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Deutsche mit Zonenhintergrund: Willkommen im Club
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Was haben eine Frau mit Kopftuch und ein Mann mit sächsischem Dialekt gemeinsam? Von beiden wird einer Studie zufolge oft erwartet, dass sie sich besser integrieren und von Extremisten distanzieren. Was lernen wir daraus?

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Kasob 06.04.2019, 12:44
1. Ich bin Ostdeutscher

Worein soll ich mich integrieren? Ich wähle nicht extremistisch und gehe einer Arbeit nach. Halte mich an die Gesetze und spreche die Sprache der Einheimischen, fast Akzentfrei (Dialekt). Meine Vorfahren leben seit hunderten von Jahren hier. Bin jetzt schon ein Westdeutscher, oder ein Deutscher oder ein Deutscher mit Migrationshintergrund? Oder ist mir das alles egal?

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spon-facebook-10000031099 06.04.2019, 12:58
2.

Ach du meine Güte. Nur mal so als Denkanstoß: Wenn ein Viertel oder mehr der Ostdeutschen der Meinung sind eine Partei mit verfassungsfeindlichen Zielen zu wählen, dann sind sie offensichtlich nicht bei "unseren Werten" angekommen, denn "unsere Werte" sind in dieser Verfassung niedergeschrieben.

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Wirrrkopf 06.04.2019, 13:06
3. Vorurteile sind defintiv gegenüber Ostdeutschen vorhanden!

Wenn ich von einem Kollegen/Bekannten höre das er aus Ostdeutschland kommt dann gehen bei mir automatisch die Vorurteile hoch: Dialekt, wahrscheinlich AfD oder Linken Anhänger, mißtraut der Presse und glaubt eher Fakenews, wenig an Umweltschutz interessiert, Autoliebhaber, Raser und gegen Geschwindigkeitsbegrenzungen usw. usw.

Ja das SIND Voruteile. Aber sie definitiv da und der arme Ostdeutsche muss mir erstmal "beweisen" das er diese nicht erfüllt. Da ist er kein Deut besser dran als der Ausländer. Als eher "linker" original Deutscher hat der Ossi eher sogar einen Nachteil in meinem Vorurteilskatalog gegenüber Ausländern von denen man als Großstadtbewohner viele kennt die gut integriert sind.

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Sleeper_in_Metropolis 06.04.2019, 13:20
4.

Zitat : "1. Niemand wird als Muslim, Migrant oder Ostler geboren - das sind beliebige künstliche Kategorien, in die Menschen geordnet werden."

Nicht ganz. Als Ostler wird man sehr wohl geboren, das bezeichnet nämlich (nur) eine ganz bestimmte, klar abgegrenzte geografische Region. Bei einem "gebürtigen Hamburger" ist die Definition ja auch ganz eindeutig.

Zitat : "Vor einem Jahr rief ich in meiner Kolumne dazu auf, eine Randgruppen-Allianz zu bilden und die "Patriotischen Ossi-Ausländer gegen die Wessifizierung des Abendlandes" zu gründen. Das war natürlich ein Scherz, aber die Allianz-Idee meine ich nach wie vor ernst. "

Theoretisch eine gute Idee, nur wird das wohl leider schon daran scheitern, das große Teile der Mitglieder dieser Allianz alles andere als Homogen wären. Den das anders sein alleine schweißt leider lange nicht so sehr zusammen, wie es wünschenswert wäre. Den AfD-sympathisierenden Ostdeutschen und den Westdeutschen mit Migrationshintergrund verbindet außer dem tlw. empfundenen nicht-dazugehören nämlich nicht nur nichts, sie sehen sich oftmals auch ziemlich klar als Gegner. Aber trotzdem ernst gemeint viel Glück bei dem Versuch der Allianzschmiedung.

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dasfred 06.04.2019, 13:22
5. Warum muss man alles aufdröseln

Ich lebe hier in Hamburg. Hier leben Menschen aus allen Teilen der Welt mit und nebeneinander. Manchmal trifft man sogar Hamburger ohne Migrationshintergrund. Die sind aber sehr selten. Irgendein Vorfahr kommt aus Niedersachsen, Italien der Türkei oder Vietnam. Jeder lebt sich auf seine Weise ein und bildet seine Netzwerke meist unabhängig von der Herkunft. Man kann aus seinen Wurzeln natürlich auch ein Problem konstruieren. Für fast alles im Alltag spielt nicht die Herkunft, die Religion oder die Hautfarbe eine Rolle, sondern wie weit man bereit ist, auf andere zuzugehen und andere zu akzeptieren.

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scratchpatch 06.04.2019, 13:33
6. Diskriminierer und Diskriminierte

Nicht vergessen, Frauen werden auch diskrimiert, Kinder mit bildungsfernen Eltern werden benachteiligt, gleichgeschlechtliche Paare, Behinderte werden oft ausgegrenzt. Noch komplizierter wird es, dass in der einen diskriminierten Gruppe (z.B. Migranten) wiederum andere Gruppen diskriminiert werden können, z.B. in Form von Antisemitismus, Homophobie etc..
Am besten wäre es, wenn sich jeder selbst in Bezug auf Toleranz, Ausgrenzung von anderen selbstkritisch prüft und nicht nur Forderungen an andere stellt.

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feldherbert 06.04.2019, 13:39
7. Es gibt keinen ostdeutschen Dialekt.

Erinnert mich an meinen ersten Job im Westen. Die Mitarbeiter der Poststelle wunderte sich das ich als Mecklenburger kein "ostdeutsch" also "sächsisch" sprach. Wissenstechnisch also bis heute im Westen nichts Neues. Und als Anekdote, als mein Vater mich mal in Karlsruhe besuchte sagte er "die sprechen hier ja ein komisches Sächsisch". Damit kann ich mir bekannte Badener noch heute ärgern.

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Dr. Kilad 06.04.2019, 13:44
8. Ein typisch deutsches Problem?

Nicht einmal für eine erfolgreiche Wiedervereinigung fähig? Deutschland war ja immer schon ziemlich nationalistisch, aber nicht gerade fähig eine stabile Nation zu bilden. Ebenso waren es häufig die Ausländer, die Deutschland zum Erfolg brauchten, ob nun als Zwang- oder Gastarbeiter. Schon Goethe hier Deutschland für zurückgeblieben. Dass sich da nicht viel geändert hat, zeigt die Studie. Auch der Hang zur Gewalt ist keinme neue deutsche Erfindung.

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osnase92 06.04.2019, 13:46
9.

Fraglich, ob diese Kolumne den erwünschten Effekt erzielt. Ostdeutsche fühlen sich sowieso schon abgehängt. Sie nun auch noch in eine zweite Klasse Rolle zu drängen, wird es nicht bessern.

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