Forum: Kultur
Deutsches Kino: Bedeutungslose Bedeutsamkeit
Georges Pauly/ ZDF/ Senator

Mit Christian Schwochows "Deutschstunde"-Verfilmung startet am 3. Oktober wieder staatsbürgerliches Erziehungskino. Wie so viele deutsche Filme hat er weder über die Vergangenheit noch über die Gegenwart etwas zu sagen.

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samrong 02.10.2019, 14:03
1.

Danke für die Abschreckung. Genau um solche Filme mache ich einen weiten Bogen.

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Sinderion 02.10.2019, 15:05
2. Das ist nur Ihre Meinung

... wie Hans Immer und Bruno Koob schon wussten. Ich werde mir den Film ansehen, denn so ein Film ist immer noch unendlich besser als die nächste neudeutsche Komödie oder ein Tatort(-derivat).
Ich habe noch persönlich mit Zeitzeugen und Opfern des Holocaust sprechen können und finde, jede Minute Zeitgeist, Erinnerung, Rekonstruktion und Erzählung der Zeit ab Weimar bis zum Ende der Nazis ist es wert, erlebt zu werden.
Lustig auch, dass dieser Kommentar von Frau Pilarczyk einen Tag nach Sidos Totalausfall veröffentlicht wird, wonach man sich ja nicht für Geschichte zu interessieren braucht. Viele Verweigerer tun das nämlich mit dem gleichen Ansatz wie die Kommentatorin - man will nicht "staatsbürgerlich erzogen" werden.

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nickdrake 02.10.2019, 15:27
3. Besser...

... die Peter - Beauvais - Fassung von 1971 mit einem
überragendem Arno Assmann anschauen.
Läuft derzeit auf youtube.

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wjr69 02.10.2019, 15:45
4. Wenn Hannah Pilarzcyk..

einen Film furchtbar findet, muss er gut sein.

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Bergbauernbua 02.10.2019, 16:11
5. Überraschung gelungen

Nun, ich habe mich vergewissert ob ich mich nicht im" Welt" Kommentarfeld eingeloggt habe. Nein, ich bin im SPON Forum und muss mich angenehm überrascht zeigen.
Lustig der verweis auf die 1968 und siehe da, auch in meinem Bücherschrank befindet sich die "Deutschstunde".
Wie schrieb damals die Welt am Sonntag (A.J. Andreas):
"Nichts an dieser Deutschstunde ist langweilig. Für Siegfried Lenz ist sie eine große Stunde. Für seine Leser ist es ein Roman, den sie nicht nur einmal lesen werden".
Ja so ist das mit den Pflichtlektüren der Alt68 er....
Und das "Erziehungsfernsehen" kann nur der produzieren, der auf einen Rundfunkbeitrag zurück greifen kann, den jeder pro Wohnung zahlen muss.
Ich mag kein Erziehungsfernsehen, auch keine Erziehungstatorte, auch keine absurden Tatorte oder Polizeirufe 110 jenseits der
Wirklichkeit.
Aber es besteht für die Produzenten solcher Filme ja immer die Chance auf eine Auszeichnung, sei es ein Emmy oder gar ein Oscar.
Das deutsche Kino ist lange tot, entweder es langweilen Komödien oder Vergangenheitsbewältigungs- Filme.
Die Stars des deutschen Kinos sind überwiegend unbekannt es sei denn, man sucht einen Bösewicht für einen Nazi-Film oder einen Stasi-Film. Da sind auch schon einmal Oscars dabei.
Zur Wahrheit gehört aber auch, die Naziverbrecher haben auch dem deutschen Film den Garaus gemacht.
Wer nicht nach Hollywood emigrierte, ermordet wurde oder selbst voller Verzweiflung den Freitod suchte, engagierte sich mit dem Terror-System.
Und alle hatten, wie auch später die DDR Künstler eine Ausrede:
"Sie wollten nur spielen"
(Götz George in seiner großartigen Rolle als Heinrich George, sein Vater).
Gäbe es die Filmförderung nicht, ARD und ZDF nicht, der deutsche Film wäre schon lange mausetot.
Aber vielleicht entsprechen die Filme ja dem heutige seichten Publikumsgeschmack, siehe "Fack you Göthe" oder "Kokowääh".
Diese sogenannten Zotenkomödien spielen wenigstens noch die Produktionskosten und ein bisschen mehr ein.

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konterspieler 02.10.2019, 16:38
6. "Die deutsche Kinobranche" gibt es gar nicht!

Warum wundern sich deutsche Filmjournalistinnen immer noch über "den deutschen Film", den es auch nicht gibt! Wann recherchieren deutsche Filmjournalistinnen endlich den Fakt, das "der deutsche Film" weder Kinofilm ist, noch Film, sondern nichts als ein subalternes Gemien- und Redaktionen-Projekt, das jegliche Eigenständigkeit an die "Formate" von TV-Anstalten widerstands- und widerspruchslos abgetreten hat und so sehen auch die meisten seiner Produkte aus. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Der Wurm sitzt da tief im Gebälk, wo die Produktionsmittel für deutsche Filme seit Jahrzehnten an die falschen Projekte und Produktionen verteilt werden, wohingegen ungewöhnliche, originelle, eigenwillige, filmisch ambitionierte Kinofilmprojekte schon seit langem kaum noch eine Realisierungschance erhalten. Die allseitige Bevormundung der allseitig reduzierten Persönlichkeiten Regisseurin oder Regisseur hat den "deutschen Kinofilm" in der Tiefebene des Banalen, des Durchschnittlichen und des Bevorschrifteten festgesetzt. Dagegen kommt kein Filmemacher an, weder männlich noch weiblich...
Aus diesem Konglomerat entsteht der ästhetische Kompromissfilm, der Sie so unamüsiert zurücklässt! - Wo Sie anfangen sollen zu recherchieren, um dem Thema auf den Grund zu gehen?
Ganz einfach, dafür gibt es doch einen berühmten Standardsatz aus dem Kino: "Follow the money...!"

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TGX 02.10.2019, 19:31
7. Danke ...

... für die Warnung, aber deutsche Filme nehme ich eh' nicht mehr ernst. Da gibt es weiß Gott Besseres.

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mtwain 02.10.2019, 20:57
8. Bedeutungslose Bedeutsamkeit der Kommentare -

Da wird ein großes historisches Bild von Helmut Schmidt benutzt, um den wichtigen deutschen Kanzler auf seine Wehrmachtsrolle zu reduzieren. Da wird ein durchschnittlicher Film benutzt, um den deutschen Film insgesamt zu diskreditieren. Das ist eine ziemlich ärmliche Wichtigtuerei und kann durch angelerntes Wortgeklingel zwischen Taz und Neon nicht versteckt werden. Diese Methode , nur in reziproker Form, erinnert an das Feuilleton den Springerpresse bis 1990 !

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Hudson, Jane 03.10.2019, 09:29
9. Whitney Schnuck

Unsere Kultur mit ihren Dichter- und Malerfürsten, ihren philosophischen Göttern und ihren übergroßen Komponisten sucht den Nebel der Bedeutung, dem das Kunstwerk entrissen wird. Dieses Priesterliche, dieses Entsagende, dieses grundsätzlich Metaphysische löst auch alles Irdische zuverlässig auf. Was hier ist, zählt nicht. Man kann das nicht besser aufrufen als mit Whitney Schnuck. Und es dann ungenutzt liegen lassen.

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