleicht erscheint diesen Lesern auch Orthographie im Verhältnis zum Inhalt banal. Auch der umgekehrte Fall scheint mir nicht abwegig - wie Sie selbst bemerken, kann Orthographie auch zur L'art pour l'art werden.

Kurz, die Pflicht lernt man in der Schule. Man pflegt sie, baut pflichtschuldigst darauf auf, um sich nicht zu blamieren, greift auf Prüfprogramme zurück, (die einen natürlich nur unzureichend vor Grammatik-, schon gar nicht vor Kongruenzfehlern schützen,) und schlägt, wenn es ernst wird, im Duden, im Wörterverzeichnis, bei den neuen Vorschriften nach.

Die Kür lernt man hierorts. Manchmal in Form bitterer Pillen, die Sie als vielgeliebter verhinderter Poet kaum zu schmecken bekamen.

P.S. Die von verworfenen Geistesblitzen überfließenden Orkoi sind wohl allen oft genug, schmerzlich genug zum Bewußtsein gekommen.

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tapuzim 19.11.2010, 17:53
6737.

Zitat von sysop
Schweinsbraten oder Schweinebraten? Der Butter? Oder gar das Tunell? Deutsch ist eine Sprache voller Zweifelsfälle. Wie kommen Sie damit klar? Braucht die deutsche Sprache mehr Pflege? Der Artikel zum Thema:
Nein!

Die deutsche Sprache sollte sanft und ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen abgelegt werden, denn nur die Toten haben die Zeit, diese Sprache zu lernen.

Mark Twain

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Reklov 19.11.2010, 20:51
6738.

Zitat von LurchiD
... in einem der zahlreichen Orkoi des Forums verschwunden ...
"orkoi" als Plural von griech. orkos: im Gemoll gibt's nur horkos (Eid etc.). Der Stowasser hat keine Etymologie zu lat. Orcus; also ist dies ein genuin lat. Wort und als Raumbegriff für die Unterwelt nicht pluralfähig, so wie es auch für das entsprechende griech. haides keinen Plural gibt.

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LurchiD 20.11.2010, 23:20
6739.

Zitat von tapuzim
Die deutsche Sprache sollte sanft und ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen abgelegt werden, denn nur die Toten haben die Zeit, diese Sprache zu lernen. Mark Twain
Und Mark Twain schreibt über die deusche Sprache auch:

It is as bad as Latin
.

Huck Finns Vater hätte das nicht besser ausdrücken können.

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