Forum: Kultur
Deutschland vor dem WM-Finale: Fußball, ein Ammenmärchen

Ein Weltmeister-Titel würde Deutschland nicht verändern. Die Nationalelf sagt nichts über den Zustand dieses Landes aus. Der WM-Patriotismus täuscht über eine Leerstelle hinweg, die von Politik und Kultur besetzt werden müsste.

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yast2000 11.07.2014, 14:50
1. Es geht um Normalität.

Beim Fußball geht es um Normalität, und zwar abseits der Geschichte, und diese unpolitische Normalität ist psychologisch ein Segen für dieses Schland. Erst nach dieser Erkenntnis wird völlig zu Recht weiter gebasht... ;-)

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NervösesHemd 11.07.2014, 15:15
2. Öhm...

Zitat von sysop
Ein Weltmeister-Titel würde Deutschland nicht verändern. Die Nationalelf sagt nichts über den Zustand dieses Landes aus. Der WM-Patriotismus täuscht über eine Leerstelle hinweg, die von Politik und Kultur besetzt werden müsste.
was lese ich da in dem Artikel? Es gäbe keine DAX-Vorstände, die Khedira oder Özil heißen?
Ich frage mal kurz Ansu Jain (Deutsche Bank), was er meint. Oder Francesco de Meco von Fresenius (auch im DAX). Frau Carreiro-Andree (Vorstand BMW) ist leider zu Tisch, usw. usw.

Nun ja, an manchen zieht das Leben einfach vorbei.
Und zu meinen, dass so eine WM ein Land nicht wirklich verändert, das ist doch... (aber nun wirklich) genau richtig. Kein Fußballfan erwartet das, wirklich niemand.
Wir haben einfach nur Bock auf das Endspiel und leben gerne in Deutschland. Über Mesut und Sami freuen wir. So einfach ist und doch so viel.

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etemenanki 11.07.2014, 15:16
3.

Zitat von sysop
Ein Weltmeister-Titel würde Deutschland nicht verändern. Die Nationalelf sagt nichts über den Zustand dieses Landes aus. Der WM-Patriotismus täuscht über eine Leerstelle hinweg, die von Politik und Kultur besetzt werden müsste.
"Die Frage ist dagegen, was Deutschland nach 1989 außer der Freude über die Wiedervereinigung Neues hervorgebracht hat - und auch das ist ja etwas Altes, etwas nach hinten Gerichtetes.

Vielleicht ist das der Grund für den Fussball-Patriotismus, der eine Leerstelle besetzt, die man politisch, kulturell, gesellschaftlich füllen müsste."

Insgesamt ein schöner Kommentar. Ich würde "die Kraft des Fußballs" aber nicht unterschätzen - nicht das Spiel bzw. die Nationalmannschaft an sich, sondern die gesellschaftlichen Dynamiken, die sie hervorbringen kann.
Nach dem traumhafte "Sommermärchen" 2006 ist unser Ansehen weltweit gestiegen, "Das Wunder von Bern" 1954 gilt oft als eigentliche Wiedergeburt Deutschlands. Man nehme jetzt die kollektive Trauer und Wut, das schwer gekränkte Selbstbild, in Brasilien nach der schweren Niederlage - durchaus möglich, ja sogar höchstwahrscheinlich, daß das Potential zu gesellschaftlichen Umbrüchen hat ( evtl. zerstörerischen: Unruhen, vielleicht auch positiven: kritische Hinterfragung der hysterischen Vergötzung des Fußballs als nahezu allein sinnstiftend.)

- Was die "Leerstelle" betrifft, die bei uns gefüllt werden muß, und die Sie mit der Wiedervereinigung vergleichen - nun ja, es ist durchaus möglich, daß sich gerade ähnlich Historisches anbahnt, und wir auch unseren anderen Großen Bruder bitten werden zu gehen :-). Der Grundstein könnte jedenfalls gestern mit der Ausweisung des obersten US-Spions gelegt worden sein. ( Ich gehe davon aus, daß noch ganz andere Kaliber herauskommen werden. Wenn ja, hat ein vom Stolz auf den WM-Titel erfaßtes Land evtl. eher den Mut dazu.)

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pechblende82 11.07.2014, 15:26
4. Tugend und Untugend: auf das Verhältnis kommt es an

Ich finde , dass Jogi Löw in seiner ruhig-zurückhaltenden, klugen Ernsthaftigkeit (bei hoher Professionalität) sehr wohl Eigenschaften eines Teils unseres Landes vertritt. Und es ist nicht ganz Zufall, dass er aus dem Bundesland stammt, in dem nachdenkliches Tüfteln und Präzisionsarbeit die größten Erfolge deutscher Wirtschaft hervorgebracht haben. Als Gegenpart geringerer Tugend mag das Desaster vom Berliner Flughafen stehen, deren Geburtshelfer Selbstüberschätzung, mangelnde Kompetenz und Verantwortungsgefühl, Extrovertiertheit ohne substanziellen Kern und offenbar auch Korruption stehen. Beides ist in unserem Land zu Hause; die erst beschriebene Tugendseite aber glücklicherweise relativ stark.

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telltaleheart 11.07.2014, 15:28
5. Fußball-Kult

Dammich provokativ dieser Text, aber erfrischend und wahr. Fußball, oder besser dieser Hype um Fußball und ganz besonders diese WM, ist eine Flucht ins Virtuelle. Hohles Ritual. Dabei ist gegen Fußball gar nichts zu sagen. Aber dagegen was daraus gemacht wird schon.

Denn wir reden hier über Männer die Ball spielen. Das kann man schön und spannend finden, muss man aber nicht. Denn schließlich ist das was die Männer dort tun letztlich unwichtig. Es ist Spiel und entscheidet keineswegs über das Schicksal unseres Universums, wie man manchmal denken könnte. Alles andere ist nur hinein interpretiert. Über unser Land sagt der Erfolg der deutschen Mannschaft allenfalls soviel, dass offenbar das Geld da ist einige der Männer aus aller Welt zu engagieren die dieses Spiel am besten können. Mehr ist da nicht.

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dissidenz 11.07.2014, 15:31
6. Ha, ha, ha...

Zitat von sysop
Ein Weltmeister-Titel würde Deutschland nicht verändern. Die Nationalelf sagt nichts über den Zustand dieses Landes aus. Der WM-Patriotismus täuscht über eine Leerstelle hinweg, die von Politik und Kultur besetzt werden müsste.
... wie aus dem Lehrbuch.
Ein Paradebeispiel eines deutschen Misanthropen.

Ich frage mich wie Herr Dietz jeden Tag die Kraft findet aufzustehen und nicht einfach zum sterben liegen bleibt.
Und welcher Erwachsene hält es neben so einem durchweg negativen Menschenexemplar länger als 5 Minuten aus ohne einzuschlafen oder mit den Augen zu rollen. "Pseudointelektuelles Gewäsch" Was anderes fällt mir dazu nicht ein.
Es ist Fußball, es soll Spaß machen, Wenn wir Weltmeister werden = supi, wenn nicht - dreht sich die Erde auch weiter... nächster Punkt. Ich kann mich mich natürlich diesen Banalitäten entziehen und mich zuhause einsam und traurig im Bücherregal vergraben. Tschüss... wir gehen dann mal feiern. Und ist es nicht das was am Ende eines Lebensweges interessiert... ein erfülltes Leben gelebt zu haben.

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mock-hypochondriac 11.07.2014, 15:38
7. Mal

sachte, Herr Dietz: genauso wenig, wie vor '89 alles nur bleiern und nazi-schuldgebeugt war, ist heute Deutschland keine blutleere Ansammlung von Leerstellen. Ich glaube nicht, dass gerade heutzutage die WM bzw. Fußball über die Maßen hinaus von der Politik instrumentalisiert wird. Vielmehr werden mit durchaus vorhandenem gierigen und ökonomischen Kalkül breite Massen dirigiert, entschärft und teilweise abgeschöpft. Vielleicht glauben sogar viele von denen, Fußball-Fans zu sein. Im Prinzip sind aber die seichten Fetisch-bedürftigen Gemüter, die sich zu Tausenden am Brandenburger Tor krakeelend die Beine in den Bauch stehen die gleichen, die an der Siegessäule strampelnd und schreiend der Ohnmacht nahe sind, wenn Obama sprechen soll.

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b42b 11.07.2014, 15:39
8. warten Wir die Energiestrukturanpassung, ...

doch mal ab?

Vielleicht kann uns China vermitteln, wie die Umsetzung struktureller Veränderungen für Mensch und Natur verwirklicht werden ... oder ist das europäische Konzept doch nachhaltiger?
Zeit haben jetzt jedenfalls die brasilianischen Nationalspieler und deren kollektives Umfeld wieder für substanzielle Lebensaufgaben, ohne Weltmeistertitel vielleicht, dafür mit einer Erfahrung, daß Leben seltener Sieg bedeutet und dafür öfter Kompromisse zu suchen wären ... ?

Nur das sind nicht die Regeln des Fußballspiels, "The winner takes it all", meint man naiverweise ... ?

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b42b 11.07.2014, 15:41
9. warten Wir die Energiestrukturanpassung, ...

doch mal ab?

Vielleicht kann uns China vermitteln, wie die Umsetzung struktureller Veränderungen für Mensch und Natur verwirklicht werden ... oder ist das europäische Konzept doch nachhaltiger?
Zeit haben jetzt jedenfalls die brasilianischen Nationalspieler und deren kollektives Umfeld wieder für substanzielle Lebensaufgaben, ohne Weltmeistertitel vielleicht, dafür mit einer Erfahrung, daß Leben seltener Sieg bedeutet und dafür öfter Kompromisse zu suchen wären ... ?

Nur das sind nicht die Regeln des Fußballspiels, "The winner takes it all", meint man naiverweise ... ?

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