Forum: Kultur
Deutscher Beitrag in Venedig: Wie ätzend will man sein?
Francesco Galli/ La Biennale di Venezia

Besucher der Kunstbiennale haben Schwierigkeiten mit dem deutschen Beitrag. Abweisung, Auskunftverweigerung und Anonymität sind Teil der Idee - doch lohnt sich ein Werk, das Menschen nicht erreicht?

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saumhuhn 20.05.2019, 21:47
1. Desorientiert bis ins Detail

Süder Happelmann müsste natürlich in Wirklichkeit Süder-Happelmann heißen. Aber soweit denkt die Gute schon nicht. Bin ich naiv? Ich hoffe inständig, dass für den Mist keine Staatsgelder geflossen sind. Möge sich die Künstlerin mit ihrem Steinkopf bis zum Lebensende schmücken!

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berno_h 20.05.2019, 21:48
2. kunst muss nicht schön sein

kunst muss auch nicht bequem sein. wer entspannung und entzückung sucht, ist mit einer kunstaustellung dieses "kalibers" auch einfach falsch beraten. kunst wirkt, wenn sie gut ist. und wenn der anblick einer staumauer für unbehagen sorgt, hat der künstler schon mal grundlegendes richtig gemacht. dieses unbehagen sollte uns jedoch nicht unbekannt sein, da zahlreiche politiker die angst der bürger mit dem bild einer flüchtlingsflut geradezu getriggert haben. die mauer und die aufgestaute blindheit scheinen hier wesentlich bedrohlicher zu wirken als der stete fluss der menschlichkeit, sei sie auch fremd. wer mauert, setzt sich eh meist selber steine in den weg.

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brooklyner 20.05.2019, 22:15
3.

Ich fand ja schon Anne Imhofs Arbeit sehr anstrengend, obwohl sie am Ende sogar mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde und ich sie persönlich als Mensch sehr gerne mag und manche Kippe mit ihr geraucht habe, aber dieses Machwerk hier ist wohl zu recht bald vergessen.

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klima66 20.05.2019, 22:47
4. Wunst - es ist Wunst !

Süder Happelmann mit Pappmaschee auf dem Hals.
Danke, ein toller Beitrag, bringt uns echt weiter !

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Gmorker 20.05.2019, 23:23
5. Erklärungsbedarf...

Ich persönlich halte nichts von Kunst, die ohne seitenlange Erklärungen nicht "wirkt". Kunst darf ja gerne auch mal verstörend wirken und muss die Betrachter ja nicht zwangsweise zum Lächeln bringen, aber wenn Ratlosigkeit der vorherrschende Effekt ist, dann ist die Installation für mich daneben gegangen und zwar auch dann, wenn Ratlosigkeit der geplante Effekt war.

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peterle3 20.05.2019, 23:50
6. Nun ja

Wir werden wieder hinfahren, und vor Ort reagieren wie WIR das für sinnvoll halten. Auch 2017 gab es viele Arbeiten zum Thema Flüchtlinge, am interessantesten fand ich die Arbeiten aus Schwarzafrika, die die dortige Aufbruchsstimmung zeigten, ganz im Gegensatz zu der Untergangsstimmung hierzulande. Aber muss man da noch mal "aufmerksam" machen? Das Thema ist bekannt, es geht um die Lösung von Zielkonflikten, denn 100 Mio. oder 1 Mrd. Leute aus Afrika passen halt beim besten Willen nicht nach Deutschland rein. Nun ja, wir werden sehen.

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mccornickxy 21.05.2019, 00:13
7. Well done Touris___ Total schlimmes Problem .. .

wohl viel schlimmer, als die derzeitige Überschwemmung von Venedig ?\


Es ist doch bekannt, dass die Holzbalken eueren (nur was für Reiche) großen Touristenschiffen weichen .


Wohlmöglich ist es doch ein sehr gutes Schicksal,
dass Venezianer kaum noch (wegen der überteuerten Wohnungssharing-Börsen) in der Stadt leben.

Dann endet es nicht wie in Pompei. Nur Touris &n Auswärtige als Opfer_ nur mit den Verursachern

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BrunoGlas 21.05.2019, 03:17
8. Körperwelten auf der Biennale

Es dreht sich doch alles um die Frage, ob die Darstellung von Kunst in verschlüsselter Form stattfinden soll, oder eben unverschlüsselt. Bleibt es bei der Verschlüssellung als ästhetische Position, ist der künstlerische Prozess meist abstrakter, in der Konsequenz viel schwieriger durchzuhalten. Gerhard Richter oder der in Düsseldorf lebende Reinhard Mucha repräsentieren diese Position, aber auch sonst viele meist ältere Künstler von Weltrang.

Aus Sicht des Rezipienten ist solche Kunst oft monumental einfach, alle Potentiale sind quasi verinnerlicht. Er sieht sich einer Kraft gegenüber, die er lange auf sich wirken lassen muss - im Abgleich mit seiner eigenen Biografie, mit schon eh verschlüsselten Orten und inneren Bildern. Eine politische Aussage ist bei solcher Kunst nur über Umwege zu erfassen, vieles ist nur in der Vita des Künstlers begründet.

Dass Künstler, wie jetzt auf der Biennale in Venedig zu sehen, von der Curatorenseite so gewollt, nun selbst regelrecht die Flucht antreten, die Flucht aus der Verschlüsselung hinaus, und sich dem Thema der weltweiten Fluchtbewegungen öffnen, zeigt mir nur, dass der eher klassische Typus Künstler, der Künstler als Schamane unserer eigenen amorphen Innenwelten, auch als geachteter Vertreter der alten abendländischen Geisteseliten, nun völlig ausgedient hat.

Die Frage ist doch letztlich, ob angesichts der Masse der nur für die Biennale konzipierten Kunstwerke, Kunst als designte Kunst mit voller Absicht auf das eine Thema Flucht und Flüchtlinge ausgerichtet, mit kalkuliertem Schaudereffekt, aber auch mit gut orchestrierter Nachdenklichkeit, die früheren Kriterien Kunst noch gelten sollen. Und, wo bleibt die Nachhaltigkeit, das echte lang anhaltende Nachwirken, wenn die Kunst gleich den Schlüssel zu ihrem Verständnis schon mitliefert.

Leider bin ich zu faul, um mal eben schnell um die Ecke nach Venedig auf die Biennale zu flitzen, sonst könnte ich meiner Vermutung mehr Raum geben und belegen. Ich behaupte. dass die Mehrzahl der Werke, die sich genau mit dem Thema globale Fluchtbewegung und Flüchtlinge befassen, im Grunde mit Kunst wenig zu tun haben und kaum Halbwertzeit zur wirklichen Verarbeitung als Faktor Kunst bieten.

Allerdings bin ich mir schon bewusst, dass im Hintergrund der kuratorischen Bedingungen es auch um solche Diskussionen geht: Kunst und Künstler im Kontext einer schon verblassenden Elitendiskussion, oder Kunst als wahrhafte Repräsentanz einer unmittelbaren realen - echten - Weltwahrnehmung – der globale Schrecken als modernes ästhetisches Kriterium. Womit wir wahrscheinlich wieder bei den Eliten wären, den neuen Eliten auf der Biennale, für die das wirklich Echte und die wirkliche ästhetische Qualität aus dem Schrecken resultiert – oder die Körperwelten des Prof. Gunter von Hagen jetzt auch auf der Biennale zu sehen, mit echten Flüchtlingen als Plastinate, rennt alle hin.

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sunny strobe 21.05.2019, 04:33
9. (B)(I)-AN(N)ALE von Venedig?

Wo , ach wo, ist der Venezianische Zauber geblieben? Die Deutschen sind nun mal Meister im Betonieren..., im eigen-sinnigen Tief-Sinnieren..., Spintisieren.., Sym-Bolisieren u.v.a.m., und sie woll'n's den Andern mal wieder 'richtig' zeigen; wie sagte mein Herr Vater immer so gerne:
Kunst kommt von: 'Koennen' -
(Kaeme es von 'Wollen', dann hiesse es: 'Wunst'.)

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