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Deutscher Buchpreis: It's a book!

Ein Wirbel wie um das Royal Baby: Der Deutsche Buchpreis steht für die Boulevardisierung des Literaturbetriebs. Doch der beste Roman des Jahres lässt sich nicht nach dem Castingshow-Prinzip ermitteln.

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muskat51 07.09.2013, 14:43
1. Deutsche Sprache -schwere Sprache

Bei aller Begeisterung (auch diesmal!) für Frau Bergs Beiträge, diesmal muss ich nachfragen: Was ist der Unterschied zwischen Verkauf und Abverkauf und warum hat man noch nie von dem Wort "Anverkauf" gehört?

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Antoninus 07.09.2013, 14:48
2. Saisonal

"Ulysses" oder "Der Mann ohne Eigenschaften"? Nabokov oder Arno Schmidt?" [Zitat-Ende!] Alle diese Namen bzw. Titel haben sich erst nach Jahren oder Jahrzehnten zu "preiswürdigen" Nennungen entwickelt. Und sie dienen heuer - im Digitalismus - nur als Angebereien im literarischen Sektor. Beispiel Schmidt: Er wird nicht mehr komplett aufgelegt. Ja, bei ebay lässt er sich billig ersteigern. Wer liest sie? Bis zum Abitur kommt keiner die EhrWürden in Frage. Danach bietet sich nur noch der digitale KleinKram für e i n e Saison an.

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Antoninus 07.09.2013, 15:07
3. Neues vom "pressenden" Buchhandel

Zitat von muskat51
Bei aller Begeisterung (auch diesmal!) für Frau Bergs Beiträge, diesmal muss ich nachfragen: Was ist der Unterschied zwischen Verkauf und Abverkauf und warum hat man noch nie von dem Wort "Anverkauf" gehört?
Im Kommentar zu einer Berg-Glosse fragt muskat51 als aufmerksamer Leser nach dem unschicklichen „Abverkauf“.
Abverkauf und Anverkauf? Also nicht länger oder weiterhin simpel und sachlich Einkauf und Verkauf?
Wikipedia belehrt uns über die besonders pressige Form des Abverkaufs. Das „geht“ wie im Fußball: Pressing ist der große Schlager: Ran an den Feind, pardon: den Kunden.
Abverkauf

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Herr Hold 07.09.2013, 15:22
4. Abverkauf

Zitat von muskat51
Bei aller Begeisterung (auch diesmal!) für Frau Bergs Beiträge, diesmal muss ich nachfragen: Was ist der Unterschied zwischen Verkauf und Abverkauf und warum hat man noch nie von dem Wort "Anverkauf" gehört?
Als Abverkauf wird vor allem im Einzelhandel ein Aktionsverkauf bezeichnet, bei dem zeitlich, räumlich oder sortimentsbezogen besondere Kaufanreize geboten werden. Diese können in Form von Rabatten oder Preisausschreiben (Verkaufsförderung), aber auch in einer gesteigerten Besuchs- und Gesprächsfrequenz beim Einzelhandel durchgeführt werden."
Wiki

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Spiegelkritikus 07.09.2013, 15:32
5. Preise und Absatz

Zitat von sysop
Ein Wirbel wie um das Royal Baby: Der Deutsche Buchpreis steht für die Boulevardisierung des Literaturbetriebs. Doch der beste Roman des Jahres lässt sich nicht nach dem Castingshow-Prinzip ermitteln.
Der "beste" Roman des Jahres dürfte schlicht der sein, der sich nach Ansicht von Marketing-Experten des Literaturbetriebs am besten verkaufen lässt. Betriebe brauchen nun mal Um- bzw. Absatz, um Gewinne zu realisieren. Die Ermittlung des Preisträgers ist dabei jedoch weit weniger "demokratisch", als bei den berühmt-berüchtigten Casting-Shows, wo die Wettbewerber um die Gunst eines breiteren Publikums buhlen müssen.

Das lesende Publikum dagegen bekommt den Preisträger einfach vorgesetzt und hat erst hernach die Möglichkeit, sich selbst ein Urteil über die Preiswürdigkeit des betreffenden Buches zu bilden. Insofern hinkt Frau Bergs vergleich mit Casting-Shows.
Zu einer fairen Preisermittlung müssten im Buchsektor alle Neuerscheinungen seit der letzten Preisvergabe sowohl von "Literaturexperten" studiert als auch einer möglichst breiten interessierten Öffentlichkeit nähergebracht gebracht werden, zum Beispiel in Form von Lesungen in Rundfunk und Fernsehen. Dann müssten Experten und Laien zu einem demokratischen Urteil (per Abstimmung) kommen. Jury- und Laienurteile müssten noch irgendwie gewichtet werden, zum Beispiel 40/60. Falls sich kein klarer Gewinner ermitteln lässt, sollten wie beim naturwissenschaftlichen Nobelpreis auch mehrere Kandidaten ausgezeichnet werden können.

Aber so ein Aufwand nur wegen eines Preises? Die Verlage wollen doch eigentlich nur verkaufen und ein "ausgezeichnetes" Buch verkauft sich eben besser - so wie der Bauer für seine preisgekrönte Kuh einen besseren Preis auf dem Viehmarkt erzielt als für ihre nicht prämierten Schwestern. Ob er nun wirklich die "beste" Kuh hat, ist ihm normalerweise einerlei.

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lorn order 07.09.2013, 15:52
6. objektive Kriterien

Zitat von sysop
Ein Wirbel wie um das Royal Baby: Der Deutsche Buchpreis steht für die Boulevardisierung des Literaturbetriebs. Doch der beste Roman des Jahres lässt sich nicht nach dem Castingshow-Prinzip ermitteln.
Um allen etwaigen Ungerechtigkeiten vorzubeugen, könnte man doch die Preisvergabe an objektiv messbare Kriterien knüpfen, damit nicht die Willkür einer Jury über Wohl und Wehe von Büchern entscheidet.

Als objektive Kennzahlen bieten sich an:
Anzahl Seiten, Anzahl Wörter, Anzahl Sätze
Anzahl Hauptsätze, Anzahl Nebensätze, Anzahl Rechtschreibfehler.

Diese Grundwerte könnte man miteinander verknüpfen, ins Verhältnis setzen, weitere Werte hinzuziehen wie die durchschnittliche Satzlänge usw. und noch ein paar mathematische Tricks durchführen.

Zu diesen technischen Größen könnten noch das Genre, die Anzahl der handelnden Personen usw. nach wohldefinierten Algorithmen hinzugezogen werden.

So wird für jedes Buch eine Buchpreiszahl ermittelt. Das Buch mit dem höchsten Wert erhält den Preis.

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bold_ 07.09.2013, 16:41
7. Die Heuer

Zitat von Antoninus
Und sie dienen heuer - im Digitalismus - nur als Angebereien im literarischen Sektor.
ist der Lohn der Seeleute!

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dequincey 07.09.2013, 16:46
8. Er wundert sich durchaus und das ist auch vollkommen richtig so

Zitat von sysop
Ein Wirbel wie um das Royal Baby: Der Deutsche Buchpreis steht für die Boulevardisierung des Literaturbetriebs. Doch der beste Roman des Jahres lässt sich nicht nach dem Castingshow-Prinzip ermitteln. Er wundert sich nicht über den Entscheid des Nobelpreis-Komitees. Und das ist auch vollkommen richtig so.
Die Vergabe, bzw Nichtbrücksichtigug bei der Vergabe des Nobelpreis, als Krone in den jeweiligen Wissenschaften oder Disziplinen, erregt immer wieder Verwunderung, z.B. das Lise Meitner nicht zusammen mit Otto Hahn geehrt wurde, Oder vielleicht der größte Fehler, das man Mahatma Gandhi ignorierte. Nun, dafür hat ja Barack Obama den Preis bekommen, wobei mir doch glatt entfallen ist, für was er geehrt wurde.

Aber zurück zu den Büchern. Verehrte Frau Berg, profitieren Sie nicht auch von der zunehmenden Kommerzialisierung im Literaturbetrieb, wobei man in diesem Fall Literatur nicht als Synonym für geschrieben Kunst begreifen darf, sondern eher als geschriebene leicht konsumierbare Zeitzerstreuung, so wie Computerspiele oder Fernsehn. Kein Anspruch, außer schnell Geld zu machen. Die Literaturpreise entsprechen dann dem Oskar, da feiern man ja auch nicht wirklich den besten Film oder die beste Schauspielerin. Auch da geht es doch nur um die Förderung des Abverkaufs.

Welche Bücher bleiben werden, also wirklich Wert haben, entscheiden die Generationen nach uns. So wie wir heute Goethe wählen und nicht August von Kotzebue, seinerzeit der erfolgreichste Dramatiker. Vielleicht ist Ihnen, verehrte Fr. Berg, auch dieser Erfolg beschieden und sie werden einstmals in einem Atemzug mit Goethe, Hesse und Brecht genannt. Was zählt da heute schon ein Verkaufspreis.

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Rickie 07.09.2013, 16:50
9. Bestes Buch?

Ich habe noch nie gelesen, dass ein "bestes Buch" ausgezeichnet worden sei. Sondern nur "Buch des Jahres". Ich denke, angestrebt wird, ein Buch auszuzeichnen, das vielen gefällt und irgendwie interessant ist und sich wenigstens ein bisschen von der Masse abhebt. Aber eben: Es muss trotzdem der (Leser-)Masse gefallen. Quadratur des Kreises. Man sollte es nicht so wichtig nehmen. "Gerechtigkeit" würde ich jetzt hier nicht anstreben wollen. Und, ja, je nachdem, wie ich gerade drauf bin, finde ist "Buch des Jahres" für mich eher ein Ausschlusskriterium.

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