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Deutsche mit Zonenhintergrund: Willkommen im Club
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Was haben eine Frau mit Kopftuch und ein Mann mit sächsischem Dialekt gemeinsam? Von beiden wird einer Studie zufolge oft erwartet, dass sie sich besser integrieren und von Extremisten distanzieren. Was lernen wir daraus?

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vs.Wir&Die 06.04.2019, 13:52
10. @spon-facebook-10000031099

Dass das mit der Unterscheidung zwischen antidemokratischen Ossis und Saubermann/Frau Wessis Quatsch ist und die Unterschiede eher fließend sind sieht man spätestes dann, wenn man sich ein paar Zahlen ansieht - so auch an Ihrem Beispiel "Zuspruch für die AfD" https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage ...unter Einbezug ergänzender struktureller Unterschiede in der Bevölkerungszusammensetzung in die statische Auswertung würde der Unterschied hier vermutlich noch geringer

Auch nach Betrachtung der Ergebnisse folgender Studie_
http://home.uni-leipzig.de/decker/Leipziger „Mitte"-Studie_Stellungnahme.pdf
"Unterschiede zwischen Ost und West lassen sich am Thema Ausländerfeindlichkeit festmachen. Während im Altbundesgebiet mit einem höheren Migrantenanteil lediglich 33,5 Prozent der Befragten der Meinung sind, die Bundesrepublik werde durch viele Ausländer in gefährlichem Maße überfremdet, sind es im Osten immerhin 35,2 Prozent. Noch klarer wird es bei der Behauptung: „Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen“. Dem pflichteten 38,5 Prozent im Osten, aber nur 30,4 Prozent im Westen bei. Zu Thesen „Wie in der Natur sollte sich in der Gesellschaft immer der Stärkere durchsetzen“ verstiegen sich in den neuen Bundesländern 12,2 Prozent, im Altbundesgebiet lediglich 7,3 Prozent. Folgerichtig räumten unter den 14- bis 30-Jährigen und den 31- bis 60-Jährigen im Osten auch beinahe 25% (West 20%) ein, ausländerfeindlich zu sein."

_wird deutlich, dass gilt was der Artikel schon sagt - die Unterscheidung von Menschen in Muslim, Migrant oder Ostler / Westler anhand beliebiger künstlicher Kategorien dieser Art ist das eigentliche Problem.

Wir müssen durchsetzen was wir als Gesellschaft befürworten und was das ist ist klar formuliert und bedarf eigentlich keiner neuen Definition.

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dirkloechel 06.04.2019, 13:54
11. Ungeschicktes Beispiel

"Oder können Sie sich vorstellen, dass jemand mit ostdeutschem Akzent genau so stark diskriminiert wird wie eine Frau mit Kopftuch?"

Tatsächlich ja. Das Beispiel ist unglücklich gewählt, denn genau da gibt wes wirklich analog Diskreminierung. Oder können sie mir auch nur eine Fernsehsendung, einen deutschen (Fernseh)Film nennen, in dem Leipziger Sächsisch (das wo "Ja" aus dem tschechischen entlehnt ist ("nu") und Nein ein animalischer Laut des Verneinens ("eh, äh") ist) gesprochen wird? Nicht in Soko Leipzig, nicht im Leipziger Tatort .... wenn einem dieser Dialekt begegnet, dann zur Vorführung in einem der entsprechenden Privatformate, und selbst da ist es selten, und dann üblicherweise untertitelt, wie Bayrisch oder Schwäbisch das nie ist. Wenn Sie in Leipziger Sächsisch irgendwo aufschlagen und sich bewerben bekommen sie mindestens mitgeteilt, dass Sie an ihrem Dialekt arbeiten müssen; wahrscheinlicher ist, dass man, zumal südlich der Donau, dann lieber den Fachkräftemangel beklagt als Sie einzustellen.

Dass man als Leyla Öztürk (oder, noch schlimmer, Ali al-Samel) deutlich schlechtere Erfahrungen bei Bewerbungsgesprächen macht als als Cindy Bargende oder Ronny Schleubitz ist sicher richtig. Aber gerade der Dialekt ist eine nicht zu unterschätzende Hürde für Ostdeutsche, weswegen viele gen westen Aufgebrochene den auch ablegen.

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DiggaAlla 06.04.2019, 13:57
12.

Ostdeutsche und muslime haben keine lobby. Dass man das im zusammehang mit menschenrechten und toleranz in deutschland sagen muss, ist schon interessant.

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leserlich 06.04.2019, 14:06
13. Tja, Herr Wirrkopf,

kennen sie Ostdeutsche? Wenn ich auf Westdeutsche treffe, denke ich auch zuerst an Kategorien wie Überheblichkeit, Besserwisserei, Gewinnmaximierung, Selbstbezogenheit und auch, siehe an, Autoliebhaberei, Raserei. Und das, obwohl ich jahrelang im "Westen" gewohnt habe. Derjenige muss mir aber erstmal nix beweisen. Sondern ich muss ihn vorallem kennenlernen und selbst sehen, dass ich genau das nicht in ihm sehe. Erst dann kommt das andere.

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mimas101 06.04.2019, 14:09
14. tststs

Ich als Neubürger-Ossi mit jahrzehntelangem Wessi-Migrationshintergrund kann nur sagen:
1. Es sprechen weniger Sachsen, eigentlich nur J. Weißflog, sächsisch als gedacht und der Osten hört nicht nur bei Dresden im berühmten Tal auf.
2. Hätte hätte, Fahrradkette, also eher in den frühen 80ern, die DDR-Industrie so richtig exportmäßig aufdrehen können dann wäre unser Wessi-Wohlstand heute nur halb so hoch.
3. Hätten die Deutschen West und Ost damals, also vor der Wende, mal einen deutsch-deutschen Urlaubstourismus gepflegt dann wäre heute Neuschwanstein, der Titisee und das Allgäu ein "Wie bitte, ist das was zum Essen?" anstelle von...

Was sagt uns das? Die Ossis sind genauso blütenweiße Deutsche wie die Wessis auch und Wessi-Land hätte es gut getan das eine oder andere von der Ex-DDR Eins zu Eins zu übernehmen, also so nach der Wende.
Richtig ist aber: Die DDR ist dünner besiedelt, hat kaum bis eher nicht gehypte 7-Sterne-Nobelhotels an jeder Ecke kann aber dafür mit familienfreundlichen Urlauben dienen. Und nicht nur das: Wenn ich mir die durchschnittliche Familiengrößen hier so ansehen bestehen begründete Aussichten das in 100 Jahren der Ossi die Majorität in Gesamtdeutschland stellen wird.

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globalundnichtanders 06.04.2019, 14:27
15. Lustig

Gerade in so einem Text heißen die Ossis dann Kevin und Maik...

Dass ein nicht unerheblicher Teil der Ostdeutschen die extremen Parteien am linken und rechten Rand wählt, zeigt, dass da noch viel Integrationsarbeit notwendig ist.

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Hythlodeus 06.04.2019, 15:13
16. Falscher Vergleich

Allein die krampfhafte Bemühung eine Frau mit Kopftuch und einen Sachsen zusammenzubringen ist neben der Spur.

Ein Sachse wird in Sachsen geboren, kann da nichts dran machen. Eine Frau muss kein Kopftuch in D tragen. Kann sie was dran machen, das dieses Zeichen nicht ein Negativum auf sie wirft.

Außerdem sind Menschen, die sich ein Zeichen an sich setzen und somit ein eine persönliche Botschaft vermitteln, immer der Gewissheit ausgesetzt, dass dieses Zeichen nicht von allen verstanden wird oder werden will.

Warum schreibt die Kolumnistin also so etwas ?

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stefan taschkent 06.04.2019, 15:22
17.

Zitat von Wirrrkopf
Ja das SIND Voruteile. Aber sie definitiv da und der arme Ostdeutsche muss mir erstmal "beweisen" das er diese nicht erfüllt. Da ist er kein Deut besser dran als der Ausländer. Als eher "linker" original Deutscher hat der Ossi eher sogar einen Nachteil in meinem Vorurteilskatalog gegenüber Ausländern von denen man als Großstadtbewohner viele kennt die gut integriert sind.
Da kommt ja eine Menge zusammen bei Ihnen. "Original Deutscher" sind Sie also? So richtig zwischen den Zeilen gelesen haben Sie aber nicht bei dem Artikel, oder? Gibt es statistisch im Westteil weniger Autofahrer als im Ostteil? Ich hab mir das gerade mal bei Statista angeschaut: In Bayern pro Kopf 0,62, in Sachsen 0,52. Und warum muss Ihnen irgendwer irgendwas beweisen? Das lässt dann doch tiefer blicken, auch wenn Sie Ihre Vorurteile als solche erkennen und benennen.

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ghp2 06.04.2019, 15:37
18.

Ich ertappe mich immer wieder dabei Vorurteile zu haben und stelle oft fest, dass sie Blödsinn sind und manchmal, dass sie stimmen.
Und die meisten Vorurteile sind visa versa. Als hätte der Ossi keine Vorurteile gegenüber dem Wessi oder der Moslem keine gegenüber den christlichen Abendländern.
Da soll doch glatt ein Mann als Erzieher im Kindergarten anfangen und die Elternschaft flippt aus. Ob der jetzt Ossi und/oder Moslem ist ist
da ne' komplett sekundäre Frage.

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claus7447 06.04.2019, 16:02
19. Klar habe ich Vorurteile

Und wer hat sie nicht. Da gibt es unterschwellige Wahrnehmungen die hochpopen. Ich habe beides erlebt. Tiefverwurzelten Fremdenhass. Wohl schon zu DDR Zeiten eingeprägt. Würde auch immer wieder bestätigt, wenn es im Gespräch in unserer sächsischen Filiale um Kubaner oder vietnamesen ging (Angolaner waren auch betroffen). Umgekehrt hätte ich Praktikanten aus Thüringen, Sachsen Anhalt weltoffen, neugierig und unglaublich zielorientiert.

Aber Hoyerswerda, Chemnitz prägen sich ein und bleiben. Wenn dann noch unschöne Berichte über rechtslastige Polizei wie Politiker hinzukommen.

Ich werde mich da wohl mit Integration schwertun.

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